Unter dem Titel „Shame on us“ veröffentlichen die F5 die Filme, die sie peinlicherweise und trotz der wissenschaftlich belegten Fähigkeit dieser Filme zum Weltenretten, die schon längst Einzug gehalten haben in die Riege der Klassiker der Filmgeschichte, die wirklich jeder Mensch per Grundgesetz gesehen haben sollte, die sie aber dennoch bisher nicht gesehen haben.
Heute bin ich also dran und das wird schwer. Klar, ich habe nicht alles gesehen, aber sehr, sehr viel. Und da es hier ja nicht um irgendwelche Filme gehen soll, sondern um Klassiker der Filmgeschichte oder zumindest sehr gute Filme, da wird die Luft schon knapp, da bleibt nicht viel, denn ich habe als Kind schon „Nosferatu“ und „Frankenstein“ verschlungen und mit 14 schaute ich zum ersten Mal Sergio Leones „West“-Trilogie. Scheiße, ich habe sogar „Vom Winde verweht“ und „Doktor Schiwago“ gesehen, da bleibt nicht viel über. Bei Klassikern bin ich ziemlich sattelfest, nimmt man mal Musicals und Liebesfilme raus, die, das habe ich irgendwo aufgeschnappt, in einem Paralleluniversum tatsächlich vereinzelt in Kinos gezeigt werden. Doch echt! Soll stimmen!
Aber es gibt sie, die Filme, die mehr oder weniger wichtig sind und die ich dennoch nicht gesehen habe. Here we go:
Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben
Viele halten Dr. Strangelove für den besten Film von Kubrick. Für mich ist das immer noch „The Killing“ (dt. „Die Rechnung ging nicht auf“), der Tarantino zu „Reservoir Dogs“ inspirierte. Ich war in der Kubrick-Ausstellung und habe den Black Room bewundert, „2001“ sehe ich mindestens einmal im Jahr und ich halte Kubrick bis heute für einen Titanen des Films, nicht zuletzt deshalb, weil er als einer der Wenigen das Anrecht auf den berühmten „Final Cut“ hatte. Aber Strangelove habe ich bis heute nicht gesehen und ich verfluche Warner, dass der Film in der Kubrick-Box nicht enthalten ist, was damit zu tun haben könnte, dass er bei MGM erschien.
Rabid – Der brüllende Tod
Einer der ersten von dem von mir sehr veehrten Bio-Horror-Regisseur David Cronenberg, und Bio heißt nicht Umweltschutz in dem Falle. „Bio“ heißt bei Cronenberg, dass seine Plots wissenschaftlich konstruiert sind, Cronenberg benutzt niemals metaphysische Erklärungen für seine Horrorszenarien. Bei „Rabid“ jedenfalls geht es letztendlich um eine Zombie-Epidemie. Das ist also ein Zombiefilm, den ich ausnahmsweise nicht kenne. Und das ist wirklich unverzeilich, ich gelobe Besserung.
Rabid habe ich also zwischenzeitlich angesehen und muss sagen, ein penisförmiger Vampirzahn aus einer weiblichen Achselhöhle ist sogar mir zu strange. Ein guter Film für seine Zeit, na klar, aber da gab es bessere.
Casablanca
Den erwähne ich hier der Vollständigkeit halber, weil den scheinbar jeder gesehen hat, nur ich nicht. Was mich aber auch nicht davon abgehalten hat, mir den Schlußspruch bei der einen oder anderen Gelegenheit zu stibitzen. „Schau mir in die Augen, Kleines!“… Yeah.
Den Film dazu muss ich aber trotzdem nicht anschauen.
Russ Meyers Oevre
Als ich das neulich im F5-Chat bekanntgab war da ein Riesenbohei auf einmal: „Waaaas? Renington Steele hat die Russ Meyer-Filme nicht gesehen?“ Doch, doch, ich habe es bis heute nicht geschafft, mir die Filme mit so tollen Namen wie „Supervixens“ oder „Faster Pussycat, Kill Kill Kill!“ anzusehen. Ich weiß, das ist eine echte Schande und Ihr dürft echt gerne zusammenlegen und mir die Russ Meyer-Box via Amazon schenken.
