Red Eye (US)

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Lisa Reisert: Is it Jack for short?

Jackson Ripner: No. I haven't gone by Jack since I was ten years old Last name's Ripner.

Lisa Reisert: Jack Ripner… Jack theee….oooohhhh.

Jackson Ripner: There you go.

Red Eye

Originaltitel: Red-Eye
Herstellungsland: USA: 2005
Regie: Wes Craven
Darsteller: Rachel McAdams, Cillian Murphy, Brian Cox

★★★☆☆

Ich mag zu milde sein mit Wes Craven. Aber bis auf "Scream 3" und "Music of the Heart", habe ich ihm wenig wirklich übel genommen. Selbst "Vampires in Brooklyn" war auf interessante Art und Weise mißlungen und hatte ein, zwei nette Momente, auch wenn Eddie Murphy fast immer scheusslich ist, es sei denn er synchronisiert einen Esel.

Ich empfand selbst Cravens-Werwolf-Heuler "Cursed" in der Unrated-Fassung noch ganz ulkig. Er konnte nicht an den Ingwer-Schnapps-Filmen klingeln, war aber solide-durchschnittliche Abendunterhaltung. Das mag aber auch dran liegen, das ich eine Schwäche für Werwolffilme habe. Genau wie beim Thema Killerspinnen, ist es schwer in dem Bereich etwas zu drehen das ich wirklich völlig mißlungen finde. Aber abwarten, vielleicht dreht Sophie Coppola ja mal einen Werwolf-Film. Lost in Transformation.

Craven ist vielleicht kein Meisterregisseur, aber er ist ein guter Handwerker. Er weiß welche Strippen er ziehen muß, um eine Reaktion zu erzielen. Das gilt auch für den neusten Film, für Red Eye (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen koreanischen Unheimliche-Langhaarfrauen-im-Zug-Geisterfilm), der aus geballtem Klischee mit guten Schauspielern eine packende, spannende Story erzählt. Keine logische Story, aber eine spannende.
Es geht um die junge Lisa (Rachel McAdams), die als Buchungsmanagerin in einem großen Luxus-Hotel arbeitet. Sie muß, eines Todesfalls in der Familie wegen, zu ihrem Vater fliegen. Im Flughafen und später im Flugzeug trifft sie auf den charmanten Jackson Ripner, dargestellt von Cillian Murphy, der aussieht wie ein junger Willem Dafoe nach der Botoxkur.
Der Plausch mit Ripner plätschert dahin, bis dieser ihr offenbart, das er ihretwegen in der Maschine sitzt. Er will sie zwingen im Hotel anzurufen um einen wichtigen Hansel von der Homeland-Security, der dort demnächst ankommt in ein anderes Zimmer zu verlegen. Natürlich damit man ihn besser aus dem Weg räumen kann. Wenn sie nicht gehorcht, würde ein Kollege von Ripner sich um Lisas Vater "kümmern".

Da Lisa auch den Homeland-Security-Bembel kennt und überdies ungern für den Tod von irgendwem verantwortlich sein mag, befindet sie sich jetzt in einer Zwickmühle. Wen soll sie opfern? Der Film ist über 2/3 der kurzen Laufzeit von rund 85 Minuten ein Kammerspiel, ein Psychoduell zwischen Lisa und Ripner.
Erst im letzten Akt gehts dann etwas zu Sache und Craven ruft bei einer Verfolgungsjagd im Haus von Lisas Vater Erinnerungen an "Scream" und "Nightmare on Elm Street" wach. Onkel Wes weiß einfach wie man (gar nicht so) wehrlose Frauen effektiv durch ein Haus scheucht. Natürlich kippen die Machtverhältnisse mehrmals, natürlich gibt es die Momente in denen aus dem Opfer Lisa die Jägerin wird, die "genug hat" und sich Ripner vorknöpft. Aber das gehört zum Spiel dieses Films, der nie wirklich überrascht aber die bekannten Versatzstücke gekonnt zusammenbaut.

