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“I just thought you should know that, in no way whatsoever, do I blame you for Troy’s death. “

Originaltitel: Chumscrubber, The
Herstellungsland: Deutschland / USA 2005
Regie: Arie Posin
Darsteller: Jamie Bell, Justin Chatwin, Glenn Close, Kathi Copeland, Rory Culkin, Ralph Fiennes, Lou Taylor-Pucci, Jason Isaacs

★★★★☆

Chumscrubber

Dean Stiffle (Jamie “Billy Elliot” Bell) sollte es eigentlich gut haben. Er lebt in einem Nobelvorort. Sein Vater ist ein angesehner Psychiater, seine Mutter vermarktet Gesundheitspillen, sein kleiner Bruder wächst vor der Videokonsole auf und sein bester Freund Troy, der beliebteste Drogendealer der Schule, hat sich grade während einer Party seiner Mutter (Glen Close) aufgehängt.

Natürlich kümmert sich Deans Vater rührend um ihn und verschreibt ihm ein paar Psychopharma um mit dem Trauma besser umzugehen. Das Dean nicht wirklich traumatisiert scheint, ist dabei zweitrangig, Dean nimmt die Pillen bereitwillig, da es die beste Möglichkeit ist an Drogen zu kommen, jetzt da sein Freund tot ist und niemand weiß, wo dieser seinen Geheimvorrat gelagert hat.

Die plötzliche Drogenknappheit in der beschaulichen Vorstadtidylle, in der sich alles um Status und äußeren Schein dreht, löst unter den Jugendlichen leichet Entzugserscheinungen aus. Eine Gruppe Möchtegernhalbstarker unter Führung von Billy (Justin Chatwin) erpresst Dean, will diesen zwingen die Happy-Pillen seines toten Freundes zu finden. Um zu zeigen, daß sie es ernst meinen, wollen sie Deans Bruder (Rory Culkin) entführen, erwischen jedoch den falschen kleinen Jungen und wundern sich, daß niemand ihre Drohungen ernst nimmt.

Und dann sind da noch die Erwachsenen die auf ihre Art versuchen irgendwie den Alltag, Familie und Ehe zu überstehen, wie z.B. der Bürgermeister (Ralph Fiennes) der in eine existenzialistische Lebenskrise driftet und beginnt überall Delphine zu sehen…

Arie Posins Regiedebut kann nicht nur eine exzellente Besetzung aufweisen, sondern auch dem mittlerweile zum eigenen Genre gewordenen “Suburbs”-Drama neue Facetten abgewinnen. Als Ensemblestück mit leichtem Fokus auf die Figur des Dean, tun sich hier viele Abgründe ab, die zwar so nicht neu sind, aber auf höchst subversive und witzig-böse Art abgefeiert werden.

Dabei geht er weniger klamaukig zu Werke als “American Beauty” und weniger verschwurbelt als “Donnie Darko”, arbeitet aber ebenso wie diese beiden Filme mit surrealen, phantastischen Momenten. Der obskure Originaltitel “The Chumscrubber” geht auf einen (fiktiven) Independent-Comic zurück, der als Referenz im Film erscheint. Der Chumscrubber, ein seltsamer Held, der seinen Kopf in der Hand trägt und in einer post-apokalyptischen Welt gegen Mutanten kämpft, findet in der Filmrealität als Computerspiel statt, daß in Deans Kopf immer mehr mit der Realität verschmilzt.

Das zentrale Thema Isolation, fehlende Kommunikation trotz beständigen Redens wird in vielen kleinen Vignetten skizziert, die durchgehende Hilflosigkeit aller erwachsenen Figuren, die so in ihren eigenen Ritualen gefangen sind, daß sie die mentale Verwahrlosung und Vereinsamung ihrer Kinder nicht mitbekommen wird mit bösem Humor und unspektakulärer Lankonie erzählt. Die Kamera beobachtet dabei oft aus einiger Entfernung, zeigt immer wieder Totalen der scheinbar vom realen Leben, von der Welt abgeschnittenen Vorstadtsiedlung.

