Die Chroniken von Narnia… 1

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"I think you've made a mistake. We're not heroes! "

Originaltitel: Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch & the Wardrobe, The
Herstellungsland: USA 2005
Regie: Andrew Adamson
Darsteller: Georgie Henley, William Moseley, Skandar Keynes, Anna Popplewell, Tilda Swinton


★½☆☆☆

Narnia gören
Narnia Kinder beim in der Gegend herumstaunen

Zur Beachtung: Review enthält Spoiler

Zweiter Weltkrieg, vier Kinder werden aus nicht näher genannten Gründen zu einem obskuren Professor aufs Land evakuiert. Beim Versteckspiel im riesigen Landhaus entdecken sie das ein Wandschrank der Zugang zu einem Land namens Narnia darstellt. Dort angekommen werden sie als die lang erwarteten Retter und Thronfolger empfangen, die das Land von der Herrschaft einer bösen Schneehexe befreien sollen. Eines der Kinder, Edmund, läßt sich von der Hexe verführen und bringt alle in Gefahr. Der mächtige Löwe Aslan opfert sich für ihn. In einer großen Schlußschlacht werden die Horden der Hexe besiegt. Die Kinder können aus dem Schrank kommen.

Ich ging mit gemischten Erwartungen in den Film. Leider war das ganze dann nichtmal ein gemischtes Vergnügen, sondern doch sehr gleichmässig anstrengend. Hauptsächlicher Nervfaktor sind die Kinder, die ich den schlimmsten Super-Nanny Kandidaten nicht wünsche. Zwei nervige mopsgesichtige Mädchen die aussehen, wie geklonte Rene Zellwegers – beide mit je einem Gesichtsausdruck: Die Kleine muß permanent niedlich erstaunt ihre Milchzähne blecken, die Ältere guckt immer etwas borniert und ungefickt aus der Wäsche. Die Jungen sind keinen Deut besser. Ein Lukas-Haas mit Bauchweh-Look-a-like darf den grummelnden Edmund geben. Und irgendein talentfreier Saubermann ohne jegliche Mimik spielt den strahlenden Königssohn Peter. So gut, so stark so laaaangweilig, das man schreien möchte. Nichts an diesen Blagen ist liebenswert, so aseptisch saubergeschrubbt eiern sie durch den weitgehend ereignislosen Film.
In Narnia ist trotz viel Gezetter im Grunde nicht viel los. Und warum die Gören als Erretter angesehen werden, und es nun ausgerechnet vier Menschenkinder braucht, die die dummen Untermenschen aus der Unterjochung führen wird auch nie recht klar. Sonderlich viel Charisma oder erwähnenswerte Talente haben die Youngster nicht aufzubieten. Edmund verrät für Schlickerkram und aus Naivität seine Familie, Peter ist zu doof ein Schwert richtigrum zu halten und man denkt immer er würde mit einem Lineal rumfuchteln. Die Mädchen müssen im wesentlichen erstaunt gucken oder heulen und tragen auch wenig zur Rettung Narnias bei. Eher stehen sie alle im Weg rum und man fragt sich ob der Löwe SicteLan nicht auch alleine mit der Schneeschlampe aufgeräumt hätte. Was an ihnen so huldigenswert ist, bleibt wohl Geheimnis von C.S. Lewis.

Adam Adamson, der mit den zwei Shrek-Filmen Sinn für Parodie, Ironie und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Herz und Hirn bewies, erliegt mit diesem Film leider völlig dem moralinsauren, spießig-hölzernen Charme der Vorlage.  Zwar kann er  in drolligen Nebenfiguren wie dem Biberpärchen, bei dem ich ständig erwartete das sie mir Dentagard mit dem Kräuterextrakten in den grünenStreifen ans Herz legen, oder dem von Rupert Everett gesprochenen Fuchs zeigen, das er etwas von Animationen versteht. Aber insgesamt erstickt der ganze Film am eigenen Pathos und der völlig ironiefreien schwarz-weiß-Moral. Löwen-Messiahs Aslan lässt jede Form von Humor vermissen, gegen ihne wirkt noch Mufasa aus dem König der Löwen als sympathischer uneitler Raubauz. Zwar ganz schick animiert, aber als Charakter eindimensional bis zur Erstarrung läd dieser selbstgerechte Monarch nicht wirklich zur Identifikation ein.
Einzig Tilda Swinton, von der einer meiner Begleiter im Kino meinte sie sähe in ihrem Kostüm aus wie das Eis des Jahres und müsste nur noch mit einer Kirsche garniert werden, hat augenscheinlich Spaß als frostige Megabitch den bösen Wutz zu verkörpern. Sie knallchargiert erfrischend albern zwischen Fabelwesen aus dem Mail-Order-Mythenkatalog und sorgt neben den drolligen Miniauftritten von Jim Broadbent als Professor und James MacAvoy als Faun, wenigstens für etwas schauspielerisches Fleisch in der ansonsten in niedlich guckenden Kinderdarstellern eingefrorenen Pseudohandlung.

