“I got a jar of saaahand!”
Originaltitel: Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Bill Nighy, Jonathan Pryce





Ja,Ja. Jack is back. Nicht der Nicholson, sondern Captain Jack. Johnny Depp tritt zum zweiten Mal als leicht tuntiger Keith-Richards-Pirat an um das Freibeuter-Genre in die Neuzeit zu wuchten. Galt es im letzten Film dem Fluch des Aztekengoldes zu entkommen, der die Mannschaft der Black Pearl in Untote verwandelt hatte, so darf Jack diesmal dem Zorn Davey Jones entkommen, dem Käptn des legendären “Fliegenden Holländers”. Der sieht aus wie eine Kreuzung aus Doc Ock und Käptn Iglo, der übers Verfallsdatum ist und versucht mit seiner Mannschaft obskurer Krustentiere Jack Sparrow den Garaus zu machen, weil dieser sich nicht an einen Pakt halten mag, den er vor Jahren mit Jones abschloß. Umbringen kann man den auftentakelten Seebären nur, wenn man sein Herz findet, welches er praktischerweise in einer Schatzkiste deponiert hat. Man weiß ja nie. Dummerweise sind auch andere Finsterlinge hinter dem Schatz her und so kreuzen sich abermals die Wege aller Hauptdarstelelr des ersten Teils. Sei es nun bei Kannibalen, Seeschlachten, Krakenangriffen oder wüsten Gefechten in rollenden Mühlrädern.
In den ersten Teil wollte ich ja erst nicht rein. Piratenfilme, Gähn. Das letzte was ich aus dem Genre in Erinnerung hatte war Roman Polanskis auch heute noch unansehbares Millionengrab “Pirates”, mit dem Walther Matthau damals baden ging. Zudem wurde der neue Film von dem Kalenderidioten Jerry “Rumms” Bruckheimer produziert, der einige der überflüssigsten Heuler der Actiongeschichte in die Landschaft geschissen hatte. The Rock. Con-Air. Pearl Harbor. Armageddon.
Nicht genug, daß er A-Mimen wie Steve Buscemi und John Malkovich in irgendwelche reaktionären Explosions-Pornos steckte, er schaffte es auch, daß Leute tatsächlich glaubten Nicholas Cage wäre cool. Was er niemals sein wird, egal wie oft er in Zeitlupe mit geblähtem Mantel vor einer Explosion wegrennt. Nicholas Fucking Cage.
Und dann basiert das ganze auch noch auf einer der ältesten und langweiligsten Fahrten die Disney-Land zu bieten hat. Und ich meine langweilig. Oder vielleicht sagt man eher nostalgisch. Auf jeden Fall eine Sache die so alt ist, daß sie im Europa-Park und im Rastiland sicher als Attraktion beworben würde. Regie sollte dann jemand führen, der außer mit “Mäusejagd” bislang nicht positiv aufgefallen war und der gekonnt das gruslige “Ringu”-Original in eine geleckte Masturbationsvorlage für Kunststudenten remaked hatte, die etwa halb so spannend war wie das Sendeschlußzeichen vom Bayerischen Rundfunk. Super.
Einziger Grund den Film dennoch zu sehen, war damalsdie Tatsache das ich eingeladen wurde und zudem ein recht drolliger Ausschnitt mit dem überaus geschätzten Johnny Depp. Kurz und gut. Ich ging ohne Erwartungen rein und wurde positiv überrascht. Der Film nahm sich gerade ernst genug, daß einem die Figuren nicht egal waren, Depps nuschelnder Schack Spaarrow war alleine das Eintrittsgeldwert wert und die Tricks waren deutlich ambitionierter, als vieles was man in den vergangenen Jahren von ILMs-Renderbeamten gewohnt war. Das in den Nebenrollen Orlando Bloom, Keira Knightley, Jonathan “Brazil” Pryce, sowie der immer sehenswerte Geoffrey Rush zu sehen waren, tat ein übriges mich für den Film einzunehmen.
Insofern ging ich mit höheren Erwartungen in die Fortsetzung, war gespannt wie die Story weitergesponnen würde. Die Kritik, so hörte ich, war eher weniger angetan von diesem zweiten Streich, der von derselben Mannschaft wie im ersten Teil, back-to-back mit dem für Sommer 2007 angekündiggten dritten Teil, gedreht wurde.
Nun, hier sind meine Zwei Groschen: Ja der Film ist zu lang, ja die Story ist nicht wirklich originell, ja wir sehen Variationen dessen was wir schon kennen.
Braucht es wirklich 150 Minuten um die Geschichte von Davey Jones und seinen Krustentierkumpels zu erzählen (und nebenbei gefragt: Braucht man in einem 150min Film wirklich eine Pause liebe Cinestar-Leute?). Ist Käptn Seepocke und seine lustige Fischbande nicht nur eine Variation der Zombie-Piraten aus Teil 1?
Ja, Ja und Ja.
Hab ich mich dennoch wunderbar unterhalten gefühlt und amüsiert? Ebenfalls Ja.
Gore Verbinski und seine Design- und Kreativcrew schaffen es auch im zweiten Anlauf, die Story mit wirklich originellen und rasant umgesetzten Action-Slapstick-Szenen zu spicken. Die spürbare Spielfreude der Darsteller, allen vorran Johnny Depp, Jack Davenports aber auch Keira Knightly, die diesmal etwas mehr Charakterfutter bekommt, machen es leicht sich in diesem Piratenadventure wohl zu fühlen. Sicher wirkt einiges etwas ausgewalzt und episodenhaft, das Vorgeplänkel auf der Kannibaleninsel ist mehr Alibi für absurde Action als Handlungselement, aber spätestens wenn Captain Jack als wandelnder Früchtespieß Stabhochsprung macht, möchte man auf diese Füllszene nicht verzichten.
