
Dieser Sommer hat mal wieder gezeigt: es wird heißer auf diesem Planeten. Ein „Jahrhundertsommer“ jagt den nächsten und in Europa ist die Erkenntnis schon lange zur Gewissheit geworden: der Klimawandel zeigt deutliche Spuren, und so beschloß die UN 1997 in Kyoto ein Protokoll.
Es schreibt verbindliche Ziele für die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen fest, welche als Auslöser der globalen Erwärmung gelten. Die Zunahme dieser Treibhausgase wird großteils auf menschliche Aktivitäten zurückgeführt, insbesondere durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe.
(Wikipedia)
Alle Nationen bis auf Australien und die Vereinigten Staaten von Amerika ratifizierten dieses Protokoll bis zum heutigen Tag.
Als ich neulich mal wieder beruflich in LA zu tun hatte, bekam ich Gelegenheit, die Dokumentation „An Inconvenient Truth“ von Davis Guggenheim zu sehen. Al Gore, amerikanischer Präsidentschaftskandidat, Fast-Präsident und Von-George-Bush-Bestohlener, ist darin als Hauptakteur bei einem seiner Vorträge zum Klimawandel zu sehen. Gore, dem in Amerika eher gepflegte Lahmarschigkeit vorgeworfen wird, zeigt sich hier als glühender Kämpfer gegen den in den Staaten weit verbreiteten Skepzismus gegenüber den Aussagen der Klimaforscher.
Mit einem sehr sympatischen Stil, der die Passions des Vortragenden deutlich zeigt, führt Al Gore die Zuschauer von allgemeiner globaler Erwärmung über die Auswirkungen auf Gletscher und den Katastrophen wie Dürre und Hurrikane bis hin zur selbstverständlichen Katrina. Die Präsentation wird immer wieder unterbrochen von Bildern, die Gore beim Bearbeiten des Vortrags präsentieren (er benutzt einen Mac, aber das nur nebenbei), persönliche Gedanken und Orte, die eine Rolle in seinem Leben spielen. Die Dokumentation verknüpft damit die harten, wissenschaftlichen Fakten mit der Persönlichkeit Gores und erreicht so, dass sich die Leidenschaft dieses Menschen auf den Zuschauer überträgt.
Es ist die Kraft der Bilder aus Gores Vortrag, die nachhaltigen Eindruck auf den Zuschauer hinterlassen (der amerikanische Klimawandel-Skeptiker Michael Shermer schrieb nach der Rezeption des Films einen Artikel für „Scientific American“: „An Inconvenient Truth shocked me out of my doubting stance“). Wenn in Animationen die Niederlande vom Wasser verschluckt wird (auf Satelitenbilden), oder Bejing, oder eben die World Trade Center Memorial Site als Insel im Meer versinkt, dürfte dem amerikanischen Publikum, mal abgesehen von den texanischen Rednecks, der Mund offengestanden haben. Die Parallelen, die Gore zwischen Kriegs- und Industrietechnologie zieht – mit der Erfindung der Atombombe musste über die Konsequenzen der Waffentechnologien nachgedacht werden, genauso wie nun über die Konsequenzen der exponentiell ansteigenden Verbrennung fossiler Brennstoffe -, hat genau die simple Durchschlagskraft, die das Publikum der Vereinigten Staaten braucht.
In seiner Präsentation zeigt Gore Zahlen von Wissenschaftlern, die eine globale Erwärmung vorhersagten, und vergleicht diese mit aktuell gemessenen Daten, die sich – Überraschung! – selbstverständlich decken. Seine Argumentationskette reicht vom einfachen Darlegen der Daten bis hin zu den Auswirkungen auf das Klima, Fauna und Flora. Völlig einleuchtend in ihrer Einfachkeit und damit genau richtig. Aussagen, dass SARS und die Vogelgrippe ebenfalls auf die globale Erwärmung zurückzuführen sind, da sich das Ökosystem den steigenden Temperaturen anpasst, erscheinen vielleicht etwas weit weg, das jedoch verzeiht man dem Mann aber schnell, denn er hält sich nicht allzulange damit auf und wenn Gore Klimaforschern die Aussage entlockt, dass die NASA die Aussagen von Wissenschaftler rigoros ändert, sieht man hier einen Mann, der eine Mission hat. Al Gore bekämpft die von den Energiegesellschaften und der derzeitigen Regierung unterstützte und geförderte Ungläubigkeit in einer Gesellschaft, die so langsam auf dem Kochenden sitzt.
Its difficult to get a man understanding something when his salary depends on not understanding something.
Exxon lies bei Erscheinen des Films seine PR-Agenturen damit beauftragen, im Internet “witzige” Filmchen zu verbreiten, die Al Gore diskreditieren: Wer hat etwas anderes erwartet? Ich nicht. Das zeugt noch viel mehr von der Wichtigkeit dieser Dokumentation für Amerika.
Eine eingeschobene Szene mit Bushs gestohlener Wahl mag, etwas am Thema vorbei, eine persönliche Abrechnung zu sein. Vor allem ein Schnitt, in dem Bush winkend aus der Vogelperspektive gezeigt wird und hernach Al Gore nachdenklich aus einem Flugzeug herunter schaut, wirkt doch etwas nachtragend. Aber mal ehrlich, ich hätte eine Szene gezeigt, in der Gore genau dann aus dem Fenster spuckt.
Ein schönes Beispiel für die massive Emotionalität des Films ist ein Beispiel, das Gore beim Thema der abschmelzenden Pole ins Feld führt: es wurden ertrunkene Eisbären gefunden, die mehr als 100 Kilometer auf der Suche nach einer Eisscholle geschwommen waren, Funde, die man in der Vergangenheit niemals gemacht hatte. Besonders beeindruckend sind auch die Vorher/Nachher-Bilder der riesigen Larsen Ice Shelf, deren Größe in etwa der von Rhode Island entspricht, die in nur 35 Tagen (!) einfach wegschmilzt.
Aber „An Inconvenient Truth“ bietet nicht nur traurige Momente. Es werden Clips der „Futurama“-Macher präsentiert, was Angesichts der Tatsache, das Gores Tochter für die Serie arbeitet, keine große Verwunderung erzeugt. Und wenn Gore eine Waage zeigt, deren Schalen einerseits Gold, andererseits unseren Planeten beinhalten, mit zusammengekniffenen Augen und abschätzendem „Hmmm….“ eine vorhandene Wahl vorwitzelt, dann kann man nur darüber Lachen, über die Ignoranz aller Zweifler.
Wenn Gore dann am Ende des Films und des Vortrags eine flammende Rede darüber hält, dass hier nichts weiter als unsere Fähigkeit auf diesem Planeten zu überleben auf dem Spiel steht und die Menschheit trotz aller Verfehlungen bisher noch jede Krise überstanden hat, dann mag das pathetisch sein ohne Ende. Das ändert aber noch lange nichts an der Richtigkeit seiner Aussage.





