The Road to Guantanamo

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Originaltitel: Road to Guantánamo, The
Herstellungsland: Großbritannien 2006
Regie: Michael Winterbottom, Mat Whitecross
Darsteller: Riz Ahmed, Steven Beckingham, Nancy Crane, Christopher Fosh

★★½☆☆

Michael Winterbottom und sein Co-Regisseur stellen die Geschichte der "Tripton Three" nach. Rhuhel Ahmed, Asif Iqbal und Shafiq Rasuljener,  drei in England aufgewachsenen Muslims, die über Jahre hinweg im US-Gefangenenlager festgehalten wurden. Grund dafür war eine Reise nach Pakistan, im September 2001. Einer von ihnen sollte dort seine Braut kennenlernen die seine Mutter für ihn ausgesucht hat. In einer Moschee lauschen die drei strenggläubigen Moslems einem Iman der seine Schäfchen auffordert nach Afghanistan zu gehen und ihren Glaubensbrüdern dort humanitäre Hilfe zu leisten Die drei beschließen dem Folge zu leisten, reisen nach Afghanistan das grade von den Amerikanern befriedet wird, geraten durch verschiedene dumme Zufälle in die Taliban Hochburg Kunduz und schließlich in amerikanische Gefangenschaft und werden nach Guantanamo deportiert.
Ihre Geschichte, das sie aus England stammen nimmt ihnen niemand ab, jahrelang müssen sie Terror, Verhöre und Psychofolter über sich ergehen lassen, bis ihre Geschichten endlich verifiziert werden und man sie freilässt.

Die auf der diesjährigen Berlinale mit dem silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnete Dokudramisierung, hat ein Problem: Sie ist weder Fisch noch Fleisch und verreckt auf halber Strecke in Emotionalisierung, wo sie Fakten liefern sollte.
Als reiner Spielfilm würde man ihr gewisse künstlerische Freiheiten zugestehen, Zuspitzungen erwarten, erlauben daß die Erlebnisse mehrer Gefangener zu einem Gesamtbild zusammengefasst werden, das personalisiert und emotionalisiert wird.  Aber Winterbottom will keinen Spielfilm abliefern. Er behauptet die Wahrheit zu verkünden und zu bebildern und an der Stelle driftet der gutgemeinte Film aufs Glatteis.

80% des Films bestehen aus mit Schauspielern nachgestellten Spielszenen, die die Geschichte illustrieren, perfekt mit dräuender Dramamusik unterlegt, wie man es aus schlechten Boulevardmagazinen kennt. Zwischendurch dürfen die echten Tripton Three in Interviews ihre Geschichte erzählen. Allerdings nur sie. Der Film bleibt konsequent subjektiv. Zu keinem Zeitpunkt werden andere Sichtweisen, Augenzeugen gezeigt, die der Geschichte zu etwas mehr Glaubwürdigkeit verhelfen. Weder Journalisten, Amnesty-Mitarbeiter, Mitgefangene, US-Regierungsangehörige – nichts.
So sehr man gutwillig auch glauben mag, wie es im Guantanamo zugeht, so spekulativ wirkt der Film durch das fehlen jeglicher journalistsichen Belege, für die Erzählung der Drei. Zudem drängen sich Fragen auf, ob es nicht, selbst wenn man ihre Geschichte glaubt, etwas blauäugig und ungeschcikt war, wenige Wochen nach 9/11 ausgerechnet als britische Muslims ausgerechnet nach Afghanistan zu reisen, wohlwissend wie die Situation dort ist. Shit happens, sicher. Aber genauso wie man sich bei Touristen die Fahrradtouren in Krisengebieten machen und dann entführt werden, fragt ob der Ärger nicht leicht vermeidbar gewesen wäre, so lässt auch "Road to Guantanamo" die Frage unbeantwortet was genau  den  ihre Reise dorthin sollte.

Und im Endeffekt erzählt er nichts neues. Ja es ist sehr unerfreulich wenn man in Guantanomo landet, die Amis fragen nicht groß ob man schuldig ist sondenr gehen davon aus, daß man es ist und sind bei ihren Befragungstechniken nicht eben zimperlich.  Die  Frage bleibt, was der Film  uns darübe rhinaus sagen will. Durch die  absolute Kaprizierung der  Story auf die Einzelpersonen (die man auch nach einer Weile nicht wirklich ihren Schauspiern zuordnen kann), verpasst der Film die Chance einer ernsthaften Auseinandersetzung und eines weiteren Tableaus. Eine gut recherchierte Dokumentation hätte ausgehende von diesem Fall exemplarisch die größere Geschichte dieses illegalen Kriegsgefangenenlagers erzählen könne, in dem Menschen auf vagen Verdacht hin auf Jahre hinweg eingesperrt werden können. Hätte geschichtliche Parallelen aufzeigen können, den Umgang der USA mit Menschenrechten insgesamt untersuchen. Den diese werden nicht nur in Guantanamo verletzt, die Praxis suspekte Personen aus anderen Ländern zu entführen und in Ländern zu verhören, die was Folter angeht weniger zimperlich sind, ist da nur ein Beispiel. All diese Möglichkeiten lässt der Film ungenutzt und schwelgt stattdessen in seinen nachgestellten Spielszenen, die selbst die unsäglichen Guido-Knopp-Dokus noch ausgewogen und wohl recherchiert wirken lassen.

Wem es reicht eine einseitig erzählte Story im Stil eines Boulevardmagazins vorgehführt zu bekommen, die in einem seriösen Stil wohl einen soliden 8min Beitrag ergeben würde, der ist mit "Road to Guantanamo" wohl recht gut bedient, denn der Bauch wird in jedem Fall angesprochen. Wer sich eher für Fakten interessiert, wird vom repitativen Gebrülle, Durcheinandergesabbel und dem erzählerischen Leerlauf der Geschichte wohl wie ich, etwas angenervt zurückbleiben.

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About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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