Der Graf von Monte Hype
Originaltitel: Oldboy
Herstellungsland: Südkorea 2003
Regie: Park Chan-wook
Darsteller: Choi Min-Sik, Yu Ji-Tae, Kang Hye-Jeong, Ji Dae-Han





Anmerkung: Review enthält Spoiler!
Holt die Stromstöcke raus, ihr werdet mich hassen für diese Besprechung.
Sheesh, where to begin.
Mit Geheimtipps ist das ja immer so eine Sache. Besonders beim Fantasy-Filmfest enpuppen sich die viel gelobten "Knaller" ja oft als doch eher durchschnittliche Kost. Ich denke da an die letztjährige Werke wie "Wrong Turn", "Cabin Fever", "Monster Man" oder "Ju On – The Grudge"… oder den diesjährigen Hype "Haute Tension".
Meist routiniert gefilmtes Genrekino, im besten Fall ganz unterhaltsam, aber keinerlei Offenbarung für jemanden dessen Kinoerfahrung länger als zehn Jahre zurückreicht. Im ärgerlichen Fall schlicht langweiliger Mist.
Jetzt also Oldboy. Fast wünschte ich im Kino der Film wäre nicht so hochgejubelt worden, dann wär die Erwartungshaltung geringer.
Der Film erzählt eine Rachegeschichte. Ein Mann namens Dae-su Oh wird 15jahrelang ohne Angabe von Gründen eingesperrt, dann freigelassen und geht auf einen Rachefeldzug. Sein Peiniger spielt ein Katz und Klops-Spiel mit ihm, fordert ihn auf herauszufinden warum er eingesperrt wurde.
Okay. Der Film ist solide. Die Hauptfigur ist schauspielerisch trotz sichtbarem Bemühen niemand der zur Identifikation einlädt oder sonderlich interessant ist. Sein Gegenspieler bietet da schon mehr Fleisch, ein ins comichaft gesteigerter Überbösewicht, fast wie aus einem James Bond-Film. Dessen Auftritte gehören Eindeutig zu den Highlights des Films. Leider sind sie sehr rar.
Langsam und sehr sehr schleppend entrollt sich nach Dae-su Oh Freilassung die nicht sonderlich komplexe Geschichte. Der Film zieht sich. Endlose Szene die immer mit demselben Walzerthema unterlegt werden, das mich bereits nach einer halben Stunde ziemlich nervte. Es passiert relativ wenig dafür das der Film zwei Stunden geht. Selbst eine zweifelos beachtliche einstudierte Kampfszene, in der der Held einen Gang langgeht und dabei dutzende Gegner ausschaltet – ohen Schnitt in einem einzigen Take gedreht – wirkt in ihrer Länge ermüdend. Ich fühlte mich an ein altes C64-Spiel erinnert Kung-Fu-Master oder so… da durfte man seinen Helden auch ewig lang einen schmucklosen Gang heruntersteuern und Gegner verdreschen, aber dabei hatte man wenigsten mit dem Joystick selbst Einfluss auf das Fortkommen. Die Szene in Oldboy, so schön einstudiert ist, zieht sich. Das sie sehr choreographiert wirkt, hilft auch nicht grade die Bedrohungssituation des Helden ernst zu nehmen. Zudem irritieren etwas uninspiriert eingeworfene Comic-Momente, etwa wenn Dae-su Oh den Schlagwinkel abschätzt und dieser mit einer gepunkteten Linie visualisiert wird. In einem wirklich schrägen Film, würde das wunderbar passen. In der behäbigen Welt von Oldboy wirken diese Momente unpassend und verwässern das bißchen Dramatik das noch übrig bleibt.
Der Film endet gradezu in einem Antiklimax. Nicht beabsichtigt wohlgemerkt, denn gedacht ist die Auflösung der Story wohl als ernsthafter dramatischer Moment und Schock. Leider wirkte es auf mich llediglich lächerlich. Wenn man erfährt warum Dae-su Oh 15 jahre lang weggesperrt wurde, was das ganez Drama hinter dieser Story ist – dann fasst man sich an den Kopf und mag es kaum glauben. What the f–?? Deswegen der ganze Aufwand? Es fällt schwer die Figuren und die Handlung ernst zu nehmen, zumal oftmals sehr viel pathos und gewollte Dramatik zum Einsatz kommen. Als Parodie, als Farce als durchgedrehte Satire könnte diese Story funktionieren. Als Drama ist sie lächerlich. Selbst nach Enthüllung des McGuffin geht der Film noch eine Ewigkeit weiter. Ich ertappte mich mehrfach dabei, währned der Endkonfrontation des Titelhelden und des "Bösewichts" auf die Uhr zu schauen. Spätestens in der ausgedehnten Bell-Szene war bei mir dann der Punkt ereicht in der ich den Abspann herbeisehnte. Viel Lärm um nichts, viel Getue wg Kleinscheiss. Was hätte daraus für eine schwarze Komödie werden können, aber dazu nimmt Regisseur Park das alles viel zu ernst.
Der Film bietet auch zuwenig Psychostudie, als das man sagen könnte es sei unwichtig wie das Ganze aufgelöst wird. Als Skizze wie die Gefangenschaft auf Menschen wirkt, wie sehr sich Menschen verändern wenn sie von Rachegedanken getrieben wird und wie sinnlos ihre Existenz wird, wenn sie ihr Ziel erreicht haben und nichts bleibt – diese Fragen werden bestenfalls gestreift. Im wesentlichen baut der Film einen Mysteri-Bohei auf, was hinter allem steckt. Und ähnlich wie das vergurkte "Geh ins Licht Carolle-Anne"-Gedächnis-Ende von CUBE, funktioniert dieses Anti-Ende bei Oldboy für mich überhaupt nicht. Ein wenig wurde ich auch an den alten Joe Dante-Film "Explorers" erinnert – in dem sich rausstellt, das die Ausserirdischen nur dumme Kinder sind die rumgespielt haben. Zumindest war Explorers ironisch.
Bleibt die technische Seite. Auch hier leider nichts neues. Ich habe dutzende Reviews gelesen, die von der umwerfenden Kameraarbeit und den nie gesehenen Bildern geschwärmt haben. Die Reviewer können nicht denselben Film gesehen haben. Oldboy ist solide. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Der einzig elaborierte Shot ist oben angesprochene Kampfszene im Gang… das einzige was mir optisch im Kopf blieb. Wobei auch da die Umsetzung etwas zu selbstverliebt wirkte. Überhaupt hatte ich das Gefühl, das Park sich nur schwer von gedrehtem Material trennen kann. Eine halbe Stunde Kürzung würde dem Film durchaus gut zu Gesicht stehen, ohne das inhaltlich etwas auf der Strecke bliebe.
Das das ganze eine Comicverfilmung ist, kann nicht als Entschuldigung für die dünne Story dienen, die mehr als einmal den "Graf von Monte Christo" paraphrasiert. Für soviel bedeutungschwangere Andeutungen und ernsthaftes "in die Kamera gestiere" bleibt unter dem Strich einfach zu wenig über. Der Film gibt vor komplexer zu sein, als er es im Endeffekt ist… was bleibt ist ein wenig Ernüchterung und viel Walzermusik.
Viele sehen das anders, aber das waren meine zwei Groschen
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 27th, 2006 •
- 34 Kommentare
- Schlagwörter: Asian Cinema, Old Boy, Park Chan-Wook, Review, Thriller









































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