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anchorman.jpgOriginaltitel: Anchorman – The Legend of Ron Burgundy
Herstellungsland: USA 2004
Regie: Adam Mc Kay
Darsteller: Will Ferrell, Christina Applegate, Paul Rudd, Steve Carell, Vince Vaughn

★★★★☆

San Diego in den 70ern. Die Welt scheint in Ordnung. Jeden Abend treffen sich die Familien pünktlich vor dem Fernseher und sehen ihre Nachrichten auf Channel 4. Das Nachrichtenteam berichtet über die Geschehnisse in und um San Diego herum. Die Stadt als eigener Mikrokosmos. Die Sensationsmeldung ist das der Panda im örtlichen Zoo Nachwuchs erwartet. Und am Ende der Sendung gibt es immer eine fröhliche Meldung aus der Gemischtwarenrubrik, zum Beispiel ein Eichhörnchen das Wasserski fährt. Der Kopf der Show, das Gesicht der Nachrichten ist der charismatische Anchorman Ron Burgundy (Will Ferrell). So verwundert es auch niemanden, das sein Name das erste Wort ist das Kleinkinder aussprechen können, das sich Rocker und Normale in Kneipen verbünden während sie die Nachrichten sehen und das alle Welt in die Verabschiedung mit einstimmt, wenn es am Ende der Sendung wieder heisst “Stay Classy, San Diego”. Aber diese heile Welt kriegt Risse als die, zielstrebig auf Karriere ausgerichtete Redakteurin Veronica Corningstone ihren Dienst bei Cahnnel 4 antritt. Denn sie will eins: Anchorwoman werden.

Dabei fängt alles so harmlos an. Ron lernt sie auf einer Party kennen. Er verliebt sich sofort in sie. Am nächsten Morgen wird sie auf der Redaktionskonferenz als neues Mitglied vorgestellt. Die Männer eröffnen die Jagd auf sie. Jeder will bei ihr landen, aber ein Versuch ist plumper als der Nächste. Ron geht mit ihr aus, will ihr die Stadt zeigen und es kommt wie es kommen muss (obwohl Veronica sich noch ziemlich lange dagegen wehrt…), die beiden landen in Rons Bett. Aber es war alles andere als ein Abenteuer für ihn. Zum ersten Mal ist er richtig verliebt, es hat ihn umgehauen. Er posaunt seine Liebe in die Welt hinaus. Als er eines Tages zu spät zur Sendung kommt, weil ihm ein kleines Malheur mit dramatischen Folgen passiert ist, kommt es zum Supergau: Veronica springt für ihn ein und macht ihre Sache besser als es alle in dieser Männerdomäne erwartet haben. Der Sender beschliesst Ron und Veronica gemeinsam moderieren zu lassen. Ron und seine Kumpels, stark in ihrer Ehre gekränkt, versuchen alles um Veronica das Leben schwer zu machen und bugsieren sich damit immer weiter selbst ins aus. Bis zu dem Tag, als Ron Burgundy durch eine Unachtsamkeit den Sender verlassen muss und sofort von ganz San Diego gehasst wird. Während er abstürzt, macht Veronica Karriere. Aber ihre Liebe ist noch nicht erloschen…
Ich werde euch an dieser Stelle nicht weiter spoilern. Und wenn man die Geschichte so liest, könnte man fast meinen es handelt sich um einen Groschenroman, um eine einfache Liebesschnulzigeschichte. Dem entgegen sprechen aber mehrere Faktoren.

1. Will Ferrell:
Ein Mann der die verschiedenen Facetten der Comedy so sehr beherrscht, das er sie mit einer Leichtigkeit wechseln kann, die einen schon fast an Ballett erinnert. Stets charmant, den Überblick behaltend, aber im nächsten Moment absolut slapstickig – trottelig durch die Gegend eiernd. Wenn es einem Lacher dient ist er sich für nichts zu schade. Dabei beweist er aber immer wieder sein absolut präzises Gespür für Timing. Wenn er in seinem Büro sitzt, oben ohne und dabei Gewichte stemmt und erst ab dem Zeitpunkt anfängt zu zählen, wenn die Corningstone eintritt (“1038, 1039…oh, sie sinds.” “Sie wollten mich sprechen?” “Nein, nicht das ich wüsste. Ich trainiere gerade wissen sie? Sie haben es vielleicht gehört, ich bin schon bei über Tausend…”). Oder wenn er beim Blick auf das nächtliche Panorama San Diegos die Stadt erklären will (“Discovered by the Germans in 1904, they named it San Diego, which of course in German means a whale’s vagina.” “No, there’s no way that’s correct.” “I’m sorry, I was trying to impress you. I don’t know what it means. I’ll be honest, I don’t think anyone knows what it means anymore. Scholars maintain that the translation was lost hundreds of years ago.”).

