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You’ve got Mel

Standard, 4. 8. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 4 Kommentare

Früher gab es noch das Gerücht, es gäbe so etwas wie Altersweisheit. Heute hat man oft das Gefühl, daß Alter neben dem körperlichen Verfall auch oft geistigen Niedergang beschreibt. Wieviele ehemals gute Schauspieler und Regisseure bringen im Alterswerk oft nur noch erschreckendes Gedöns zustande oder versteigen sich in abstruse Glaubenpropaganda.

Das es Tom Cruise schon seit geraumer Zeit reingeregnet hat, ist allgemein akzeptiert und bekannt. Erträglich werden seine Scientology-Eskapaden und Presseausrutscher lediglich dadurch, daß er immer noch ab und ab in guten Filmen zu sehen ist, sei es nun „Collateral“ oder „War of the Worlds“ (und selbst da gibt es sicher genug Leute die darüber diskutieren würden).

Mel Gibson… nun das ist eine andere Geschichte.
Guckt man sich seine Vita an, fallen einem aus den letzten Jahren nicht wirklich viele Filme ein, die der Erwähnung wert wären. Die letzte positive Rolle die ich mit ihm im Kopf habe, war als Synchronstimme eines Knetgummie-Hahns in „Chicken Run“, danach kamen nur noch kriegerisches Machogeknurre, sei es in Emmerichs Patriot oder „We were soldiers“, die Alukäppchennummer als Priester in „Signs“, als Arzt im völlig verunglückten Kino-Remake der englischen Kultserie „The singing Detective“, einem belanglosen Chick-Flick und letztlich dem latent antisemitischen Erweckungs- und Folterfilm „Passion of the Christ“, den die religiöse Rechte nicht nur in den USA als ihren neuen Lieblingsfilm auserkor.
Frei nach dem Motto, wen interessiert schon Jesus Botschaft vom friedlichen Miteinander und gegenseitiger Achtung, wenn man den Leuten zwei Stunden mit perverser Inbrunst vorgetragene „Gesichter des Todes“ präsentieren kann, die einzig die Botschaft vermitteln: „Sei demütig, gehorche, denn Gott hat für dich seinen Sohn foltern lassen.“

Privat fiel Mel, der ja noch nie wirklich als liberaler Zeitgenosse bekannt war, immer mal wieder durch extrem konservative, homophobe oder schlichtweg dämliche Statementes auf. Für sein Regiedebüt „Man without a face“ ließ er die Story um einen schwulen Lehrer mit deformierten Gesicht, der sich mit einem 14jr Jungen anfreundet, so umschreiben, das nichts mehr auf Homosexualität hindeutete.
Auch ansonsten war Gibson stehts ein Mann klarer Worte, der Biographen den Tod wünschte, Bill Clinton als Teil einer Verschwörung zur marxistischen Weltherrschaft sah und die Todesstrafe befürwortet.

Kein Wunder, daß er in den letzten Jahren etwas auf Abstand zu Leuten wie „Lethal Weapon“-Produzenten Joel Silver ging, der ja doch für liberalere Werte steht und mit „V for Vendetta“ einen Film produzierte, der so gar nicht nach dem Geschmack von Gibson sein durfte.

Noch ehe sein neustes Werk „Apocalyptica“ herauskommt, eine Story um Gottesopfer zur Zeiten der Maysa, fiel Mel jetzt wiedereinmal negativ auf. Als er besoffen Auto fuhr und von einem Polizisten kontrolliert wurde, begann er plötzlich herumzuzettern die „fucking Jews“, wären an allen Kriegen der Welt schuld. Ein eher unglückliches Statement, auch wenn man Israels Aktion im Krieg mit seinen Nachbarländern durchaus kritisch sehen darf.

Das produzierte wie zu erwarten war, trotz einer eilig nachgeschobenen Entschuldigung durch seinen Agenten eher negative Presse. Schauspieler Rob Scheider veröffentliche im Branchenblatt Variety eine Anzeige, in der er öffentlich verkündete, er gelobe öffentlich nie wieder mit Mel Gibson zu arbeiten.

Demnächst hat Mel jedenfalls erstmal gut zu tun, darf er doch von einem jüdischen Interessenverband zum nächsten tingeln, die ihn alle zu persönlichen Gesprächen gebeten haben, um die Sache zu klären.

Soll mir recht sein, solange er damit beschäftigt ist, dreht er immerhin keine Filme.

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4 Kommentare

  • Reply Thomas 6. 8. 2006 at 9:35

    Ganz bestimmt hört er erst einmal auf, wie man lesen konnte hat der US-Sender ABC seine geplante Mini-Serie über den Holocaust gecancelt. Was angesichts seiner Äußerungen ja auch mehr als nötig gewesen sein dürfte.

  • Reply F5 - Die Fünf Filmfreunde 14. 9. 2006 at 12:22

    […] 2004 erregte Mel Gibson mit seinem Bibel-Splatter “Die Passion Christi” viel Aufmerksamkeit. Der Film zeigte uns die letzten Tage Jesus und führte uns seine Leiden und die Opfer die er brachte mehr als deutlich vor Augen. Anfang Dezember kommt ein neuer Film aus dem Gibson Universum in die Kinos, dabei geht es um die letzten Tage der Maya-Kultur. […]

  • Reply Sascha 2. 4. 2007 at 13:20

    Für Bigotterie war Mel Gibson ja schon länger bekannt. Von der Geisteshaltung her passt er darum perfekt zur religiösen Rechten. Aber so langsam scheint er es auf die Spitze zu treiben. Guter Kommentar – hat mir gefallen. Grüße Sascha

  • Reply Kafalda 24. 8. 2009 at 11:19

    Ein guter Kommentar von Batzman? Mitnichten. Einer ohne Gehalt und ohne Gestalt. Keine Information wird hier transportiert, sondern nur mit eigenen Worten eine einseitige Sicht auf Gibson und seine Werke präsentiert. Anlehnend an die Berichterstattung der Yellow Press. Überflüssig und ohne Wert.
    Grüße
    Kafalda

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