Ein wenig schleppend sind lediglich die ersten 20 Minuten, die einen an die alten "Airport"-Filme erinnern. Gemächlich werden die üblichen Verdächtigen vorgestellt, die Nebenrollen aus der Stereotypenkiste.
Der großkotzige unsympathische Mitreisende, die freundlich plappernde dicke Frau, die Gruppe pubertierender Jungs und natürlich das alleinreisende Mädchen. Gott sei dank spielen diese Figuren, sobald wir im Flugzeug sind, kaum noch eine Rolle. Sie werden strategisch eingesetzt um für gewisse Plotwendungen herzuhalten, sind aber ansonsten angenehm im Hintergrund.
Craven setzt den Fokus auf die Hauptrollen, lässt die Kamera in der Enge des Flugzeuges seinen Figuren auf den Leib rücken. Verfolgt gebannt Ripners grausames Spiel mit Lisa, ihren initialen Schock und ihren Kampf mit sich selbst.

Man muß die Prämisse akzeptieren. Solange man nicht drüber nachdenkt, wie bekloppt und umständlich der Plan der Attentäter ist, funktioniert die Story. Sicher ist es hanebüchen welche Unwägbarkeiten Ripner und Kumpane auf sich nehmen um irgendeine unwichtige Zweitbesetzung der Homeland-Security aus dem Weg zu räumen, aber wann waren die Pläne von Filmschurken schonmal wirklich durchdacht.

Was dem Film angerechnet werden darf ist, das er sich im Rahmen des doofen Plotaufhängers folgerichtig bewegt. Weder Lisa, noch ihr Vater (Brian Cox mal in einer sympathischen Minirolle), noch Ripner reagieren übermässig unrealistisch oder dämlich. Wenn Lisa im letzten Akt die Schnauze voll hat und den Kampf gegen Ripner aufnimmt, dann wird sie nicht plötzlich zur Superfrau, sie wirkt lediglich wie jemand der stinksauer ist. Sie ist Ripner nicht überlegen, sondern bestenfalls ebenbürtig, das macht das Schlussduell spannend und glaubwürdig.

Wohltuend wird dann auch auf "alle denken der Bösewicht ist tot, steht dann aber doch nochmal auf"-Momente verzichtet. Wenn Lisa einen Schurken mit dem Wagen übern Haufen fährt, dann wars das für denjenigen. Wobei Craven geschickt mit der Erwartungshaltung des filmgeschulten Publikums spielt. Er weiß das wir damit rechnen, das der Kerl wieder aufsteht und richtet seine Bilder bewusst so ein, das wir gespannt schauen, wann der Schurke Klappmesserartig wieder hochschnellt, während die Heldin grade woanders hinguckt. Wenn dann der echte Schreckmoment kommt, kommt er aus anderer Richtung, als wir es erwarten.

Rachel McAdams – die ich bisher ignoriert hatte, weil sie in filmischen "Perlen" wie Wedding Crashers und Hot Chick zu bestaunen war, die gewöhnlich unterhalb meines Wahrnehmungsradars fliegen – macht ihre Sache wirklich gut. Sie wirkt selbstbewusst genug, das man ihr die kompetente Hotel-Managerin abnimmt, aber nicht zu tough, das man ihre Panik und Hilflosigkeit im Flugzeug nicht nachvollziehen könnte. Sie verleiht der Rolle Realität, ihretwegen interessiert uns was passiert. Sie schafft es dem faszinierend ambivalent-spielenden Cillian Murphy Paroli zu bieten, die Chemie stimmt und trägt den Film, der mit einer anderen Besetzung schnell zur Bruchlandung werden könnte.

Wenn Craven sich weiterhin auf das besinnt was er kann und derart unterhaltsame Mainstream-Thriller inszeniert, dann werde ich ihm wohl auch in Zukunft nie wirklich böse sein können. Aber ne Fortsetzung von Cursed muß dennoch nicht sein.

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In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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