Final Destination 3

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"Why would you worry about me? We don't even like each other, remember? "

Originaltitel: Final Destination 3
Herstellungsland: USA 2006
Regie: James Wong
Darsteller: Mary Elizabeth Winstead, Ryan Merriman, Harris Allan, Jessica Amlee, Texas Battle

★★½☆☆

final destination

Wieder einmal pfuscht eine Unheilsvision dem Plan des Todes ins Handwerk. Waren es im ersten und zweiten Teil des FD-Franchises ein Flugzeugunglück und eine Massenkarambolage auf der Autobahn, die jeweils ein jugendlicher Held vorhersah und damit eine Gruppe von Leuten rettete, die eigentlich auf der Todesliste standen, so muß im dritten Teil ein Achterbahnunfall herhalten. Im Mittelpunkt stehen zwei Paare, die zusammen mit vielen Klassenkameraden in die Devils-Ride-Bahn einsteigen. Wendy hat schon vorher ein ungutes Gefühl, der gesamte Rummelplatz wirkt auf sie bedrohlich, als sie für das Jahrbuch der Schule Fotos von ihren Klassenkameraden macht. Durch einen Zufall sitzt Wendys Freund neben ihrer Freundin und sie landet am Ende des Wagens mit deren Freund Kevin. An dieser Stelle schlägt die Vision zu und WANG, sieht sie die Achterbahn aus den Gleisen fliegen und alle grausam umkommen. Gott sei Dank, war die Szene wie in den anderen Filmen wieder nur eine Vorblende, die ihr genug Zeit lässt Panik zu bekommen und aus der Achterbahn auszusteigen, zusammen mit einigen ihrer Klassenkameraden.

Wie nicht anders zu erwartem wird die Vision Wirklichkeit. Ihr Freund und ihre Freundin sterben – sie bleibt mit Kevin und den anderen am Leben. Und wieder beginnt das alte Spiel, der Tod versucht sich diejenigen zu holen die dem Unglück entkamen und beginnt sie auf phantasievolle Weise durch kleine Alltagszufälle umzubringen. Immer schön in der Reihenfolge in der sie auf der Achterbahn gestorben wären.

Nachdem soliden ersten Teil, der nach langer Zeit mal wieder ein bißchen frischen Wind in das Teenie-Slasher-Genre brachte und dem unglaublich schwarzhumorig, originellen zweiten Teil, sitzt für Teil drei nun wieder James Wong im Regiestuhl, der schon den ersten Teil schrieb und inszenierte.
Leider orientiert er sich inhaltlich wieder eher am ersten Teil, versucht ernsthaftes Drama und grimmigen Realismus zu erzeugen, statt sich auf den überdrehten Funsplatter zu verlassen, der Teil zwei so erfrischend wegguckbar machte.

Trotz eines nicht geringen Aufwandes, wirkt FD3 leider insgesamt kleiner und weniger spektakulär als seine beiden Vorgänger. Alles ist irgendwie eine Nummer billiger. Der Computergenerierte Achterbahncrash sieht streckenweise genauso billig aus, wie man es im Trailer erahnen konnte und überzeugt eigentlich nur auf der Soundebene. Im Bild rettet man sich auf eine wacklige Kamera die meist nur erahnen lässt was grade passiert. Alles ist verwischt und unruhig und die Nahaufnahmen lassen das ganze eher klein und überschaubar erscheinen.
Die Todesszenen der Darsteller, im Grunde der Suspense-Dreh- und Angelpunkt jedes FD-Films wirken auch ein wenig wie ein Abklatsch der beiden Vorgänger. Man schien sichtlich bemüht den "Wow"-Effekt der legendären Busszene aus dem ersten Teil zu wiederholen, vergisst dabei aber, das seit damals einige Jahre ins Land gezogen und solche Momente mittlerweile ausgesprochen vorraussehbar sind.  Dort wo es splattert tut es das schnell und schlecht erkennbar, oft mit CGI-Hilfe. Bestes Beispiel dafür ist die Szene im Fitnesstudio, die einen ewig in die Länge gezogenen "Ha nix passiert und dann passiert es doch"-Moment aufweist, der nun wirklich so niemand mehr schocken dürfte. Die Splattermomente sind selten wirklich originell oder gut getimed, dafür aber stellenweise recht sadistisch. Der Tod zweier Dummblondchen die im Solarium geröstet werden, ist breit ausgespielt und hätte sicherlich auch weniger voyeuristisch, sich weniger am Geschrei der Opfer weidend inszeniert werden können. Aber vielleicht dachte James Wong ja, nicht zu Unrecht, daß das Publikum das in Gurken wie "Saw 2 " und "Hostel" reinrennt, heutzutage solche Folterszenen sehen möchte.

