Vorab schonmal dies: “Ein Freund von mir”, der neue Film von Sebastian Schipper, hält nicht, was “Absolute Giganten” damals versprochen hatte! “Absolute Giganten” ist einer meiner absoluten Gigantenfilme! Der hat eine ganz wunderbar witzig-melancholische Stimmung, die ich in dieser Form aus kaum einem anderen (oder sogar gar keinem?!) Film kenne. Außerdem gibt es darin eine supergeil inszenierte Tischfußball-Sequenz, und die noch ganz junge Julia Hummer hatte ihren ersten Auftritt – obercool mit Cowboyhut.
Sowas fehlt leider alles irgendwie in “Ein Freund von mir”, der eher sagen will: “Mein Regisseur ist jetzt erwachsen und seriös geworden und eifert inzwischen der kargen Ästhetik der Berliner Schule nach.” Das ist ja alles auch nicht unbedingt schlecht, aber etwas mehr Verspieltheit hätte dem Film gut getan. So wie er ist, wirkt er aber fast schon wie eine Kopie von “Wolfsburg” – und zwar inhaltlich UND formal. Das wäre alles auch gar nicht so schlimm, wenn Mr. Schipper nicht vorher schon “Absolute Giganten” gemacht hätte. Hat er aber.
Worum geht’s überhaupt? Daniel Brühl spielt einen langweiligen Spießer-Normalo-Typen namens Karl, der in einer Versicherung arbeitet und gerade damit beginnt, tierisch auf der Karriereleiter aufzusteigen. Sein Chef schickt ihn aber quasi nochmal als letzten Test vor der Beförderung als Undercover-”Agent” zu einer Autoverleihfirma, um dort intern und vor Ort direkt zu prüfen, ob sie versicherungswürdig ist oder nicht. Karl lernt dabei Hans (Jürgen Vogel) kennen, einen total locker-lustigen Typen, der – im völligen Gegensatz zu Karl – absolut unverkrampft und glücklich sein (Lotter-)Leben genießt. Der Rest kurz zusammengefasst: Hans und Karl werden (zumindest am Anfang und am Ende) die dicksten Freunde, Hans erteilt Karl Lektionen fürs wahre, spontane Leben, Karl und die Freundin von Hans (Sabine Timoteo) verlieben sich, und alles wird gut – für die drei.
Okay, Daniel Brühl ist etwas langweilig – aber das mag auch an seiner Rolle liegen. Das Ganze ist insgesamt allerdings wirklich ein sehr, sehr netter Film, der viel Spaß macht. Und Jürgen Vogel ist wieder mal genial. Genau wie Sabine Timoteo. Nur: Hm, Begeisterung will sich nicht recht einstellen. Sorry, Sebastian Schipper: “Absolute Giganten” ist einfach nicht mehr zu toppen!
Binding ist im echten Leben Filmkritiker und Redakteur. Für die F5 postet er als Gastautor kurze Verrisse oder Hochjubeleien von Filmen, die er soeben in der Pressevorführung angeschaut hat. On a regulary basis. Ein eigenes Blog hat er nicht, dafür fehlt ihm die Zeit.
- Binding •
- September 9th, 2006 •
- 2 Kommentare



















gerade weil ich von “absolute giganten” soviel halte, kann ich nachvollziehen, was Du da schreibst. schipper wäre ja nicht der erste, der nach einem grandiose erstling abbaut. aber an einem kleinen geniestreich zu scheitern, kann ja imme rnoch einen guten film ergeben.
und außerdem: kann ein film mit jürgen vogel wirklich schlecht sein? *g*
Kommentar #1 von Marcus kleine Filmseite am 10.09.2006 um 10:33 Uhr
Hallo …Für alle die den Film vor dem Kinostart in Hamburg sehen wollen …..
Mit der Welturaufführung der Komödie EIN FREUND VON MIR (Kinostart: 26. Oktober) eröffnet am 5. Oktober 2006 das 14. Filmfest Hamburg.
Ab dem 22.Sep. um 9h in der früh gibt es eine bestimmte Anzahl an Kaufkarten für die Premiere im Cinemaxx.
Wo? schaut einfach mal uns auf der Seite vorbei ;-)
Das 14. Filmfest Hamburg findet vom 05. – 12. Oktober 2006 in den Kinos UFA-Palast Grindel, CinemaxX Dammtor, Abaton, 3001 und Metropolis statt.
Kommentar #2 von Jennifer am 14.09.2006 um 13:44 Uhr