Sommersturm

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"Zusammen wichsen ist okay, aber bei nem kleinen Kuss gibts gleich ein Riesendrama… da soll man sich noch auskennen!"

Originaltitel: Sommersturm
Herstellungsland: Deutschland 2004
Regie: Marco Kreuzpaintner
Darsteller: Robert Stadlober, Kostja Ullmann, Tristano Casanova, Alicja Bachleda-Curus, Miriam Morgenstern, Jürgen Tonkel, Hanno Koffler

★★★★☆

Sommersturm

Jetzt hat auch Deutschland einen gelungenen mainstreamkompatiblen Film zum Thema Coming Out. Nun gut es hat nur rund 20 Jahre länger gedauert als in den meisten anderen Ländern, bis man kapiert hat, das das Thema Schwulsein nicht immer in freudlosen, uninspirierten Depressionsskizzen a la "Westler", "Coming Out" oder "Die Konsequenz" abgehandelt werden muß.

Von den Erfolgsproduzenten Claussen & Wöbke kommt ein Film der sehr deutlich in Anlehnung an "Crazy" vermarktet wird. Mit dem Film teilt "Sommersturm" nicht nur den Hauptdarsteller Robert Stadlober sondern auch die Thematik des "Coming-of-age".

Die Grundhandlung ist simpel. Der Junge Tobi, Anführer des dörflichen Ruderteams ist in seinen besten Freund Achim verliebt. Dieser hat aber nur Augen für seine Freundin. Als alle zusammen zu einem Ruderturnier fahren und dort unerwarte auf ein Team schwuler Ruderer treffen, beginnt für Tobi eine rasante Selbstfindungsphase.

Beachtlich an dem Film ist nicht die Geschichte, sondern die leichtfüssige Erzählweise. Fast unverschämt offen fängt die Kamera Tobis verklemmtes Begehren ein. Zärtlich und bittersüß die Momente versteckten Anhimmelns. Die Doppeldeutigkeiten freundschaftlichen Körperkontaktes. Was für den überzeugten Hetero Achim lediglich Ausdruck inniger Kumpelhaftigkeit ist, ist für Tobi ein ständiger Balanceakt zwischen Sehnsucht und Zurückweisung.

Wunderbar die Szenen in denen allein Tobis Blicke Bände sprechen. Wenn er kurz davor war Achim zu gestehen das er schwul ist und im letzten Moment einen Rückzieher macht und vorgibt mit einem Mädchen geschlafen zu haben.

Kurz darauf tanzt Achim mit seiner Freundin, Tobi wird von der seinen auf die Tanzfläche gezwungen und knutscht pflichtschuldig mit ihr… den Blick die ganze Zeit auf den unerreichbaren Freund gerichtet.

Die Ankunft im Rudercamp und das Zusammentreffen mit der jungen schwulen Rudermanschaft "Queerschlag" wirkt für Tobi natürlich als Katalysator um sich endlich seinen Gefühlen zu stellen. Natürlich gibts Tuntengags doch der Humor schafft es Klischees auf beiden Seiten weitgehend zu vermeiden. Schwuppen wie Heten werden mit feiner Ironie gezeichnet ohne zur Karikatur zu verkommen. Die Stärke des Films sind jedoch die stillen Szenen. Wie schon in Crazy gibt es lange, nur mit Musik unterlegte Momente, die mehr über die Figuren aussagen als die bisweilen etwas hölzernen Dialoge.

Kein perfekter Film. Ein-zweimal merkt man aufdringliche Bildsymbolik, etwa wenn Tobis Gefühl Aussenseiter zu sein auch optisch durch einen umgestürzten Baum betont wird, der ihn von der Gruppe seiner Hetenfreunde trennt. Oder wenn sich einer der schwulen Ruderjungs, etwas aufgesagt klingend, fragt "Warum man als schwuler denn immer so deutlich zeigen müsste, das man schwul sei. Und warum man dauernd über Sex reden muß" Das klingt arg bemüht und didaktisch und verkorkst für einen Moment, die ansonsten gelungene Darstellung der schwulen Jugendlichen. Wer auch immer der Verfasser dieser Zeilen war, hat vermutlich nie längere Zeit mit pupertierenden Hetero-Jungen zusammen gesessen und deren Gesprächen gelauscht. Über Sex wird geredet, weil es Kerle sind, nicht weil sie schwul sind.

Ab davon – und das sind wirklich Kleinigkeiten – bleibt ein sehr gelungener Film, dem nicht nur deswegen der gerechte Erfolg zu wünschen ist, weil er vergnügliche, anrührende und witzige Feelgood-Unterhaltung liefert – sondern auch weil damit bewiesen wäre, das professionell gemacht und vermarktete Filme zu Schwuppen-Themen einen Markt haben in Deutschland. Und das es auch in Mainstreamfilmen schwule Hauptfiguren gibt, die jenseits von "Traumschiff Surprise" und dem "Bewegten Mann" liegen.

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In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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5 Comments

  1. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Jetzt kommt Krabat wieder. Sommersturm-Regisseur Marco Kreuzpaintner, der sein Händchen für Jugendfilme bereits unter Beweis gestellt hat, verfilmt die Geschichte des Zauberlehrlings Krabat jetzt als 8 Millionen-Euro teuren Realfilm. Die Hauptrolle wird der aus Detlev Bucks Knallhart bekannte David Kross spielen, in weiteren Rollen sind Daniel Brühl, Robert Stadlober, Tom Wlaschiha und Hanno Kofler zu sehen. […]

  2. lena

    boaaaaaaaar
    Marlon Kittel ist haaaaaaammer geil
    zum verlieben

  3. Franzi

    Ich fand den Film voll geil am liebsten würde ich nur noch den Film angucken weil der soooooooooo geil war. Und ich fand das Leo und Tobi sehr gut und super zusammen gepasst haben und sie waren auch voll süß zusammen und deswegen fand ich`s auch sehr schade das sie am Ende nicht noch zusammen gekommen sind weil mir dan der Leo so sehr leid tat weil er ja wirklich in den Tobi verliebt war und deswegen hoff ich sehr das es noch eine Vortsetzung von dem Film gibt wo die beiden also Leo und Tobi dan endlich zusammen kommen.

  4. Krabat - Die Fünf Filmfreunde

    […] werden. Die Besetzung vor und hinter der Kamera war vielversprechend. Marco Kreuzpaintner hat seit Sommersturm einen Stein bei mir im Brett. Außerdem ist er jemand, der in Interviews gern frei von der Leber […]

  5. Len

    Leo ist leider aus Berlin und Tobi ja irgendwo aus Bayern…

    Ich find Marlon Kittel auch total süß, es ist total schade dass er hetero ist… In einem Interview hat Robert Stadlober auch gesagt dass Marlon in echt “very straight” und ein ziemlicher Macho ist :( Das ist einfach so unfair!

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