Wie schon im ersten Teil beindrucken die Schurken auch dieses Mal. Bill Nighy der fast vollständig hinter einerm digitalen Tentakelbart verschwindet, schafft es dennoch eine charismatische Figur zu erschaffen, obwohl er es noch schwerer hat als Geoffrey Rush aus Teil 1.
Die Nebenrollencharaktere sind allesamt wieder vertreten und bekommen, wir haben ja die Zeit, alle Szenen ihre Talente auszuspielen. Etwas weniger Klamauk mit den beiden Comic-Reliefs Pintel und Ragetti (der mit dem Holzauge), wäre sicher zu verkraften gewesen, aber andererseits sind ihre Momente auch nicht so ausgewalzt, das es anstrengend wird. Erfrischend sind auch die piratischen Grausamkeiten, die für einen FSK12-Film durchaus saftig und phantasiereich ausfallen. Da wird gemetzelt, erdolcht, abgehackt und plattgequetscht das es eine Freude ist. Aber hey Kinder, ist nur Spaß.
Erfreulich wie schon im ersten Film sind die insgesamt sorgfältigen Trickeffekte, die bewusst auf eine völlig entfesselte Kamera verzichten, die grade Action-Szenen und Kamerafahrten oft den Look von Computerspielen geben. Hier hält man sich zurück, versucht oft den Look normaler Kameraaufnahmen zu erreichen, was dem Film insgesamt gut tut. Die Farbdramaturgie ist wieder karibisch bunt, mit Akzent auf schmierige braun- und gelbtöne, die die leicht gammlige Erscheinung aller Beteiligten gut unterstreichen.
Die Actionszenen, sind noch ausgefallener und phantasiereicher als im ersten Teil, beeindrucken durch einen relativ realistischen Look, sowie durch wirklich brilliantes Timing, was sich besonders im Finale bemerkbar macht, wenn gleichzeitig in einem rollenden Mühlrad gefochten wird, während die Sprottenpiraten Jagd auf Davey-Jones-Schatzkiste machen. Das verblüffte Gesicht von Keira Knightley und den beiden Slapstick-Piraten, wenn mitten in einer bedrohlichen Situation plötzlich das Mühlrad vorbeirollt, gefolgt vom wie immer tänzelnden Jack Sparrow, ist Gold wert.
Einzig durchwachsener Moment ist der Angriff des Riesenkraken, der mich nicht wirklich überzeugte. Irgendwie wirkt die Bewegung der Tentakel wenig glaubhaft, irgendwie sahen die Darsteller in diesen Momenten immer unglaublich reinkopiert aus. Dazu kommt die typische übertriebene Unschärfe die einfach nicht mit den realgedrehten Aufnahmen harmoniert. Welches Trickstudio dafür auch immer verantwortlich war, es ist leider der schlechteste CGI-Effekt des ganzen Films. Natürlich ist das ein kleiner Makel an einem ansonsten wirklich sehr sorgfältig gemachten Film. Alleine die detailversessene Ausgestaltung von Davey Jones Fischpiraten ist ein Erlebnis, von Muschel- und Seesternbesetzten Gesichtern, bis zu Figuren die aussehen als hätte ein Blauwal eine Moluske genotzüchtigt ist wirklich eine Vielzahl an originellen und abstoßenden Figuren dabei. Die Animation von Davey Jones selbst ist ein kleines Meisterstück, da sie es schafft den Schauspieler trotz aller Digitaleffekte nicht völlig hinter den Pixeln verschwinden zu lassen.
Musikalisch gibts Dienst nach Vorschrift, Hans Zimmer hat sich diesmal persönlich an die Partitur gesetzt, nachdem er, ungewiß ob es ein Erfolg würde, den ersten Teil noch von seinem Protegé Klaus Badelt machen ließ. Das bekannte “Pirates”-Thema wird in X-Varianten vom Marsch bis zur Ballade variiert, dazu kommt noch die Musik aus Davey-Jones-Spieluhr die wir ebenfalls in diversen Varianten zu hören bekommen. Das alles passt jedoch bestens zum Geschehen auf der Leinwand, bietet also auch keine Grund zur Beschwerde. Nur vielleicht nix, was man sich zuhause ohne den Film noch dutzendfach anhören würde.
Zum Ende hin zieht es sich dann leider etwas. Nachdem Captain Jack sich Cliffhanger-Kompatibel in Lebensgefahr begibt, dauert es leider noch rund eine Viertelstunde, bis der Film einen nach Hause lässt. Da wäre weniger mehr gewesen, den Frust des Davey Jones’, den zweiten Besuch bei der (großartig gespielten) Voodoo-Mutti hätte man auch an den Anfang von Teil Drei schieben können, die emotionalen Tränendrüser weglassen, da sie bei dieser Art von Film eh nicht wirklich funktionieren. Immerhin gibt es eine Schlußpointe, ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten, das einen dann letztlich doch überrascht und versöhnt in den Abspann schickt.
Dennoch: Für Leute mit Sitzfleisch und Spaß an guter, überdrehter Popcornunterhaltung bietet “Dead Mans Chest” rundweg gelungene Unterhaltung mit hohen Schauwerten, bestens aufgelegten Schauspielern und einem Ende das neuierig macht auf den dritten Teil. Ich werd auf jeden Fall wieder an Bord sein.
Ahoi.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 28th, 2006 •
- 46 Kommentare
- Schlagwörter: Adventure, Fantasy, Johnny Depp, Pirates Of The Caribbean, Pirates Of The Caribbean 2, Review









































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