Auch optisch wirkt das ganze wie die Baldrian-Version vom Herrn der Ringe . Zwar sind einige Tiere gut animiert und die Maskeneffekte aus den WETA-Workshop ganz solide, aber es fehlt letztlich die ordnende Hand, das wirkliche Konzept hinter den Bildern. Ich war nie beeindruckt vom Gesehenen, die vor Bluescreen gefilmten Kindern waren zu oft lieblos in die Hintergründe gestanzt und flackerten bei raschen Bewegungen, die Panoramaaufnahmen waren farblich zu belanglos als das wirklich ein Gefühl von Größe, von echtem Scope aufkommen konnte. Plantschende Kinderdarsteller in digitalblauem Wasser auf Plastikeisschollen wirken nunmal nicht sehr dramatisch. Und selbst die Schlussschlacht erscheint als ein matter Abglanz der Schlachten aus Return of the King . Das auch die Kämpfe blutleer und undramatisch vonstatten gehen, ja die Kinder kaum in Schweiß ausbrechen dabei und alles irgendwie so vorrüberplätschert, überrascht dann genausowenig, wie die Darstellung des Weihnachtsmannes als Waffenlieferanten, der nichts besseres zu tun weiß, als die Kinder bereit für den Kampf zu machen.
Zudem überlässt er ihnen so tolle magische Geschenke wie ein Horn, das angeblich immer Hilfe herbeiruft, wenn man in Bedrängnis ist. Im Ernstfall stellt sich heraus das es jedoch lediglich Tuut macht, wie jdes x-beliebige Horn auch… und wenn grad keiner in der Nähe wäre würd es einem wohl kaum großartig helfen.

Die Musik passt zum Ganzen. Sie ist pathetisch und dennoch nicht einprägsam. Harry Gregson-Williams macht Dienst nach Vorschrift und umwabert die Story mit Orchestersound vom Typ Gehört und Vergessen. Alanis Morrissette hoffte wohl in Enyas Fußstapfen zu treten und beschädigt ihre Dogma-Meriten mit einem sülzigen Schnulzenheuler namens "Wunderkind".

C.S. Lewis der erst spät zur Religion fand, entwarf mit Narnia eine extrem konservative, spaßfreie, sexlose Christenwelt mit klaren Hierarchien in denen Könige natürlich weiße Engländer sind und nicht auf Grund ihrer Leistungen verehrt werden sondern weil sie weiße Engländer sind. Aslan, türkisch für Löwe – wie originell – darf den Jesus geben und auferstehen und die böse Schneehexe wird letztlich von ihm getötet. Überflüssig zu erwähnen, das die meisten Frauenfiguren bei Lewis böse sind und jeder Anflug von Pubertät und Sexualität negiert wird.
Nicht nur Mythenmetz Tolkien hatte mit dieser platten Ideologie seine Probleme und ließ an seiner Abneigung gegen die Narnia-Stories die Freundschaft zu Lewis zerbrechen, auch Harry-Potter-Autorin Rowling kann mit dem reaktionären Weltbild Lewis wenig anfangen und gibt zu von den Stories so angenervt zu sein, das sie die Serie nie zu Ende las.

Die Verfilmung mag die im angelsächsischen Sprachraum sehr beliebten Kinderbücher wohl akurat wiedergeben, ein guter Film wird dennoch nicht draus, denn schon die Vorlage ist uninspirierte Zeigefinger-Fantasy mit geringem Nährwert.
Am Ende heisst es: "Will we meet Aslan again?" Und die einzig richtige Antwort muß sein: JA sicher, im Sequel, als Plüschtier, als Poster, im Computerspiel und als Sammelfigur.

An mir darf dieser Löwe aber gerne vorrüberziehen.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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19 Comments

  1. Andy

    Danke für diese großartige Rezension!

    Du sprichst mir aus der Seele…

  2. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    [...] Im folgenden Jahr beehrt uns Disney mit einem neuen, fantastischen Abenteuer, voller Mythen, Märchen und Animationen: “Die Brücke von Terabithia“. Klingt nicht neu? Klingt ein wenig wie “Die Chroniken von Narnia“, nur dass die Heldenkinder nicht durch einen Kleiderschrank in eine andere Welt gelangen, sondern durch die Überquerung eines Baches in einem abgelegenen Waldstück. [...]

  3. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    [...] Kurz vor dem DVD-Release von Andrew Adamsons “Die Chroniken von Narnia” erschien die gleichnamige, 1988 produzierte BBC-Verfilmung bei uns auf DVD. Älteren Semestern wird sie vielleicht noch aus vergangenen Kindertagen bekannt sein. Die Serie wurde zuletzt Winter 1993/ 1994 auf ZDF ausgestrahlt. [...]

  4. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    [...] Der Film hat weder verstanden warum Mel Brooks-Filme funktionierten, noch was die ganzen ZAZ-Parodien so sehenswert machte. Die beiden Regisseure, die zuvor die humoristische Salzwüste “Date Movie” hingelegt haben, veranstalten diesmal eine Sinn- und Ziellose Odyssee durch verschiedenste Blockbuster der vergangenen zwei Jahre. Von “Piraten der Karibik” über “Harry Potter“, “Nacho Libre“; “Talladega Nights”, “Borat” bis zum Rahmenhandlungebenden “Charlie and the chocolate factory” und “The chronicles of Narnia” wird hier alles abgefrühstückt was irgendwie erfolgreich war (oder zu werden versprach – wie man an der hingeschluderten Referenz auf den Flop “Nacho Libre” merkt). [...]

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    [...] Der Film hat weder verstanden warum Mel Brooks-Filme funktionierten, noch was die ganzen ZAZ-Parodien so sehenswert machte. Selbst ein Schmiedehammer auf den Fuß macht mehr Spaß als dieser Film. Die beiden Regisseure, die zuvor die humoristische Salzwüste “Date Movie” hingelegt haben, veranstalten diesmal eine Sinn- und Ziellose Odyssee durch verschiedenste Blockbuster der vergangenen zwei Jahre. Von “Piraten der Karibik” über “Harry Potter“, “X-Men”, “Superman”, “Nacho Libre“; “Talladega Nights”, “Borat” bis zum Rahmenhandlungsgebenden “Charlie and the chocolate factory” und “The chronicles of Narnia” wird hier alles abgefrühstückt was irgendwie erfolgreich war (oder zu werden versprach – wie man an der hingeschluderten Referenz auf den Flop “Nacho Libre” merkt). [...]

  6. MasterBlaster

    [...]Zweiter Weltkrieg, vier Kinder werden aus nicht näher genannten Gründen zu einem obskuren Professor aufs Land evakuiert.[...]
    Es wird nicht nur genannt, sondern auch gezeigt.
    Wegen der deutschen Luftangriffe auf London wurden die Kinder aufs Land verschickt. In Deutschland wurde bis mit Zunahme der alliierten Bombenangriffe auch gemacht. Das ist also historisch korrekt und logisch.

  7. Director

    Sehr subjektive und unseriöse Rezension würde ich sagen. Man muss natürlich bedenken, dass man es hier mit einem Kinderfilm zu tun hat. Die Schauspieler vor allem die Kleine sind für ihr Alter ausgesprochen gut. Das Buch wurde in seiner Qualität übertroffen. Bewusst hat der Regisseur weitestgehenst auf überflüssige CGI Effekte verzichtet, was ich immer sehr zu loben pflege. Aber wenn man was gegen die seltenen kinderfreundlichen Geschichten aus der Bibel hat, also selbst ein Asi ist, kann man diesen Film natürlich nur hassen.

  8. Lukas Heinzel

    @Director

    Stimme dir zu 100% zu!!!!

