King Kong

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"Kretsche to the rescue!"

Originaltitel: King Kong
Herstellungsland: Neuseeland / USA 2005
Regie: Peter Jackson
Darsteller: Naomi Watts, Jack Black, Adrien Brody, Andy Serkis, Jamie Bell

King Kong
★★★☆☆

Zur Beachtung: Review enthält Spoiler

Für die drei Leute die die letzten 100 Jahre in einem Erdloch verbracht haben:
30er Jahre, Depression. Der abgewrackte Regisseur Denham (Jack Black) unternimmt mit seinem Minimalfilmteam und zwei Schauspielern eine Reise auf einem Seelenverkäufer um ein mythisches Eiland als Kulisse für sein nächsten Streifen zu entdecken. Das Eiland ist zwar unentdeckt, aber nicht unbewohnt. Eine Horde schlechtgelaunter Stabhochsprung-Neger greift sie an und verschleppt die Hauptdarstellerin um sie nach Landessitte zu opfern.
Statt gefressen zu werden freundet sich die Gute aber mit dem Riesenaffen an, dem sie eigentlich geöpfert werden soll. Kong schüttelt sie zwar stundenlang wie ein ein Pennäler der eine unzüchtige Geste macht, lässt sich dann aber von ihren Jonglierkünsten besänftigen. Ein Traumpaar!
Dummerweise beschließt die Filmcrew den Affen einzufangen, was ihr nach einigen Umstänlichkeiten auch gelingt. Der Affe wird als Attraktion nach New York verschleppt, rastet bei seiner Premierenvorführung aus, legt weite Teile Manhattens in Klump und lässt sich nach einem romantischen Zwischenspiel mit Naomi Watts vom Empire State Building schießen.

Selten hat mich ein Film in diesem Jahr so zwigespalten zurückgelassen, wie King Kong. Das Peter Jackson seine Probleme hat sich von Material zu trennen, ist seit dem zweiten Teil von LOTR bekannt und wurde in den zwölf Enden von Return of the King nocheinmal eindrucksvoll bestätigt. Vielleicht hat er auch etwas falsch verstanden, als die Produzenten sagten "Peter wir wollen diesmal etwas weniger von dir…" und fing deswegen seine Radikaldiät an, statt das Drehbuch noch etwas zu trimmen.
King Kong ist zu lang. Das Original, dem Storytechnisch wenig hinzugefügt wird brachte es auf rund 90 Minuten, die Neuverfilmung läuft locker mal doppelt so lange, ohne das wirklich mehr passiert.

Wobei es auch verständlich scheint, warum es ihm so schwer fiel sich kurz zu fassen, denn für sich genommen sind die meisten Szenen gut gelungen und größtenteils wundervoll anzuschauen. Der gesamte erste Akt erzählt nur die Vorgeschichte des Regisseurs, der Hauptdarstellerin und fasziniert mit Bildern eines historischen New Yorks, die ihres Gleichen suchen. So detailfreudig und dennoch unaufdringlich realistisch erscheint die Stadt, das ich spontan dachte: Davon willst du mehr sehen. Diese Stadt die im Hinterhof der WETA-Studios entstand und zum Teil digital erweitert wurde, stellt alles was ich bisher an historischen Rekonstruktionen gesehen habe in den Schatten.
Auch die Vorgeschichte selbst in der Jack Black mit den Finanziers kämpft und Naomi Watts und Adrien Brody in sein Filmprojekt reinschmuggelt ist für ich genommen unterhaltsam und untadelig erzählt.
Das Problem ist nur, das schon eine halbe Stunde des Films gelaufen ist und die Truppe sich immer noch nicht auf den Weg gemacht hat zur Affeninsel. Auch die Reise selbst hat ja durchaus viele ganz drollige Momente und Thomas Kretschmann, der bei jedem Satz den er mit heftigem deutschen Akzent abliefert dreinschaut als hätte ihm jemand in die Nieren getreten, entfaltet im Versuch Harrison Ford zu imitieren durchaus einen gewissen B-Film-Charme.  Der Subplot um Jamie Bell als Joseph-Conrad-lesender Schiffsjunge ist für sich genommen auch putzig anzusehen – aber letztlich verzögern die ganzen sehr schön gespielten Szenen lediglich die Ankunft auf der Insel.
Das ist das Grundproblem, bei Filmen bei denen jeder weiß worum es geht: Wenn man von der Vorlage kaum abweicht wird es schwer tatsächliche Spannungsmomente zu erzeugen, denn es besteht nie ein Zweifel was passieren wird. Die ganzen Scharaden auf dem Weg zu Insel sind nett gemacht, aber man weiß eben das sie dort ankommen, man weiß, das die Schauspielerin entführt wird und man weiß das Kong eingefangen wird und am Ende vom ESB plumpst.
Sicher der Weg ist das Ziel, aber dennoch reagierten meine Begleiter und ich, sowie Teile des Publikums auch etwas ungeduldig als Kong, dann nach einer Stunde endlich auftrat.
Auf der Insel angekommen, kann Jackson zunächst aber mal wieder alle visuellen Trümpfe ausspielen. Im Gegensatz zu vielen Digitalwelten die man über die Jahre im Kino bestaunen dufte, hat man hier selten das Gefühl auf aseptische Pixelgebilde zu staunen, die so überdetailliert und überscharf sind, das sie dem Auge entgegenschreien: Irgendwas stimmt hier nicht. Nein, das WETA-Team hat den Urwald mit all seiner Flora und Fauna bestechend real umgesetzt.

