Cars

15 Comments

“Jesus – Chrysler!”
kleinecars.jpgHerstellungsland: USA 2006
Regie: John Lasseter und Joe Ranft
Stimmen US: Owen Wilson, Paul Newman, Bonnie Hunt
Stimmen D: Daniel Brühl, Oliver Kalkofe, Bettina Zimmermann

★★★☆☆

Also, ich habe immer das Gefühl das wir hier den am meisten vorab promoteten Pixar/Disney-Film zu sehen bekommen. Abgesehen von Trailern im Kino oder Fernsehen war doch sogar schon auf der “Findet Nemo” – DVD ein Trailer hierfür zu sehen, oder irre ich mich jetzt komplett? Wie auch immer. Ich ging also mit meiner 5-Jahre alten Tochter ins Kino um einer Preview beizuwohnen. Und um eine altersgerechte Kritikerin dabei zu haben. In Cars geht es um ein Auto namens “Lightning Mc Queen”. Er will das beste Rennauto werden in einer Welt, die nur von Autos bewohnt wird. Die haben alle Gesichter, können sich auch mal aufbäumen, die Reifen sind vornehmlich ihre Füsse, also in etwa zu vergleichen mit dem roten Auto aus “Who framed Roger Rabbit”. Dabei sind ihre Charaktereigenschaften auch in ihrer Art manifestiert: Mc Queen, der draufgängerische Rennwagen. Der mit Benzin herumexperimentierende Hippie-VW-Bus, der das Licht der Ampel toll findet. Sein bester Freund, ein Jeep, der alle herum kommandiert. Der trottelige Schrottwagen. Der hilfsbereite Truck…usw.usf. Als Mc Queen eines Tages aus seinem Truck fällt, auf dem Weg zum nächsten und alles entscheideneden Rennen, findet er sich plötzlich in Radiator Springs wieder, einem verschlafenen Kaff mitten im Nirgendwo der Wüste. Weil seine Ankunft etwas, nun ja, ruppig war, wird er dazu verdonnert die Stadt erst wieder verlassen zu dürfen, wenn er die Schäden repariert, die er angerichtet hat. Natürlich veguckt er sich in das Mädchenauto des Städtchens. Und eine Legende ist auch noch in seiner Nähe, ohne das er es ahnt…

Wow, ich sollte Cliffhangerschreiber werden…hihihi. Aber darum geht es nicht. Die Geschichte ist relativ schnell durchschaubar. Aber als wenn das jemals nicht so gewesen wäre bei einem Disney-Film. Desweiteren haben wir hier wieder die ganze Pixar-Skala an eingestreuten “erwachsenen” Gags, dem klassischen Sidekick, einer bunten, ideal vermerchandisebaren Welt (Spielzeugautos anyone?), einem absolut sehenswerten Abspann, und einem supersüssen Kurzfilm vorneweg. All das sind die Zutaten für eine Formel die immer zu funktionieren scheint.

Nun ist Cars ein schöner Film. Es wird wenig gesungen, die Kompositionen sind auch nicht sonderlich originell. Aber diese ganze Welt auf Autos umzubauen, das funktioniert schon sehr gut. Der Frisörcharakter verkauft Reifen. Die Tankstelle sieht aus wie ein Diner. Die um den Müll schwirrenden Fliegen sind kleine VW-Käfer mit Flügeln. Aber irgendwie…ach ich weiss auch nicht. Ich liebe ja die Pixar Filme. Dieser hier scheint mir aber einfach etwas unausgegoren. Egal wie menschlich man Maschinen macht, sie bleiben Maschinen. Es ist tatsächlich leichter sich mit einem Fisch oder verschiedenen Spielzeugen zu identifizieren, als mit Autos.

Was ich auch komisch fand: Man steigt mittendrin ein. Also so von Null auf Hundert, gut, das passt natürlich wieder zur Auto-Thematik, aber die Geschichte störts. Man sucht sehr lange bis man weiss mit wem man sich gefälligst anzufreunden hat. Denn sympathisch ist Mc Queen anfangs nicht. Und er braucht sehr lange um endlich seine ersten Sympathie Punkte einfahren zu können. Das ist man aus dem Hause Pixar anders und vor allem schneller gewohnt. Die Animationen, also ich bin kein Techniker, sind alle auf Niveau. Niemals schlecht aber auch nicht innovativ oder so. Es ist halt alles wieder wahnsinnig rund, wahrscheinlich als deutliches Zeichen auf den kantigen Stil der Incredibles. Aber das kann auch überinterpretiert sein.