Infernal Affairs
Der wird ja überall superhochgelobt und kommt auch dieses Jahr noch amerikanisiert von Scorsese als „The Departed“ in die Kinos. Die Story habe ich bis heute nicht ganz verstanden, immerhin soviel: das ist ein Cop-Film. Und zwar einer von den guten.
Panzerkreuzer Potemkin
Potemkin gilt als einer der besten Filme aller Zeiten und inspirierte Brian De Palma zur Treppendingsszene in „Die Unbestechlichen“, die wiederum mit zu dem besten Szenen der Filmgeschichte zählt. Und ich kenn’ den nicht! Dabei bin ich bei Stummfilmen und Klassikern ja eigentlich sattelfest, wie eingangs erwähnt. Aber man kann ja nicht alles kennen, echt nich.
Sex, Lügen, Video
Es gibt so eine Kategorie Film, auf die bin ich erst sehr spät gestoßen. Man kann sie „Laberfilme“ nennen oder auch Autorenkino. Ich kann bis heute nicht viel damit anfangen, von einigen Sachen von Jim Jarmush oder Woody Allen mal abgesehen. „Sex, Lies and Videotape“ ist jedenfalls einer der ersten von Steve Soderberghs und Soderbergh ist einer, den ich sehr gerne mag, obwohl ich nicht so richtig weiß warum. Jedenfalls hab ich da Nachholbedarf.
Der Elefantenmensch/The Straight Story
Ich liebe David Lynch. Ich verstehe seine Filme nicht (aber wer tut das schon?), dennoch liebe ich ihn. Ich mag einfach Leute, die irgendwie strange sind und David Lynch ist definitiv sehr strange. Ich liebe ihn für „Blue Velvet“ und speziell für dessen Intro, indem Vorortsidyll langsam und schleichend superekligem Insektengewimmel weicht. Und zwei Filme, die ich von ihm noch nicht gesehen habe, was ich aber unbedingt nachholen werde, sind „Der Elefantenmensch“ von 1980, einem Drama um einen missgebildeten Jungen und „The Straight Story“, in dem ein alter Mann mit einem Traktor quer durch Amerika zu seinem Bruder fährt.
“Straight Story” habe ich eben grade gesehen und ich bin begeistert. Ein ruhiges, kleines Filmjuwel voller Altersweisheit und echt schlauen Sprüchen (“Ich denke besser, wenn ich die Sterne sehe”). Ein Film, der genauso gut in Lynch Oevre hineinpasst, wie es aus ihm heraussticht. A must watch!
Story of Ricky
Immer, wenn ich was erzähle von dem und dem Film, der so und so hart ist und splattrig, kommen mir die Leute mit „Dann schau’ Dir ersma ‘Story of Ricky’ an, dann reden wir weiter.“ Und ich frage mich bis heute: kann ein Easter-Splatter-Film tatsächlich härter sein als „Braindead“? Jedenfalls habe ich „Ricky“ bis heute nicht gesehen. Aber das wird sich ändern.
„Story of Ricky“ ist tatsächlich der Fun-Splatter-Eastern, den ich erwartet habe. Schöne billige Plastikeffekte, jede Menge Gedärm, Blut und Gemantsche und dazu Kung Fu als Sahnehäubchen. Geiler Film!
Metallica: Some Kind of Monster
Ich trinke gerne und viel und ich mag Metallica, vor allem die ersten drei Alben „Kill ‘em All“, „Ride the Lightning“ und „Master of Puppets“. Das vierte Album „…and Justice for All“ geht noch, der Rest ist Müll. Bis auf das letzte. „St. Anger“ besticht durch Härte und eine unfassbar grottig abgemischte Snare-Drum. „Some Kind of Monster“ begleitet die Entstehung des neuesten Albums und zeigt die Band bei Alkoholorgien, beim Abmetallen und in tiefsten Lebenskrisen. Hab ich gehört. Den muss ich mir bei Gelegenheit auch mal reinziehen.
So, und jetz is gut. Den Rest hab ich nämlich ehrlich kompletto gesehen. Not.
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Teil 1: Mal Sehen
Teil 2: Batzman
Teil 4: Dog Hollywood
Teil 5: Nilz N Burger
- Renington Steele •
- September 13th, 2006 •
- 29 Kommentare










































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