Cut off: Wenn Filme der Schere zum Opfer fallen

8 Comments

Filmschnitt oder Filmmontage (engl. Film Editing) beinhaltet die Strukturierung des aufgenommenen Ton- und Bildmaterials hin zum fertigen Film. [...] Filmmontage bzw. Filmschnitt legen die Gestalt des Films fest. Sie haben großen Einfluss auf Inhalt und Wirkung eines Films; durch Ändern des Schnitts kann die Aussage, der Rhythmus und die Struktur eines Filmes deutlich variiert werden. Das erklärt auch die Begehrtheit des Rechtes zum Final Cut. (mehr Input.)

Wenn Filme geschnitten werden, kann das viele Gründe haben. Beginnend mit dem Filmschnitt während der Postproduktion, bis hin zur Zensur, wenn Filme in ihrer Grundform als zu brutal oder sexistisch erachtet werden und, wie bei Disney gerne gemacht, auf eine bestimmte Altersfreigabe heruntergeschnitten werden sollen. Nun bin ich in dem Bereich des Filmschnitts kein Experte, aber es gibt zwei Punkte, die ich hier ansprechen möchte.

1. Filmzensur, darunter versteht man die (behördliche) Kontrolle [...] über Form und Inhalte von Filmen sowie ihre Verbreitung. Typische Gegenstände von Filmzensur sind Darstellungen, die zu strafbaren Handlungen ermutigen, besonders eindringliche Darstellungen von Grausamkeiten, sowie Darstellungen, die im betreffenden Kulturkreis das Schamgefühl verletzen können (Nacktdarstellungen, sexuelle Handlungen). via

Immer wieder musste ich mit Entsetzen feststellen, dass meine Lieblingsfilme nur in “kinderfreundlicher” Form zu sehen waren. Dies betrifft vor allem die Ausstrahlung im Fernsehen, die durch die FSF überwacht wird. Die FSF bestimmt ob ein Film für eine Sendezeit freigegeben wird oder nicht und welche Szenen beanstandet werden. Dem Sender obliegt es dann den Film später zu senden oder zu schneiden.
Ich erinnere mich diesbezüglich sehr gerne an die TV-Premiere von “The Transporter” auf Pro 7. Der Sender fand es scheinbar nicht gut, dass der coole Jason Statham Polizisten verprügelte, deswegen wurde die Sequenz um ein Beachtliches gekürzt. Kleine Schnitte waren daraufhin während des ganzen Films auszumachen und prompt erhielt der Pro 7 Blockbuster laut TV-Zeitschrift eine Altersfreigabe von 12, im Vergleich zur DVD, die ab 16 Jahren freigegeben wurde. Genauso verhielt es sich bei “Der Patriot” und “Braveheart”, ebenfalls auf Pro 7 zu sehen.

Manchmal wird sogar das Bildformat verändert, schlimm, wenn dabei aus einem 16:9 Streifen ein 4:3 Film wird.
Auf DVDs findet man das heutzutage eher weniger. Meist sind die Filme, die von der FSK als Jugendgefährdend eingestuft werden, in einer weiteren geschnittenen Version erhältlich. Zwei zu erwähnende Beispiele wären “The Terminator” und “Blade”. “Neue” Sequenzen in Form von Standbildern werden beispielsweise eingefügt oder der Bildllauf wird verlangsamt, um dem Zuschauer letztendlich vorzugaukeln, dass die Zensur nicht so hart ausgefallen sei.

Interessant wird der Schnitt vor allem dann, wenn ganze Rollen der Schere zum Opfer fallen. Mir fallen hierzu zwei Beispiele ein, so wurden bei “Terminator 2″ und “Königreich der Himmel” zwei Kinderrollen aus dem Film herausgeschnitten, die zugegebenermaßen auch völlig unwichtig für die Gesamtgeschichte waren, aber zu wissen, dass man in einem Film mitgewirkt hat, doch nie auf der Leinwand zu sehen war, muss deprimierend sein. In diesem Fall haben die Kinder zumindest im Director’s Cut den Weg zurück in den Film gefunden, womit wir schon beim zweiten Punkt wären.

2. Director’s Cut ist genau die Schnittversion, die der Director, also der Filmregisseur, als die von ihm selbst favorisierte Endfassung erstellt hat. via

Im Vergleich zur Zensur nicht ganz so schlimm, nur gehört es momentan beinahe zum guten Ton, Filme nach einer gewissen Zeit als Director’s Cut anzubieten. Eventuell dann, wenn die DVD-Verkaufszahlen eines Films beachtlich in den Keller fallen. In diesem Zusammenhang sei auch die sogenannte Special Extended Edition zu nennen, die einen Streifen nicht unbedingt besser macht, was man an vielen Beispielen sehen kann: “Königreich der Himmel”, “Dare Devil”, “Alien VS. Predator” etc.

