Poseidon Adventure (1972)

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“..by the way. Happy New Year.”

Poseidon Adenture

Originaltitel: Poseidon Adventure, The
Herstellungsland: USA 1972
Regie: Ronald Neame
Darsteller: Gene Hackman, Ernest Borgnine, Red Buttons, Carol Lynley, Roddy McDowall, Stella Stevens, Shelley Winters

★★★½☆

Der abgewrackte Kreufahrtdampfer Poseidon macht sich auf den Weg zu seiner letzten großen Reise. Gegen das Anraten des Kapitäns besteht die Reederei darauf, den morschen Kahn auch bei schwerem Seegang mit vollem Tempo durch die Fluten zu jagen. Es ist Silvesterabend, die Passagiere merken von all dem nichts. Sie Feiern noch ausgelassen, als kurz nach Silvester eine Mörderwelel das Schiff erwischt und herumdreht. Im Festsaal, wo sich die meisten Passagiere befanden ist die Hölle los, viele sterben. Gegen den Rat der Besatzung macht sich eine kleine Gruppe, angeführt von einem mit Gott hadernden Priester (Gene Hackman) und einem Chicagoer-Cop (Ernest Borgnine) auf das Heck des Schiffes zu erreichen. Die Gruppe umfasst das ältere jüdische Ehepaar der Rosens (Shelley Winters und Jack Albertson), das Geschwisterpaar Susan (Pamela Sue Martin) und Robin Shelby, die auf dem Weg zu ihren Eltern waren, sowie die Ex-Hure und Frau des Cops Linda (Stella Stevens), einen Steward (Roddy McDowall) und den älteren, ängstlichen Geschäftsmann James Martin (Red Buttons). Gemeinsam kämpft man sich durch das umgedrehte Schiff, durch enge Röhren, Korridore, vorbei an explodierenden Kesseln und überfluteten Maschinenräumen.

Nach all den Jahren den Film mal wieder zusehen, noch dazu in technisch bester Qualität und im Kinoformat hat schon etwas sehr nostalgisches. Es gleicht ein wenig einem Besuch in der Kindheitheit oder dem Wiedersehen von sehr alten Bekannten. Die Frage war für mich nur, würde der Film auch über dieses nostalfische Moment hinaus bestehen können?
Und nach einer halben Stunde hatte ich dann auch die Antwort: Aber klar.
Poseidon Inferno oder auch Die Höllenfahrt der Poseidon, wie der Film in Deutschland hieß, gilt nicht zu unrecht als erster moderner Katastophenfilm und Blaupause für alle Epigonen. Von Towering Inferno, über Earthquake bis zu Deep Impact und Day after Tomorrow, folgten viele spätere Filme der erolgreichen Mixtur aus Action und Melodrama. Die Formel ist simpel aber effektiv.

-Der erste Akt stellt verschiedene Einzelfiguren / Gruppen vor die sich nicht kennen. Diese stammen aus verschiedenen sozialen Schichten, einige hadern mit sich und ihrem Leben. Wir erfahren ein wenig über sie und ihren Charakter, evtl über Ziele, Schwächen und Ängste. Wir bekommen das Lebensumfeld und den Ort der Katastrophe vorgestellt.

-Im Zweiten Akt bricht die Katastophe herein. Einige Menschen sterben. Es überleben praktischerweise die Leute, die uns zu Beginn vorgestellt wurden. Diese müssen sich zusammenraufen. Lernen einander zu vertrauen. Ihre Differenzen aus der Welt schaffen und dabei gleichzeitig versuchen der Katastophe lebend zu entkommen.

-Im dritten Akt kulminieren die inneren wie äußeren Konflikte. Oft muß sich ein Charakter seinen geheimen Ängsten stellen und sie bezwingen um die anderen zu retten oder den Glauben an sich selbst zurückgewinnen. Oft stirbt eine Hauptfigur den Opfertod, ehe die anderen gerettet werden können. Die Überlebenden erfahren die Rettung, nachdem eine letzte große Hürde überwunden wurde.

Wenn man Poseidon aus heutiger Sicht sieht, kommt einem natürlich vieles sehr klischeemässig vor, aber damals war das Konzept noch ziemlich frisch. Und zugegeben, selbst wenn man es kennt, es funktioniert wenn es richtig inszeniert wird und sich die Sülz-und Soapelemente in Grenzen halten wunderbar. Was das Original von seinem Remake (welches ich HIER besprochen habe) unterscheidet, ist in erster Linie die bessere Besetzung. Nichts gegen Dreyfuss, Dillon und Kurt Russel, aber gegen die alten Haudegen können sie abstinken, auch wenn sie keinen schlechten Job machen.

Gleich zu Beginn wird einem bewusst, das dieser Film aus einer anderen Zeit stammt. Es waren die 70er und damals traute man sich noch Filme überwiegend mit Leuten über 30 in den Hauptrollen zu besetzen. Ehrwürdige alte Humpel besimmen das Bild, bei denen heutige Produzenten wohl entsetzt aufschreien würden.
Ernest Borgnine (der anscheinend nie jung war) spielt den knarzigen, aber letztlich doch sehr liebenswerten und gefühlvollen Cop mit einer Intensität die bewundernswert ist. Seine Szenen mit seiner Frau, die er vom Straßenstrich wegverhaftete, weil er sich in sie verliebt hat, aber auch im Zusammenspiel mit dem ebenso schroffen Priester machen einfach Spaß.

Gene Hackman, spielt wie so oft den harten Knochen, diesmal als unbequemer Priester der ins Exil geschickt wurde, weil er seinen Chefs zu vorlaut wurde. Wenn er am Ende Gott beschimpft, er solle sich, wenn er ihnen schon nicht hilft, wenigstens keine Steine in den Weg legen, ohne daß die Szene lächerlich wirken würde, hat das durchaus emotionale Kraft. Er gibt einen trefflichen Actionhelden ab, auch wenn die Hahnenkämpfe zwischen ihm und Borgnine an ein-zwei Stellen etwas arg ausufern und in späteren Filmen, die sich dieser Formel bedienen zu Tode geritten wurden.

Dort kann dann aber Red Buttons eingreifen, der als nervöser, schwächlicher Geschäftsman, ein ums andere Mal über sich hinauswachsen darf um am Ende sogar Hackman Paroli zu bieten. Er ist die Stimme der Vernunft, die eingreift, wenn Privatstreitigkeiten, das Überleben der Gruppe zu gefährden. Ausserdem kümmert er sich rührend um Pamela Sue Martin, die als Schwester des 12jr Robin die undankbarste Rolle hat und auch als Prüfstein für die Nerven der Zuschauer fungiert.

Beklagte ich schon im Remake, daß die Frauen im wesentlichen hinderlich sind, so trifft dies leider auf die Rolle der Susan noch heftiger zu. Das Mädchen hat wirklich so gar keine Funktion im Film, außer als dramaturgischer Bremsklotz zu dienen. Wann immer es eng wird, wann immer Eile geboten wäre: Susan kreischt hysterisch, verfällt in schockstarre oder steht im Weg herum. Stella Stevens als Borgnins Frau und Ex-Nutte schwankt ebenfalls beständig zwischen Diven-Allüren, Rumgezickke und Panikanfällen. Wäre da nicht als Ausgleich die patente und erzsympatische Shelley Winters, man wäre versucht dem Film latente Frauenfeindlichkeit zu unterstellen.

Aber Gott sei Dank gibt es sie. Shelley Winters, schon damals eine Filmveteranin, die von erstklassigen Thrillern (“Night of the hunter”), über Drama (“The Diary of Anne Frank”) bis hin zu Trash (“Batman”, “Bloody Mama”) alles gedreht hatte und bis zu ihrem Tod Anfang 2006 noch viele weitere Filme mit ihrem liebenswerten Schauspiel, das stets auf der Grenze zum Overacting ballancierte, veredeln sollte. Zweimal hatte sie den Oscar vor “Poseidon” schon gewonnen, dieser Film sollte ihr die dritte Nominierung bringen, auch wenn es diesmal dann nicht klappte. Winter erfüllt die Rolle der jüdischen Frau die ihren Enkel besuchen will und sich im Angesicht der Not, nachdem sie durch ihr Gewicht ein ums andere Mal der Hilfe der anderen bedurfte nützlich machen will und dabei alles riskiert, mit soviel Leben und Herzlichkeit, das man sie knuddeln möchte. Ihr lächelnd gemurmelte Bemerkung: “Wir kämpfen ums überleben und du machst dir Sorgen ob du mich beleidigt hast?“, als sich der Junge Robbie bei ihr für eine unpassende Bemerkung entschuldigt, sagt viel über ihren pragmatischen Charakter aus. Auch wenn Richard Dreyfus es versucht, er ist im Remake leider nur ein schwacher Ersatz für Mrs. Winters.

Achja, das Kind, welches zur Kategore Naseweis und gutgelaunt gehört. Es dient in erster Linie als Comic Relief, weil es die Katastophe hauptsächlich als großes Abenteuer begreift, was wenn man Kinder kennt, gar nichtmal so unwahrscheinlich ist. Ansonsten hat er als Schiffskenner ein zwei Tipps auf Lager und steht im Gegensatz zu seiner Schwester nicht im Weg rum oder heult dauernd.
Etwas verschwendet und blaß bleibt Roddy McDowell als Steward dessen erinnernswertester Moment wohl sein Abgang mit einem spektakulären Sturz sein dürfte.

Überraschend, weil man ihn die letzten Jahre doch nur als Clown kennt, ist wie ernsthaft und sachlich Leslie Nielson in seiner kurzen Rolle als Schiffskapitän daherkommt.

Insgesamt macht diese Besetzung und ihre hervorragende Chemie einen Großteil des Charmes aus, den der FIlm auch heute noch besitzt. Kann das Remake zweifellos mit wirklich spektakulären Effekten aufwarten und unterhält über seine Laufzeit recht gut, so bleiben seine Figuren doch allesamt sehr blaß, kümmert es wenig wer nun lebt oder stirbt.
Das Original aber lebt, auch wenn es unbestreitbar einige sehr schicke Schauwerte besitzt, wie etwa den sich auf den Kopf drehenden Ballsaal oder den sich mit Wasser Füllenden Lüftungschacht, von seiner Besetzung.
Wenn Borgnine am Ende zusammenbricht als seine Frau stirbt, wenn Hackmann um Shelley Winters trauert, die ihm das Leben gerettet hat (und er ihr dabei heulend aufs Gesicht sabbert), dann sind das großartige überlebensgroße Momente echten Kino Pathos, das in ungeschickteren Händen ganz leicht völlig peinlich werden kann.
Hier funktioniert es, hier ist man angerührt und bangt und hofft für diese Truppe aus zusammengewürftelten Alltagsmenschen, die sich irgendwie eben durchschlagen müssen.

Produzent Irwin Allen (der leider im Verunglückten Sequel “Beyond the Poseidon Adventure” selbst im Registuhl Platz nahm) tat gut daran sich diesen Film nicht ausreden zu lassen. Für ein relativ knappes Budget (was mit dafür verantwortlich sein mag, daß das Ende etwas abrupt und unspektakulär vonstatten geht) hat er einen Film gestemmt, der zurecht als Klassiker und Urvater eines Genres bezeichnet werden kann, und von dem auch einige seiner Nachfahren noch etwas lernen könnten.

***
Wertung der DVD
★★★½☆

Zur Start des Remake hat sich 20th Century Fox dankenswerter Weise entschieden. eine neue DVD-Edition des Klassikers herauszubringen. Bild und Ton sind dabei völlig okay, auch wenn der Soundtrack altersbedingt recht blechern und dünn klingt. Aber was solls, es gab eben auch Zeiten vor dem Surround. Lohnend macht die sehr erschwinglich bepreiste DVD zudem das umfangreiche und informative Bonusmaterial, welches Anekdotenreiche Dokumentationen zum FIlm liefert, Interviews mit Machern und Schauspielern, zwei Audiokommentare mit Produzenten und Schauspielern, Original Pressematerial aus den 70ern, sowie eine etwas überflüssige 3D-Spielerei, bei der sich ab und zu eine computeranimierteKarte in den Film einblendet und einem aufzeigt wie die Helden von wo nach wo gelangt sind. Das 2-DVD-Set wird dem Film mehr als gerecht und kann Fans, die auch vor alten Filmen nicht zurückschrecken, oder betagten Leuten wie mir, die gerne die Klassiker ihrer Kindheit nochmal sehen wollen, guten Gewissens empfohlen werden.

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About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

2 Comments

  1. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Auf und nieder, immer wieder. Mit der Poseidon ist es wie mit der Titanic oder einem Yoyo, sie geht immer wieder gerne unter. So auch in der Neuverfilmung des Katastrophenfilm-Klassikers “Die Hölllenfahrt der Poseidon” von 1972. Die Story ist die gleiche geblieben: Am Silvesterabend wird das Luxuskreuzfahrtschiff Poseidon kurz nach Null Uhr von einer gigantischen Welle erfasst und herumgewirbelt. Sie endet Kieloben im Meer dümpelnd, derweil sich eine Horde überlebender auf dem Weg macht vom Ballsaal gen Heck zu krabbeln in der Hoffnung dort gerettet zu werden. Statt Ernest Borgnine, Shelley Winters und Co. dürfen sich diesmal der altgediente Katastrophenrecke Kurt Russel, nebst Tochter und deren Freund, Richard Dreyfuss als depressiver Altschwuler, sowie Nebenrollen-Hengst Josh Lucas und die üblichen Schreifrauen und Kinder durch den havarierten Kahn kämpfen. […]

  2. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] Ein paar Stunden vorher, nämlich um 15.40 Uhr auf 3Sat geht die Poseidon unter, mal wieder, diesmal aber im weitaus besseren Original, dessen Remake noch hier und da durch die Kinos spuken sollte, mit dem großen Ernest Borgnine und der dicken Frau. Schiffe auf den Kopf gestellt sind doch immer wieder super, oder wie? Anschaubefehl. Um die Uhrzeit liegt man normalerweise sowieso noch verkatert im Bett, da kann man dann auch mal gescheite Filme angucken. […]

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    jurassiraptor:

    fromdirectorstevenspielberg:

    Whoever created this: thank you!!

    Haha! Well done!

    11/27/14

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14