Leider fallen die paar Szenen und Momente die dann weniger gut getrickst wurden umso deutlicher auf. Wie schon in LOTR darf man sich stellenweise wundern, wie bei aller Perfektion und bei allem Animationsgeschick – und der Riesenaffe setzt was detailreichtum und Mimik angeht wirklich neue Maßstäbe – sehr simple Schlampigkeiten zu sehen sind, die man längst überwunden glaubte. Bestes Beispiel sind viele Szenen in denen die Schauspieler eher nachlässig in die animierten Hintergründe eingefügt wurden. Die flusige Frisur von Naomi Watts scheint dabei besondere Probleme gemacht haben, denn in fast allen Szenen mit Kong flimmern Blue-Screen-Ränder um sie herum und zwischen den einzelnen Haaren, das man fast glaubt Tita von Hardenberg in einer Polylux-Moderation zu erleben.  Auch andere Schauspieler haben, wenn auch in geringerem Maße diese Probleme, bestes Beispiel ist die an sich ganz drollig getrickste Flucht vor den Brontosaurieren, bei denen ein ums andere Mal die Darsteller wie Fremdkörper im perfekt und realistisch aussehenden Bild wirken.
Vielleicht war einfach nicht mehr ausreichend Zeit um wirklich alles so hinzufummeln, wie man es gerne hätte – aber grade weil die meisten Szenen sehr gut gemacht sind, fallen diese Compositing-Patzer unangenehm auf.
Genauso nahm es mich wunder, warum man einen Affen samt Fell, Mimik und Bewegung wirklich beeindruckend real animiert, es aber nicht möglich ist die Zähne und den Innrenraum des Mundes halbwegs echt aussehen zu lassen. Sobald im Film ein Saurier oder Kong den Mund öffnet fühlt man sich wieder an den PC versetzt.

Insgesamt sind das sicherlich Kleinigkeiten, die ich hier anführe, aber sie fallen eben doch auf, eben weil so vieles so wunderbar gelungen ist. Weniger entschuldbar fand ich die bisweilen wirklich unglückliche Kameraarbeit in Actionszenen.
Im Gegensatz zu den gelungenen Schlachten in der LOTR-Trilogie, die zwar immer nah am Geschehen waren aber selten unübersichtlich wurden, wählt Jackson bei Kong in Actionszenen viel zu oft die wacklige Handkamera und Nahaufnahmen, wo man sich der Übersicht halber Totalen wünschen würde. Ob nun die Stabhochsprung-Neger bedroglich ins Bild bolzen oder Kong mit seiner Ollen durch den Busch wumbelt und T-Rex-Rudel verkloppt, die Kamera klebt so dicht am Geschehen, das oft nur verwischtes Buschwerk, Schuppen und Zottelhaare zu erkennen sind. Der Dynamik der Kämpfe und der Dramatik tut das nicht wirklich gut, zumal sich die Kampfszenen auch einige Zeit hinziehen und man es bald müde wird  nur Fragmente des Geschehens gezeigt zu bekommen. Kong guckt zwar wie ein angepisster Samuel Jackson aus der Wäsche – "Yo Motherfucka, don't messin with ma bitch?" wäre wohl die korrekte Übersetzung seines Grunzens, aber irgendwann nutzt sich auch die Novität eines Riesengorllias ab, der mit Urzeitechsen Celebrity Deathmatch spielt.
Zum Glück verabschiedet sich Jackson von der Wackelcam, sobald es zurück nach New York geht.