Was soll man also als Fazit nach diesem Film sagen? Sagen wir es mal so: Meine Tochter rutschte sehr lange unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Mit dem auftauchen des Mädchenautos erwachte plötzlich ihr Interesse. Verzückt starrte sie auf die Leinwand. Dann wurde es wieder ein bischen zu unübersichtlich in der Handlung für sie, aber mit dem Ende war sie wieder versöhnt. Sie ass ca. 1/4 ihres Popcorns und ihre Fanta hat sie zu 2/3 ausgetrunken. Als wir am Bahnsteig auf die Bahn nach Hause warteten (es war spät, wir waren müde) fragte ich sie wie ihr der Film gefallen hat. “Schööön.”, sagte sie. “Wegen dem Mädchenauto?”, fragte ich. “Ja. Und weil das so lustig war, mit dem Monster das da kam…” Stimmt, das war wirklich sehr lustig. Also wer Pixar mag, der wird hier nicht seinen Lieblingsfilm aus dem Hause finden, aber dennoch sehr gute Unterhaltung. Reicht das als Fazit? Ach, was freu ich mich auf Toy Story 3. Ehrlich.

In : Review

About the author

15 Comments

  1. Batzman

    Macht Pixar nachdem sie sich mit Disney wieder vertragen haben Toy Story 3 jetzt doch selbst? Das sollte doch erst ein anderes Studiomachen…

  2. Nilz N Burger

    Eigentlich sollte das erst Disneys hauseigene neue Animationsabteilung machen, die sich auch für den, meines Erachtens nach deutlich unterschätzten, “Chicken Little” verantwortlich zeichnen. Aber wie gesagt: Sie haben sich ja wieder mit Pixar vertragen, da wäre es ja schön blöd, wenn man nicht die Schöpfer den dritten Teil machen lässt….

  3. Binding

    Ich hatte irgendwo gelesen, dass “Toy Story 3″ nur als Direct-to-Video-Release als DVD erscheinen soll und von Disneys eigenen Leuten gemacht wird. Ich wäre aber auch froh, wenn’s nicht so wäre.

    Die Pixar-Übernahme war ja wohl so ziemlich das Schlimmste, was in den letzten Jahren auf Studio-Ebene passiert ist! Ohne Pixar hätte Disney doch schon längst dicht machen bzw. als purer DVD-Anbieter weitermachen müssen.

  4. jAnsen

    genau genommen war die verschmelzung von pixar und disney das beste, was in den letzten jahren auf studio-ebene passiert ist. endlich sitzt
    bei disney wieder jemand auf dem entscheider-sessel, der wirkliche storytelling-qualitäten hat: der pixar-chef john lesseter!
    und siehe da, kaum geschehen, schon verkündet disney, dass jetzt doch wieder ein traditionell per hand gezeichneter trickfilm entsteht.
    es wäre sehr schade gewesen, das große disney-erbe einfach so über bord zu werfen, nur weil 3d-animation grad so gut lauft. und mal ehrlich: nur disney hat die kohle, wieder einen richtig aufwändingen trickfilm zu machen.
    und wenn dann (endlich, endlich) auch die story stimmt… tja, it´s a hit.

  5. Sebastian Sachse

    jAnsen, Du bist ein weiser Mann. Schöne Worte :-)

  6. jAnsen

    ich muss hier mal kurz mein entsetzen kund tun: die deutsche synchronisation ist eine KATASTROPHE!
    hab den film gerade nochmal in deutsch gesehen, nachdem ich anfang juni schon in den usa im kino war.
    (einzig daniel brühl und rick kavanian sind ziemlich nah dran am original)

    auch der deutsche titelzusatz “CARS-autos wie wir” ist mal wieder unter aller kanone und bewegt sich auf sat1-fernsehfilm-niveau. wieso haben die deutschen verleiher diesen komplex, immer einen untertitel an den originaltitel hängen zu müssen? wenn sie angst haben, das der dumme kinogänger sonst nicht weiß, worum es geht, dann hab ich hier mal einen kleinen tipp:

