American Dreamz

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“Boo!”

Originaltitel: American Dreamz
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Paul Weitz
Darsteller: Dennis Quaid, Willem Dafoe, Hugh Grant, Marcia Gay-Harden

★★★½☆

American Dreamz

Ganz Amerika fiebert mit, als die neue Staffel der Erfolgsshow “American Dreamz” ansteht. Wieder soll ein neues Gesangstalent gefunden werden, daß sich gegen hunderte Mitbewerber durchsetzt.

Martin Tweed (Hugh Grant), der Produzent und sympathisch-aalglatter Master of Ceremony hasst seinen Job im Grunde, ist aber Profi genug sich nichts anmerken zu lassen. Sein Motto ist, wenn man an der Spitze steht, gibt es nur einen Weg: Weiter nach oben, Abstieg ist keine Option. Wer einmal nachlässt ist tot.

Zur gleichen Zeit befindet sich die Regierung in der Krise. President Staton (Dennis Quaid), ein eher simpler Mann der bislang von seinen Beratern durch die Widrigkeiten des Regierungsgeschäfts manövriert wurde, bekommt plötzlich Zweifel an der Richtigkeit seines Handelns. Statt der offiziellen Dossiers mit informationen zum Thema zu lesen, zieht er sich in sein Schlafzimmer zurück und beginnt Tageszeitungen zu wälzen. Auch solche die nicht auf Regierungslinie liegen. Seine Berater, allen vorran Chris Klein (Willem Dafoe) zeigen sich besorgt, die Öffentlichkeit wundert sich über den verschwundenen Präsidenten.

Um die Lag ezu entspannen beschließt man eine PR-Offensive und bucht den Präsidenten bei dutzenden Öffentlichkeitsterminen: Talkshows wie Ophrah und Larry King und natürlich auch in Amerikas Unterhaltungssendung Nummer Eins: American Dreamz. Dort soll der Präsident für eine Sendung die Jury verstärken.

Moderator Tweed stellt derweil schon die Besetzung für die Show zusammen, die diesmal noch publikumswirksamer sein soll. Eine blonde Vorzeigetussi, deren Freund grad aus dem Krieg heimgekehrt ist. Ein rappender Jude und ein Musical-vernarrter Araber werden ins Finale gepusht. Dumm nur daß sich der Araber als Schläfer entpuppt, der jetzt reaktiviert wird um im Finale den Präsidenten zu töten.

Paul Weisz, ja jener welcher der für American Pie verantwortlich ist (und der mit About a boy bewiesen hat, das er auch gute Filme drehen kann), liefert mit American Dreamz eine als Komödie getarnte bösartige Satire ab. Leichtfüssig und bisweilen breit ausgespielt reiht er seine Szenen aneinander, die von seinen Schauspielern souverän am Rande der Karikatur gespielt werden. Dennis Quaid als unsicherer Bush-Verschnitt ist genau wie Willem Dafoe erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Hugh Grant demontiert als manipulatives, charmantes Medien-Arschloch genüßlich sein Image und auch die Nebenrollen sind allesamt trefflich besetzt. Sam Golzari als Schläfer wider willen, überzeugt ebenso wie Mandy Moore als berechnender Wow-Blondchen.

Die beschwingte Stimmung des Films überdeckt fast bis zum Schluß die bittere, zynische Story, in der sich die Scheinwelt der Casting-Show mit der Realpolitik überschneidet. Letztlich geht es um Marionetten, darum wie die Öffentlichkeit durch geschickte PR-Profis genauso gelenkt wird, wie die Figutren die im Rampenlicht stehen. Die Kandidaten bei American Dreamz sind genauso ferngesteuerte Püüpchen, wie der Präsident, dem seine Berater über einen versteckten Ohrhörer einflüstern was er zu sagen hat.

Attentäter Omar wird von seinen fanatischen Auftraggebern ferngesteuert. Ob und wie sich die Figuren aus der Fremdbestimmung lösen, wieweit man sich der Fremdsteuerung durch Propaganda und Medien entziehen kann, das sind die eigentlichen Themen des Films. Die serviert er aber so süffig, daß auch das Meinstreampublikum bedenklos in den FIlm gehen kann um sich berieseln zu lassen.

Man mag monieren, das der Film jemanden wie Bush verharmlost, wenn er ihn als reine Marionette darstellt die keine Eigenverantwortung trägt, aber wer das letzte Christiansen-Interview mit Mr. President gesehen hat (“Ach, so hab ich das noch gar nicht gesehen..”), der fragt sich schon, ob der Film nicht näher an der Wahrheit ist, als es uns lieb sein kann. Gefährlicher als Bush sind allemal die Leute die hinter ihm stehen. American Dreamz ist eine süße Comedypraline mit einem bitteren Kern.

Durch die Leichtigkeit mit der der Stoff serviert wird und dem Understatement an Anspruch, mit der der Film verkauft wird, funktioniert er auf vielen Ebenen wesentlich besser als auf Schock und Tiefgründigkeit getrimmte inhaltliche Luftnummer wie zuletzt Lord of War .

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  1. dodo

    Toller Film! Hab mich Kaputtgelacht und die botschaft kam zwar mit dem Vorschlaghammer aber immerhin!

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