2. Christina Applegate:
Sie hat sich schon lange von ihrer Rolle als Dumpfbacke im Al Bundys Kosmos losgerissen. Ich mochte sie gerne in Mars Attacks, auch in “Supersüss und Supersexy” hat sie nen guten Job gemacht und ihre eigene Serie “Jesse” war wirklich äusserst charmant. Jetzt steht sie dem schenibar übermächtigen Ferrell gegenüber und verliert zu keinem Zeitpunkt die Augenhöhe. Mehrere Jahre Sitcom – Erfahrung merkt man ihr an, ihr Timing scheint schon wie ein Reflex zu sein. Frauen sind im Frat Pack ja nicht vertreten (warum eigentlich nicht?), sie wäre eine würdige Kandidatin.

3. Burgundys Team:
Als da wären Brian Fantana (Paul Rudd, u.a. Phoebes Verlobter aus “Friends”), Champ Kind (David Koechner) und Brick Tamland (Steve Carell, “Jungfrau (40), männlich sucht..”). Diese drei Figuren, die in ihrer Reissbrettstruktur dennoch erstaunlich viel Eigenleben entwickeln, sind die perfekten Sidekicks für Burgundy. Brian der Casanova, Champ der übertrieben Männliche und Brick der Trottel. Und Ron steht vor ihnen, weil er alles was sie haben in sich vereint. Man könnte meinen, sie sind fleischgewordene Charaktereigenschaften. Demenstprechend laufen auch die Dialoge ab.

4. Die 70er
Die 70er waren eine skurile Zeit. Vieles wurde neu ausgerichtet, manches noch nicht so ernst genommen. Kleines Beispiel: Ron und sein Team gehen durch den Park, essen Sandwiches und Burritos. Während sie sich unterhalten werfen sie einfach ihr Essen samt Verpackung auf den Boden. Im vorbeigehen. Es kümmert sie nicht. Abfallvermeidung war zu der Zeit noch gar kein Thema, heutzutage muss man ja schon an den Hauptbahnhöfen dieser Welt seinen Müll trennen. Der Film liebt die 70er und ihre Leichtigkeit. Ron und sein Team stehen frustriert vor dem Sender und überlegen was sie tun sollen, damit es ihnen wieder besser geht. “Lets go and buy some suits!”. Sie springen in die Luft, die Welt ist wieder gut.

5. Die Cameos
In diesem Film spielt eine illuster Runde mit. Vince Vaughn ist Wes Mantooth, der erklärte Erzfeind von Burgundy, weil er und sein Abendnachrichtenteam quotenmässig immer hinter Channel 4 stehen. In einer Schlachtszene (!) mit allen Nachrichtenteams der Stadt (!!) kommt es dann auch zu einer wahren Cameoschwemme (!!!) in der nicht nur Bekannte des Frat Pack auftauchen, sondern auch ein Schauspieler, den man in diesem Film nicht unbedingt erwartet hätte. ACHTUNG SPOILER!!! Tim Robbins, als pfeiferauchender Nachrichtensprecher der Öffentlich – Rechtlichen.

Alles in allem fordert einen dieser Film alles wahr zu nehemn. Aber mit solch einer Leichtigkeit, das man die DVD am liebsten nie aus der Hand geben möchte. Obwohl, dann andererseits wieder doch, denn den muss jeder mal gesehen haben. Und wer bei diesem Film nicht lachen kann, der soll doch weiter Godard gucken. “Anchorman” stellt nur eine Grundvorrausetzung an seinen Zuschauer: Humor haben.

Kauf doch einfach “Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy” schön billig bei AMAZON und die F5 können Krabbencocktails essen gehen.

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1 Trackback

  1. 08.10.2006 - F5 - Die Fünf Filmfreunde

11 Kommentare

  1. Korrekt! …und besser als Old School ;)

    Kommentar #1 von DraMaticK am 02.08.2006 um 22:31 Uhr

  2. Ich find’ ihn voll scheiße. Sorry.

    Kommentar #2 von Mitch am 03.08.2006 um 11:56 Uhr

  3. Nichts ist besser als Old-School – man muss sich die beiden Filme allerdings mit der Originaltonspur reinziehen – synchronisiert sind beide nicht so witzig…

    Kommentar #3 von svenjo72dpi am 03.08.2006 um 12:44 Uhr

  4. wobei, anchorman gewinnt hier und da sogar noch in der synchro….während z.B. “diversity” durchaus für den namen eines schiffs gehalten werden kann, ist der satz “ich glaube ´themenvielfalt´ ist ein sehr sehr altes holzschiff, das im bürgerkrieg eingesetzt wurde” in seiner schönheit kaum zu übertreffen. finde ich.

