DVD Review

Kampfansage – Der letzte Schüler

Standard, 12. 9. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 11 Kommentare

„Wohnt hier ein Jonas Klingenberg?“

Originaltitel: Kampfansage 3 – Der letzte Schüler
Herstellungsland: Deutschland 2005
Regie: Johannes Jaeger
Darsteller: Mathis Landwehr, Volkram Zschiesche, Christian Monz, Zora Holt, Bela B. Felsenheimer, Esther Schweins

[rating:3.5]

Kampfansage

Deutschland nach dem großen Wump. Alles fiel in Scherben, die alte Welt ist nur noch in Form von Ruinen vorhanden. Technik und Waffen sind bis auf wenige Ausnahmen verschwunden. Archaische Truppen kontrollieren die Welt. Am schlimmsten Treiben es der grimmige Bosco (Christan Monz) und seine Schergen, die Angst, Schrecken und Terror und son Zeug verbreiten. Gott sei dank gibt es den eifrigen Martial-Arts-Schüler Jonas (Mathis Landwehr), der von seinem verstorbenen Meister alle Geheimnisse des Hau-Weg gelernt hat. Zusammen mit dem Rebellenanführer Vinzent (Volkram Zschiesche) und dessen Schwester Marie (Sinta Weisz) mischt er Boscos Terror-Regime tüchtig auf, was diesem natürlich so gar nicht schmeckt. Es kommt zur finalen Konfrontation…

Okay. Hand aufs Herz, die Story ist albern. Und abgedroschen. Und die Schauspieler sind allesamt nicht grade eine Offenbarung. Kampfansage ist Trash.

Aber was für einer. Obwohl ich kein so großer Fan von Martial-Arts-Filmen bin, hab ich mich bei diesem Streifen durchweg wunderbar amüsiert.

Alleine die Chuzpe einen Film, der jedes Klischee des Asia-Kampfsport-Films bedient so konsequent in Deutschland, noch dazu einem durch eine nicht hinreichend erklärte Apokalypse ins Mad-Max-Zeitalter zurückgefallenes Deutschland spielen zu lassen, nötigt Respekt ab. Denn statt den Helden, wie das so gern im Amateuerfilmbereich gemacht wird, coole englische Namen zu geben, klingt es hier urdeutsch was alleine einigen Unterhaltungswert bietet. Beinharte Helden und Schurken mit Namen wie Bosco, Malte und Jonas auftreten zu lassen, ist schon einen Bonus wert.

Die Kerncrew des Projektes und Regisseur Johannes Jaeger stammen aus der Amateurfilmszene, begeisterte Filmfreaks und Kampfsportler, die Anfang 2000 ihre Tricks und inszenierten Kämpfe auch mal stilgerecht auf Film bannen wollten. Daraus entstanden erst zwei erfolgreiche Kurzfilme und schließlich dieser Spielfilm, für den viele echte Profis gewonnen werden konnten, von den Stunt-Spezis von Action-Concept, die das Ganze auch produziert haben, über Cameos von Bela. B. und Esther Schweins, bis zu Computereffekt-Tüftlern die mit verblüffend gelungenen Tricks den Film zigmal teuerer wirken lassen, als sein 300.000 Euro Budget erwarten lassen würde.
Der Animago-Award 2005, für die besten Visual Effects ist mehr als verdient.

Man sollte schon begeisterungsfähig für diese Art von Fun-Action sein, bei der jede Figur ein Klischee ist, die Helden wortkarg (und im Fall von Vinzent verfressen) und alles irgendwie nicht so ganz logisch ist. Kann man sich darauf einlassen, ist Kampfansage jedoch ein Film der auch mit all seinen Schwächen einen Höllenspaß macht. Klar die Dialoge quietschen und der Bösewicht mit dem inzestuösen Verhältnis zu seiner Schwester ist nicht ganz so tough, wie er gerne wäre, natürlich ist alles schrecklich over-the top und man wagt nicht zu fragen wo in Deutschland die asiatischen Kampfkunst-Meister herkamen, aber eigentlich ist das auch nicht so wichtig.

Auch wenn man den Darstellern die fehlende Erfahrung anmerkt, sie sind durchweg sympathisch, grade Mathis Landwehr und Volkram Zschiesche geben ein gutes Heldenduo ab, bei dem es nicht schwer fällt ihnen bei ihrer absurden Unternehmung die Daumen zu drücken.

Denn Kampfansage nimmt sich, ohne parodistisch zu sein, nicht wirklich bierernst.
Die Freude mit der alle Beteiligten zu Werke gingen, diese „wäre es nicht cool wenn…“-Haltung, überträgt sich auch auf den Zuschauer. Versetzt einen für Momente in die Zeit zurück, in der man auf dem Schulhof die Filmszenen aus seinen Lieblingsstreifen nachspielte.

