X-Men 3 – The Last Stand

8 Comments

"Grow these back…"

Originaltitel: X-Men: The Last Stand
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Brett Ratner
Darsteller: Patrick Stewart, Hugh Jackman, Ian McKellen, Halle Berry, Famke Janssen

★★★★☆

X-Men 3

Zur Beachtung: Review enthält leichte Spoiler

Zum dritten Mal bereits treten die X-Men an. Und wie schon die ersten Male geht es bei diesen Superhelden vorrangig darum Probleme zu klären, die mit ihrem Anderssein zusammenhängen als den üblichen Heldenkram zu erledigen. Nachdem im letzten Film der Präsident überzeugt werden konnte, daß die Menschen und Mutanten friedlich koexistieren können, könnte alles so schön sein.

Lediglich Magneto (Ian McKellen), Ex-KZ-Häftling mit der Fähigkeit Metall zu beherrschen, ist weiterhin davon überzeugt, daß die Menschheit eine Gefahr darstellt, die die Mutanten letztlich vernichten will. Als ein Pharmakonzern ein Heilmittel erfindet, das dauerhaft das Mutationsgen unterdrückt und somit Mutanten kurieren kann, ist dies nur Wasser auf seine Mühlen.
In der Tat gibt es Hinweise, das die Kur nicht so freiwillig verabreicht wird, wie man es vorgibt.

Der psychologische Druck auf die Andersartigen sich "kurieren" zu lassen wächst. Auch einige Mutantenwie Rogue überlegen sich "heilen" zu lassen um endlich ganz normal zu sein, endlich dazuzugehören. Professer Xavier (Patrick Stewart), Leiter des Internats für Mutantenkinder und Verfechter eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Mensch und Mutant, sieht sich erneut zwischen den Stühlen.  Magneto scharrt immer mehr Mutanten um sich, plant die Hersteller des Heilmittels auszulöschen. Die Regierung wappnet sich gegen die Mutanten und zu alledem kehrt auch die telekinetisch begabte Jean Grey, die sich im zweiten Teil für ihre Freunde opferte zurück. Allerdings ist sie nicht mehr dieselbe wie zuvor und droht zur tödlichen Gefahr zu werden.

Meine erste Reaktion als ich hörte das Brian Singer, Regisseur der ersten beiden Filme den dritten X-Men-Streifen nicht mehr drehen will, weil er sich lieber "Superman Lives" widmen wollte, und das stattdessen Brent Ratner die Regie übernimmt, war nur: Bitte nicht!

Nicht nur, daß der Mann das Projekt verließ, der die X-Men-Filme zu dem Erfolg gemacht hatte, der sie waren, der ihnen eine Tiefe und Dialoglastigkeit gab, die man in dem Genre gemeinhin nicht erwartet, nein er nahm auch noch seine halbe Crew mit und drehte ein dämlichen neuen Superman-Film.

Und jetzt sollte wer Regie führen dessen herausragenste Leistung bis jetzt die "Rush Hour"-Klamotten und das mittelmässige Remake von "Red Dragon" waren. Super.
Entsprechend gedämpft waren die Erwartungen, die erst durch die Trailer und das siebenminütige Preview das ein US-Sender jüngst ausstrahlte etwas stiegen. Okay, vielleicht haben die X-Men das Zeug auch einen mittelmässigen Regisseur auszuhalten. Vielleicht würde der Film doch ganz okay werden.

Nach Ansicht des Films muß ich sagen, der Film ist nicht ganz okay. Er ist gut. Er ist, wenn auch knapp der beste der drei X-Men-Filme. Entgegen der Erwartung ist der Film kein hohles Actionspektakel geworden, kein FX-Panoptikum ohne Story und Verstand. Selbst der durch Brian Singer vorgegebene recht deutliche Subtext, der die X-Men stets zur idealen Projektionsfläche für ein Publikum machte das sich "anders" fühlte (ein Thema das Singer als offen schwuler Regisseur verständlicherweise sehr nahe steht) ist genauso deutlich, wenn nicht expliziter als in den vorigen Filmen erhalten geblieben. Daß das letzte Gefecht der Mutanten ausgerechnet in der Homometropole San Franciso stattfindet, kann man als Zufall sehen, muß man aber nicht.
Das Timing des Films ist über weite Strecken ausgezeichnet.

