Kurz und Schmerzlos

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Schnitt!

Es gibt lange Filme da wünschte man sie würden niemals enden. Epochale Werke, die einen dermaßen in ihre Welt ziehen, das man das Gefühl hat ein Stück Leben mit den Akteuren geteilt zu haben. Giganten, Herr der Ringe: Die Gefährten, Brazil, Der Zauberer von Oz, The empire strikes back, Kill Bill, Sin City…

Bei anderen fühlte es sich nur so an, als würden sie niemals enden. Noch heute vermisse ich die gefühlten drei Wochen, die ich in Titanic zugebracht habe.

Normalerweise ist man als Filmkritiker und Cineast ja immer strikt gegen jede Art von Zensur und Filmkürzung, dennoch stolpert man im Laufe der Zeit immer mal wieder über Streifen, bei denen man das Gefühl nicht loswird, daß es den Machern ein wenig an Disziplin mangelte und sie sich zu schwer von Material trennen konnten.

Deswegen folgt hier nun meine völlig subjektive und keinesfalls vollständige Top Ten von Filmen denen eine Kürzung wirklich gut tun würde.

1) Lord of the Rings: The two towers

Okay ich mag Peter Jackson und seine Ring-Filme, ich besitze sie alle in der Langversion. Aber auch wenn ich zugebe, daß einige Szenen der Extended Edition dem Film zugute kommen, ändert das nichts dran, daß man wie bei der Kinofassung sicher eine Stunde aus dem Film rauskürzen könnte um ihn straffer und goutierbarer zu machen. Ich denke da vor allem an sülzige Elfentussi/Aragorn-Liebeskacke, den schwafelnden Baum und seine Freunde, sowie die “Hameln wird evakuiert”-Szenen. Sorry, heißt ja Rohan, dieses gewaltige Königreich, daß anscheinend rund 200 Leute umfasst. Booooring. Und der Angriff der Killerhamster-Hyänen kann auch gleich mit weg.

2) Die fabelbare Welt der Annemarie

Okay, eh nicht grade einer meiner Lieblingsfilme über den ein Kritiker ganz zurecht schrieb, es wäre als sei man 2 Stunden mit Rosa Zuckerwatte verprügelt worden. Aber er wäre sicherlich erträglicher wenn man alle Momente rausschneidet in denen nix passiert und Amelie nur dasitzt und rehäugig in die Kamera glotzt, wie eine Künstlerpuppe aus dem Teleshopping.
Und die Szene mit der Schnitzeljagd quer durch die Stadt, dringend weg damit. Ich verstehe bis heute nicht, daß der Typ nicht versucht war ihr ob ihrer nervigen Attitüde eine zu semmeln.

3) Superman Returns

Okay Supi ist wieder da. Juchhu! Er trifft die olle Zicke Lois wieder und Lex Luthor zieht diese strunzdoofe Immobiliennummer ab. Am Ende wird die Welt gerettet. Prima, bei Donner war das auch sehr unterhaltsam. Das ergäbe einen unterhaltsamen soliden 90minuten Film, wenn Bryan Singer etwas weniger hanebüchene Dialogszenen und ausbremsende “emotionale” Momente untergebracht hätte. Und je weniger Dialogszenen Brandon Routh hat, desto besser für ihn.

4) Findet Nemo

Es ist ein Kinderfilm okay. Ich versteh das. Muß mir nicht gefallen, ist halt harmloser Spaß für Kiddies. Gut am Anfang kommt ein kleiner Genozid vor, aber das versteht eh keiner und die Möwen sagen ja immer so lustig “Mine” und die bekifften Surfer-Schildkröten waren ja auch echt der Hammer. Wird behauptet. Ähm ja. Genau.
Aber wieso braucht ein Kinderfilm, der im Endeffekt eine Minimalstory erzählt dafür 100 Minuten? Die meisten Kinderfilme sind nicht ohne Grund zwischen 75-85mins lang, weil die Story nicht länger trägt und die Konzentration der lieben Kleinen dann nachlässt…
Also bitte Pixar, fasst euch kurz, wenn ihr schon für Erwachsene nix in eure Filme packt.