    Kommentar #4 von Nilz N Burger am 03.08.2006 um 16:30 Uhr

  5. Dieser Film ist kaum noch zu übertreffen. Will Ferrell is the man. Die deutsche Synchronisation ist tatsächlich so übel, dass man ne Gänsehaut kriegt…

    Kommentar #5 von falgugus am 04.08.2006 um 12:46 Uhr

  6. Zur Charakterisierung möchte ich hinzufügen, daß Brian Fantana nur ein Möchtegern-Casanova ist (hat noch nie mit einer Frau geschlafen) und Champ Kind in Wahrheit lieber mit Ron Burgundy schlafen würde als mit irgendeiner Frau ;)

    Für alle die es interessiert: Es gab soviel Material dass ein 2er Film existiert “Wake up Ron Burgundy: The Lost Movie” der das ganze nochmal aufwertet und genauso lustig ist.

    Von der Anchorman-DVD ist der Kommentar sehr zu empfehlen.

    “We’re gonna RIP THE LID OFF OF THIS!!!!”

    Kommentar #6 von ricky bobby am 17.01.2007 um 00:42 Uhr

  7. “wobei, anchorman gewinnt hier und da sogar noch in der synchro….während z.B. “diversity” durchaus für den namen eines schiffs gehalten werden kann, ist der satz “ich glaube ´themenvielfalt´ ist ein sehr sehr altes holzschiff, das im bürgerkrieg eingesetzt wurde” in seiner schönheit kaum zu übertreffen. finde ich.”

    Ob “diversity” als Themenvielfalt hier richtig übersetzt ist bezweifle ich. Corningstone ist zuerst mal ein Frau. Amerikaner meinen mit “diversity” oft Unterschiedlichkeit, Vielfalt im kulturellen bzw. hier im geschlechtlichen Sinne, aber keinesfalls nur “Themenvielfalt”.

    Das ist halt ein Wortspiel, der Witz liegt für mich sowohl darin daß Ron dieses Wort womöglich wirklich unbekannt ist und er ERNSTHAFT glaubt das sei ein Schiff ODER einfach nur ablenken will (“Nice try, Ron”), was ziehen könnte da die Schiffe damals ähnlich benannt wurden.
    In deutsch wirkt mir der Satz zusammenhanglos und albern.

    Habe ihn in beiden Sprachen mehrfach gesehen und es ist wie immer: Sinnverdrehende und schwachsinnige aus dem Zusammenhang gerissene Übersetzungen gepaart mit Stimmen, die die Originalstimmung kastrieren und teilweise sogar verfälschen.

    “Smells like Bigfoots DICK”
    “Discovered by the GERMANS in 1904,..”
    sind nur 2 beispiele wo anders übersetzt wurde.
    Ich frag mich was das überhaupt soll, gehören zu einem Film nicht auch die Originalstimmen?
    Das ist echt so neurotisch deutsch wie kaum was anderes.

    In vielen Filmen werden durch Synchronisation falsche Akzente gesetzt, die im Original völlig anders rüberkommen. Sorry wollte das mal loswerden ich hasse den ganzen Gedanken der hinter Synchronisierung steht.

    Sind wir zu faul eigene Filme zu machen oder Sprachen zu lernen oder was. Bang Boom Bang und andere deutsche Filme zeigen doch das es geht ohne ein Hörspiel auf nen fremden Film zu packen :P

    Kommentar #7 von ricky bobby am 17.01.2007 um 01:09 Uhr

  8. da konsens. ich fand den Diversity-Witz auch völlig in den Sand gesetzt und an der Intention der Macher vorbei…

    Kommentar #8 von Batzman am 17.01.2007 um 01:49 Uhr

  9. ich habe den witz im original schon verstanden und fand ihn sehr lustig, keine panik…:)

    aber den witz in der synchro, so gesehen als “neuen witz”, fand ich auch irrsinnig komisch.

    ich bin ja synchronisationsverfechter. aber bitte, an dieser stelle: nicht schon wieder eine deutsche-synchro-debatte…

    Kommentar #9 von Nilz N Burger am 17.01.2007 um 01:52 Uhr

  10. [“Discovered by the GERMANS in 1904,..”
    sind nur 2 beispiele wo anders übersetzt wurde.]
    Hab ich wohl mit Talladega Nights verwechselt, sorry. Da wurde Germans jedesmal anders übersetzt.

    Hast Recht was die Debatte angeht.

    Kommentar #10 von ricky bobby am 17.01.2007 um 04:46 Uhr

  11. You are so wise… like Buddha covered with fur….

    Kommentar #11 von MtodaR am 17.02.2009 um 18:29 Uhr

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