Der komplette erste Akt ist Handlungs- und Dialoggetrieben. Effekte kommen dann zum Einsatz, wenn sie der Story dienen, sie sind in sie integriert, berherrschen sie aber nicht. Das Ensemble fühlt sich in seinen Rollen sehr sicher, die Chemie zwischen den Figuren stimmt. Herausragend sind wie immer Patrick Steward als Charles Xavier und natürlich Ian McKellen als Magneto, die es beide schaffen ihre Figuren zu vielschichtigen Charakteren zu machen. Selten war es so schwer eine Figur moralisch einzuordnen wie Eric Lensherr alias Magneto, der nie die eindimensionale Plattheit anderer Comicbösewichte hatte. Sein Handeln ist nicht in Allmachtsphantasien, purer Bösartigkeit oder Weltherrschaftsphantasien begründet, was ihn treibt, ihn manisch und unmenschlich werden lässt sind die Erfahrungen  der Vergangenheit im Konzentrationslager. Es ist die panische Angst vor der Ausrottung.

    "Eric Lensherr / Magneto: No one ever talks about extermination. They just do it. And you go on with your lives, ignoring the signs around you. And then one day, when the air is still and the night is fallen, they come for you. Only then do you realize that while you're talking about organizing and committees, the extermination has already begun. Make no mistake, my brothers, they will draw first blood. They will force their cure upon us. There is only one question you must answer: Who will you stand with?"

Aber auch die anderen Figuren haben in diesem dritten Teil, der sich insgesamt wie ein Abschluß anfühlt, ihre angemessenen Rollen. Selbst Halle "Schlechtwetterwomen" Berry, die in den vorigen Filmen als fleischgewordenes Wettermännchen nie viel zu tun hatte, überzeugt diesmal, genauso wie Hugh Jackman und Famke Janssen. Als Neuzugänge bekommen trotz kürzerer Screentime Kelsey Grammar als Beast aka Furrball und Ben Foster als Angel Szenen die im Gedächnis bleiben. Lediglich Cyclops alias James Marsden wird recht kurz abgefrühstückt in seinem finalen Auftritt. Überhaupt traut sich der Film in einer einer Heftigkeit mit Figuren umzugehen und sie auszulöschen, wie man es von einem Werk das Teil eines gewinnträchtigen Franchise ist, nicht erwartet.

Sicherlich gibt es im SF-Bereich immer Möglichkeiten Tote zum Leben zu erwecken, aber  einiges in diesem Film trifft einen doch sehr überraschend. Wenn die entfesselte Phoenix ihren Kräften freien Lauf lässt und alles in ihrem Weg zerstört, muß so manch einer dran glauben, von dem man es so gar nicht erwartet hätte (auch wenn eine kurze Szene nach dem Abspann das ganze ein wenig relativiert).
X3 funktioniert auf fast allen Leveln, es ist gutes Drama mit sehr bewegenden Momenten (etwa wenn junger Mutant aus Angst sein Vater könne ihn nicht mehr lieben, in einer todtraurigen Szene am Anfang unter Tränen versucht seine Mutation mit brachialer Gewalt aus sich herauszuschneiden, oder wenn sein Vater Jahre später ihn mit dem Heilmittel quasi gewaltsam zu "normaliseren" versucht), es ist ein gutes Sequel, weil es die begonnene Story wirklich weiterführt und zu Ende erzählt und letztlich ist es ein guter Action- und Effektfilm.

In letzterem Bereich zeigt sich Ratner seinem Vorgänger Singer sogar überlegen. So sicher wie dieser mit Dialogen und Figurenzeichnung war, so unspektakulär empfand ich immer seine Actionszenen. Die Schlußschlacht im ersten Teil wirkte fast wie das Finale eines Fernsehspecials, der zweite Teil war etwas besser, aber dennoch gebrach es ihm an wirklicher Kinogröße. Das Timing und die Kameraeinstellungen waren nie wirklich "cinemascope", ich hatte immer das Gefühl das Singe rnicht mit dem Herzen dabei war, die Action eher als Pflichtaufgabe empfand.
Hier beweist Ratner ein deutlich sichereres Händchen. Er schafft es spektakuläre Bilder zu zaubern, die dennoch im Rahmen der Story glaubhaft bleiben. Kleine optische Zitate vom Terminator-Setting am Anfang, bis zu Hulk-Momenten am Ende, kleinen Gags (wie der Familie im Auto auf der Golden-Gate-Bridge), die dennoch nicht albern wirken, hat er den Film im Griff.
Natürlich ist Comic-Guru Stan Lee wieder in einem Cameo-Auftritt zu sehen (gleich am Anfang in der wunderbar altmodischen Intro-Sequenz), natürlich gibt es wieder Wortgefechte zwischen Xavier und Magneto, natürlich hadert Rogue wieder mit ihrem Schicksal. All die üblichen Zutaten sind da, doch diesmal schließt sich der Kreis. Auch wenn nach einem Erfolg dieses Films weitere wahrscheinlich sind (ein Wolverine-Film ist bereits beschlossen – einziger Grund warum man Wolverines Suche nach seinem Ursprung etwas ausspart diesmal), X-Men 3 wäre ein gut und würdiger Abschluss der Reihe. Er gibt all den liebgewordenen Figuren angemessenen Raum, rundet den Handlungsbogen ab der im ersten Teil mit Rogue und Wolverine begonnen wurde und führt auch Magneto und Storms-Story zu einem befriedigenden (vorläufigen) Ende. Selbst die Formwandlerin Mystique wird in einer Szene effektvoll im wahrsten Sinne des Wortes entmystifiziert.