Wobei man es dort wohl nie so eindrucksvoll hinbekommen hat, wie die Akteure im Film. Mag man über ihre schauspielerisches Talent auch diskutieren, die Fightszenen sind ebenso stark choreographiert wie geschnitten und setzen für den deutschen Film in diesem Bereich Maßstäbe.
Hervorzuheben ist auch die Kameraarbeit von Marcus Stotz, der ein sehr gutes Gespür dafür hat, wo die Kamera stehen muß, um Dinge groß und leinwandgerecht in Szene zu setzen.

Kampfansage ist der erste große Schritt hin zu deutschem Martial-Arts-Action-Kino und es wäre wünschenswert, wenn ihm noch weitere folgen würden, denn er beweist sehr gut, das man spassiges, im besten Sinne trashiges Genrekino auch in Deutschland drehen kann.

+++

DVD-Bewertung
[rating:4]

Die Special-Edition von Kampfansage, die bei Eurovideo erschienen ist, macht genauso viel Spaß wie der Film. Auch hier spürt man die Liebe zum Detail und die Begeisterung die in die Produktion geflossen ist. Bild und Ton gehen völlig in Ordnung, der 5.1 SoundMix spielt mit vielen Surroundeffekten und macht ordentlich Druck, die Menues sind aufwendig und passend animiert.
Drei Audiokommentare, ein Making of, sowie ein Effekt-Shot-Reel runden die erste Scheibe ab.
Auf der Bonus-Disc finden sich Deleted Scenes, szenenspezifische Making of Featurettes sowie eine über 90minütige ausführliche Dokumentation, über das Entstehen der CGI-Effekte.

Wer den Film mochte und wissen will, wie man mit so wenig Kohle einen derart aufwendigen Film hinbekommt, wird mit der Doppel-DVD bestens bedient. Warum das ganze mal wieder mit einer KJ-Freigabe bewertet wurde, wissen aber wohl auch nur die Götter der FSK – Das Nachahmungsrisiko ist wohl kaum höher, als bei diversen Spackenshows die MTV ausstrahlt. Zumal man im Bonusmaterial genau mitbekommt, wieviel Aufwand getrieben wurde und wie riskant einige der Stunts waren.

zur Kampfansage-Website mit Trailern

Zum Trailer bei YouTube

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11 Kommentare

  • Reply Dog Hollywood 12. 9. 2006 at 14:42

    Ich will dir nicht zu nahe treten, Batzman, aber ich bin überrascht, dass du diesen Film nicht in der Luft zerreißt… „Kampfansage“ ist doch mindestens genauso gut oder schlecht wie „Im Auftrag des Vatikans„.

  • Reply Batzman 12. 9. 2006 at 15:00

    Ich hab den „Vatikan“-Film nicht gesehen, würde aber nicht ausschließen, das ich den ebenfalls als Trash-Unterhaltung sehr spassig gefunden hätte. Das ist wie Pro7ens „Tsunami“ oder „Tornado“ – das ist edel produzierter Trash, den ich in der richtigen Stimmung ausgesprochen unterhaltsam finde. Die Filme kommen ja nicht daher und wollen Arthouse oder packendes Drama sein, es ist einfach Trash-Fun und wer damit etwas anfangen kann, wird sich dabei wohl nicht langweilen… Deutschland braucht endlich mal anständiges Genre-Kino und dazu gehören solche Werke eindeutig.

  • Reply Binding 12. 9. 2006 at 15:01

    Dieser Film ist eine Kampfansage an die deutsche Filmwirtschaft und verdient als solche höchsten Respekt! Er ist zwar ziemlich trashig, und die Schauspieler können auch nicht ganz überzeugen, aber die enorme Leistung bei dem kleinen Budget muss man einfach honorieren. Zumal das Ding als Martial-Art-Film hervorragend funktioniert.

  • Reply Dog Hollywood 12. 9. 2006 at 15:01

    Die TV-Produktionen wollen Drama sein, so wird es zumindest immer wieder in den Vorschauen angepriesen… Nicht mein Fall.

  • Reply Batzman 12. 9. 2006 at 15:08

    @Binding

    Das unterschreib ich so. Kampfansage ist Genre-Kino und ich find es ehrfurchterbietend, was alle Beteiligten da auf die Beine gestellt haben. Da kann man über die Schwächen auch mal hinwegsehen, denn als Action-Trash macht er einfach richtig Spaß.

    @dog

    *g* irgendwann schnappen wir dich und bringen dir mal den Spaß am Trash bei. Sei auf der Hut!

