Originaltitel: V for Vendetta
Herstellungsland: Deutschland USA 2006
Regie: James McTeigue
Darsteller: Natalie Portman Hugo Weaving Stephen Rea John Hurt Stephen Fry






England in nicht allzuferner Zukunft. Ein defacto faschistischen System kontrolliert das Land. Die Welt hat sich weitergedreht. Amerika ist im Chaos versunken. Bürgerkrieg. Im vereinten Königreich bestimmen Ausgangssperren und Kontrollen den Alltag, Berieselung vom gleichgeschalteten staatlichen Fernsehen.
Am 5. November, dem Tag an dem in England traditionell Guy Fawkes gedacht wird, einem Revolutionär der 1605 versuchte König James I. zu stürzen, bringt ein Terroranschlag Unruhe ins Land. Eine mit Guy-Fawkes-Maske verkleidete Figur orchestriert einen Bombenanschlag und dringt danach in den Fernsehsender ein und zwingt die Verantwortlichen eine Videobotschaft landesweit auszustrahlen, die die Bürger aufruft in genau einem Jahr auf die Straße zu gehen und gegen die Herschaft ihres Diktaters Sutler zu protestieren. Als Zeichen würde an genau jenem Tag das Parlamentsgebäude inklusive Big Ben gesprengt. Die junge TV-Angestellte Evey wird ungewollt in den Strudel des Terrors hineingezogen, als der maskierte Rächer V ihr zufällig das Leben rettet. Während die Regierung mit Härte reagiert, verfolgt V seine eigene Agenda, nimmt Rache an den Männern die ihm und England Unvorstellbares antaten. Währendessen entdeckt der gegen ihn ermittelnde Kommissar, nach und nach die unbequeme Wahrheit über seine Regierung.
Ein Tag. Zwei Filme. Zwei Erwartungen. Gestern habe ich V for Vendetta und The Producers gesehen. Ich war mir ziemlich sicher, das mir The Producers gefallen würde, hatte allerdings meien Zweifel was Vendetta anging. Lagen mir doch einige vergurkte Comic-Verfilmungen noch schwer im Magen, machte der Actionlastige Trailer und das Hirnhämmernde “From the creators of the Matrix-Trilogy” auch nicht grade Lust den auf den Film. Super. Hatten die Warchowski-Brossers mal wieder einen hirnlosen, pseudoanspruchsvollen Ballerpeng-Film für 14jr Videospielepileptiker gedreht.
Lediglich die Vorlage, ein Comic-Roman von Alan Moore, versprach zumindest etwas Niveau, aber auch dessen Werke waren schon grottig verfilmt worden: League of extraordinary gentleman oder der schnarchlangweilige From Hell. Grund genug für Moore, sich noch vor Fertigstellung dieses Films davon zu distanzieren.
Okay meine Erwartungen waren also nicht hoch. Zu sagen, das ich positiv überrascht wurde ist schon fast untertrieben. Ich war selten so froh einen Film trotz des lausigen Trailers gesehen zu haben, wie in diesem Fall. Als jemand der selbst den ersten Matrix-Film nicht mochte und für überschätzes Ballerpeng-Kino hält, bleibt mir dennoch nichts anderes übrig als den Wachowski-Brüdern und dem Regisseur McTeigue meinen Respekt zu zollen.
Vendetta ist Meilen wenn nicht gar Lichtjahre vom Videospielgefuddel der Matrix-Filme weg. Er erzählt eine böse, geschickt mit Politmotiven jonglierende Story, die einen gefangen nimmt, mitreißt, emotionalisiert und nachdenklich macht. Die Comic-Vorlage, ursprünglich zur Zeiten des Thatcher-Regimes geschrieben, wurde von den Warchowskis sehr treffend an die heutige Zeit angepasst und es fällt nicht schwer hinter dem faschistischen England die logische Weiterentwicklung heutiger Tendenzen in Amerika und vielen anderen westlichen Ländern zu erkennen. Sicherlich wird vieles was im Comic subtiler ablief hier wesentlich deutlicher gemacht, aber dennoch wird es nie beleidigend platt. Hinter den Bildern steht Zorn und Enttäuschung, die weit über die Fiktion hinausgeht. Der zwilichtige Kampf des maskierten Rächers namens V, die vorraussagbare Hilflosigkeit mit der die Regierung auf seine mal gewaltätigen, mal intellektuellen Terrorakte reagiert, klingen nur allzu vertraut. Wenn es in den letzten Jahren einen zumindest ansatzweise subversiven Blockbuster gab, dann ist es wohl dieser Film. Der Terror des Staates wird hier gleichwertig gegen den Terror, den eher symbolischen Terror V’s gestellt. Die letztliche Revolution verläuft unblutig und dennoch sehr eindrucksvoll.
Doch es wäre schade, wenn man den Film nur als politische Revolutions-Parabel, als Aufforderung zum Widerstand gegen Überwachung und Bevormundung sehen würde, denn er funktioniert auch als spannende, brilliant gespielte Neuinterpretation des “Graf von Monte Christo “.