Apropos Länge der Szenen: Das zu breite Auswalzen von Szenen ist eindeutig ein großes Manko des Films. Weit über das für die Handlung notwendige Maß hinaus, werden sowohl Action als auch Drama-Szenen ausgespielt und bisweilen ertappte ich mich dabei, zu fragen ob Jackson einfach vergessen hat CUT zu rufen. Wenn die Dino-Kampfszenen schon lange dauern und ich den Kampf der Crew gegen mutierte Riesenkakerlaken auch in der Hälfte der Zeit verstanden hätte, mich aber ob der Schauwerte nicht wirklich ärgerte, wurde meine Geduld in allen romantischen Momenten zwischen Naomi Watts und King Kong deutlichst überstrapaziert.

Okay Adrien Brody wußte wohl, das er gegen den Affen nur die zweite Geige spielen würde an der Liebesfront, aber derart viele unnütze die Handlung ausbremsende "Affe und Frau gucken sich verliebt in die Augen"-Szenen hatte man dann doch nicht erwartet. Der letzte Akt ist, wenn Kong mal grade keine Blondinen herumwirft und Auutos zerdeppert eine einziges Romantik-Inferno. In der schlimmsten Szene taucht aus dem Nebel in einem urplötzlich menschenleeren New York, Naomi auf und die Kamera verharrt etliche quälende Minuten nur auf den verklärt guckenden Gesichtern der beiden. Man stelle sich die Aquariums-Szene aus Baz Luhrmanns "Romeo & Juliet" vor, nur eben mit einem Riesenaffen und dreimal so lang als nötig. Das sich die beiden kurz darauf für ein bezauberndes Intermezzo in einen verschneiten Park begeben um eine Holiday-On-Ice-Nummer einzuschieben und im Schnee zu spielen, macht diesen unerfreulichen Abschnitt nur noch schlimmer. Ich rechnete jede Sekunde damit das Bambi und Klopfer auch aufs Eis hopsen und putzige Dinge vorführen. An dieser Stelle wird aus King Kong für Minuten ganz böser Edelkitsch… und auch Kongs finaler Abgang vom Hochhaus ist dank tränenintensiver Schmalzmomente gegen Ende schwer erträglich. Wie ein Jojo erscheint Noami jedesmal wenn man sie in Sicherheit wähnt wieder oben auf der Spitze des Empire State Buildings und man beginnt ernstlich am Verstand dieser jungen Frau zu zweifeln, die zu Filmbeginn doch eigentlich recht zurechnugsfähig wirkte.  Kong rettet sie mehrfach und jedesmal krabbelt sie wieder in die Schußlinie um irgendetwas unnützes zu schreien.
Ich war wohl nicht der einzige der am Ende ungeduldig auf den Moment wartete an dem der Affe ENDLICH vom Haus fällt. So wunderbar er animiert ist. So nett der Kampf mit den Flugzeugen anzusehen ist.. aber irgendwann ist einfach gut. Kein Gegreine mehr von der Frau bitte, keine tiefen Blicke in Kongs Augen mehr, kein fünfter, sechster, siebter Angriff der Flugzeuge mehr, ich wollte nur noch das es endlich vorbei ist.

Vielleicht bin ich ja ein herzloser Knochen, aber der Spagat zwischen Romantik und phantastischem B-Film wurde hier von Jackson und seinen weiblichen Co-Autorinnen eindeutig zu sehr in Richtung Love-Story getrieben. Es geht immer noch um einen Riesengorilla der die Hälfte der Filmcrew gefressen oder zerdötscht hat;  ein ganz klein bißchen weniger Empathie von Seiten Noami Watts wäre also durchaus verständlich gewesen. 