  • Reply Jörg 12. 9. 2006 at 16:06

    Toll, „Der Clown“ meets „Karate Kid“
    Klar ist das Trash…aber eben deutscher Trash! Und es gibt ca. 100 Länder, in denen besserer Trash produziert wird…
    Auch in diesem Filmsegment können die Deutschen leider nur… kopieren…
    Wie bei allen Herrman Joha Produktionen gilt auch hier mal wieder: Durch die Luft fliegende Autos/Menschen reichen nicht ganz…

  • Reply Batzman 12. 9. 2006 at 16:54

    Mit den üblichen Stuntshows wie „der Clown“ hat der Film eigentlich recht wenig gemein, er bezieht sich da klar auf andere Vorbilder. Und auch der Vergleich mit Karate Kid hinkt gewaltig und legt die Vermutung nahe, daß du den Film nicht gesehen hast.

    Die typischen Autostunts spielen kaum eine Rolle, die schicksten Szenen wie etwa beim LKW-Chicken-Race stammen aus dem Rechner…

    Und ich möchte mal andere Filme sehen, die optisch so auf die Kacke hauen mit einem Budget, daß in anderen Ländern nichtmal die Spesenkasse des Regieassis ist…

  • Reply Mopps 14. 9. 2006 at 14:59

    Schöner Film und erstaunlich präzise und überzeugende Special Effects…
    Die Dialoge waren wirklich zum heulen schön! Ich will bei sowas mitmachen :-)

  • Reply Nik 5. 11. 2006 at 15:21

    @Batzman:

    Eben, da muss ich dir voll und ganz recht geben! Denn mit den üblichen Actioncpektakeln von Produzent Hermann Joha hat „Kampfansage“ wenig gemein! Denn hier bei geht es nur um eins: Richtig großes und aufwendiges Gekloppe – und das alles für so wenig Geld! Werden in den USA die Schauspieler für dieses Budget gerade mal in eine Kampfkunstschule (wobei man den Unterschied aber sofort merkt und sieht, dass Landwehr und die anderen von der Kindheit an trainierte Kampfkünstler sind – somit viiiiel besser als Keanu Reeves oder alle anderen – und das sieht man!) geschickt, wird hierbei für das (im Verhältniss) sehr geringe Budget geklotzt und kein bisschen gekleckert! Ich denke mal um mehr als Fun ging es den Machern hierbei auch gar nicht! Sie wollten keine tiefdramatische Storyline zum nachdenken aufbauen, sondern den ersten richtigen deutschen Martial Arts-Film kreieren! Und das ist ihnen auf jeden Fall gelungen! Allein schon, dass der Film auf dem Shanghai International Filmfestival eingeschlagen hat ist wirklich bemerkenswert, zumal dieses Genre ja dort seine Heimat hat!
    Also mein Apell an die Macher: Bitte, bitte bringt uns mehr solcher Streifen, den sie rocken völligst! Wenn die mit 300.000€ schon so was auf die Beine stellen, dann bin ich mal gespannt wie es aussieht, wenn die ihr erstes Millionen-Budget kriegen! Respekt!
    Da der Streifen ja wohl ein Erfolg war wird da wohl wirklich mehr kommen!

  • Reply dj braincrash 31. 8. 2008 at 1:04

    ich schau mir grad den film im fernseher an ( rtl ), und ich muss sagen…….der film ist ganz lustig. er war im tv sogar ab 18. ob er uncut war weis ich nicht, sah aber sehr blutig aus ( z.b appe hand ) . ich hab den film zu erst nur in der tv zeitschrift gesehen, und dachte mir, jetzt muss ich doch mal im netz nachschauen. tja, und nu schreib ich hier mein kommentar ;-) .
    ok, story, naja! aber ich guck mir ganz gerne mal trash an ( dei mudder sei gesicht, u.ä ) .
    die kampfszenen sind an dem film das beste, muss ich ja mal sagen. fast so geil wie jet li !
    aufjedenfall besser wie die üblichen tv produktionen ( hai alarm auf malle , u.ä ) das war ja echt schlechter trash.
    aber das was ich mir grad hier im fernseher reinziehe ist wirklich gut.

  • Reply Kurzreviews: Twilight, Die drei ???, The Spirit, Er steht einfach nicht auf dich und mehr | Die Fünf Filmfreunde 27. 4. 2009 at 0:10

    […] Rest. Schade – denn mit dem Aufwand und den Effekten hätte wirklich ein netter Trash-Streifen a la Kampfansage – Der letzte Schüler aus dem Ganzen werden können. Von Batzman am 26. April 2009 um 23:37 Uhr gepostet! Kategorien: […]

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