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Short Shots – Nachlese

Standard, 28. 9. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 2 Kommentare

Das Kurzfilm-Event Short Shots feierte gestern abend seinen ersten Geburtstag. Es gab nicht nur die fünf nominierten Filme zu sehen, im Anschluß konnte das Publikum dann selbst seinen Favoriten wählen, der zusammen mit dem Liebling der Jury ausgezeichnet wurde.

Es gab Preise in Form von Produktionshilfen im Gesamtwert von rund 25.000

Darüber freuen durften sich die Macherinnen des Publikumsfavoriten „Der Kuscheldoktor“, sowie der von von der Jury ausgezeichnete Film „Die Überraschung„.

Eine echte Überraschung war auch die durchweg hohe Qualität aller Fünf nominierten Kurzfilme, die allesamt auf technisch hohem Niveau lagen und viel Witz und Talent erkennen ließen.

Die Filme im Einzelnen:

Publikumspreis: „Der Kuscheldoktor“
Die Story eines kleinen Mädchens, daß sich mit dem Freund ihrer Mutter anfreundet nichtsahnend, daß die kleinen Gefälligkeiten die sie für ihn erledigt in Wirklichkeit ein Rolle als Drogenkurier ist. Mit Ralf Richter und Detlec Buck in Nebenrollen prominent besetzt, hat dieser charmante und perfekt erzählte kleine Film von Anja Jacobs schon einige Auszeichnungen errungen. Besonders die junge Hauptdarstellerin weiß, was bei deutschen Kinderschauspielern ja keienswegs selbstverständlich ist, vollends zu überzeugen.

„Der Kuscheldoktor“ ist auf der Kompilation „KurtsFilme – Gangster & Fußball“ enthalten. Er allein lohnt schon den Kauf.

Jurypreis: Die Überraschung

Ein Mann möchte seine Ex-Freundin zurückgewinnen. In ihrer Abwesenheit schleicht er in ihre Wohnung und möchte sie mit einem spektakuläre Romantik-Dinner überraschen. Letztlich ist er jedoch derjenige, der die größte Überraschung erlebt. Zusammen mit dem Zuschauer.
Ein intelligenter, verspielt inszenierter Film, der seinem Titel mehr als gerecht wird. Innerhalb von nur 10 Minuten feiert Regisseur Lancelot eine ganze Palette cineastischer Tempi ab. Von Slapstick bis Suspense, über Schock, Tragik zu Romanze und Komödie. Die kurzfilmtypische Pointendramaturgie, treibt er bewusst auf die Spitze und führt damit das Medium selbst vor. Und das ausgesprochen unterhaltsam.

Kontakt
Am 9. November 1989 schlägt in der DDR im Bezirk Karl-Marx-Stadt eine Außerirdische Sonde mit Bildbotschaft ein. Doch scheinbar verkraftet die deutsch-deutsche Geschichte nicht zwei historische Ereignisse an einem Tag. Eine superkurze Vignette, die auf den Punkt kommt, solide inszeniert ist und eine ziemlich ulkige Grundidee hat. Ob seiner Kürze war der schöne Film von Daniel Blazek und Marcus Wildelau, den anderen Filmen die in ihrer längeren Laufzeit weitere Handlungsbögen aufbauen können leider unterlegen.

37 ohne Zwiebeln von André Erkau
Schnelle Schnitte, Auslassen von langatmigen Entwicklungen: Ein Leben wie im Film. Für viele ein Wunschtraum, für Lukas Knispe bittere Realität. Denn Lukas schlittert durch die Jumpcuts seines Lebens von einer Situation in die nächste. Sein Bemühen, mit sich und der Zeit in Einklang zu kommen, mündet im Chaos.
Mein Favorit von allen Filmen, auch wenn ich alle Filme gern mochte. Die wirklich originelle Grundidee wird optisch sehr inspiriert und pointiert umgesetzt. In einer Nebenrolle gibts Bjarne Mädel, bekannt als Ernie in „Stromberg“ zu sehen.

Website des Films


Der Verrückte, das Herz und das Auge

Dieser Animationsfilm von Annette Jung und Gregor Dashuber, gesprochen von Andreas (Drei Fragezeichen) Fröhlich, erzählt die bekannte Geschichte „Das verräterische Herz“ von Edgar Alan Poe neu. Dabei überzeugt neben der Sprache besonders die detailverliebte Animation und die opulente Musik. Eine klasse Umsetzung einer klassischen Story, gespickt mit kleinen Referenzen und In-Jokes.

Insgesamt eine wirklich erfreuliche Auswahl und eine gute Idee, qualitativ hochwertigen Kurzfilme zu fördern. Fürs nächste Jahr könnte man allerdings etwas über die Lokation nachdenken, denn der SAGE-Club bot nicht wirklich eine Räumlichkeit, die der Veranstaltung und vor allem den wirklich guten FIlmen angemessen gewesen wäre. Zu beengt drängte sich das etwas unruhige Publikum im viel zu kleinen Vorführsaal, wo die Filme auf einer betttuchgroßen Leinwand präsentiert wurden, was schade ist, hätten sie doch alle von einer echten Kinolaufführung sehr profitiert. Die Moderation war zwar leidlich symptahisch aber nicht sehr souverän und wirkte, wie die ganze Organisation etwas konzeptlos. Das kann aber sicher noch besser, werden, immerhin war dies die erste Short Shots-Verleihung, der hoffentlich noch etliche folgen werden.

So lange das Niveau der Filme weiter so hoch bleibt, gucke ich mir das dann sehr gerne an. Vielleicht das nächste mal in einem echten Kino.

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2 Kommentare

  • Reply Pulmoll 28. 9. 2006 at 2:22

    „man sollte sich selbst nicht so wichtig nehmen“, mein persönliches fazit für den abend (aber das mag ja noch werden)

  • Reply MegSummers 29. 9. 2006 at 10:16

    und wie bekomm ich jetzt raus, wer wie überrascht wurde?
    irgendwie fällt mir dazu n anderer kurzfilm ein, in dem die hauptperson zum geburtstag überrascht werden sollte, die sich dann aber auch alleine sehr vergnügt hat…

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