The Corporation

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Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung

Corporation

Originaltitel: Corporation, The
Herstellungsland: Kanada
Erscheinungsjahr: 2003
Regie: Jennifer Abbott, Mark Achbar

Darsteller: Noam Chomsky, Mikela J. Mikael
★★★★☆

Dokumentationen haben Konjunktur. Dank Michael Moore und seinen filmischen Polemiken gilt das ehmals als Kassengift geschmähte Genre plötzlich wieder als "cool". In eine ähnliche Richtung, jedoch weniger unsachlich als Moore geht die dreistündige, kanadische Dokumentation "The Corporation".

In drei Teilen wird das Wesen großer weltweiter Aktien/Handelsgesellschaften untersucht, ihre Handlungen und ihren gesellschaftlichen Einfluss. Mit überraschender, zuweilen erschreckender Offenheit reden Manager und Führungskräfte von Weltkonzernen über Firmenphilosophien und Geschäftsgebaren.

Konzerne haben den Rechtsstatus von Personen – die Filmemacher fragen, nicht ohne ironischen Hintersinn: Wenn Konzerne Personen sind – was für eine Art Mensch sind sie? Eine Verhaltensanalyse am Beispiel üblicher Konzernpraktiken lässt Muster erkennen, die in der Psychologie mit Psychopathen assoziert werden.

Am Beispiel mehrerer detaillierter Einzelfälle, vom Druck eines Medikamentenherstellers auf FOX-NEWS bis zum US-Stars die die ihre Kleidercollectionen von Kinderarbeitern nähen lassen, fächert die Doku die verschiedenstens Facetten auf, die den Einfluss, die Macht von Konzernen und das Versagen demokratischer Strukturen bezeugt.

Ohne sich selbst in Michael Moore Manier zu inszenieren schaffen es die Autoren verschiedene Sichtweisen darzustellen, Befürworter und Gegner von Weltkonzernen zu Wort kommen zu lassen. Es wird kein eindimensionales Feindbild aufgebaut, sondern nach geschichtlicher Entwicklung und nach Lösungsansätzen gesucht. Konzernchefs sind eben keine ungreifbaren James-Bond-Bösewichte sondern Menschen – und diese Menschlichkeit ist oftmals erschreckender als die Dämonisierung die vielfach betrieben wird, wenn es um Kapitalismuskritik geht. Gekonnt werden Denkmuster und Besitzkonzepte hinterfragt, die einem so selbstverständlich erscheinen, das man sich nie die Mühe machte groß darüber nachzudenken – und die einem erst wenn man es tut, als bizarre Denkkonstrukte erscheinen.

Bleibt zu hoffen, das sich ein deutscher Sender findet, der die dreiteilige Dokumentation in angemessener Form auf unsere Bildschirme bringt.

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In : DVD, Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  1. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Wie gefährlich Lobbyismus ist, wie einflußreich Meinungsmacher sein können, das kann man schön in Dokumentationen wie “Why we fight“, “The Corporation” oder wirklich gelungenen Satiren wie “Network” sehen, der 30 Jahre nach seiner Entstehung immer noch viele Momente hat die genau ins Schwarze treffen. […]

  2. BatzLog - Noch etwas Salz? » Letztes Lichtspiel: Thank you for smoking

    […] Wie gefährlich Lobbyismus ist, wie einflußreich Meinungsmacher sein können, das kann man schön in Dokumentationen wie “Why we fight“, “The Corporation” oder wirklich gelungenen Satiren wie “Network” sehen, der 30 Jahre nach seiner Entstehung immer noch viele Momente hat die genau ins Schwarze treffen. […]

  3. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Ein wichtiger Film, eine schöne Ergänzung zu The Corporation , der jetzt endlich auch hierzulande zu sehen ist. […]

  4. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] „The Corporation“ haben wir euch ja schon einmal ausführlicher vorgestellt, es ist wohl eine der bedeutendsten Dokumentationen der letzten Jahre, die anhand des so einfachen wie genialen Gedankenspiels, juristische Personen – sprich: Unternehmen – einer Psychoanalyse zu unterziehen. Und dabei auf die nicht allzu neue Einsicht stößt: Gemessen an menschlichen Verhaltensweisen sind Unternehmen sozio- und psychopathische, äußerst gestörte Zeitgenossen. Der Film bekommt von mit glatte 4.5 von 5 Sternen, aber das tut hier nichts zur Sache, denn die Sensation ist, dass die Filmemacher den Film umsonst im Netz anbieten. In DVD-Qualität mit Interview. Als Torrent. […]

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14