„Vampyr“ vom dänischen Regisseur Carl Theodor Dreyer ist eine Legende: Meisterwerk der Filmgeschichte oder Ed-Woodsche Fehlleistung sind die beiden Extreme der Meinungen zu diesem Film. Die Handlung ist schnell erzählt: der Reisende Allan Grey kommt in das Dorf Courtempierre und bekommt dort in einem Gasthaus von einem verwirrten alten Mann ein Päckchen in die Hand gedrückt, das er erst nach seinem Ableben öffnen solle. Bei Streifzügen durch die Landschaft verfolgt er seltsame Gestalten bis zu einem Schloß, wo er durch ein Fenster den Mord an dem Alten beobachtet, woraufhin er im Schloß, in dem die beiden verbliebenen Töchter des Alten, Giselle und Leone, und ein Dienerehepaar leben, einzieht, um dem Spuk auf die Schliche zu kommen.
Als er das Päckchen des Alten öffnet, findet Grey ein Buch über Vampirismus, ein erstes Zeichen, was hier in der Gegend so komisch riecht. Kurz darauf verschwindet eine der Töchter und wird in einem Park wiedergefunden, äußerst blutleer und fast tot, während eine alte Frau über sie gebeugt dasteht und verwindet, als Grey und Giselle auftauchen. Grey bietet sein Blut bei einer Bluttransfusion, bei der er allerhand Visionen und Halluzinationen hat und nach dem Aufwachen erkennt er, dass die Alte die Vampirin Marguerite Chopin ist, der er mit Hilfe des Schloßdieners flugs den Gar aus macht und mit ihr springen auch gleich die beiden Gehilfen mit über die Klinge.
Diese zugegebenermaßen krude Handlung ist noch nichts gegenüber der experimentellen Natur dieses Films. Eigentlich ein Tonfilm, wird im Verlauf der Handlung kaum gesprochen und mit Texttafeln Relikte aus der Stummfilmzeit eingeblendet. Ausleuchtung und Schattenspiele, teilweise auch rückwärts gespielt, und scheinbar willkürliche Tag/Nacht-Wechsel erzeugen eine völlig surreale Atmosphäre, die oft mit den Werken David Lynchs verglichen werden. Die Darsteller sind sämtlich Laien, vom Hauptdarsteller und Produzent Baron Nicolas von Gunzburg einmal abgesehen, der als Julian West die Hauptrolle übernahm, und agieren übertrieben wie Soap-Darsteller.
All das ergibt am Ende einen Film, dem man nur sehr schwer folgen kann und der einem Traum gleicht. Dem Traum des Allan Grey, der bei Google-Video online angeschaut werden kann.
- Renington Steele •
- September 9th, 2006 •
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- 11.09.2006 - cine:plom


















