Hooligans

5

"Hautse hautse.. immer auffe Schnauze…"

Originaltitel: (Green Street) Hooligans
Herstellungsland: Großbritannien / USA 2004
Regie: Lexi Alexander
Darsteller: Elijah Wood, Charlie Hunnam, Claire Forlani, Marc Warren

★★☆☆☆

Hooligans

Okay, ich gebe zu Fußball ist jetzt nicht grade ein Sport dem ich sehr viel Empathie entgegenbringe.

Ich gebe auch zu, das der Hauptgrund warum ich mir Hooligans angesehen habe der war, das ich sehen wollte ob die beiden Berufspurzel Charlie Hunnam (Queer as Folk) und Elijah Wood (Lord of the Rings) es überzeugend schaffen, ein paar toughe Typen zu spielen.

Zur Handlung: Der junge Matt Bruckner fliegt aus Harvard raus, weil er für einen Studienkollegen Drogenbesitz auf sich genommen hat. Das der Kollege ihn verarscht hat, merkt er zu spät. Um sich abzulenken reist er nach London und besucht seine Schwester und ihren Mann Steve. Der war früher einmal Anführer einer "Firm" wie sich die militanten Fußballfans eines Vereines nennen, seiner Familie zuliebe hat er sich jedoch aus der Szene zurückgezogen. Sein Bruder Pete hat seine Nachfolge angetreten. Er freundet sich schnell mit Matt an und führt ihn das Leben der Hooligans ein, deren schönstes Ziel es ist sich mit gegnerischen Fans auf die Fresse zu hauen. Anfangs noch geschockt, entdeckt Matt bald den Reiz dieser Blut und Boden-Spielchen und wird zum aktiven Mitschläger. Da er von Haus aus Journalistikstudent ist, schreibt er seine Erfahrungen in einem Tagebuch nieder, was zum Eklat führt, als die Mitglieder der Firm dahinterkommen. Pete stellt sich vor Matt, kann aber einen Bruch nicht verhindern. Ein frustriertes Mitglied der Green Street Hooligans gibt einer feindlichen Firm einen Tipp und es kommt zum finalen Kampf, auf Leben und Tod, in den auch Steve widerwillen hineingezogen wird.

Hmpf. What a mess. Nach dem Film fehlten mir erstmal die Worte. Lexi Alexander, die deutschstämmige Regisseurin und frühere Kickbox/Karatemeisterin, verkauft einem unter dem Deckmäntelchen der Auseinandersetzung mit dem Thema Hooligans, eine ziemlich perfide Botschaft.

Ähnlich wie in Fight Club die Grundaussage "Es ist geil sich aufs Maul zu hauen, weil man nur so der verweichlichenden Zivilisation entkommt und wieder sein wahres Ich entdeckt" nicht wirklich hinterfragt oder karikiert wird, so läuft auch Hooligans auf der verständnisvollen Schiene. Gewalt ja bitte, aber man muß lernen wo die Grenze ist. Die Konsequenz die Elija Woods Figur aus dem Schlußgemetzel zeiht ist nicht, das grundsätzlich etwas falsch daran ist sich gegenseitig die Fresse zu polieren und für difuse, dümmliche Ehrbegriffe das Leben zu riskieren, sondern lediglich, das man nicht bis zum Letzten gehen sollte. Blut, Knochenbrüche und Prellungen sind toll und geben dir ein geiles Gefühl von Körperlichkeit und Kameraderie, nur totschlagen sollte man nicht gleich.

Vielleicht hat die Nähe zur Hau-Drauf-Szene den Blick der Regisseuse etwas getrübt, "going-native", wie man in der Soziologie sagt, wenn ein Forscher sich zu sehr mit der untersuchten Personengruppe gemein macht. Vielleicht hat Frau Alexander zu Kickboxzeiten aber auch einfach zu oft einen an die Marmel bekommen, das sie so unkritisch und letztlich glorifizierend dem Hooliganismus ein Denkmal setzt. Echte Kerle brauchen einfach neben dem langweiligen Alltagsjob einen vernünftigen Zeitvertreib und das ist unter Fußballfans eben gerne mal der Kampf des Proletariats untereinander.

Am Ende geht Elijah Wood gestärkt als Überlebender aus der tödlichen Schlacht hervor, er kann sich endlich durchsetzen und den Weicheiern in Harvard mal zeigen wo der Bembel hängt. Und seine tolle Zeit mit dem Schlagetot-Gesindel seiner "Firm" wird er auf ewig im Herzen tragen. Ja so tolle Freunde findet man selten.

Technisch kann man dem Film wenig vorwerfen. Kamera, Schnitt und Musik stehen im Dienste der Sache und zaubern ein perfektes Heldenbild der Szene. Auch die schauspielerischen Leistungen wissen zu überzeugen. Hunnam strampelt sich erfolgreich vom Bübchen-Image frei und portraitiert überzeugend den Hooligan-Führer Pete, der wenn er mal grade kein Köpfe eindrischt liebevoll den Nachbarskindern Fußballspielen beibringt. Elijah Wood macht seine Sache im Rahmen der Möglichkeiten auch ganz gut, wobei es mit seinem Aussehen nicht eben einfach ist, böse dreinzuschauen. Die übrige Besetzung, von denen einige wohl aus der echten Hooligan-Szene rekrutiert wurden, passen ebenfalls wie ähm.. Faust aufs Auge. Die Kampfszenen sind energiegeladen und dynamisch in Szene gesetzt und geschnitten, die Musikuntermalung martialisch treibend.

Die Handlung selbst bleibt überschaubar, größere Wendungen und Überraschungen gibt es nicht, es bleibt der Wechsel der VordemKampf / NachdemKampf-Szenen und irgendwann ist das Ganze dann vorbei.

Bedenklich ist das ob seiner technischen und darstellerischen Qualität, die ausgesprochen fragwürdige Aussage des Films verharmlost wird.

Nur weil gezeigt wird das Menschen sterben, spricht der FIlm sich nicht unbedingt gegen Gewalt, gegen Hooligans aus. Er verkitscht und romantisiert die Szene als Ort echter Freundschaft und Brüderlichkeit und kritisiert lediglich gewisse Spitzen, aber nicht das Phänomen an sich. Ich ertappte mich beim Anschauen bei dem Gedanken, wie wohl ein Film über die militante Neonazi-Szene ausgefallen wäre, wenn Frau Alexander sich dem Thema annähme.

Es bleibt unterm Strich ein unerfreulicher, pseudokritisches Filmchen, mit prominenter Besetzung das in den Reihen echter Hooligans wohl nur deshalb wenig Fans finden wird, weil Charlie Hunnams Cockney-Akzent so fake klingt, Elijah die Hauptrolle spielt und die ganze Fan-Szene, dem vernehmen nach, nicht sehr akurat wiedergibt. Das der Driss direkt auf DVD erscheint und keine Kinosäle verstopft finde ich in diesem Zusammenhang das einzig erfreuliche.

In : Review

About the author

Batzman (Oliver Lysiak)
Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • Stevie

    Ich weiss irrgend wie nicht, wie Elijah Wood in diesem Filmprojekt gelandet ist. Auch bei dem Film “Faculity – Traue keinem Lehrer”
    habe ich mich das gefragt. Okay, da passte es dann noch so halbwegs,
    Wood, der Teenie trifft auf Aliens. Hier passt es irrgendwie nicht so
    wirklich. Das spielen von Wood wirkt hier mehr gestellt und die Mimik
    (mit welcher Wood sonst hervorragend spielt und ueberzeugt (sein
    Blick und die Augen)) eher aufgesetzt und gequaellt. Nick Stahl (Dich
    kriegen wir auch noch, Terminator 3) waere fuer die Rolle besser ge-
    eignet. Elijah Wood passt eindeutig besser in Dramen und Fantasiefilme
    (Herr der Ringe Trilogie, Flipper (Reamake mit Paul Hoagen), Radio Flyer, Das zweite Gesicht, Die Abenteuer von Huck Finn, North – Eltern
    nein Danke)

  • SuppenkaZper

    football factory ist hier eindeutig die besser Wahl..

  • triefer

    auch wenn ich beim rewiew größtenteils der gleichen meinung bin finde ich doch dass dieser film- unabhängig ob nun fußball fan oder nicht – sehr mitreßend gespielt ist und ein toller film über zusammenhalt,freundschaft und kameradschaft gezeigt wird ob nun realistisch oder nicht.diesen film kann ich nur weiterempfehlen

  • Ave

    Na, also ich habe ihn gerade gesehen und ich finde Batzmann trifft es auf den Punkt. Obwohl ich eine Wertung von 2,5/3 vergeben hätte.

  • knalltüte

    hast völlig recht, batzman, mehr als fragwürdig, diese botschaft. habe schon ne menge deiner kritiken gelesen und diese hier ist die erste, die ich zu 100% unterschreiben würde.

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