Hostel

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"Please just let me go, please… "

Originaltitel: Hostel
Herstellungsland: USA 2005
Regie: Eli Roth
Darsteller: Jay Hernandez Derek Richardson, Eythor Gudjonsson, Barbara Nedeljakova, Jana Kaderabkova

★★☆☆☆

Hostel

Zur Beachtung: Review enthält Spoiler

Zwei amerikanische Rucksacktouristen, Paxton, Josh und der Isländer Oli durchstreifen Europa. Natürlich ist es dort genau wie sie es sich vorgestellt haben. In Holland wird nur gekifft und gepimpert und in der Slovakai sind die Städte hässlich un die Leute creepy. Sehr creepy sogar.

Denn nachdem der Besuch einer slovakischen Stadt sich erst recht vielversprechend anließ, mit drei dickbusigen Lokalschönheiten die es gar nicht erwarten konnten mit den drei Ami-Typen Whoopee zu machen, nimmt die Sache schnell eine unerfreuliche Wendung, als Oli und Josh kurz nacheinander verschwinden und Paxton herausfindet, daß die kleine Slovakenstadt sich ihr Einkommen mit einem Folterhospital aufbessert. Reiche Europäer und Amerikaner können dort einen Urlaub buchen um den ultimativen Kick zu genießen: Menschen zu foltern und zu töten.
Die dafür notwendigen Opfer rekrutriert man aus vorbeistreunenden Backpackern, die kaum jemand vermisst.

Da ist er also, Eli Roths heißerwarteter zweiter Film nach Cabin Fever . Gut ich gebe zu, ich hab den Film nicht so heiß erwartet, fand ich schon Roths Erstling maßlos überschätzt und letztlich ziemlich öde.

Sein neues Werk, für welches diesmal Tarantino seinen Namen als "presenter" hergibt, reiht sich prima ein in die Reihe von vorhersehbaren Terrorfilmen, die detailverliebt aber letztlich vorherhsehbar die Lust am voyeristischen Folterfilm bedienen ohne dabei wirklich was originelles oder spannendes zu erzählen. Der Film kokettiert streckenweise damit wie "hart und dreckig" er doch gemacht ist, aber im Endeffekt fehlen ihm die Eier um wirklich zu schockieren.

Vielleicht lockt die abgedroschene Story um eine weitere "seltsame kleine Stadt in der etwas nicht stimmt", ja noch die Generation Pokemon hinter dem  Hügel der blutigen Augen hervor, jeder Zuschauer dessen Seherfahrung weiter als zehn Jahre zurückreicht, kann sie eigentlich nur ein herzhaftes Gähnen entlocken. Die Prämisse das reiche Leute für Geld andere Foltern und töten dürfen ist seit Graf Zarof und seinem "most dangerous game" hinlänglich bekannt und wurde schon häufig besser und unterhaltsamer umgesetzt.

Allerdings auch schon ähnlich fade, wie zuletzt in "Three blind mice", der im Gegensatz zu Hostel noch eine um einiges wirrere Story hat.
Roth verlässt sich zusehr auf seine Klischees. Die drei Backpacker wirken wie aus einer Teenie-Klamotte entsprungen, notgeile Dumpfhobel die beim Anblick einer Tussi mit großem Charakter sofort den Verstand verlieren. Natürlich ist alles in der Slovakai außer den Frauen, prottenhässlich, sind sämtliche Einwohner zwilichtige Halsabschneider, lauern an allen Ecken Kinderbanden die einen ausrauben (und überdeutlich plump als Plotelement "das später mal wichtig wird" durchtelegraphiert werden).

Die Fremdenverkerhsbehörde der Slovakai dürfte Eli Roth wohl die Pest an den Hals wünschen, zeigt er doch jedes sudelige Klischee, das Amerikaner über Osteuropa im Kopf haben.  Nur dort im rechtsfreien Raum kann ungesühnt gemordet und gefoltert werden. Naja dort und in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern.

Die Figuren bleiben weitgehend blass. Das der Film, der damit beworben wurde, das drei Backapcker auf eine solche Folterklinik stoßen, diese Tatsache in der Filmhandlung als große Enthüllung behandelt wirkt schon etwas lächerlich. Insgesamt hatte ich beständig das Gefühl, das sich der Film zu wichtig nimmt. Man meint beinah Eli Roth bei den Folterszenen dasitzen zu sehen und sich selbst auf die Schulter klopfen, wie hart, gewagt und grindhousemässig er das ganze doch dreht. Im Endeffekt sind die Szenen zwar hinreichend blutig und mit liebevollem Sadismus ausgeführt, jedoch nichts was wirklich neu oder noch nie dagewesen wäre.

