szmtag

„Jeder Mensch sollte ein Talent haben. Welches hast du?“
„Unterschriften fälschen, Stimmen nachmachen, ausserdem kann ich quasi jeden imitieren“

Originaltitel: The Talented Mr. Ripley
Herstellungsland: USA 1999
Regie: Anthony Minghella
Darsteller: Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport

★★★☆☆

Talented Ripley

Nun zumindest ist Tom Ripley niemand der zuviel verspricht. Schriftfälschen und Imitationen zählen in der Tat zu seinen herausragenden Talenten – doch der Reihe nach. Italien in den 50er jahren. Dickie Greenleaf – seines Zeichens gutaussehende Strahlemann und Millionärssöhnchen genießt auf Vaters Kosten das buchstäbliche dolce vita in Italien.

Dort trifft er vermeintlich zufällig auf den schüchtern bebrillten Tom Ripley, einen New Yorker Underdog der durch eine Verwechslung für einen Schulkameraden Dickies gehalten und von dessen Vater nach Italien geschickt wurde um den verwöhnten Sproß nach Hause zu lotsen.

Dickie freundet sich, nachdem Ripley ihm von „seiner Mission“ berichtet hat rasch mit Tom an und nimmt den ungelenken Jungen unter seine Fittiche, er zeigt ihm das Leben der reichen und schönen, die Faszination der Jazzmusik und nunja. sich. Ripley verfällt zusehends dem Charme des attraktiven und überaus charmanten jungen Mannes – und wird sich eigener Gefühle bewusst die ihm in dieser Form wohl neu sind… er verliebt sich in Dickie… um so größer ist die Enttäuschung als er Erkennen muss das er für diesen nur eine weitere Ablenkung in dessen abwechslungsreichen Leben war. Der schmierig-joviale Freddy Miles tritt auf den Plan und Dickie lässt Tom mit einem mal links liegen, eine schmerzliche Erfahrung die auch Greanleafs langzeitverlobte Marge kennt.

Langsam gerät Toms Verehrung für seinen neuen Freund ins wanken. Eine Geliebte die ein Kind Dickie erwartet begeht Selbstmord, nachdem der sich weigerte ihr zu helfen und Dickies Interesse an Tom wird zusehends weniger. Er scheint froh, als die Aussicht besteht, daß dieser nach New York zurückkehrt – auf einer letzten gemeinsamen Reise nach San Remo, kommt bei einer Bootsfahrt zur fatalen Konfrontation der beiden..

Ein Mord aus Versehen, ein Mord im Affekt. Doch der initiale Schock hält bei Ripley nicht lange vor, er erkennt seine Chance und beginnt Dickies Verschwinden zu kaschieren. Peu a peu legt er falsche Spuren aus, die andeuten das dieser noch immer lebt. und schlüpft dabei langsam selbst in die Rolle des Dicki Greanleaf. Doch auch eine gute Scharade hält nicht ewig und Ripleys Schwierigkeiten beginnen erst, als immer mehr Leute die Wahrheit zu erahnen beginnen.

Immer tiefer gerät Tom in den Strudel aus Schuld und Täuschung…

Matt Damon spielt Tom Ripley – im Gegensatz zu diesem ist er jedoch kein sonderlich talentierter Darsteller, die Faszination der Charme der von diesem soziopathischen, identitätslosen Affektmörder ausgehen soll ist im Film eher gering – Damon rennt mit Hornbrille und einem Gesichtsausdruck durch den Film wie Mr. Ed mit Darmverschluß und drückt die meisten Gefühlsregungen durch mit halboffenem Mund in die Gegend starren aus.
Er wirkt bemüht als habe ihm der Regisseur eingebläut das hier ein ambitionierter Film gedreht würde, und das möchte der Film auch gerne sein… vielleicht ist er auch ambitioniert aber das übertrug sich nur in wenigen Momenten auf mich.

Der vorherrschende Eindruck war “Der film ist lang” Das Kennenlernen Ripleys und Dickies nimmt weiter über eine stunde in Anspruch – und auch wenn ich den Dickie-Darsteller Jude Law gerne leicht bekleidet und charmant chargierend umherlaufen sah, so wünschte ich mir doch, daß die Handlung etwas gestrafft worden wäre.

Schöne Bilder hin oder her, gut inszenierte Jazzclubszenen auch okay, aber die eigentliche Handlung rechtfertigt derart ausladendende Langsamkeit kaum. Und nachdem Jude Law das zeitliche gesegnet hat und Damon seine Rolle übernimmt, merkt man um so schmerzlicher, wie begrenzt dessen schauspielerischen Leistungen sind.

Damons Ripley ist kein genialer Imitator der berechnend Leute manipuliert und täuscht Er ist ein im Endeffekt als bedauernswert dargestellter Schrankschwuler der in Zwangslagen wieder und wieder die falschen Entscheidungen trifft und dann wortreich darüber lamentiert, wie sehr ihn diese Fehlentscheidungen belasten.

Für einen Psychothriller als den der Film vermarktet wird ist der Film zu behäbig, für eine Charakterstudie hat er zuwenig Charakter und Gwynyth Paltrow als Dickies Freundin Marge, schafft es nicht nur ihr “Shakespeare-in-love”-Emma-Thompson-Gedächnis-Lächeln eine Stunde beizubehalten, sondern sie kommt tatsächlich mit zwei Gesichtsausdrücken durch den ganzen Film.

Sicher es muß ja nicht immer MTV-Schnitt und dröhnender Orchestralsoundtrack sein, aber auch ein noch so schöner Bilderbogen ist nicht gleich Filmkunst.

Fazit: Ein zu gemütlicher Film mit einigen guten Darstellern und schöner Musik und wunderbaren Bildern. Welche Talente es sein sollen die Mr. Ripley wirklich hat und warum man nach 138 Minuten das Gefühl hat, das der Film vielleicht einfach nur deshalb vorbei ist, weil irgendwann ja mal Schluss sein muss – das soll wer es will selbst herausfinden.

Ich hatte nach dem Kinobesuch immerhin das gefühlt selbst einige Monate in Italien verbracht zu haben – und 6€ für eine Kinokarte sind immer noch billiger als eine Urlaubsreise.

Verwandte Artikel

1 Kommentar

  1. Das spricht mir aus der Seele… und ich denke, dass der Film ein richtig guter hätte werden können. Aber nicht mit Matt Damon.

    Kommentar #1 von DS am 18.09.2007 um 22:34 Uhr

Sag was!