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Attack of the 50 ft. Scheisstitel

Standard, 30. 9. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 29 Kommentare

Die Älteren erinnern sich noch wehmütig an die 70er und 80er Jahre.
Damals als Filmdialoge zugunsten „flotter Sprüche“ auf ein Minimum an Sinngehalt verkürzt wurden und per Gesetz vorgeschrieben war, das ein Filmtitel zum einen „schweinelustig“ sein musste und zum anderen im wesentlichen die Story zusammenfassen sollte.

So entstanden dann Filmtitel wie „Die unglaubliche Entführung der verrückten Miss Stone„, „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen„, „Es kracht und zischt, zu sehen is nischt“ oder „Zwei Superpflaumen in der Unterwelt„.

Wehmütig fragt man sich manchmal warum Filme heute meist den Originalnamen behalten oder einen anderen ebenfalls englischen Titel bekommen. Wieviel schöner wäre Amelie gewesen, hätte sie bei uns „Die süße Verträumte mit dem leichten Knall“ geheissen.
Oder der jüngst noch einmal bei uns so leidenschaftlich diskutierte Matrix wäre doch sicher als „Der digitale Oberhammer und seine virtuellen Spießgesellen“ ein noch größerer Erfolg gewesen.
Oder Lost in Translation mit einem zünftigen deutschen Titel: „Scheissedrauf im Schlitziland – Die kleine Dröge mit dem engen Schlübber„.
Und als Reminiszenz an alte Zeiten, wäre es doch schön wenn „The Aviator“ stattdessen: „Der tollkühne Spinner mit seiner fliegenden Kiste“ hiesse.

Wo sind all die genialen Texter geblieben? Was passierte mit den Rainer Brandts dieser Welt? Haben Sie ihr Abitur nachgemacht und einen anständigen Job als Abdecker bekommen? Singen Sie lustige Lieder in Fussgängerzonen? Haben sie sich bei Ebay ne Tube Humor ersteigert und sind doch noch vollwertige Mitglieder der menschlichen Rasse geworden?

Sie sind immer noch unter uns, wie man beim Blättern in Presseankündigungen feststellt. Demnächst kommen wieder zwei Filme auf uns zu, die deutlich machen, daß die Titelgeneratoren der deutschen Marketingszene nichts von ihrem Können eingebüsst haben.

Die gar nicht so klamaukige Komödie „Accepted“ bekam nich nur einen auf Haudrauf-Humor zusammengekürzten deutschen Trailer verpasst, sondern auch noch den unseeligen Titel „S.H.I.T. – Die High-School-GmbH„. Das soll die debile Masse ins Kino locken, die eh nicht weiß was der Unterschied zwischen High-School und College ist. Also genau wie die Texter.

Im nächsten Fürhjahr erwartet dann die vielversprechende Will-Ferrell-Fantasy „Stranger than fiction“ eine Eindeutschung, die wohl ebenfalls alle Zuschauer mit mehr als zwei funktionierenden Gehirnzellen von der Kinokasse verschrecken dürfte: „Krasser als Fiktion

Creutz. Aber was erhofft man sich von Leuten die glauben drittklassige deutsche Soapdarsteller wären ein adäquater Synchronersatz für amerikanische A-Mimen.

Dazu gibts demnächst mehr, im zweiten Teil der Reihe Sprachfehler.

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29 Kommentare

  • Reply Jeriko One 30. 9. 2006 at 14:05

    Ich glaub mein Favorit in der Kategorie „Abgedrehter Filmtitel“ wird wohl noch auf lange Zeit „Gay Niggers From Outer Space“ sein…

    Just my two cents

  • Reply Batzman 30. 9. 2006 at 14:13

    Der Film dazu ist leider grottenlangweilig, das Beste an dem Film ist der Titel. Wobei es hier ja um deutsche Verleihtitel geht und nicht um „komische Filmtitel“ generell…

    Die o.g. Filme haben ja alle völlig normale Titel im Original und wurden erst durch die Eindeutschung peinlich…

  • Reply Jörg 30. 9. 2006 at 15:12

    Halloooo….DRÖGE?!?!?

  • Reply Batzman 30. 9. 2006 at 15:26

    Bidde?

  • Reply bole 30. 9. 2006 at 15:27

    OMG… das sind beides genau DIE komödien auf die ich dieses jahr noch baue das sie wirklich gut werden… und dann solche titel.. wie soll ich da meinen Kumpels glaubhaft machen das da wirklich gute filme dahinterstecken… naja an den sessel fesseln hat sonst auch geklappt .. hmm :>

    Wobei ich mich in letzter zeit häufiger dabei ertappe sowieso lieber die englischen Originalnamen im kopf zu haben. „Ich, Du und der Andere“ klingt einfach nicht so melodisch wie „You, me and Dupree“ z.B.

  • Reply ntropie 30. 9. 2006 at 15:27

    Oh, siehe auch hier und hier. :)

  • Reply Sebastian Sachse 30. 9. 2006 at 17:13

    Schlimm wird’s, wenn diese Titelgeber frisch verliebt sind und glauben romantisch zu sein: Vergiss mein nicht *argh*

  • Reply Renington Steele 30. 9. 2006 at 17:14

    Jörg, Scarlett ist nicht dröge… Batzman ist da manchmal etwas, sagen wir, eigen und wir haben ihn schon verkehrherum im Verließ aufgehängt für den ein oder anderen Faux Pas. Hat aber auch nix genutzt und als wir ihn richtigrum aufhingen, hat er nix besseres zu tun, als die Kerkerneulinge zu beschimpfen. Naja, so isser eben, der Batzi ;-)

  • Reply Nilz N Burger 30. 9. 2006 at 21:27

    ich glaub er fands auch irgendwie ganz scharf so aufgehangen zu werden…vielleicht sollten wir ihm mal alle simpsonsstaffeln in der deutschen synchro nacheinander an einen stuhl gefesselt vorspielen..das wäre für ihn der blanke horror glaub ich…hihihi:)

  • Reply Batzman 30. 9. 2006 at 23:13

    Über Scarlett mag man je nach FIlm vielleicht diskutieren, auch wenn ich sie nicht grade für ne mimische Offenbarung halte, aber Lost in Translation ist Hausfrauentiefsinn. Luxusprobleme von Societyweibchen, denen in einer Stadt wie Tokio nix besseres einfällt als depressiv aus dem Fenster zu glotzen und sich über den Akzent der Einheimischen zu ergötzen.

    Nix gegen Bill Murray, toller Schauspieler in anderen Filmen, aber in dem Werk von Frau Coppola ist mit seine Figur genauso auf den Sack gegangen wie die Schlübber-Liesel.

  • Reply Nilz N Burger 30. 9. 2006 at 23:37

    und auch die nacht des 30. septembers soll mal wieder in die historie (zumindest der der f5) eingehen als: die nacht, in der ich batz mal wieder 100% zustimmte.

  • Reply pascal 1. 10. 2006 at 4:19

    Hmm, im Kinopolis-Magazin hieß das aber „Die Highschool GMBH“ (was noch bekloppter ist, IMO)

  • Reply Batzman 1. 10. 2006 at 4:28

    und natürlich hast du recht. GmbH heisst es, nicht Chaoten, ist geändert…

    und ebenfalls Zustimmung, daß es die Sache noch dämlicher macht.

  • Reply neolith 1. 10. 2006 at 13:35

    Was die Titel betrifft, ist mein Lieblingsnegativbeispiel ja immer noch „Liebling, hälst Du mal die Axt?“ als Ersatz für „… so I married an axe murderer“.

  • Reply Peter 1. 10. 2006 at 13:45

    Ich erinnere mich immer gerne an den RTL-Unteritel eines B-Action-Film mit „The Hoff“:
    Wings of Freedom – Hasselhoff haut drauf

  • Reply ::: eselkult.tk: Blog, abseits vom Mainstream! ::: » links for 2006-10-02 2. 10. 2006 at 14:20

    […] F5 – Die Fünf Filmfreunde: Attack of the 50 ft. Scheisstitel “Scheissedrauf im Schlitziland – Die kleine Dröge mit dem engen Schlübber“ *LOL* (tags: Film Filmindustrie HiHi) […]

  • Reply dee! 2. 10. 2006 at 15:10

    wer erinnert sich nicht an:
    „alles fliegt dir um die ohren“
    ein 3d film aus den achtzigern….
    ziemlich ehrlicher tiel…..

  • Reply martha dear 2. 10. 2006 at 17:40

    wenn schon, denn schon: dit heißt schlüPPer!!! junge, junge…

    p.s.: meine kommentar-abos funzen bei euch übrigens nie – jemand ne ahnung, woran das liegen könnte?

  • Reply Der_Held 2. 10. 2006 at 22:10

    Geil :)

  • Reply Nur mein Standpunkt » Und ihr fragt mich warum ich Filme im Original sehe… 3. 10. 2006 at 5:31

    […] {via F5} […]

  • Reply Sören 4. 10. 2006 at 0:15

    Jaja, der Batz mit seiner „Lost In Translation“-Phobie… Hausfrauentiefsinn… tzes! =D

  • Reply Batzman 4. 10. 2006 at 0:17

    Komm du mir mal wieder nach Berlin, Sören! ;)

    Ich hab deine Ode an LiT neulich gelesen und mußte mich ganz stark zurückhalten, nichts dazu zu kommentieren… *g*

  • Reply Sören 4. 10. 2006 at 0:54

    Ich hatte mich schon gewundert, dass von dir nichts dazu kam *gg*

  • Reply SirDregan 24. 10. 2006 at 14:26

    Ich weis schon wo die „kreativen“ Titelgeber jetzt stecken – im Pornobusiness, wo sonst! :D

  • Reply Enk 1. 6. 2007 at 14:59

    „Hausfrauentiefsinn“ – nich schlecht. Auf einer Ebene mit „Friseurslyrik“. Wobei ich das Lost in Translation nie unterstellen würde, eher schon Pseudo-Anspruch-Schmonzetten a la Club der toten Dichter (übrigens ein ganz okayer deutscher Titel).

    Aber „Scheissedrauf im Schlitziland“ ist der Brüller. Damit wär Lost in Translation auch in den Multiplexen ein Hit geworden.

  • Reply Mental Savage :: Accepted (S.H.I.T. - Die High-School GmbH) :: June :: 2007 1. 6. 2007 at 16:01

    […] Willen schaut solche Filme. Ich gehöre ja eigentlich nicht zu denen, die sich immer und schon aus Prinzip über deutsche Filmtitel-Übersetzungen aufregen (obwohl es da schon einige merkwürdige bis […]

  • Reply F5 — „Be Kind Rewind“ heisst jetzt „Abgedreht“ 22. 2. 2008 at 12:00

    […] Originaltitel nicht viel, der Rhytmus und der Reim ist weg und so, aber ehrlich: da gab es weitaus schlimmeres. Nach dem Klick noch das deutsche […]

  • Reply Pillemann 22. 2. 2008 at 14:47

    Ich erinnere nur ungern an „Die Strassenkämpfer“.
    Unter diesem Name lief „Menace II Society“ vor Jahren im ZDF Montagskino

  • Reply Accepted (S.H.I.T. – Die High-School GmbH) | Mental Savage 13. 6. 2014 at 16:36

    […] Willen schaut solche Filme. Ich gehöre ja eigentlich nicht zu denen, die sich immer und schon aus Prinzip über deutsche Filmtitel-Übersetzungen aufregen (obwohl es da schon einige merkwürdige bis […]

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