Deutscher Starttermin ist der 18. Oktober 2006.


Von 






































ich glaube ja des öfteren daran das es einfach eskalieren muss, so sehr, das sich die menschheit einfach danach zusammenreißt – das es sich für den rest der zeit ins kollektive unterbewusstsein brennt. politisch, ökologisch, gesellschaftlich – in diesem falle halt die verschiedenen “worst case szenarien” der globalen erderwärmung in so einer geschwindigkeit und härte das niemand das mehr ignorieren kann.
“die” haben die atomwaffen und die atomenergie gebaut/genutzt und “uns” erzählt das wir diese bräuchten und wir abhängig davon seien. “die” setzen gleichzeitig auf nicht erneuerbare energien die der umwelt in den arsch treten wie es nur geht. “die” verdienen daran waffen zu bauen, menschen umzubringen, menschen mit schlechten essen zu vergiften. “die” haben es geschafft eine gesellschaft zu schaffen in der man inständigst hofft lohnsklave zu werden damit man überhaupt ein wenig vernünftig leben kann, den wenigsten wird das privilegierte sklavenleben in zukunft möglich sein. liste beliebig erweiterbar.
“die” sind zu oft wir selbst.
und wieso ein al gore das für seinen vorgezogenen wahlkampf benutzt, und das irgendwie für eine neuigkeit wirkt, obwohl umwelt-aktivisten schon jahrzente auf solche und ähnliche probleme hinweisen, das will sich mir nicht erschließen.
»Revolution ist großartig, alles andere ist Quark«
sorry für den schwall, eigentlich müßte sowas noch viel differenzierter ausgeführt werden.
back to topic: ich habe den trailer vor kurzen auf der apple seite gesehen, ich denke das der film sich zu großen teilen lohnen wird. weiß wer ob es geplant ist den film in anderen ländern zu vertreiben?
ha! da habe ich unter den sternen aufgehört zu lesen, fand tocotronic sowieso immer besser ;)
“Deutscher Starttermin ist der 18. Oktober 2006.”
vor allem ist ein viertel des films nur eine verherrlichung von al gore. und man lernt auch, wie toll sein vater war.
Also ich bin gespannt. Ich genieße auch einfach die Reden von solch engagierten Menschen. Bei TED gibt’s übrigens auch eine Zwanzig-Minuten-Rede von Al Gore.
Ich wollte nur ganz kurz loswerden, dass ich die fünf Filmfreude echt super finde. Inzwischen echt meine erste Anlaufstelle, bevor ich ins Kino gehe!
Und ich find, es sieht edel aus (fragt nicht, wieso ich das finde, ich finde es einfach – ich bin eine Frau).
Danke für die Blumen, Frau Finja.
Drei Fragen am Rande:
- Ist das jetzt a.) ein Film oder b.) eine Powerpointpräsentation?
- falls “b”: warum benutzt er einen mac?
- Er kann wirklich flammende Reden halten?
Petr: das ist ein Film mit einer Präsentation als Inhalt. Sozusagen. Und von Powerpoint hab ich nix gesagt! ;-)
Und flammende Reden kann er halten, ja! Aber Hallo! Ist eben sein Thema!
Best!Trailer!Ever!