  7. jAnsen

    ÜBERSETZT DEN TITEL GLEICH INS DEUTSCHE!
    aber zurück zu den deutschen stimmen. ich kann mir schon vorstellen, daß die deutschen marketingleute sich ein loch in den bauch gefreut haben müssen, als sie auf die seltendämliche idee kamen, rennprofis und ex-schwimmerinnen die rollen sprechen zu lassen. das verkauft sich gut, da kann man auf der dvd auch noch ein segment mit sinnlos-interviews, die keinen interessieren, unterbringen.
    (mich jedenfalls interessieren die einsichten von deutschen b-stars zu filmen, zu deren entstehung sie absolut NICHTS beigetragen haben, herzlich wenig)

    die leute sind zwar bekannt, können aber leider überhaupt nicht schauspielen(wer hätte das gedacht, liebe deutsche synchronverantwortliche?).
    auch sachverhalte werden damit komplett verdreht. wie eine szene im film schon selbst mitteilt, handelt es sich bei den rennen in CARS nicht um die, nur in europa bekannte, formel 1.
    warum dann Niki Lauda und Mika Häkkinen “gastauftritte” als autos haben, ist mir ein rätsel.
    alles in allem macht die unterdurchschnittliche synchro mit laienschauspielern den film ziemlich kaputt.
    im englischen original hat mir der film sehr gut gefallen und wirkte auch nicht so kindlich.

  8. Anselm

    Also ehrlich ich persönlich fand den Film wirklich unterhaltsam. Ich gebe zu er hat nicht wirklich das Zeug zum “Kultfilm” wie es viele andere Filme von Pixar inzwischen geworden sind aber als Kinderfilm für alle eignet er sich dann doch.

    @jAnsen: die Kritik mit den Gastauftritten kann ich jetzt nicht nachvollziehen, ehrlich gesagt ist es mir ziemlich egal was diese Leute im wirklichen Leben machen die Stimmen haben gut zu den Charakteren gepasst und auch wenn ein bisschen Hörspiel-Flair aufkam … meiner Meinung nach in Ordnung und gut ^^

  9. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    [...] Die Gewinner: Rückblicken muß ich zugeben, auch wenn ichs nicht so auf dem Schirm hatte, war es ein gutes Filmjahr, mit vielen Nomminierten die es wert waren zu gewinnen. Fast in allen Kategorien siegte ein verdienter Streifen, auch wenn andere denen ich es ebenso gegönnt hatte dafür verloren. Erstaunlich sind die drei Oscars für “Pan’s Labyrinth”, auch wenn es nicht das ganz große Los wurde, aber immerhin drei Preise für einen fremdsprachigen Film. Überraschend auch, daß der Preis für den besten Schauspieler, nicht wie üblich als Gnadenpreis an einen altgedienten und bisher übergangenen Akteuer, in diesem Falle Peter O’Toole (der aussah als würde er nicht mehr viele Verleihungen erleben), ging, sondern an Forrest Whittacker (für Last king of Scotland), der sich leider sülzig und viel zu langatmig bei Gott und der Welt und Gott… bedankte. Liebenswerter da die wundervolle Helen Mirren, die wie erwartet und gegen beachtliche Konkurrenz den Goldi für “The Queen” mitnahm. Lobenswert insgesamt, das die Preise verteilt wurden um möglichst vielen Filmen eine Anerkennung zuteil werden zu lassen. Einen klassischen Streak- einen Film der alles abräumte gab es nicht, auch wenn The Departed mit vier Oscars, inkl beste Regie, Drehbuch, Schnitt und Film des Jahres, verdient gewann. Umso erstaunlicher, da brutale Filme normalerweise nicht grade Oscar-Favoriten sind. Schöne Anerkennung gab es für Little Miss Sunshine (Bestes Originalbuch und Alan Arkin als beste männliche Nebenrolle), die genialen Tricks in “Pirates of the Caribean 2“, die Animation in “Happy Feet” (auch wenn ich es “Monster House” ebenso gegönnt hätte – aber wenigstens wars nicht “Cars“) Als Verlierer des Abends muß wohl, neben den mit einem Nebenpreis abgespeisten “Babel“, der hochgehandelte aber reichlich belanglose “Dreamgirls” gelten, für den es lediglich die beste weibliche Nebenrolle und Soundmix gab – bei den zahlreichen Nominierungen schon eine Schlappe. Und welche von den drei Frauen hat eigentlich Eddie Murphy gespielt? Die Dicke da, die die beste Nebenrolle prämiert bekam? Mann, mann, der Kerl ist wirklich ein Chamäleon. [...]

