Howls moving castle

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“It was a pleasure meeting you, even if you are my least favorite vegetable! Take care, Turniphead! “

Hwols Casle

Originaltitel: Hauru no ugoku shiro
Herstellungsland: Japan 2004
Regie: Hayao Miyazaki

Okay ich gebe zu, ich bin kein Ghibli-Jünger. Bei allem Anerkennen phantasievoller Stories und nett gezeichneter Hintergründe, das Charakterdesign der Figuren klickt bei mir einfach nicht. Vielleicht liegt es an der Sozialisation mit Heidi, Niklas, Marco und Anne mit den roten Haaren – aber ich vermisse einfach eine gewisse Eigenständigkeit der Figuren. Und die Animationen sehen einfach stets etwas limited aus. Optisch spannend finde ich eigentlich lediglich das mit computerhilfe-animierte Schloß, der Rest erweckt einfach ständig Flashbacks in Kindertage. Jetzt wein nicht mehr Perrine, kleines Püppchen, freches Bübchen…Maja erzähle uns von dir. Ein eigener Zeichenstil ist ja gut und schön, aber ein wenig eigenen Charakter sollten die Figuren schon haben. Und Zaubermeister Howl sieht einfach aus wie ein x-beliebiges Bishonen-Jüngelchen.

Aber egal. Widmen wir uns der Story. Sie ist poetisch, verträumt und anders als die typischen Disney-Filme. Zumindest sagt uns das der Pressetext. Nicht das sich Miyazaki zu schade wäre die verhassten Disney-Schergen den Weltvertrieb seines Filmes übernehmen zu lassen. Der Film ist anders, aber im Grunde nur gemessen an westlichen Filmen. Gemessen an üblichen Asia-Erzählkino ist er nichtmal so ungewöhnlich. Besonders darin viel zu zeigen und wenig zu erklären. Okay mein japanisch ist leicht rostig und Untertitel geben das Ganze evtl verkürzt wieder, dennoch wage ich zu behaupten, das der Film streckenweise nicht viel Sinn macht.