Was angenehm auffällt ist bei aller Bitterkeit der Geschichte die Vermeidung gefühlstriefenden Dramakitsches. Fast nüchtern betrachtet der Filme seine Figuren, behält oft eine Aussensicht, die dennoch tiefe Einsichten in ihr Innenleben offenlegt. Wenige kurze Dialoge reichen aus, um das Verhältnis der Figuren zueinander treffen zu skizzieren.

Die Darsteller agieren ebenfalls zurückhaltend und akzentuiert. Seien es nun Stars wie Ralph Fiennes als Bürgermeister, der zunehmend den Glauben an sein Leben und seine Hochzeit mit der perfektionistischen Geschäftsfrau Terry Bratley verliert oder Glen Close, als verbitterte, scheinbar eiskalte Mutter die nach dem Tod ihres Sohnes nicht müde wird jedem Nachbarn mit bösartiger Süffisanz zu versichern, daß sie ihn nicht für den Tod ihres Sohnes verantwortlich mache.

Jamie Bell, Justin Chatwin, Camille Belle und Lou Taylor-Pucci verleihen den Jugendlichen Rollen eine erdverbundene Glaubwürdigkeit, da sie es schaffen den Vorstadtkindern ene Gestalt zu verleihen, jenseits von übertriebenen Gangster-Posen und coolen Posen. Es sind Vorstadt-Kinder, woran es ihnen mangelt ist nichts materielles, sondern emotionale Sicherheit, Ansprechpartner, Bezugspersonen, Freunde. Aus kleinen Gesten und verschrobenen poetischen Momenten entsteht so eine gefühlte Wirklichkeit, die eine emotionale Landkarte der Welt zeichnet, in der sie durch ihre Eltern zu leben gezwungen sind.

Natürlich sind das alles letztlich Luxusprobleme, in diesem Fall aber sehr unterhaltsam, teilweise anrührend aber nie rührseelig erzählt und mit genug satirischer Distanz betrachtet, daß man diesen Ausflug nach Suburbia guten Gewissens empfehlen kann.

PS:

Chumscrubber sollte man übrigens nicht verwechseln mit dem ebenfalls heute anlaufenden Film “Thumbsucker” in dem Lou Taylor-Pucci, der in “Chumscrubber” eine Nebenrolle spielt, in der Hauptrolle eines verstörten Jugendlichen in einer desolaten Vorstadtidylle zu sehen ist. Jamie Bell der Hauptdarsteller von “Chumscrubber war übrigens genau wie Pucci in einem Green Day Video zu sehen, allerdings nicht in demselben.

Confused? Hier eine Seite die Aufklärung bringt.

Offizielle deutsche Website zu Chumscrubber

Offizielle US-Website

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4 Kommentare

  1. Was ich loswerden wollte: Ich finds endklasse das ihr die Filme hier nicht in Kategorien wie “Thriller”, “Drama”, etc. zwängt.

    Kommentar #1 von SirDregan am 06.10.2006 um 13:54 Uhr

  2. fand ich zunächst arg verdächtig dass der hier in bielefeld und umgebung nicht läuft der film.

    aber laut kino.de is er selbst in ganz berlin nirgends zu sehen. was is da los? (und ja, ich hab nach deutschem UND englischem titel gesucht)

    Kommentar #2 von Euter am 18.10.2006 um 18:50 Uhr

  3. Der 3L-Verleih hat den Film anscheinend mit sehr wenig Kopien gestartet (Bundesweit grade mal 16 Stück, soweit ich das sehen konnte). Wo er zu sehen ist kann man hier nachschlagen:

    3l-filmverleih.de/website/serv...

    Das er in Berlin noch nicht läuft find ich in der Tat seltsam, aber vielleicht wollte ihn ja in der Tat kein Kino ins Programm nehmen.

    Kommentar #3 von Batzman am 18.10.2006 um 19:28 Uhr

  4. Erstmal muss ich mich gleich mal aufspielen und anmerken, dass es nicht “Lankonie” sondern “Lakonie” (vielleicht nur ein Tippfehler?) bedeutet und zweitmal mich für diese nette Seite/Blog mit den vielen tollen Review’s (Plural von Review?) bedanken – weiter so!

    Kommentar #4 von MannaZ am 20.11.2006 um 18:04 Uhr

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