Federn lassen

3 Comments

Anfang 2000 im Miramax-Büro:

Marketing Typ: “Hey Bob, hey Bob.”

Bob Weinstein: “Wasn los?”

Marketing Typ: “Ich hab ne Mörderidee für nen Film!”

Bob Weinstein: “Schon wieder? Deine letzte Idee hat uns ein Vermögen gekostet!”

Marketing Typ: “Ähm. Schwamm drüber. Diesmal isses ganz toll. Wir verfilmen ein Buch, einen Klassiker!”

Bob Weinstein: “Buch….”

Marketing Typ: “Dieses Ding mit Seiten, so ähnlich wie ein Skript… nur mit dickerem Deckeln!”

Bob Weinstein: “Ich weiß was ein Buch ist. Ich hab selber eins. Aber die leute lesen nicht mehr… Und die Rechte für Harry Potter hat sich Warner geschnappt!”

Marketing Typ: “Deswegen auch ein Klassiker, da ist günstig ranzukommen! Eine Abenteuergeschichte. Von Alfred Edward Woodley Mason.”

Bob Weinstein: “Ham die das zusammen geschrieben?”

Marketing Typ: “Nein nein, das ist einer. Der ist auch schon tot, da kann er uns nicht reinquatschen.”

Bob Weinstein: “Und wie soll das Ding heißen…?”

Marketing Typ: “Die vier Federn!”

Bob Weinstein:
“Das ist aber ein echter Scheißtitel! Klingt so nach Softikacke…!”

Marketing Typ:
“Aber Das Piano haben wir doch…”

Bob Weinstein: “Jaja das Piano. Oscar und so ich weiß. Ich will Harvey Keitel nie wieder nackt sehen, hast du gehört!”

Marketing Typ: “Sie Sind der Boss, Boss. Wir wollen das ganze auch für eine neue Generation machen… ”

Bob Weinstein:
“Moment mal Vier Federn” (blättert in Leonard Maltins Film-Lexikon) “DIE uralte Story? Den alten Stinkekäse? Der ist doch schon sechsmal verfilmt worden! Selznick hat sich mit dem Schinken ins Unglück gestürzt!”

Marketing Typ: “Jaja aber wir machen das ganz anders, hip und modern. Das ist ja ne zeitlose Story. Ein Mann der sich beweisen muß. Er geht nicht in den Krieg und kriegt vier Federn, weil ihn seine Freunde für einen Feigling halten… Bob? Bob?”

Bob Weinstein: (schreckt aus dem Sekundenschlaf hoch) “Was? Federn? So wie bei Forrest Gump am Anfang? Son Historienschinken will doch keine Sau sehen!”

Marketing Typ: “Doch seit “Elisabeth” und “Shakespeare in love” ist das Megaheiss! Wir holen uns den Regisseur von Elisbeth! Shekhar Kapur! ”

Bob Weinstein: “Bring mir ein Chicken Curry mit. Moment. Shekarpur…? Der hat hat doch auch “Sixth Sense” gedreht. Wie wäre es wenn der Held am Ende feststellt, daß er in einem früheren Leben im Krieg gestorben ist? Irgendein Twist?”

Marketing Typ:
“Ähm naja.. mal sehen… Ich glaub sie meinen da herrn Shallima- Shilli M. Neid. Chilli… ähm ich werd da mal mit den Drehbuchautoren reden.”

Bob Weinstein: “Und Heath Ledger spielt die Hauptrolle. Der dreht doch grad dieses Kriegsdings da von Emmerich!”

Marketing Typ: “Wenn Sie meinen Boss. Ich weiß nicht ob der für die Rolle, naja was solls. Ähm wenn sie hier unterschreiben wollen.. dann mach ich alles weitere fertig…”

Bob Weinstein: “80 MILLIONEN DOLLAR?”

Marketing Typ: “Aber, aber Sir, das ist fürn Kostümfilm ein Schnäppchen! Und wir zahlen nix für die Vorlage, die ist Public Domain!”

Bob Weinstein: “Aber am Titel drehen wir noch was, okay? Und machts gefälligst modern. Und nicht so bieder! Und nen Schlusstwist! Ach ja und ruf mal Paul und Marty an, die sollen die Produktion machen! Ich hab genug mit Jackson und seinem Ring-Ding zu tun!”

Marketing Typ: (im Gehen) “Versprochen Boss! Das ist ein garantierter Hit!”

Bob Weinstein: (greift nach der Karte des Steakhouse-Bringdienstes) “Federn ey…”

***

2002 In einem Kino irgendwo auf der Welt.

Teenager:
“Was läuftn heute?”

Ticketverkäufer: (deutet gelangweilt auf die Schautafel) “Als nächstes Die Vier Feder. Is heute angelaufen…”

Teenager: (guckt zu seinen Freunden rüber) “Federn ey. Mein Arsch. Zieh an meinem Finger…”

Ticketverkäufer: (seufzt) “Aber das ist eine Story über Wagemut und Freundschaft und… Federn.”

Teenager:
“Federn!” (gehen lachend weg)

***

Die Kritiken für “Die Vier Federn” bei Rotten Tomatoes im Überblick.

***

30. August. 20:15 – Pro7 – Wohnung vom Batzman

Batzman wacht auf. Blinzelt. Sieht Heath Ledger und die Titelsequenz.

Batzman: Vier Federn ey, Mein Arsch. *dreht sich um und pennt weiter*

***

Der Marketingmensch ist bis heute spurlos verschwunden. Gerüchten zufolge soll Bob Weinstein ihn aufgegessen haben, nachdem die ersten Einspielergebnisse des Films reinkamen.

In : Filmfun

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

3 Comments

  1. Paddy

    Vier Federn.
    Super Film, hat sich echt gelohnt.
    Na klar nix für Teenies ohne Hirn.

  2. Khesrau

    Schöner Beitrag :)
    Ich erinnere mich, damals genauso reagiert zu haben. Aber bei mir war das eher: “Heath Ledger? Mein Arsch!”

  3. Der_Held

    Der Film hatte für mich aufgehört zu funktionieren, als der Protagonist seinen Freunden nachreist und zum Über-Helden mutiert. Bis dahin fand ich die Geschichte allerdings interessant. Nur leider ist dieser Moment so ziemlich am Anfang des Films :)

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