Story:
Die junge Sophie geht durch die Stadt, lernt dort auf der Flucht vor irgendwelchen Zombiegeistern den Zauberer Howl kennen der sie rettet. Kurz darauf wird sie von einer fetten Wuchtbrumme, der “Hexe der verheerten Länder” in eine alte Frau verwandelt. Sophie irrt etwas umher und stolpert kurz darauf in das “Moving Castle”, das titelgebende wandelnde Schloß, den beweglichen Grundbesitz von Zauber-Bube Howl. Dort lernt sie eine Pogo-Stick-Vogelscheuche, irgendeinen Jungen namens Markl (am Inn?) kennen, der einem nie weiter vorgestellt wird und das sprechende Kaminfeuer Calypso… äh Calcifer, einen Feuerdämon oder sowas, der einen Pakt mit Howl abgeschlossen hat an dem beider Leben hängt. Kurzerhand erfindet Sophie für sich die Stelle der Reinemachefrau, woran Howl auch keinen Anstoß nimmt als er von der Arbeit heimkommt. Diese Arbeit besteht daraus in irgendeinem obskuren Krieg, für den ebenso obskuren König seines Landes zu kämpfen (und am Besten auch noch für den gegnerischen König mit – der lässt auch anfragen). Also kämpft Howl.
Wenn er nicht grade zuhause Anfälle bekommt, weil Sophie seine Kurspülung mit der Bodylotion vertauscht hat und deswegen zu grünem Glibber zerfliesst, weil ihm die Haare von blond auf braun umgeampelt wurden. Sophie richtet sich häuslich ein und putzt das Schloß, das es nur so quietscht. Hatte ich erwähnt das Howl genau wie Sophie unter irgendeinem Fluch leidet? Er kann nicht nur die Haarfarbe ändern, sondern verwandelt sich auch regelmässig wenn er auf Dienstreise ist zu einem von diesen Falkenmenschen aus Flash Gordon. Oder dem Schwippschwager von Nimbly aus die “Unendliche Geschichte 2″.
Auf jeden Fall hat er irgendwie keinen Bock mehr auf kämpfen, deswegen hat er einen “cunning plan”, der selbst Baldrick aus Black Adder alt aussehen lässt. Er schickt Sophie, die ja aussieht wie ihre eigene Großmutter, zum König, damit sie ihn krank meldet. Quasi die ganz alberne Fassung von “Mutti ich will nicht zur Schule kannste mir ne Entschuldigung schreiben“.
Sophie spielt also Howls Mutter und dackelt zum König, verfolgt von einem fetten Köter und der fetten Vettel, der sie ihren Fluch zu verdanken hat. Die fette Vettel, die Witch of the Wutzland, bekommt allerdings beim Weg zum Palast Herzklabastern und wird kurz darauf von der Hofzauberin in ein Solarium gesteckt in dem viele kleine Derwische “Der Plumpsack geht rum” spielen. Das hat zur Folge das die Witch bald selbst aussieht wie besagter Plumpssack und um Jahre gealtert scheint. Kurz darauf erscheint dann Howl auf einem Speederbike aus Star Wars und rettet Sophie vor der gar nicht so netten Hofzauberin, die sich noch irgendwas von wegen “Howl is gefährlich und er mißbraucht seine Macht” in den Bart gemurmelt hat.
Zurück im Schloß adoptiert Sophie nicht nur den asthmatischen Beagle sondern auch den Plumpssack. Fortan leben alle als bizarre Familie GaGa in Howls mobiler Immobilie. Nur das die Tante Hofzauberin ziemlich stinkig auf Howl ist und weil eh grade Krieg ist anfängt alles niederzubomben um Howl aus der Reserve zu locken. Howl hat sich mittlerweile natürlich in Sophie verliebt, die ab und zu und bei richtiger Beleuchtung mal wieder etwas jünger aussieht. Sophie findet Howl mit seinen wechselnden Haarfarben und dem schmucken Federkleid auch ganz toll und stellt ihm immer frisches Wasser und Jod-S11-Körnchen hin.
Wenn da nur nicht das beständige Bombardement wäre. Und die lästigen Zombiegeister die unterm Türrahmen durchkriechen wollen. Howl renoviert sein Schloss etwas, zieht dann wieder munter in den Kampf um irgendwie zu kämpfen. Vielleicht ist er auch nur in der Mauser und will das Haus nicht vollfedern. Sophie erwehrt sich mit dem dicken Plumpssack, dem sprechenden Kaminfeuer, der Pogostick-Vogelscheuche und Markl der Zombiegeister.
Dann kommt sie auf die Idee das Feuer aus dem Haus zu nehmen, worauf das Haus zusammenbricht. Dann ermuntert sie das Feuer das Haus wieder zusammenzubauen und zu Howl zu bewegen…. dann versucht der Plumpssack den Feuergeist zu fressen, der in Flammen aufgeht. Sophie löscht den Plumpssack und den Feuergeist. Das Haus fällt wieder auseinander Sophie und der komische Asthmaköter landen in der Vergangenheit und bestaunen eine Rückblende.
Dann wird in der Gegenwart Howl abgeschossen und bricht sich den Flügel oder so… und Sophie vereint ihn mit Caligula dem Feuerteufel, küsst die Pogo-Vogelscheuche die sich als verwunschener Prinz entpuppt, der zufällig dem kriegstreibenden Nachbarland angehört… und ähh alle sind glücklich. Auch das Feuer, das ist froh, wenns wieder in den Herd darf und ein Dach überm Kopf hat. Juchhu!
Und wenn sie mal Freigang haben, dann springen sie wieder durchs Smartiesland und summen Melodien von Engelbert Humperdinck.

Um meinen Eindruck der Geschichte akkurat wiederzugeben reichen drei Worte: What the fuck? Okay okay, ich hab nix gegen überbordende Phantasie und ein paar künstlerische Freiheiten und man muß sicherlich nicht alles immer erklären. Aber was hier abläuft ist einfach konfus. Sicher ich kann mir die Buchvorlage von Frau Wynne Jones durchlesen und hoffen das ich dort erfahre worum es eigentlich ging. Vielleicht hilft es zu Wissen das Markl der Lehrling von Howl ist, vielleicht auch nicht. Aber sollte der Film nicht zumindest grundsätzliche Dinge erklären, anstatt einfach alles passieren zu lassen?
Warum verwandelt die Wicked Witch Sophie in eine alte Frau? Was genau sollen die Zombiegeister? Worum geht es in dem Krieg, wer führt ihn, warum und um wieso? Was genau will die Hofzauberin von Howl? Was hat es mit seinem Fluch auf sich? Warum hat er den Pakt mit dem Feuergeist geschlossen? Welchen Vorteil bietet ein Schloß das auf Hühnerfüßchen durch die Heide wandert? Was genau will die Wicked Witch eigentlich? Warum will sie die Herzen junger Männer fressen? Was genau ist zwischen ihr und Howl vorgefallen? Was hat es mit dem Fluch auf sich der auf dem Zettel steht, den Sophie bei sich trägt?
What is the fucking point?
Und bitte keine abgeschmackten “Krieg ist irgendwie voll nicht gut“-Aussagen. Denn der Krieg in diesem Film hat keinerlei Dimension. Er passiert, wir sehen das alles kaputt geht, aber da wir weder die Welt kennenlernen, die dort im Krieg steht noch irgendwelche Figuren ausserhalb des inneren Protagonistenkreises, lässt einen das doch alles arg kalt. Die Landschaft und Stadt sieht pittoresk aus, schön und gut. Die Menschen die dort leben sehen aus wie die Bewohner von Frankfurt bei Heidi früher – aber wir erfahren nichts über sie. Gar nichts. Der Film fokussiert auf seine bizarren Hauptfiguren deren eigentliche Motivation auch im Dunkeln bleibt, er behauptet den Schrecken eines Krieges – um zwei Länder die einem auch herzlich egal sind. Irgendwie passiert sehr viel, irgendwie verblasst der Fluch der auf Sophie lastet mit der Zeit… aber da wir nicht wußten was der Fluch überhaupt sollte, noch dazu das sich die Evil Witch ab der Hälfte in die freundliche Oma Plumpsack verwandelt… who cares? Lasst sie doch mit ihrer Hühnerfußimmobilie weiter durch die Pampa marschieren – aber bitte ohne mich.

Sicherlich einige der Bilder sind schick anzusehen Und wenn man nicht grade so eine Heidi-Look-Phobie hat wie ich, dann kann man auch an den Figuren seine Freude haben. Die Animation ist etwas ruckliger als man es heutzutage gewohnt ist, aber nunja… einige der Backgrounds sind wirklich ganz hübsch. Und es schreit einem ja auch alles die ganze Zeit entgegen: Guck mal ich bin sehr phantasievoll und poetisch und son Zeug. Aber was nützt so ein bezaubernder Zuckerbildersturm, mit einigen Referenzen an Dresden 45 wenn man als Buch unkundiger Zuschauer einfach nicht kapiert was warum passiert und nachdem es durchaus widersprüchliche Inhaltszusammenfassungen im Netz zu finden gibt und dutzende Foren in denen Leute ebenfalls fragen “was sollte das eigentlich?”, scheint es ja doch eher ein Kommunikationsproblem des Films zu sein, denn an der Dummheit der Rezipienten zu liegen. Das der Regisseur dies beabsichtigt und in Interviews auch einräumt, macht es nur bedingt erbaulicher.

Interviewer: – The film doesn’t follow Western storytelling conventions.

MIYAZAKI – A lot of people say they don’t understand the film, and what that means is just that they have a set definition of how a story is supposed to be told. When the story betrays their anticipations, then they complain. Which I find ridiculous. My father, in his old age, only watched TV programs where he could figure out the story in the first three minutes. He’d say, “I can understand this. I can follow it.” But I think it’s a waste of time to try to change people.

Frei nach dem Motto, wer eine Geschichte sucht die irgendwie kohärent ist, ist einfach zu spießig und verkalkt… Ich werd wohl nach diesem Streifen kaum ghibbelig auf den nächsten Miyazaki-Film warten, sondern mich lieber auf die kommen Werke von Takashi Miike freuen – der verwirrt einen zwar auch gerne mal, aber dessen Filme machen Spaß und doch noch irgendwo Sinn.

Das wandelnde Schloss trotzdem bei Amazon kaufen?

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • Thomas

    Huh … der Film hat zwar üble Lücken im Storytelling, aber:

    Fast alle Fragen, die du oben stellst werden vom Film beantwortet. Und auf den Rest kann man sich selbst einen Reim machen.
    So wird z.B. nirgendwo im Film ein Grund für die Kriegstreiberei mit dem Nachbarland genannt, gleichzeitig hüpft da aber der Prinz des Nachbarlandes als Vogelscheuche durch die Gegend. Wäre ein verschwundener Prinz kein Grund, einen Krieg anzufangen? Na? Der Film weist ja sogar noch auf diesen Umstand hin, indem der Prinz gleich nach seiner “Erlösung” gelobt, den Krieg zu beenden.
    Natürlich merkt man derartiges nur dann, wenn man einigermaßen aufpasst und nicht erwartet, die Story schon in der ersten drei Minuten vollständig zu erfassen ;-)

    Und was die wirklichen Lücken angeht: Der Film bleibt einem leider schuldig zu erklären, warum Sophies Mutter ihre eigene Tochter verrät. Hat mich sehr gestört.

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