Review

The Graffiti Artist

Standard, 29. 7. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 3 Kommentare

„Pfffffttt…!“

Originaltitel: Graffiti Artist, The
Herstellungsland: USA 2004
Regie: James Bolton
Darsteller: Ruben Bansie-Snellman Pepper Fajans Daniel Parker

[rating:2.5]

Graffiti Artist

Nick ist Sprayer oder besser ein Tagger, einer von den freundlichen Menschen die unsere gesamte Umwelt mit sinnvollen Krickeleien wie „PrüpmfMoZaH RuleZ“ und ähnlich wertvollem Kunstgut verzieren. Der Teenager dackelt durch Seatle und Portland, sprüht seine Symbole an die Wand, klaut Farbdosen, taggt weiter, flüchtet vor der Polizei und driftet umher. Er hat weder Freunde noch eine Familie. Irgendwann lernt er Jesse kennen, einen anderen Tagger. Gemeinsam ziehen sie umher und sprühen ihre Reviermarkierungen an jede Wand, wie es einst Ina Deter vorhatte. Ihre einzige Lektür besteht aus Graffiti-Fanmagazinen, ihr größtes Ziel ist es mit den Fotos von ihren Werken dort einmal veröffentlich zu werden.

Nick kommt eine Weile bei Jesse unter. Irgendwann landen sie zusammen im Bett. Doch was für Nick ein Schlüsselerlebnis ist, er verliebt sich in Jesse, war für diesen nur Ablenkung. Jesse lässt Nick zurück, der daraufhin wieder alleine durch die Gegend zieht und weitertaggt. Immer auf der Suche nach den Graffities seines verlorenen Freundes…

James Bolton liefert nach dem sperrigen, kontroversen Eban & Charly einen weiteren Kunstfilm ab, der seinen Vorgänger in Punkto Dialogarmut noch übertrifft. Vielleicht ist es sinnvoll, wenig Dialoge einzubauen, wenn man mit Amateurdarstellern dreht, vielleicht sollte man auch einfach mal etwas talentiertere Amateure casten.
The Graffiti-Artist erzählt seine magere Story in ereignisarmen, elegischen Bildern. Der Film kommt fast ohne Worte aus, gesprochen wird nur das Notwendigste und schon bald bekommt man den Eindruck, das Nick auch nicht wirklich viel zu sagen hat. Sein Lebenszweck ist es sein Umfeld mit Tags zu beschmieren. Weitergehende Ambitionen scheint er nicht zu haben. Auch seine Beziehung zu Jesse erschöpft sich im gemeinsamen herumgesprühe… und dem einmaligen Sex.

Der Film will Arthouse sein, er schreit einem in jeder Szene entgegen, das es ihm um Kunst geht und das macht ihn sehr anstrengend anzusehen. Denn im Endeffekt hat er wenig zu sagen. Die Hauptfiguren sind nicht eben die Hellsten, ihre „Kunst“ um die sich der Film bemüht, ist zudem wenigstens diskussionswürdig. Das Thema Homosexualität innerhalb der Hiphop/Tagger-Szene wird nicht wirklich behandelt, bestenfalls angerissen.

Eigentlich passiert im gesamten Film fast nichts. Eine nicht eben sehr interessant Hauptfigur eier durch die freudlose HipHop-Welt Amerikas. Bestenfalls findet man die Annahme bestätigt, daß die Leute nicht grade viel Geist aufzugeben haben, eine Vermutung die einen bei jedem Gang durch Berlin, in Ansicht zugekrickelter Hauswände, U-Bahnen, Stromkästen und Zäune beschleicht und die durch Proll-Rapper wie SIDO und andere Möchtegern-Gangsta erhärtet wird.

Nick und Jesse geben keinen Hinweis darauf, das man sich für sie interessieren sollte, das sie irgendwas vorzutragen haben, was auch nur im mindesten spannend wäre. Ausser vielleicht das sie bei der Sexszene ganz purzlig aussehen, haben die beiden wirklich nichts anzubieten. Warum also ihre Geschichte erzählen?

Spannender als der eigentliche Film, schien der Versuch des deutschen Verleihers, zum Start eine Podiumsdiksussion zum Thema „HipHop und Homophobie“ zu organsieren. Dazu erschien folgende Pressemitteilung:

„Die für diesen Freitag (20. Januar 2006) im Berliner Xenon-Kino geplante Podiumsdiskussion zu Schwulenhass in den Sprayer-, Rapper- und Hip-Hop-Szenen muss leider abgesagt werden. Trotz intensiver Bemühungen ist es dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) nicht gelungen, Teilnehmer aus den genannten Szenen zu gewinnen. Es hagelte Absagen, u.a. von den Rappern Bushido, Azad, Kool Savas und Die Firma. Der Rapper Eko Fresh, Sido und sein Label Aggroberlin reagierten erst gar nicht.“

Das überrascht zwar nicht, ist aber dennoch schade. Wobei es nicht Wunder nimmt, wenn sich die Artikulationstalente wie die „Rapper von Aggroberlin, lieber aus einem argumentativ Diskurs heraushalten. Vielleicht hätte man einfach zu einer mechanischen Diskussion einladen sollen?
___

Das schreiben andere:

„If, like this reviewer, you view graffiti as vandalism plain and simple, you’ll spend much of this film hoping that Nick and Jesse will just get thrown in jail. In order to enjoy the movie and its extended scenes of spray painting, you’ll have to have a real appreciation and fondness for the “art” of graffiti and all the philosophies of the “artists” behind it.

If you don’t, you’ll be bored, even though the film clocks in at a short 80 minutes. Props to Bansie-Snellman for doing a great job with a part that forces him to act mainly with his eyes, but those eyes alone aren’t enough to hold your interest.“

->Filmcritic.com – Ganzes Review lesen

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3 Kommentare

  • Reply Smion 19. 3. 2009 at 19:57

    obwohl ich anmerken möchte, dass man Sido und Co (Gmbh/KG) zu gute halten muss, dass sie sich selbst offenbar nicht so ernstnehmen wie Bushido. Ein schönes Beispiel dafür ist das Lied Maske in dem Sido sein Arschloch Image aufs Korn nimmt.

    zwar nicht mein Musikstil, aber trotzdem…

  • Reply Smion 19. 3. 2009 at 20:00

    wer kommata-fehler (was ein tolles Wort) findet darf sie behalten ;)

  • Reply chris 10. 7. 2010 at 14:47

    filmkritik in allen ehren, hab den film bisher auch nicht gekannt geschweige denn gesehen aber wer keine ahnung von einer gewissen szene, deren hintergründen und motiven hat sollte doch bitte bei der reinen kritik des films bleiben und sich den seitenhieb auf die graffitiszene sparen.

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