Einziges Manko für meinen Geschmack, war die Musik von John Powell, dem wenig neues einfällt und der zumeist mit brachialer Orchestergewalt relativ nuancenlos Bombastschwall loslässt, wo Zwischentöne gefragt wären. Ach ja und die Geschichte des Mutantenkindes Leech aus dessen DNA das Heilmittel destilliert wurde, bricht recht unvermittelt ab, da hat man ein wenig das Gefühl, das der Handlungsstrang etwas zu sehr getrimmt wurde um auf eine akzeptable Laufzeit zu kommen. Vielleicht wird die DVD da etwas Aufklärung schaffen.
Was bleibt ist ein FIlm der die Erwartungen meinserseits deutlich übertroffen hat, der es verdient im Kino genossen zu werden und ein Zwispältiges Gefühl ob man sich nach diesem Höhepunkt noch einen vierten Teil wünschen sollte. Wie sagt man, wenns am Schönsten ist… ?

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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8 Comments

  1. Andy

    Ich konnte mich ja nie wirklich mit Hugh Jackman als Wolverine anfreunden.

    Aber ansonsten stimme ich zu: Bisher der beste der drei X-Men-Filme

  2. Dog Hollywood

    Ist das dein ernst? Wer außer Hugh Jackman hätte Wolverine besser spielen sollen?! Ich glaube die Adamantium-Krallen sind echt…

  3. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Wer sich nochmal ausführlich über den Film informieren will: Hier steht unsere Kritik. […]

  4. the last czarnian

    also ich fand den film leider ziemlich kacke!!
    der trailer hat bei mir eine wohlige wärme im bauch erzeugt und ich habe mich auf eine prima mezzelei zwischen gut und böse gefreut. aber am ende wurde alles auf ein kleines inselchen verlegt wo sich so ein paar von den guten und ein paar mehr von den bösen kloppen.kommt fast so rüber als ob das geld nicht für eine fette apokalyptische schlacht gereicht hätte.
    sicher waren auch ein paar nette sachen dabei, wie z.b. der leech-mutant.aber ansonsten? wo zum geier ist der nightprowler abgeblieben? warum habe ich das gefühl das xavier nur stirbt,weil er keinen bock mehr auf den 4.teil hat? und ausserdem bin ich der meinung, dass der 2.teil viel besser war.vor allem wegen der story.
    trotz allem…die x-men reihe ist wohl im moment eine der besten superheldenverfilmungen die zu zeit in der mache sind.mit dem thema der angst vor andersartigkeit lässt halt sich eine menge anfangen.

  5. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Bereits bei “X-Men 3 – Der letzte Widerstand” konnte man noch vor dem offiziellen Kinostart eine siebenminütige Vorschau auf den Film werfen. NBC bietet nun ebenfalls exklusiv und vorab eine kleine Sneak Peak auf Peter Parkers neuesten Auftritt. […]

  6. bed

    Also ich denke mich nicht so tief rein in die Xmen Serie.
    Ich habe früher die Marvel Comics – zumindestens teilweise – gelesen und freue mich einfach an den toll gemachten Effekten und der doch gar nicht sooo primitiven Handlung. Mir gefielen alle drei Teile.
    Vielleicht bin ich was SciFi anbetrifft zu einfach gestrickt (böse Zungen behaupten, ICH bin eifach gestrickt ;), aber wenn ich schon ins Kino gehe, will ich gut unterhalten werden und keinen Problemfilm sehen, wo ich hinterher missmutig ins Auto klettere und gegen den nächsten Baum fahre.

  7. Leonidas

    Ich fand den Film echt öde. Da ging einfach nichts ab. Alles spielt sich gegen Ende in einem Radius von ein paar hundert Metern ab. Soll das ein Witz sein? Ich dachte immer, dass es (so wie in den Comics) zu einem globalen Kampf kommen würde.

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    Whoever created this: thank you!!

    Haha! Well done!

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    That lightsaber sound lol


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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    i never wanted this to end

    10/20/14

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    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14