Größtes Problem des Films, das ihn zum schwächsten der Serie werden lässt ist aber vor allem sein Drehbuch. Schafften es die ersten beiden Teile mit wenigen Szenen die Hauptfiguren glaubwürdig zu skizzieren, sie sympathisch oder zumindest interessant zu machen, so versagt FD3 an dieser Stelle völlig. Die lange Einführungsszene auf dem Rummel vermag zwar eine ungute Stimmung zu erzeugen, sie schafft es jedoch nicht, einen auch nur einen Deut für einen der Akteure zu interessieren. Unterdurchschnittliche Darsteller in deutlich unterschriebenen Rollen, geben irgendwelche Banane-Sätze von sich. Ob Wendy, Kevin oder der Rest der Bande, keiner hat genug Persönlichkeit, daß es einen wirklich schert ob sie nun über den Jordan gehen oder nicht.
Nachdem die beiden Vorgänger auch schon gewisse Regeln ausformuliert haben, das es möglich ist den Plan des Todes auszutricksen, in dem man a) die Unfälle vorausahnt und vereitelt oder b) neues Leben in die Welt bringt, das so nicht geplant war, fehlt es dem dritten Teil auch an irgendeiner neuen Idee, die ein Spannungselement in die Handlung bringen würde. Kevin udn Wendy haben über das Internet mal wieder recherchiert, daß es ähnliche Vorfälle schonmal gegeben hat mit Flug 180 und der Massenkarambolage auf Freeway 180, aber damit hat es sich dann auch schon. Den Rest der Zeit verbringen sie damit von einem kommenden Opfer zum nächsten zu fahren nur um mittzuerleben, wie es direkt vor ihren Augen stirbt. Da aber alle Opfer eher langweilig und unsympathisch sind, ist das im Endeeffekt auch egal und nur bedingt spannend.
Die Todesszenen sind zwar zum Teil wieder ganz nett aufgelöst, wirken aber weniger plausibel als in den Vorgängern, bzw wirken zu zerfasert als das man die Kettenreaktionen kleiner Zufälle noch wirklich nachvollziehen kann.

Vielleicht hätten sogar die ausgesprochen schwachen Darsteller noch was retten können, wenn James Wong die Story nicht optisch wie stimmungsmässig so ernsthaft inszeniert hätte, als gelte es großes Gefühlskino zu orchestrieren. Da wabert die Musik, die Kamera guckt in verregneten Himmel und verheulte Gesichter. Geschwister gestehen sich ihre Verwundbarkeit und ausser den Hauptdarstellern scheint kaum jemand von der ganzen Sache Notiz zu nehmen. Relativ humorlos werden die Kandidaten einer nach dem anderen abgefrühstückt. "Warum solltest du dich um mich sorgen? Wir mögen uns doch nicht einmal", bringt einer der Darsteller das Dilemma des Publikums auf den Punkt. Es fehlt einfach die Empathie, der Moment der die Figuren über ihre Funktion in der Story hinaus interessant macht. Sie lebendig wirken lässt.
Daß das alles etwas fade ist und nicht reicht scheint selbst der Regisseur gemerkt zu haben, wurde doch, wie schon bei Teil eins, nochmal ordentlich nachgedreht und eine zweite Katastrophenszene am Ende eingefügt, die aber leider genau wie die Achterbahnsequenz im wesentlichen aus Schreien, Funkensprühen und Wackelkamera besteht.

Der ironische Kick, die augenzwinkernde Stimmung der Vorgänger – und besonders des zweiten Teils – fehlen hier völlig und so will sich wenn die Abspannmusik läuft und die Credits ins Bild knallen, auch nicht jenes aufgedrehte positive Gefühl einstellen, das FD1 und 2 auszeichnete. Zusehr wird in den holprigen Dialogszenen bedeutungsschwer auf großes Drama gemacht, als das man das ganze als comichaft überzeichneten Spaß lachend verlassen möchte. Gleichzeitig ist man aber auch relativ unberührt vom Gesehenen, weil alle Figuren im wesentlichen nur Schachfiguren waren ohne eigenen Charakter. Selbst Tony Todd, als morbider Leichenbeschauer eine Art Maskottchen der Serie darf diesmal nur als Stimme auftreten. Er spricht den Teufel in der Achterbahn und den Fahrer des Todeszugs am Ende. Wenigstens dort hätte man ihn ja auch mal leibhaftig auftreten lasen können.

Ich will nicht zu früh unken, der Franchise hat sicher noch Potential für einen vierten Teil, aber vielleicht sollte man dann doch wieder Leute dran lassen die mit etwas Spaß an die Sache rangehen. Was Herr Wong und Drehbuchautor Morgan hier abgeliefert haben wirkt wie eine recht freudlose Pflichtübung. Kann man gucken. Muß man aber nicht.

In : Review

About the author

Batzman (Oliver Lysiak)
Oliver “Batz” Lysiak geboren in den 70ern, studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Heute betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, Deutschlands erfolgreichstes Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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