  9. Batzman

    Wow. Grandiose Argumentation. Wer die Bibel nicht mag ist ein Asi. Soviel rethorische Wucht ist wirklich beeindruckend.

    Und der Doofsatz von wegen “Subjektive Rezension” ist auch wieder dabei…

  10. Felix

    Ich finde den Film als Familienfilm sehr gut geeignet. Herr der Ringe ist eigentlich nicht gerade für Kinder geeignet.

  11. Hitman

    Ich hatte die Ehre und durfte den Film gestern Abend im Fernsehn bewundern. Ich muss sagen, die Kritik trifft genau zu. Das ganze wirkt einfach schrecklich nach Herr der Ringe für Kleinkinder und ist so vorhersehbar wie eine Story aus dem Märchenbuch. Man konnte schon in dem Moment als der Weihnachtsmann (die grenzdebilste Idee überhaupt) das Fläschchen mit Supertolleheilungstropfen überreichte, dass es am Ende gebraucht wird um einen Hauptcharakter zu retten…

  12. susanne klucznik

    ich liebe narnia 1 und narnia 2 ich bin verrückt danach. ich hab sogar das spiel!!!

  13. susanne klucznik

    hi lucy susan peter und edmund ich find narnia ganz toll und am meisten aslan den löwen

  14. SuppenkaZper

    hilfe .. sie sind überall …

  15. Jakob

    Hey, auch ich muss, sehr verspätet, mal was zu dieser Rezension sagen.

    Sicher sind die Special Effects nichts Überragendes. Klar sind die Kämpfe blutleer und die Moral schwarz-weiß gezeichnet. Der Film strotzt vor Pathos, definitiv.
    Allerdings ist es definitiv, wie die Bücher, eher als Kinder- und Familienfilm geeignet. Daher würde sich z.B. auch nicht allzu viel Blut in den Kämpfen anbieten.

    Als ich den Film zum ersten Mal sah, habe ich ihn sehr gemocht. Ich habe ihn allerdings vor kurzem erneut auf DVD angesehen und gemerkt, wie schwach die Dialoge sind und auch die Bilder usw. Die Dialoge wurden aber auch im Buch nicht anders/besser gestaltet – was keine Entschuldigung ist, aber einer Erklärung! ;)

    Die Musik, da muss ich allerdings widersprechen, ist definitiv gut. Da hat Harry Gregson Williams sehr gute Arbeit geleistet. Wer sich den Soundtrack einmal anhört, wird feststellen, welche Einprägsamkeit das Thema “Evacuating London”, “The Wardrobe” oder der “Narnia Lullaby” haben (da du davon sprachst, die Musik sei nicht einprägsam). Ebenfalls halte ich “Can’t Take It In” von Imogen Heap (sowieso eine geniale Künstlerin) für den stärksten Titel der Einzelkünstler, die noch etwas dazu beigesteuert haben. “Wunderkind” von der guten Alanis ist nicht verkehrt, aber kein Überknaller.

    Ich möchte allerdings hinzufügen, dass ich die Reihe der Bücher auch nicht zuende gelesen habe, da es wirklich ereingislos vor sich hinplätschert und die Charakter sehr eindimensional sind. Ich werde mir den “Prinz Kaspian” zwar sicherlich ansehen, aber nur aus Neugier. Richtig heiß darauf bin ich nicht.

    Soviel von mir.

  16. Bolle

    Ich fand als kleiner Junge die Bücher großartig. Um so erschrockener bin ich jetzt vom Film. Warscheinlich muss man unter 10 sein um den gut finden zu können. Dann könnte ich’s viell. verstehen. Obwohl ich mir nicht sicher bin ob ich den mit seinem zweifelhaften Moralfaktor meinen erlauben würde. (Naja das Buch hat mir ja auch nicht geschadet… oder doch?). Die unterschwellige Christenmessage die ich selbst damals als Kind nicht begriffen habe, ansonsten hätte ich’s bestimmt nicht ausgelesen, ist ja wohl ekelhaft.
    Grundsätzlich gebe ich der Rezension recht. Abschließend möchte ich aber noch erwähnen, um sich mal auf das Zielpublikum einzulassen:
    Die Eishexe hatte aber viel coolere Monster als der weiche Löwe!!

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