Als Hommage an die Exploitation-Horrorstreifen von früher ist der FIlm einfach zu ernsthaft, als eigenständiges Werk zu vorhersehbar. Als Thriller ist er einfach nicht spannend genug. Als Reflektion über die Natur des Menschen und den Reiz der Gewalt, ist er einfach zu platt und simplizistisch.
Wenn unser Held am Ende den Mörder seines Freundes hinrichtet, hat das wenig von Auseinanderetzung und mehr von Schauwerten. Ein Mann sieht rot und zeigt dem sadistischen Geschäftsmann was ne Harke ist. Ursprünglich war wohl geplant den Helden dem Geschäftsmann folgen und dann dessen Tochter umbringen zu lassen, aber das war den Machern dann wohl doch zu schwarz.

Hostel ist ein filmischer Teenager. Von sich selbst eingenommen, glaubt er ein uraltes Genre selbst erfunden zu haben und kommt sich dabei selbst unglaublich frech und tabubrechend vor. Ein Streifzug durch die Italofilme der 70er Jahre könnte Eli vielleicht auf den Boden zurückholen. Wahrscheinlich ist der Film letztlich aber sehr nah an der Zielgruppe, die wahrscheinlich auch meint, das es soetwas wie Hostel noch nie gegeben hätte.

Letztlich ist der Film zwar besser als der öde Cabin Fever , aber nach all dem Rumurx und Gewese hätte er dann eben doch etwas mehr bringen müssen, als nur passabel runtergekurbeltes Genre-Kino nach Schema F.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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7 Comments

  1. Vorobo

    “Die drei Backpacker wirken wie aus einer Teenie-Klamotte entsprungen, notgeile Dumpfhobel die beim Anblick einer Tussi mit großem Charakter sofort den Verstand verlieren.”

    Na klar, Mann! Das ist ja auch ne Komödie. Mit viel Schweinerei, aber ne Komödie bleibt’s doch. Da passen die drei super rein.
    Ich hatte tierisch Spass bei dem Film…

  2. Fooligan • Jetz auch am DVD: Hostel, der schlechteste Film unserer Zeit

    […] Weil ich kein Schweizer bin, heute keine Champions League, stattdessen Hostel. Die Werbung versprach nie Gesehenes und gelogen war das nicht. Die erste Stunde war Eis am Stiel ohne Eis und ohne Stil. Dann werden die drei Nasen, die super getankt haben, der Reihe nach ein wenig gefoltert, wobei es sich ausgezahlt hätte, Schauspieler zu shanghaien, statt dreier Collegestudenten, die einmal Brüste anfassen wollten, ohne dafür bezahlen zu müssen. Es fließt ein wenig Pommes rot-weiß, es wird Erbsensuppe gekotzt und Plastikgliedmaßen, die in osteuropäischen Gefängnissen von blinden Häftlingen zusammengeklebt wurden, von einem dicken Mann mit Kissen im Rücken herumgetragen. Eine Nase kommt frei und dann ist es endlich vorbei. Kaum zu glauben: Der Film dauert selbst im Schnelldurchlauf länger als eine Staffel 24. Der Screenshot oben zeigt übrigens tatsächlich eine Filmszene: ein Werbeplakat auf einem deutschen Bahnhof. Und Quentin Tarantino verkauft wahrscheinlich demnächst bei HSE Keramikpuppen. Eine seriöse Kritik gibt es hier. . […]

  3. Khesrau

    Ich verstehe nicht, wie du für diesen Mist mehr als null Sterne hergeben kannst.

    Die erste Unverschämtheit ist ja der Tarantino-PR-Witz. Idioten (ich war einer) lassen sich dadurch natürlich anlocken.

    Die zweite Unverschämtheit ist die Einleitung in den Film, der so elend lang geworden ist, dass ich mich beim Zuschauen gefragt habe, ob ich gerade wirklich in Hostel sitze und nicht in Slovakian Pie.

    Die dritte Unverschämtheit ist die von dir richtig erkannte Tatsache, dass sich Roth in diesem Film ein klein wenig zu wichtig nimmt. Die Moral am Ende der Geschichte (aus der Steinzeit geklaut, oh, wie einfallsreich!) ist unfreiwillig komisch.

    Abgesehen davon, dass der Film an keiner Stelle gruselig war. Und dabei hörte sich die Grundidee von den Huntern ganz gut an. Roth hat das aber gründlich in den Sand gesetzt – dafür gehört ihm die Kamera entzogen.

    (Die Dialoge! Die waren die eigentliche Folter in diesem Film – so gruselig schlecht kann doch keiner schreiben, ich glaub das einfach nicht!)

  4. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Roth schickt seine Schlachteplatte in die zweite Runde und übernimmt im wesentlichen unverändert die Handlung des ersten Teils. […]

  5. christian

    dieser film ist einfach nur dumm und dämmlich.

  6. Russian x3

    also der film hatte überhaupt keinen sinn finde ich. Das einzige was ich toll fand war Paxton – der sah qut aus :D

  7. triefer

    im gegensatz zum zweiten film war dieser hier noch ganz gut.recht spannend aber auch absurd.das ende war auch ganz lustig wo er die stimme von dem alten wiederhört ihm folgt und dann zack!

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14