Hugo Weaving in der Hauptrolle muß man aus dem insgesamt hervorragenden Cast natürlich besonders hervorheben, denn wie er es schafft einer Rolle die während des gesamten Films eine Maske trägt die sein Gesicht vollständig verbirgt, eine derartige Präsenz nur mittels Stimme und Gestik zu verleihen ist beeindruckend. Selten war ein Filmkuss romantischer als jener am Ende zwischen ihm und der ebenfalls wunderbaren Nathalie Portmann als Evey. Wenn man sie in Vendetta sieht, weiß man wieder einmal was für ein untalentierter Kuhtreiber George Lucas sein muß, das er es schafft die Portmann in seinen Star Wars -Filmen als Königin Larifari zu derartiger Knallchargerie zu treiben. Doch nicht nur sie überzeugt in Vendetta, denn der Film lebt von seinen Schauspielern. Nach langer Zeit darf man Stephen Fry (der sich mit dem Roman “The stars tennis balls” selbst erfolgreich an der Monte Christo-Story versuchte) in einer angemessenen Filmrolle sehen. Als heimlich schwuler TV-Moderator, der letztlich den Bogen der Regierungskritik überspannt, verleiht er einer Nebenfigur die angemessene Tiefe und Bedeutung. Gleiches gilt für Stephen Rhea als ermittelndem Kommissar und nicht zuletzt John Hurt, der aus der klischeeschwangeren Figur des Dikators Sutler, einen veritablen Bösewicht irgendwo zwischen Hitler, Honecker und Wolfowitz macht.
Die wenigen Action-Szenen des Films sind gut choreographiert, vermeiden die Videospielhafte aseptische Optik anderer Filme und dienen tatsächlich einmal der Geschichte. Auch die restliche Kameraarbeit und der Schnitt lassen vergessen, daß hier exakt die Leute am Werk waren die Matrix 2 und 3 zu solch unansehbarem Scheißdreck gemacht haben. Vergessen die verliebten “Weils eben geht”-Sperenzchen, statt dessen viele Schauspieler und Dialogszenen, die stil- und stimmungsvoll umgesetzt sind.
Und dort wo nicht gesprochen wird, schafft es der Film mit wunderbaren Sets und einfallsreich komponierten Bildern zu überzeugen. Die letzte große Demonstration des Films ist ausgesprochen effektiv und mitreißend inszeniert und geschnitten und eines der wirklichen Gänsehauthilights des Films. Und das sagt jemand, den weder Amelie noch Titanic oder King Kong emotional im mindesten berührt haben.
Eine besondere Leistung haben zudem die Designer der V-Maske zustande gebracht. Obwohl sie weder Mund noch Augen aussparrt und durch den Film hindurch, dasselbe eingefroren-süffisante Lächeln zeigt, wird sie zu einem wirklichen Charakter. Geschickt vermitteln Licht und Schatten den Eindruck, das dieses starre Gesicht tatsächlich lebt.
Das auch die Musik, von Jazz über BombastScore, Klassik, Groove bis Folkrock zum erfreulichen Ganzen passt, sei nur am Rande erwähnt.
Zuschauer die vom Trailer irrgeleitet in den Film gingen und sich einen Action-Knaller erhofften, kamen den Reaktionen in Foren nach zu urteilen enttäuscht aus dem Film. Wer sich jedoch für zwei Stunde lang eine wütende, unterhaltsame und politisch unkorrekte Abenteuergeschichte ansehen mag, wird in diesem Jahr vermutlich keinen besseren Film finden. Das dieser Streifen überdies eine deutsche Koproduktion ist und zum Großteil in Babelsberg gedreht wurde, ist eine kleine erfreuliche Randbemerkung.
Kudos an die Wachowskis und den Regisseur, die mir in zwei Stunden den Glauben an das Mainstreamkino wiedergegeben haben.
Weils so schön ist zum Schluß den kompletten Kinderreim, dem die Werbezeile des Films entlehnt ist (vorzugsweise vorzustellen im Vortrag von Hugo Weaving):
Remember, remember, the fifth of November,
gunpowder treason and plot.
I see no reason why the gunpowder treason
should ever be forgot.
Guy Fawkes, Guy Fawkes, ’twas his intent
to blow up the King and the Parliament.
Three score barrels of powder below,
Poor old England to overthrow:
By God’s providence he was catch’d
With a dark lantern and burning match.
Holloa boys, holloa boys, make the bells ring.
Holloa boys, holloa boys, God save the King!
Hip hip hoorah! A penny loaf to feed the Pope.
A farthing o’ cheese to choke him.
A pint of beer to rinse it down.
A faggot of sticks to burn him.
Burn him in a tub of tar.
Burn him like a blazing star.
Burn his body from his head.
Then we’ll say ol’ Pope is dead.
Hip hip hoorah! Hip hip hoorah!









































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