Überhaupt kam mir der Gedanke, das man vielleicht eher die genial trommelnden Stabhochsprung-Neger mit ihrer Performance mit zum Broadway hätte nehmen sollen, anstatt Kong. Als Black-Man-Group wären sie sicherlich der Hit gewesen und es hätte allen Beteiligten viel Ärger und Versicherungsschäden erspart.
In dem Moment als Kong ausbricht, kann man in Jack Blacks Gesicht ja fast lesen: "Oh man, das wird teuer…"

Wo blieb eigentlich Thomas Kretschmann im letzten Akt? Nachdem er als "Indianer Kretsche on the Island of Kong" immer wenns haarig wird ins Bild springt und einen coolen Satz aus dem Mundwinkel nuschelt, hatte ich ernstlich damit gerechnet das er im Schlußakt wenigstens noch einmal "to the rescue" eilt. Statt dessen haben wir Nasenbär Brody der mit links mal eben eine militärische Absperrung durchbricht und dabei fast so unglaubwürdig wirkt, wie in den Kussszenen mit Naomi.

Was bleibt also vom Affenremake und dem ersten Jackson-Film nach der Ring-Trilogie? Eine Kessel Buntes. Festzuhalten bleibt ein wundervoll stimmiger Auftakt und die vielleicht besten Trickeffekte dieses Jahres, ein insgesamt passendes Ensemble, viele Referenzen auf das Original ("Is Fay available for the picture?") und andere Filme wie "Billy Elliot", "Titanic" und "Jurassic Park". Ein von Andy Serkis überzeugend als Animationsvorlage gespielter Kong und phantasievolle Sets. Ein wie immer gut augelegter Jack Black im Schleimball-Modus und viel, viel ekliges Krabbelgetier.
Dem Gegenüber steht eine durchschnittliche Musik, eine bisweilen unruhige Kamera die mehr verwackelt als zeigt und ein insgesamt optimierungsfähig wirkender Schnitt. Rund eine Stunde weniger, hätten dem Epos sicherlich ganz gut getan. Alleine das Kürzen der Sodomiten-Romanze auf ein vertretbares Maß hätte sicherlich eine halbe Stunde eingespart.
Peter Jackson ist ein talentierter Filmemacher, mit mehr Phantasie, Ehrgeiz und Herz als ihn drei George Lucasse haben, aber er sollte lernen, das man nur weil man Narrenfreiheit genießt, sie nicht bis zum letzten Ausnutzen muß. Size does matter, but pacing is the real king. Und auch wenn die verschiedenen Plakatmotive sehr deutlich auf die männliche wie weibliche Zielgruppe zugeschnitten sind un dman sichtlich bemühr war eine breite Publikumsschicht anzusprechen: Man kann es auch übertreiben mit Herzschmerz und Romance…

In diesem Sinne: Ich freu mich auf seinen nächsten Film.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • Kamerakind

    Mmh. Eine Frau verliebt sich in einen Affen, klingt albern, ist aber die Story. Das kitschig zu finden hiesse sich darüber zu beschweren, dass in die Titanic untergeht.

    Ich fand den deshalb Film grossartig, weil ich es nicht eine Sekunde albern fand, dass sich eine Frau in einen Affen verliebt.

  • Pingback: F5 - Die Fünf Filmfreunde

  • Binding

    Schon die “Deluxe Extended Edition” von “King Kong” gesehen? Da sind zwei superwitzige Features drauf, die sich absolut lohnen: ein Geburtstags-Kurzfilm, den einige der Hauptdarsteller während der Arbeit an “King Kong” für Peter Jackson gedreht haben, und eine als “Verlorene Produktionstagebücher” betitelte Fake-Doku, in der es um die Sucht der Hauptdarsteller geht, ihre gerade gedrehten Szenen immer sofort auf dem Video-Monitor sehen zu wollen. Vor allem letzterer Beitrag ist saulustig und genial!!!

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    nee ich warte noch bis die in realistische preisregionen fällt. so dolel fand ich KK nicht, das ich die EE sofort haben muss. aber ich erwarte mir schon einiges vom bonusmaterial, die bonusfeatures der LOTR-EEs sind nach wie vor Referenzqualität.

  • GhostDog

    so, hab den Film jetzt erst sehen können/gesehen.

    Stimme dir zu großen Teilen zu. Gut, nun ists schon wieder eine Zeitlang her, ich bin vielleicht zu verwöhnt, aber gerade in HD sieht man bei dem Film unheimlich viele Mankos in der CGI. Warum wirkt ein Jurassic Park immer noch glaubwürdig und bei Kong werde ich alle paar Minuten aus dem Film rausgeholt, weil, Dinos, Compositing, Matte Paintings etc nicht sauber wirken?

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