5) Star Wars Episode I-III

Wenn man schon eine Story erzählt, die jeder kennt und von der jeder genau weiß wie sie ausgeht. Wenn es wirklich so absolut keine Spannung und keine Überraschung gibt… warum genau mußte man aus Anakins Spaziergang zur dunklen Seitengasse drei Filme machen? Abgesehen davon, das es viel Geld bringt natürlich? Mein Vorschlag an den Überarbeitungskönig Lucas wäre alle drei Filme zu nehmen und einen spannenden, kurzweiligen 120min Film zusammenzuschneiden. Und wenn er grad dabei wäre, könnte er die Special Effects nochmal überarbeiten, damit sie nicht so lausig ausssehen. Das Green-Screen-Geflacker um die Figuren muß echt nicht sein.

6) München

Bitte komm mir keiner damit, daß der Film super tiefschürfend und wichtig sei. Ich hab im entsprechenden Review dazu geschrieben, warum ich das anders sehe. Drei verdammte Stunden für eine Story die nicht nur dutzendfach besser erzählt wurde, sondern auch schon wesentlich kürzer? Sollte sich Spielberg nochmal an den Re-Cut dieser fragwürdigen “Mission Impossible” für Polit-Studenten machen, schlage ich vor zwei Stunden rauszunehmen und einen sauberen 90er Minüter abzuliefern. Wird dann sicher auch kein Meisterwerk, ist dann aber immerhin schneller vorbei.

7) King Kong

Und nochmal Peter Jackson. Ja ich geb zu der Affe ist toll animiert, die Insel sieht klasse aus und New York ist atemberaubend. Aber drei Stunden für eine “Affe trifft Frau und fällt vom Haus runter“-Geschichte gehen wirklich gar nicht. Nimm dir etwas Zeit Pete, eine große digitale Schere und fang erstmal an, alle Anschmacht-Szenen aufs Minimum zu kürzen und arbeite dich von hinten nach vorne durch. Als Zweistünder macht King Kong sicher nochmal soviel Spaß.
Und iß mal wieder was. Du bist so dünn geworden, Junge!

8) Vom Winde verweht

Jaja ich weiß, großer Klassiker und voller wichtiger Momente. Ich mag den Film auch und hab die Special Edition hier rumstehen. Dennoch täten ein paar Straffungen der Story um Nord/Süd-Konflikt und Liebesleid wirklich gut zu Gesicht. Und wenn man mal ehrlich ist, die Produktionsgeschichte des Films ist wesentlich spannender, als der eigentliche Streifen.
Frankly my dear….

9) Harry Potter 1 und 2

Buchverfilmungen müssen mehr sein als sklavische Bebilderungen der beschriebenen Handlung. Sie müssen den Geist der Vorlage, die Grundstimmung treffen, dann ist es egal ob inhaltlich etwas verändert oder gestrafft wird. Chris Columbus hat das leider nicht kapiert und so erstarren seine Filme, die eh durch den eher geringfügig begabten Hauptdarsteller herausgefordert sind, in uninspirierter überlanger Seite-für-Seite-Umsetzung, bei der man permanent das gefühl hat, daß der Regisseur eine Checkliste abhakt. Etwas mehr Freizügigkeit mit dem Material und je eine Stunde weniger hätte beide Filmen vielleicht zu eigenständigen Kinofilmen werden lassen. Das haben dann ja Columbus-Nachfolger im Regiestuhl geschafft

10) Die Godfather-Filme

Ja ich weiß, es wird Aufschreie geben, aber bei aller erzählerischen Finesse hatten die Filme immer Schwierigkeiten mich wirklich über die volle Spielzeit in ihren Bann zu ziehen. Vielleicht muß man einen Faible für diesen Mafiosi- und Familienehre-Kram haben, aber auch wenn ich die schauspielerischen Leistungen, den inszenatorischen Aufwand anerkenne und die Film für gelungen halte: Ne halbe Stunde weniger und ich wäre sicherlich konzentrierter bei der Sache gewesen.

Und wie siehts bei euch aus? Welche Kürzungskandidaten habt ihr?

In : Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

12 Comments

  1. guzz.k

    Vielleicht drängt sich der mir nur auf, weil die Erinnerung noch einigermaßen frisch is, aber trotzdem: Fluch der Karibik 2. Irgendein Kritiker hat’s mal gut zusammengefasst: Wieso muss eine Actionkomödie länger dauern als GoodFellas?

  2. Michael_DF

    Der 3. Teil vom Herrn der Ringe hätte meiner Meinung nach etwas kürzer sein können. Bei Teil 1 und 2 freue ich mich hingegen über jede Minute Film!

  3. utopia

    Goodfellas war mir eindeutig zu lang..könnte aber auch daran gelegen haben das ich die 2 Tage vor dem schauen nicht geschlafen hatte. Egal..ich bleib dabei!

  4. DraMaticK

    1) Ebenfalls die Godfather-Filme; 160 Minuten sind einfach abschreckend. Ich hab sie immer noch nicht gesehen.

    2) Matrix. Einfach mal auf einen 120min. Actionstreifen zusammenkürzen. Ich will nur provozieren :)

    3) Apocalypse Now. Die Flussfahrt ist aber auch lang, von der Redux Version rede ich gar nicht erst.

    4) Kubricks Eyes Wide Shut.

    5) Kubricks 2001. Auch wenns Kult ist, da sind ein paar Schwebeeinlagen zuviel drin.

    6) Pirates of the Caribbean 2 – s.o.

    7) Dune

    8)Kill Bill 1 & 2; wird Tarantino bestimmt noch zusammenschneiden

    9) Lord of the Rings

    10)…

  5. Der_Held

    Ich mag auch die weniger gelungenen Szenen der HdR SEE (z.B. der Marsch durch den Sumf, der extrem nach Studio aussieht).
    Das einzige -was wirklich raus müsste- sind die Gimli/Legolas Witz-Szenen und die “Silversurfer” Einlagen von Orlando Bloom.

  6. caliban

    Holla… da hat jemand eine deutliche Meinung *lach*
    Na, dafür ist es ja auch ein Blog. Die meisten Deiner Vorwürfe kann ich so nicht unterschreiben, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden!
    einen Film, den ich gern – da auch handlungsfrei – auf etwa 30 Minuten runterschneiden würde, ist “Pearl Harbour”.

  7. Batzman

    @Dramatick und Caliban

    Kann ich soweit alles unterschreiben.
    2001 hab ich erst beim zweiten mal sehen bis zum Ende durchgehalten und halte den FIlm eigentlich nur als FX-Reel der damaligen Zeit für anschaubar, aber als Film isses eher wien Bildschirmschoner für Philosophiestudenten.

    Aus Paul Harbor kann man rauskürzen bis nur der Trailer überbleibt und es wäre immer noch eine Zumutung zum anschauen…

  8. Sebastian Sachse

    Mir ist aufgefallen, dass die Spielberg-Filme der letzten Jahre immer ziemlich genau 20 Minuten zu lang sind. Und damit meine ich nicht, irgendwo in er Mitte könnte man dieses und jenes kürzen, nein, es sind immer die letzten 20 Minuten.
    AI: Begraben unter dem Riesenrad, geiles Ende. Nein, nochmal Auferweckung durch die Viecher, von denen man nicht weiss, ob es Roboter oder Aliens sind.
    Catch me if you can: Am Ende endlich geschnappt, geiles Ende. Nein, noch mal ranhängen, wie er jetzt für Tom Hanks arbeitet blabla*schnarch*
    Minority Report: Der Scientologe war’s wirklich, wenn auch durch einen Unfall, geiles Ende. Nein, nochmal 20 Minuten mittelmäßigen Tatort reingedrückt, son Scheiss. München habe ich dann sausen lassen.

  9. Batzman

    @Sebastian

    Interessante Theorie, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Wobei ich bei War of the worlds eher die ewigdumme Arie im Keller gekürzt hätte und gleich zum Ende gesprungen wär.

  10. Sebastian Sachse

    Haha, dieser Scheiss. Ich habe den schon voll verdrängt, obwohl ich den zweimal im Kino gesehen habe (einmal gezwungen). Natürlich, da hätte man die Kellerseqzenz weglassen sollen. Die zog sich wie Kaugummi und Tim Robbins hätte den Scientologen gepwned.

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14