
„The Science of Sleep“ ist einer der charmantesten und fantasievollsten Filme, die ich je gesehen habe! Regisseur Michel Gondry beweist damit nach „Vergiss mein nicht“ („Eternal Sunshine of the Spotless Mind“) erneut, dass er zu den momentan interessantesten Filmemachern überhaupt zählt.
Es ist eine absolut nette Liebesgeschichte ohne Sülz zwischen einem Mexikaner (Gael Garcia Bernal aus „Amores Perros“) und einer Französin (Charlotte Gainsbourg), wobei sich die Realitätsebenen andauernd verschieben, weil der Mann ein reges Traumleben hat, das er nicht richtig von der Realität trennen kann. Außerdem ist der Typ ein Künstler mit sehr merkwürdigen Ideen und erfindet zum Beispiel auch eine Ein-Sekunden-Zeitmaschine!
Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Gondry, der auf gewohnt faszinierende Art alles wild miteinander mixt und dabei total schöne altmodische Stop-Motion-Filmtricksequenzen einbaut, die teilweise direkt aus seinen berühmten Björk-Videos zu „Human Behaviour“ und „Army of me“ entsprungen zu sein scheinen. Das Ganze hat insgesamt eine erfrischend abgefahrene Ästhetik, die sich völlig jenseits der heute üblichen, stets auf Hochglanz polierten computergenerierten Tricks bewegt und unter anderem das Besondere dieses Films ausmacht.
Hinzu kommen die genialen Hauptdarsteller, die teilweise wie aufgeregte Kinder spielen, und der Multikulti-Aspekt des Films, in dem gleichzeitig Englisch, Französisch und Spanisch gesprochen wird. Deshalb unbedingt in der Originalversion sehen.
Binding ist im echten Leben Filmkritiker und Redakteur. Für die F5 wird er kurze Verrisse oder Hochjubeleien von Filmen, die er soeben in der Pressevorführung (in diesem Fall dem Fantasy Filmfest) angeschaut hat, als Gastautor posten. On a regulary basis. Ein eigenes Blog hat er nicht, für so Gedöns hat er keine Zeit.
- Gastautor •
- August 6th, 2006 •
- 12 Kommentare
1 Trackback
- 07.08.2006 - F5 - Die Fünf Filmfreunde



















Das scheint ein sehr guter Film zu sein! Ich mag solche Geschichten, ebenso wie “Vergiss mein nicht”.
Kommentar #1 von Dog Hollywood am 06.08.2006 um 20:21 Uhr
Ich fand Gondry “Eternal Sunshine…” ja bekanntlich eher lahm und zu verkrampft, aber vielleicht haut es ja bei “Science” eher hin, wen er nicht wieder so verbissen an seine Story rangeht.
Kommentar #2 von Batzman am 06.08.2006 um 20:43 Uhr
auf gondry muss man sich ein stück weit einlassen, da muss man offen sein. was du lahm und verkrampft nennst, nenne ich leise und skurril.
Kommentar #3 von Renington Steele am 06.08.2006 um 22:07 Uhr
Dann nenne ich Komapatienten in Zukunft auch “leise und skurril” :-p
Kommentar #4 von Batzman am 06.08.2006 um 22:21 Uhr
Geeeenau! Du immer…
Kommentar #5 von Renington Steele am 06.08.2006 um 22:43 Uhr
ich fand vergiss mein nicht auch ein wenig zu überprätentiös. da hat der dann so viele geschichten-fässer aufgemacht, da hatte der am schluss ganz schön zu kämpfen, die alle wieder zu zu kriegen. elegant ist was anderes.
aber wenn ich den trailer von science so sehe…ich befürchte es wird noch anstrengender. aber ich lass mich ja gerne überraschen.
Kommentar #6 von Nilz N Burger am 07.08.2006 um 13:46 Uhr
Mensch, einlullende 08/15-Konfektionsware gibt es doch schon genug! Ich will unbedingt, dass ein Film anstrengend ist und meinen Grips fordert – solange es dabei nicht um sinnlose visuelle Reizüberflutung wie bei Tony Scotts “Domino” geht. Gondry ist aber einfach nur ein großer Filmkünstler, der augenzwinkernd-abgefahrene Sachen macht. Schonmal seine Videoclips für die “Chemical Brothers” gesehen? Holla!
Kommentar #7 von Binding am 07.08.2006 um 23:18 Uhr
Eben, ich sage nur „Star Guitar“…
Der mag etwas verkopft sein, man kann das vielleicht unter Bubblegum-Autorenkino einordnen, ich mag seine Sachen aber dennoch!
Kommentar #8 von Renington Steele am 07.08.2006 um 23:31 Uhr
moment moment. falsche auslegung: ich habe ganz und gar nichts gegen filme die mich fordern oder die versuchen mal andere pfade zu gehen als die ausgetretenen. und die videos von gondry sind der absolute hammer. kein zweifel. da kann man nicht mal drüber streiten, das ist einfach so.
nun dauern videos in der regel 3 minuten 30. wenn ich mir diese niedlichkeitsbemühungen aber auf 90 minuten gestreckt ansehe, ist das schon ein anderer schnack. ich fand human nature super. wirklich. der hat mir richtig gut gefallen. tolles cast, originelle geschichte, schön gemacht. aber vergissmein nicht hat mich nicht zu sehr gefordert, der hat sich selbst zu sehr gefordert und ist in meinen zuschaueraugen damit baden gegangen. dasselbe gilt übrigens für lost in translation und im besonderen für life aquatic, welcher ja wohl die speerspitze des modernen bubble gum-dada-kinos bildet. bloss nichts erzählen und wenn, dann bitte sofort ironisch brechen…uuaahh..zum kotzen.
Kommentar #9 von Nilz N Burger am 07.08.2006 um 23:41 Uhr
Hä, wie meinen? Da sieht man mal wieder, wie verschieden die Geschmäcker sein können! Sowohl “Lost in Translation” als auch “Die Tiefseetaucher” (“Life Aquatic …”) zeichnen sich doch durch eine ganz spezielle Art von Humor aus, die im ersteren Fall leise, intelligent und tiefsinnig ist sowie im letzteren einfach nur durchgeknallt (aber keineswegs sinnlos). Beides möchte ich nicht missen, und beide Filme empfand ich als geradezu ungeheuerlich erfrischend.
Kommentar #10 von Binding am 13.08.2006 um 19:47 Uhr
In “Eternal sunshine…” fand ich das Verwirrspiel in Jim Carreys Kopf etwas sehr langatmig, ansonsten ist es ein sehr toller Film mit tollen Bildern.
Von “Science of sleep” ist mir auch schon vorgeschwärmt worden, ich will ihn auch endlich sehen. Wann kommt er denn endlich in die Kinos?
Kommentar #11 von mono am 10.09.2006 um 19:18 Uhr