Die Kinderfilme des Robert R.

Nachdem wir ja offiziell unsere Kinderfilm-Woche bei F5 haben, sollen hier einige der Filme erwähnt werden, die mir zwar die eigene Kindheit nicht versüßt haben, von denen ich aber wünschte, sie als Kind schon hätte sehen zu können.
Gemeint ist zum einen die Spy-Kids-Trilogie, sowie “The Adventures of Shark Boy and Lava Girl” von Robert Rodriguez, der gemeinhin eher mit stylishen, harten wie humorvollen Genrefilmen bekannt wurde. Seit seinem Ultralowbudget-Debüt “El Mariachi” sowie seinen beiden Fortsetzungen “Desperade” und “Once upon a time in Mexico“, dem Gangster-Horror-Kracher “From Dusk till Dawn” sowie zuletzt dem wegweisenden “Sin City“, gilt Robert Rodriguez bei Filmfans als kompromissloser, bildgewaltiger Stylist, sowie als Ikone des Low-Budges-Kinos, weil er seine Maxime möglichst viel optisches Spektakel für so wenig Kohle wie möglich zu realisieren mit einer Verve umsetzt, die George Lucas (Der sich ja auch gerne als “Independent”-Filmer feiert) alt aussehen lässt.
Neben seinen sehr harten und eher mit sarkastischem Humor operierenden Erwachsenenfilmen, hat Rodriguez sich allerdings schon seit Jahren eine zweite Karriere als Kinderfilmer aufgebaut.
Mit den Mitgliedern seiner “Troublemaker-Familie” zu denen neben Antonio Banderas, Salma Hayek oder George Clooney auch Leute wie Steve Buscemi, Danny Trejo, Allan Cummings, Regisseur Mike Judge und viele andere gehören, dreht Rodriguez quietschbunte, phantastische Fantasy-Filme, die für ein Bruchteil eines Hollywoodbudgets Kinderträume verwirklichen, ohne daß man das Gefühl hat im Hintergrund habe die komplette Marketingabteilung der Spielzeugindustrie am Drehbuch mitgeschrieben (was Rodriguez freilich nicht daran hindert, auch Spy-Kids Videospiele und Lernsoftware zu vermarkten).
Spy Kids – 2001





Hier erleben wir den ersten Auftritt der Junior-Agenten Juni (Daryl Sabara) und Carmen (Alexa Vega) Cortez, die überraschend feststellen, daß ihre Eltern (Antonio Banderas und Carla Gugino) gar nicht die langweiligen Spießer und Waschlappen sind, für die sie sie immer gehalten haben, sondern die besten Agenten des Geheimdienstes OSS.
Wider Willen müssen Juni und seine Schwester lernen mit High-Tech-Gadgets umzugehen und ihre Eltern aus den Klauen des durchgeknallten Kinderfernseh-Moderators Fegan Floop sowie dessen bösartigem Handlanger Mr Minion, zu befreien, die vorhaben die Weltherrschaft mit Hilfe einer Armee aus Kinderrobotern an sich zu reißen.
Dieser erste Spy-Kids-Film sprüht vor Ideenreichtum und Witz, sei es nun beim Setdesign oder den fantastischen technischen Spielereien, die die Spy-Kids zur Verfügung gestellt bekommen. Der Traum eines jeden Kindes selbst als Superagent die Welt vom Bösen zu befreien, wird dabei genauso schwungvoll umgesetzt, wie die typischen Geschwisterzänkereien, In-Jokes, Seitenhiebe auf das Mediengeschäft und letztlich ein Loblied auf die Familie – Ein wiederkehrendes Motiv in allen Spy Kids-Filmen. Wobei Rodriguez Familie nicht nur als biologische Familie begreift, sondern durchaus im modernen Sinne als Wahlfamilie, als Gruppe von Menschen denen man vertraut, die einem wichtig sind und die füreinander einstehen.
Die Tricks, die allesamt ihre digitale Herkunft nicht verhehlen und alles andere als hyperrealistisch aussehen, überzeugen dennoch durch trashig-poppigen Charme und ausgesprochen fantasievolle Ideen.
Spy Kids 2 Island of dreams – 2002





In der Fortsetzung geht es nicht minder turbulent zu. Diesmal verschlägt es die mittlerweile vollwertigen OSS-Minispione Juni und Carmen auf eine mysteriöse Insel, auf der merkwürdige Dinge vorgehen. Im Wettlauf mit ihren OSS-Gegnern den Geschwistern Giggles, müssen sie versuchen das Geheimnis zu lüften und nehmen es dabei mit mythischen Tieren, kämpfenden Skeletten und hinterhältigen OSS-Doppelagenten auf.
Wunderbar Steven Buscemi als leicht neurotischer Mad Scientist, sowie diverse Running-Gags (.u.a gibt es eine High-Tech-Uhr die zwar vom radar bis zum Laser alles eingebaut hat, die aber leider die Zeit nicht anzeigt).
Auch der zweite Teil unterhält wieder blendend. Neben der Faszination für Gagdgets und Spielereien überzeugen diesmal die gelungenen Referenzen an die klassischen Ray Harryhausen-Monster, von denen die Bewohner des “Island of Dreams” nur allzudeutlich beeinflusst sind.
Spy Kids 3D – Game over – 2003





Im letzten Abenter der OSS-Kids steht der kleine Juni im Mittelpunkt, nach den Ereignissen im zweitel Teil hat er den Dienst quittiert, wird aber reaktiviert, als seine Schwester bei einem Auftrag in Lebensgefahr gerät. Der Toymaker (Sylvester Stallone in einer 4fach Rolle), ein abgedrehter Feind ihres Großvaters (Ricardo Montalban) hat ein Computerspiel herausgebracht, mit dem er sich an seinen alten Feinden rächen will. Carmen ist in das Spiel eingetaucht und ihr Geist ist nun in der virtuellen Welt gefangen. Juni muß sich den Weg durch zahlreiche Level des Spiels kämpfen um sie zu befreien und den Toymaker zu besiegen.
Der dritte Teil ist nicht ganz zu unrecht der umstrittenste der Serie. Grade Erwachsene tun sich mit seiner Konsolenspiel-Optik sehr schwer und das in weiten Teilen des Films benutzte 3D-Verfahren ist nun auch nicht jedermans Sache, neigt es doch im hier verwendeten anaglyphen Verfahren nicht nur zu Farbverfälschung sondern auch dazu beim Betrachter nach einer Weile Kopfschmerzen zu erzeugen. Die DVD-Versionen des Films bieten deswegen auch eine normale Version des Films, den man ohne Brille schauen kann, wobei dann natürlich die zahlreichen 3D-Gags auf der Strecke bleiben.
Auf der Proseite muß aber festgestellt werden, daß viele Szenen des Films sehr viel Spaß machen und die Referenzen an klassische Computerspiele, die liebevoll zitiert und ironisiert werden nicht nur Kindern eine Freude machen, sondern auch manchem Zocker nostalgische Gefühle abringen.
Zudem kann der dritte Teil mit einem herrlich overactenden-Sly-Stallone aufwarten, einem wahren Familientreffen der bisher aufgetretenen Spy-Kids-Charaktere und ist zudem Rodriguez Verbeugung vor dem großen Ricardo Montalban, dem dank digitaler Tricks die Beweglichkeit zurückgegeben wurde, die er im wahren Leben, an den Rollstuhl gefesselt, nicht mehr besitzt.
The Adventures of Sharkboy and Lavagirl – 2005
Ganz knapp 




Ausgehend von einer Idee seines Sohnes Racer Rodriguez erzählt der vierte Kinderfilm, erneut eine Geschichte aus dem digitalen Wunderland, abermals im gewöhnungsbedürftigen 3D.
Am ehsten könnte man die Story als “Unendliche Geschichte” für die X-Box-Generation beschreiben. Der kleine Max wird in der Schule von niemandem ernst genommen, weil er eine zu ausschweifende Phantasie hat. Ständig erträumt er sich die Abenteuer der absurden Helden Sharkboy und Lavagirl zusammen, die in ihrer fantastischen Welt Drool (A planet so cool it makes you drool) für Gerechtigkeit kämpfen und über Superkräfte verfügen, die mal mehr mal minder hilfreich ist.
Max Mitschüler verlachen ihn, ob dieser Stories, allerdings nur solange bis ein Tornado ihren Klassenraum zerlegt und Sharkboy und Lavagirl livehaftig vor ihnen stehen um Max mit zunehmen. Dieser soll ihnen helfen die Welt die er sich zusammengeträumt hat mit ihnen vor der Zerstörung zu retten…
Der vielleicht schwächste Rodriguezfilm, der sowohl bei Kritik als auch im Kino eher verhaltene Reaktionen erntete. Was einmal mehr anstrengt und nervt sind die vielen 3D-Faxen die schon bei Spy-Kids 3 ein häufiger Kritikpunkt waren, aber vielleicht hat Rodriguez Recht wenn er hofft das diese Streifen von späteren 3D-Verfahren die keine nervigen Brillen und Farbverschiebungen erfordern, durchaus profitieren. Inhaltlich bleibt der Film Spy Kids 3 treu, indem er die Welt konsequent aus dem Blickwinkel und der Erzählperspektive eines 10jr Jungen schildert.
Klar die Handlung ist ein Sammelsorium verschiedenster Vorbilder, von “Unendliche Geschichte”, “Matrix”, “Liebling wir haben die Kinder geschrumpft” und etlichen Samstagmorgen-Cartoons überdeutlich beeinflusst, dennoch gibt der Film ganz gut die Spielfantasien heutiger Kinder wieder. Wäre ich heute 10, ich hätte den Film wohl geliebt.
Insgesamt macht er durch seinen fast vollständig digitalen Look etwas weniger Spaß als die Vorgänger, ist aber immer noch besser als vieles was sonst so auf die Kids losgelassen wird.
Bewertung der DVDs





Alle Rodriguez Filme wurden sehr liebevoll mit einer Menge Bonusmaterial umgesetzt. Technische Making Ofs, Musikvideos, sehr informative Audiokommentare des patentierten Schnellsprechers Rodriguez, sowie die immer wieder erhellenden Ten-Minute-Filmschools machen die Scheiben vor allem auch für erwachsenen Zuschauer und interessierte Nachwuchsfilmemacher zu einem Erlebnis.
Spy Kids Box – Gönn dir und den Kleinen alle drei Teil der Superspione
Die Abenteuer von Sharkboy und Lavagirl auf DVD in 3D – inkl. der augenfreundlcihen 2D-Fassung
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- September 20th, 2006 •
- 12 Kommentare









































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