"KREISCH!!!"
Originaltitel: The Descent
Herstellungsland: Großbritannien 2005
Regie: Neil Marshall
Darsteller: MyAnna Buring, Craig Conway, Natalie Jackson Men






Zur Beachtung: Review enthält Spoiler
Hier die komplette Story des Films. Eine Truppe junge Frauen, von denen eine durch den Unfalltod ihres Mannes und ihrer Tochter traumatisiert ist, beschließen einen Abenteuertrip und wollen ein wenig in einer Höhle herumkrabbeln. Blöderweise hat eine aus der Gruppe beschlossen, das Abenteuer noch etwas spannender zu gestalten, indem sie statt einer bekannten abgesicherten Höhle eine noch unerkundete herausgesucht hat, wovon die anderen Mädels aber nischte wissen. Die Truppe krabbelt in die Höhle, verirrt sich nachdem eine Höhlenwand eingestürzt ist und muß feststellen das sich anscheind Gollum und die Morlocks mal gepaart haben, denn deren Nachfahren (die ich insgeheim Gorloks getauft habe) leben in der Höhle und verknuspern eine Tussi nach der anderen. Das übliche zehn kleine Negerleinspiel unterbrochen von viel Kreisch und zig Varianten des klassischen "Du denkst da kommt was, der Held guckt hin, da ist nichts, aber wenn er sich umdreht isses doch da"-Buh-Effektes.

Die Väter der Gorloks: Morlock und Gollum
Irgendwie ist es jedesmal dasselbe mit den Hypes vom Fantasy-Filmfest. Ob jetzt Oldboy oder Haute Tension, zumeist lassen mich die vielgerühmten Filme dann doch relativ kalt.
Ich mochte Dog Soldiers vom selben Regisseur, einen soliden und spassig anzuschauenden Werwolf-Streifen. Zwar stammten die Figuren auch dort aus dem Charakterbaukasten für Genrefiguren und das Ganze war munter aus besseren Vorbildern zusammengeklaut, aber dennoch hatte der Film einen gewissen Drive, der ihn unterhaltsam machte.
Er hatte zudem einen unschätzbaren Vorteil gegenüber The Descent: Man hat etwas gesehen.
Im Höhlenkrabbelfilm fühlte ich mich permanent an den alten Spruch "kämpfende Neger im Tunnel" erinnert. Die Werbezeile des Films lautet zwar: "Afraid of the dark? You will be." – Vergessen wurde aber wohl, das man sich nur dann gruselt, wenn man überhaupt was sieht und das zum anderen Figuren da sein sollten, bei denen es einen schert ob sie Kapheister gehen oder durchkommen.
The Descent überschlägt sich nicht grade mit Charakterisierung. Im wesentlichen gibt es drei Figuren. Die Heldin die man mögen soll, weil es ihren Ollen und die Tochter zerbatzt hat. Ihre beste Freundin, die man mögen soll weil sie die beste Freundin ist. Und einen Lucy-Liu-Verschnitt der die Ethnic-Tough-Bitch mimen darf, die man zur Genüge aus Horrorfilmen kennt, von Aliens bis Resident Evil. Der Rest der Truppe ist Kanonenfutter und im Dunkeln kann man sie eh nicht auseinanderhalten.
Ein Problem des Films ist zudem, das ewig lang nix passiert. Zwar gibts zum Auftakt den sehr derben Unfall zu sehen, der die sympathiefördernde Traumatisierung der Hauptdarstellerin erklären muß, aber danach ist erstmal dramaturgisches Brachland zu bestaunen. Die Frauen treffen sich, quasseln, machen ein Gruppenfoto bei dem man schon im Moment des KLICK genau weiß, das es die "Erinnerung an schönere Zeiten" sein wird, über die am Ende der Abspann läuft. Dann gehts ab in die Höhle und es wird gekrabbelt, wieder gequasselt und geschrieen.
Spannend wie ein Luis-Trenker-Film im Dunkeln. Hatte ich erwähnt das es sehr dunkel ist? Es ist dunkel. Und wenns nicht dunkel ist, wird die Höhle dermaßen unrealistisch beleuchtet, das auch dem dümmsten auffällt, das die Lichter in keinem Fall von den Lampen oder Fackeln der Frauen stammen.
Vielleicht ist es aber auch besser, das man so wenig erkennt, denn immer wenn es heller wird, erinnern die Pappfelsen fatal an die alten Sets, die bei Star Trek immer die Planetenoberflächen darstellen mußten.
Nachdem mir mehrere Bekannte versichert haben, wie unheimlich gruselig The Descent ist, war ich dann doch etwas verblüfft das sich bei mir so gar keine unheimliche Stimmung einstellen wollte. Es passiert halt nix. Krabbeln, fluchen, kreischen. Die Frauen sind nicht grade die sympathischsten oder wirklich interessante Figuren und es dauert gut eine Stunde (!), ehe sich die Monster mal blicken lassen. Eine verdammte Stunde die wir mit der Frauenkegelmanschaft im Loch festhängen, derweil nix passiert. Wirklich gruselig, fand ich dann die bleichen Grottenolm-Monster auch nicht. Schwabbelig, weiß und Quellaugen – das kennt man aus Berliner Badeanstalten.
Die Handlung bleibt aber auch nach dem Auftauchen der Viecher superdünn. Es wird weggerannt und gekrabbelt, man zettert sich an und alle fünf Minuten springt ein Gorlok ins Bild und macht Buh und wird dann aufs blutigste zerschnetzelt. Gore und Splatter sind ja schön und gut, aber doch bitte nicht so unmotiviert. Die Schockmomente sind so berechenbar inszeniert, das man beinah mitzählen kann, wie sie ablaufen.
Heldin entdeckt ne dunkle Ecke. Heldin guckt, Musik steigert sich. In der Ecke ist nichts. Heldin dreht sich um. Gorlok macht BUH!
Das man am Ende noch versucht das langweilige Ganze durch ein Twist-Ending aufzumotzen, reisst es dann auch nicht mehr, zumal das mangelnde Interesse, das ich dem Überleben der Heldin entgegenbrachte schließlich auch durch arschlöchriges Verhalten ihrerseits gerechtfertigt wird.
Don't believe the hype, bewahrheitet sich wieder einmal, denn dieser Abstieg in die Klischeekiste der auch munter als Remake des vergessenen Höhlentrashfilms "What waits below" durchgehen könnte, und in dem von Cliffhanger über, Creep, The Time Machine bis hin zu Aliens so ziemlich jede Szene "entlehnt" wurde, konnte mich in keinem Moment fesseln oder auch nur unterhalten.
Wenns das schon war mit New-British-Horror, dann verzichte ich gerne drauf. Und denkt dran: Der letzte macht die Höhle zu.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 27th, 2006 •
- 38 Kommentare
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