“Seems the one who really missed the ship, was me…”
Originaltitel: Poseidon
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Wolfgang Petersen
Darsteller: Kurt Russel, Richard Dreyfuss, Josh Lucas, Mike Vogel, Emmy Rossum, Kevin Dillon





Auf und nieder, immer wieder. Mit der Poseidon ist es wie mit der Titanic oder einem Yoyo, sie geht immer wieder gerne unter. So auch in der Neuverfilmung des Katastrophenfilm-Klassikers “Die Hölllenfahrt der Poseidon” von 1972. Die Story ist die gleiche geblieben: Am Silvesterabend wird das Luxuskreuzfahrtschiff Poseidon kurz nach Null Uhr von einer gigantischen Welle erfasst und herumgewirbelt. Sie endet Kieloben im Meer dümpelnd, derweil sich eine Horde überlebender auf dem Weg macht vom Ballsaal gen Heck zu krabbeln in der Hoffnung dort gerettet zu werden. Statt Ernest Borgnine, Shelley Winters und Co. dürfen sich diesmal der altgediente Katastrophenrecke Kurt Russel, nebst Tochter und deren Freund, Richard Dreyfuss als depressiver Altschwuler, sowie Nebenrollen-Hengst Josh Lucas und die üblichen Schreifrauen und Kinder durch den havarierten Kahn kämpfen.
Zeit also mal wieder für einen Popcornfilm, dachte man sich. Drehen wir doch mal Titanic, aber diesmal für Männer. Ohne Celine Dion-Geschnulze, ohne Postkartenkitschbilder, ohne König-der-Welt-Gesabbel. schmierige Arbeiterromantik, verkackte Anschmachtmomente und ohne dicke Frauen am Bug die Eisberge anlocken. Drehen wir ein Remake von “Poseidon Inferno”.
Das Original war einer meiner Lieblingsfilme und das nicht nur wegen der hysterisch-komischen Shelley Winters. Die Story machte einfach Spaß und es war weniger sülzig als die Airport-Filme die einen später nervten. In diesem Sinne hat Petersen dem Original keine Schande angetan. Poseidon ist ein schnörkelloser Katatstrophenheuler ohne Tiefgang und mit weitgehend schicken Effektszenen. Überhaupt gibts optisch durchaus ein paar sehr nette Momente, verspielte Kamerafahrten rund um den Luxuscruiser, Tauchschüsse unter der herinbrechenden Welle hindurch. Das Sounddesign ist dabei etwas mager, erfüllt aber durchaus seinen Zweck. Auf der Strecke bleiben natürlich die Figuren, über die man allesamt fast nichts erfährt und die mit ein zwei Charakterzügen nur grob gezeichnet werden. Wer jeder ist oder welche Rolle er im Leben vor der Katastrophe gespielt hat, ist letztlich egal. Es gibt kein Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren, das über das Unmittelbare hinausgeht. Was aber auch seine positiven Seiten hat, bleiben einem doch so unrealistische Hahnenkämpfe und Liebesromanzen durchweg erspart. Keine verliebten Anschmachtereien unter Wasser, kein “Wer hat ihnen eigentlich gesagt das sie der Boss sind”-Schlägereien bei steigendem Pegel. Die Figuren konzentrieren sich ausnahmsweise mal wirklich darauf, aus dem Schiff herauszukommen, anstatt ihre Problem auszubreiten. Fiel einem James Cameron angesichts tausender, sterbender Menschen und eines untergehenden Schiffes nichts dümmeres ein als noch eine Verfolgungsjagd und Schießerei im Getümmel zu inszenieren, weil ein Schiffsuntergang alleine ja nicht sehr spannend ist, begnügt sich Petersen dankenswerter Weise damit die Katatstrophe selbst ins rechte Licht zu rücken. Als wisser er um die Erwartungshaltung des Publikums, das Soapelemente in Katatstrophenfilmen gewohnt ist, deutet er bekannte Szenen an, um sie dann ironisch beiseite zu wischen. Wenn die Tochter dem Vater gesteht, daß ihr Freund um ihre Hand angehalten hat, fegt im selben Moment eine andere Figur durchs Bild und erinnert sie daran, daß es im Moment wichtigeres gibt: “Sorry if I interreupt you’re family therapy, but…”
Ohne Ausschweifungen oder größere Hänger flüchten die Protagonisten vor dem immer nahenden Wasser. Das ist nicht sehr originell oder tiefgründig, aber durchaus temporeich und spannend inszeniert. Eine wirklich fiese Szene hat er auch zu bieten, wenn Richard Dreyfuss gezwungen ist um sein eigenes Leben zu retten, eine Steward der sich an ihm festklammert abzuschütteln und in den Tod stürzen zu lassen.
Was das Kommando angeht und die Hierarchie, hält sich Petersen ebenso konsequent an die Vorbilder aus den 70ern. Emanzipation war gestern, die Rollenverteilung ist klar: Die Männer entscheiden wo es langgeht, die Frauen sind dauernd in Panik oder schreiender Ballast und das Kind (das sich bis dahin mäusezähnig im Hintergrund gehalten hatte) muß im unpassenstens Moment wegdackeln um mal alleine das Schiff zu erkunden. Was wirklich der einzige Moment war in dem ich mir gewünscht hätte einen der Darsteller zu erdrosseln.
Schauspielerisch ist soweit alles im grünen Bereich, niemand fällt negativ auf, allerdings hinterlässt auch ausser Kevin Dillon als besoffener Schmierlappen, kaum eine der Figuren einen bleibenden Eindruck, weswegen sich die emotionale Beziehung zu ihnen auch eher in Grenzen hält. Aber was solls, es ist eine Augenfilm, der wirklich nicht mehr liefert als routinierte Unterhaltung. Das macht er ziemlich gut, ohne das er sich dabei sonderlich wichtig nimmt. Wolfang Petersen beweist sich hier als solider Handwerker, der seine Story effektiv durcherzählt.
Vielleicht kein Mädchenfilm, weil einfach die Kitsch- und Romantikmomente völlig fehlen, wenn man mal von der geschmacklosen Musik im Abspann absieht, aber auf jeden Fall gibts ordentlich “bang for your bucks”.
Gelangweilt hab ich mich trotz dieser Dienst-nach-Vorschrift- Umsetzung jedenfalls nicht, auch wenn ich die Kritik schnell nach dem Kinobesuch schreibe, weil ich vermute, daß die Erinnerung an Poseidon schon bald verblassen wird.
Jo. Passt schon.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 26th, 2006 •
- 7 Kommentare









































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