  10. F5 — Ratatouille

    [...] Aber es ist eben Pixar und Risiken gehen die Computeranimateure seit jeher eher ungern ein. Man schiesst breit, stösst niemanden vor den Kopf, vermeidet übermässige Gewalt (okay hier und da ein paar tote Zivilisten im Off bei den “Incredibles” oder ein familiärer Genozid als Auftakt von “Nemo”) und vor allem man flucht nicht. Man weiß was man bekommt, wenn man Pixar-Filme schaut. Ratatouille ist hier keine Ausnahme, er wendet sich erzählerisch und optisch an “Alle” und macht dies zugegeben besser als Lasseters eigenes Vehikel, das kitschlastige Öd-Spektakel “Cars“. [...]

  11. BatzLog - Noch etwas Salz? » Letztes Lichtspiel: Ratatouille

    [...] Aber es ist eben Pixar und Risiken gehen die Computeranimateure seit jeher eher ungern ein. Man schiesst breit, stösst niemanden vor den Kopf, vermeidet übermässige Gewalt (okay hier und da ein paar tote Zivilisten im Off bei den “Incredibles” oder ein familiärer Genozid als Auftakt von “Nemo”) und vor allem man flucht nicht. Man weiß was man bekommt, wenn man Pixar-Filme schaut. Ratatouille ist hier keine Ausnahme, er wendet sich erzählerisch und optisch an “Alle” und macht dies zugegeben besser als Lasseters eigenes Vehikel, das kitschlastige Öd-Spektakel “Cars“. [...]

  12. dennis

    Dieser Review kann nur von Jemandem kommen, der nach dem Film mit der Bahn und nicht mit dem Auto nach Hause fährt.

    Die Leute, die wissen, dass man zu einem Auto auch eine Beziehung aufbauen kann, wissen den Film eher zu schätzen. Und dafür braucht’s nichtmal einen Führerschein.

  13. jim

    …hab ihn gestern gesehen…und zwar nicht”nochmal”….und möchte hier die ca. ersten 3min von Cars”beeindruckt” erwähnen…
    Inszenatorisch…der Edit…natürlich die Mucke….es ist eher selten daß mich ein Film so heiß-warm willkommen geheißen hat.
    “Das Leben ist großartig” – auf amerikanisch.Da steh ich schon drauf.Und kann dabei die Stereotypen wunderbar ausblenden.Ja,leider eine Pflichtübung :(
    ach egal :-)…tief drin in mir ist dieses rehäugige Kind das “Yippie” krakelt…und wirklich glaubt daß das Leben großartig ist.
    Das heißt wohl das ich Pixar gern habe.
    Ansonsten gewohnt ausgetüftelte Renderware- ,und mich aus handwerklicher Sicht immer wieder auf’s Neue erstaunt. Obwohl dann zu einem späteren Zeitpunkt ich mich auch schwerer getan habe mit”Auto’s” mitzufiebern, was der Plot dann wiederum ganz gut auffangen konnte.
    Da Pixar(die Firmenbio ist ja durchaus interessant)inzwischen BigBusiness ist,darf man gespannt sein,was da noch so alles kommt – resp.: Toystory3 hat mein Herzchakra natürlich auch zum Leuchten gebracht.Also – bitte weiter so.

    N.S.:Speziell bei Cars(wie auch bei vielen anderen Filmen)filtert sich diese Lichtgestalt Amerika,so wie sie sich selbst authentisch(immer noch)empfindet,besonders heraus.Und ist sich insgesamt wenig darüber bewußt,wieviel Schatten sie auch wirft.The Winner takes it all.The Looser… what the heck is that? sinnbildlich gesprochen.Daher dieser druckvolle kollektiv-charismatische Glanz,der sich aus der Siegerenergie nährt.Und dadurch z.B. die Verlierer der eigenen Gesellschaft tendenziell komplett ausblendet.Da kann das Ende von Cars leider auch nicht drüber wegtäuschen.
    Aber vielleicht weist es ja zart darauf hin.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr