Van Helsing

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It sucks – and its not just the vampires…

Van Helsing

Originaltitel: Van Helsing
Herstellungsland: USA 2004
Regie: Stephen Sommers

Darsteller: Hugh Jackman, Kate Beckinsale, Richard Roxburgh, David Wenham

★★☆☆☆

Es gibt Filme, die lassen einen wünschen Computeranimation wäre nie erfunden worden. Oder zumindest auf dem Niveau von TRON geblieben. Nein, ich rede nicht von Nemo.

Universals neuster Franchise "Van Helsing" – ist es ein Vogel? ist ein Flugzeug? ist es James Bond der die alten Klamotten von Indiana Jones aufträgt? Es ist auf jeden Fall "GROSS" und "LAUT". Und es soll eine Serie werden. Die Vorgeschichte zum Film erzählt ein Zeichentrickfilm. Die Sequels sind beschlossene Sache.

Und hätte es nicht auch charmant werden können? Ein netter ironischer, altmodischer Grusler, der Universals Klassik-Monster vereint? Hätte. Aber nicht mit dem Mann als Regisseur, der schon die Mumie der Lächerlichkeit preisgab und einen albernen, unlustigen Kinderfilm ablieferte, der aussah wie sein eigenes Playstation-Spiel.

Van Helsing setzt genau dort an wo die Mumie aufhört. Nach einem zugegeben originellen Intro in s/w, darf Wolverine Jackmann in Paris Mr. Hyde plätten. Mr. Hyde stimmt einen auch auf die Monster des Films ein: Er ist vollständig aus dem Computer und sieht aus wie die debile Leibesfrucht einer Notzüchtigung Shreks durch Dolph Lundgren.

Die weitere Handlung des Film ist belanglos und nur ein Aufhänger für eine unnütze digitale Actionszene nach der anderen. Van Helsing wird nach Transylvanien beordert um dort Dracula den garaus zu machen. Dracula will die Welt mit fliegenden kleinen Gaygoyels unterjochen und muß dazu das Frankensteinmonster als Batterie benutzen. Derweil hält er sich einen Werwolf als Schlosshund – Jemand eine Aspirin?

Vielleicht hätte man selbst aus der hirnrissigen Story noch etwas machen können. Aber Regisseur Sommers kann sich nicht entscheiden ob er nun einen albernen Slapstickfilm oder doch Drama oder lieber einen Superheldenfilm drehen will. Die Dialoge schwanken von halbwegs gelungenen Onlinern zu derart sülzig-dämlichen Texten, das man meint Rosamunde Pilcher wär nochmal eben übers Drehbuch gegangen. Oder Hedwig Courths-Mahler wahlweise.

Und da man das Publikum scheinbar für dämlich hält und die Macher das auch zeigen, dürfen die "Helden" ständig das offensichtliche verkünden. "Das müssen wir zu Van Helsing bringen!", "Sie ist tot!", "Das sind Vampire!" – ach was?

Der Höhepunkt tiefgründiger Charakterentwicklung ist erreicht, wenn Kate Beckenbauer mit unglaublich schlechten rumänischen Akzentimitat (wohlgemerkt völlig ohne Zusammenhang zur Handlung) "I've never been to the sea…" hervorstammeln darf. – Ja, schön das wir drüber gesprochen haben.

Und immer wieder die SFX – leider steht und fällt ein Film, der außer Effekten nichts zu bieten hat, mit seinen Tricks: Was ist mit ILM los? Irgendwann war diese Firma mal ein Garant für gute Spezialeffekte… aber nach der Mumie, Episode1+2, Hulk und anderen Kinoverbrechen ist ILM nur noch ein Garant für lieblos hingerotzte Renderorgien, aus dem Rechner gekotzt für ein Publikum das alles was grell, hektisch und plakativ ist für bejohlenswert empfindet.
Zitat aus einer anderen Kritik eines schlechten Films: "You'd call the special effects "special" in the same way you'd call a retarded kid "special".
Die Effekte sind wirklich, wirklich, wirklich SCHLECHT. Und da der Film wahrscheinlich zu 70% vor Bluescreen gefilmt wurde, gibt es sehr viele Effekte. Auch völlig unnütze. Die Helding rutscht eine Dachschräge hinunter? Lasst uns doch noch etwas Schneewirbel an ihre Füsse rendern. Jemand fällt ins Wasser? Lasst uns das doch digital machen! Hugh Jackmann rennt eine Treppe hoch? Lasst ihn uns doch digital reinsetzen! Jemand hängt an einem Seil? Warum die Figur nicht ganz aus dem Rechner holen? Jedes Bild ist vollgestopft mit Computereffekten – selbst wenn die Darsteller nur in einem Zimmer stehen ist garantiert irgendein Hintergrund digital reingestanzt… Wo die Herr der Ringe-Filme trotz einiger Längen großartiges Augenfutter bieten, dort verkommt Van Helsing zur ermüdenden CGI-Parade. Warum derart "schäbbige" Animationen wie die der Monster (der Werwolf sieht aus als wäre er mit denselben Animationsroutinen entstanden wie seinerzeit die Tiere in Jumanji) 150 Mio $ kosten bleibt schleierhaft.

Meine Erwartungen waren nach den Mumien-Debakeln ja schon recht gering… aber dennoch enttäuscht es, wenn man mitansieht, wie die klassischen Filmmonster derart entwürdigt werden.
Nunja, sie haben "Abbott & Costello meet Frankenstein" überlebt. Sie werden auch dieses freudlose Funmovie überleben.

In diesem Sinne: "Horror-movies ain't dead – they just smell funny.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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5 Comments

  1. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Batzman meint: Ich würd ja gern “I’ver never been to the sea” nehmen, aber diese Perle dümmlicher Dialogkunst stammt leider schon aus dem älteren “Van Helsing“. Auch das möchtegernphilosophische “Sand wird überschätzt, es sind nur sehr kleine Steine” aus “Eternal sunshine of the spotless mind” ist schon etwas länger her. […]

  2. Five

    Gott, Van Helsing war der erste und bisher einzige Film, wo ich wirklich überlegt habe, das Kino zu verlassen. Ich habe mir schon in den ersten 5 Minuten gewünscht, daß der Film bald zu Ende sein möge.
    Tja, selbst Schuld, daß ich dem Gruppenzwang gefolgt bin. Hab ja schon vorher gewußt, daß der nicht gut sein wird. Aber SO schlecht…

    Btw, ist euch aufgefallen, wie perfekt die Haare von Becks stets waren? Eine Szene: sie kommt aus den Regen herein. Schnitt: Haare trocken und lockig-glänzend.

  3. the last czarnian

    oh,mann! jaa! aua! der war schlecht! so verdammt schlecht!wenn er wenigstens noch billig produziert wäre,
    dann hätts vielleich für eine schöne trashperle gereicht. aber nein!ich habe mir bei den ganzen groben schnitzern, dem hahnebüchenen storyverlauf und den vergewaltigten horrorklassik-monstern so oft in die hände beissen müssen,dass ich auf dem nachhauseweg vom kino fast einen unfall gebaut hätte,weil ich nicht mehr richtig lenken konnte.wer hätte gedacht das die “league of extraordinary gentelmen” noch zu toppen ist!?

  4. F5 — 30 Days of Night

    […] Ende erinnerte mich dann auch an einen weiteren miesen Film: Van Helsing. “I’ve never been to the […]

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14