Meiner Ansicht nach genügen die zusätzlichen Szenen in Form von Extras als besondere Beilage auf einer DVD, wenn der Film durch den Neuschnitt nicht positiv ergänzt wird. Bei “Der Herr der Ringe” machen die jeweils vierstündigen Neufassungen durchaus Sinn, da der Film inhaltlich aufgewertet wird. Man erfährt von wichtigen Geschehnissen, die für den weiteren Verlauf der Geschichte von Bedeutung sind, wie etwa die Geschenke der Elfenkönigin Galadriel.

Mein Fazit: Finger weg von geschnittenen Filmen und Augen auf bei den Director’s Cuts. Nicht immer ist alles Gold was glänzt.

Mehr Interessantes zum Thema Filmschnitt findet ihr bei Schnittberichte.com.

In : Thema

About the author

8 Comments

  1. Mal Sehen

    Ich muss einmal widersprechen:
    Das Relikt wurde damals entweder ungekürzt oder von einem blinden Cutter an Pro7 abgegeben. Menschen (und Polizisten) wurden in der Mitte zerteilt und quer durch das Bild geworfen, sodass ich mich kurz eingenässt hatte.

    Lobenswert, wenn auch selten.

  2. Binding

    In den Achtzigern musste man noch nach Holland fahren oder Freunde mit gut sortierten ausländischen VHS-Beständen kennen, wenn man Uncut-Filme kaufen oder sehen wollte. Heute ist glücklicherweise zumindest im Kino und auf DVD kaum mehr was zensiert. Wer Filme im (Privat-)Fernsehen schaut, ist doch selbst schuld! Allein die Werbeblöcke sollten eigentlich abschreckend genug sein!

    Director’s Cuts: Seit die Verleiher gerafft haben, dass sie einen Riesen-Reibach mit unterschiedlichen DVD-Versionen und -Editionen machen können, wurden Director’s Cuts als einzig vom Regisseur legitimierte Fassungen eines Films völlig entwertet! Heute sind es meistens reine Marketing-Gründe, oder es wird sogar schon von vorneherein für den DVD-Release so geplant. Das ist sehr schade – letztlich sogar Kunden-Verarschung – und hat dazu geführt, dass man sich heute erstmal darüber einigen muss, über welche Fassungen man eigentlich redet, wenn man über Filme diskutiert.

    Aber es ist wenigstens immer noch besser als früher, als fast alles zensiert und zerschnippelt war! Wer den Durchblick hat, wird dabei wenigstens richtig bedient.

  3. Marcus\SM

    Hach ja, ich kann mich noch gut erinnern an das erste Mal “The Last Boy Scout” im TV (Pro7), Ihr wisst schon, die Szene am Pool, mit der Zigarette (Zitat ausm Kopp):

    “Mach das noch einmal und ich bring dich um!”
    *SCHNITT*
    “Du hast ihn umgebracht!!!”
    – HÄ???

  4. Nilz N Burger

    directors cut: schön ist der d.c. von blood simple, dem ersten coen brüder film. der ist nämlich kürzer (!!!) als die kinofassung, weil sie ihn einfach nochmal runder machen wollten (was ihnen, btw, damit auch gelang). es geht also auch andersrum.

  5. Lars

    Wobei man aber darauf hinweisen muss, dass die Schnitte, die von Pro7 und Co. durchgeführt werden nichts mit Zensur zu tun haben (könnte man aus dem Text so schließen), sondern einzig und allein kommerzielle Gründe haben. Es wird den Sendern (mit Ausnahme von indizierten Filmen) ja nicht verboten diese in ihrer ganzen Pracht auszustrahlen, nur gibt es wegen des Jugendschutzes hier bestimmte Uhrzeitgrenzen. Da eine frühere Ausstrahlung bessere Quoten und somit mehr Geld bringt, wird dann gekürzt.

  6. Binding

    @ Nilz N Burger: Das ist übrigens auch bei “Blade Runner” so.

  7. Der_Held

    …wobei das mit dem FSK Cut sowieso nicht richtig funktioniert.
    Ich habe “Braindead” als ur-altes NL Tape und als DVD bei mir liegen. Beide uncut. Den ersten vor zig Jahren auf dem Schulhof bekommen und den zweiten ohne Altersnachweis -mit deutscher Tonspur- irgendwo in Österreich übers I-Net bestellt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr