Cal: Shake and bake…!
Jean Girard: Is that a catchphrase or epilepsy?
Originaltitel: Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Adam McKay
Darsteller: Will Ferrell, Amy Adams, John C. Reilly, John Baker, Sacha Baron Cohen, Gary Cole






Von Kleinauf gibts für Ricky Bobby (Will Ferrell) und seinen Kumpel Cal (John C. Reilly) nur einen Lebensinhalt: Geschwindigkeit. Von Hause aus nicht grade mit überragenden Geistesfähigkeiten ausgestattet und vom Vater (Gary Cole) mit dem Satz “If you’re not first, you’re last” zurückgelassen, schafft Ricky es schließlich doch zum Volkshelden aufzusteigen.
Als typischer Kalenderidiot, mit minimalen sozialen Kompetenzen aber der angeborenen Gabe Autos zu steuern, steigt er durch Zufall zum NASCAR-Star auf, umjubelt von der rotnackigen Bevölkerung, die sich perfekt mit seinen Werten identifizieren kann: Fast Food, Fast Cars and Hot Chicks.
Doch Rickys Traum vom Glück platzt auf dem Höhepunkt seines Erfolges, als sein Rennstall-Sponsor von Rickys Dummheit und Arroganz angenervt einen Herausforderer ins Team holt: Jean Girrard (Sacha “Ali G.” Baron Cohen), der für alles steht was der gesunde amerikanische Volkswille hasst: Er ist Franzose, er ist gebildet, kann austeilen und er ist schwul.
Und obendrein beherrscht er auch sein Auto besser als die amerikanische Konkurrenz. In Sekunden macht Girrard seinen Widersacher fertig. Ricky Bobby erleidet einen Unfall und ein Trauma. Wird er je wieder ein Rennen bestreiten..?
“Ricky Bobby is not a thinker, he’s a driver”
Der zweite Film des Teams Adam MacKay / Will Ferrell erfordert genau wie die absurde Nachrichten-Groteske “Anchorman” einen ganz speziellen Humor, der sich in Deutschland nur bedingt etabliert hat bisher. “Ricky Bobby” ist gleichzeitig eine Parodie, wie eine Variation bekannter Rennsportfilme a la “Tage des Donners”.
Wanderte Anchorman damals noch direkt auf DVD, weil der Verleih wohl nicht recht wußte, was er mit dem Film anfangen soll, so erhält “Talladega Nights – The ballad of Ricky Bobby” einen ordentlichen Kinostart, wohl auch weil SNL-Star Will Ferrell auch in Deutschland mittlerweile etwas bekannter ist.
In Amerika, wo man ihn schon lange kennt, hat er sich innerhalb weniger Jahre als Comedy-Star etabliert, dem die Studios mittlerweile ohne große Nachfrage Millionenbudgets anvertrauen. Dabei fährt Ferrell eine geschickte zweigleisige Strategie, die seine Filme auf mehreren Ebenen goutierbar machen.
Oberflächlich sind sie wie einige andere Prollkomödien Tummelplätze grenzdebiler Charaktere, mit deren Idealen sich die breite Masse amerikanischer Männer wohl anfreunden kann. Da sagt einer wie es ist, da steht einer dazu, daß sein Horizont nicht weiter geht als bis zum Ende der Theke.
Schnelle Autos, billiges Essen, geile Tussis, kernige Sprüche. Die Kinder nennt man “Walker” und “Texas Ranger”, und freut sich darüber, daß sie in der Schule Schlägereien anzetteln und die Mitschüler bedrohen. Wollte man Weicheier, hätte man sie “Dr Quinn” und “Medicine Women” genannt, wie Ricky Bobby gegenüber seinem Schwiegervater erläutert.
Die Figuren strotzen vor Testosterone und amerikanischen Werten, verachten alles was anders ist und suhlen sich in ihrer eigenen Dummheit. Und es werden nicht wenige Zuschauer sein, die “Ricky Bobby” genau deswegen bejubeln, als einen der ihren, der die Fahne derer hochhält die Glauben in Deutschland sei immer noch Hitler an der Macht und Amerika sei der Bauchnabel der Welt.
Doch diese Oberfläche ist nur eine Hälfte von “Talladega Nights”, denn die andere Hälfte (oder das andere Drittel) des Publikums, kann sich über eine liebevoll bösartige Demontage eben jener Werte freuen. Ricky Bobby ist ein Idiot, fast alle seine Freunde sind dumm wie Stulle, arrogant, ungebildet, egoistisch. Und der Film seziert diese Dummheit mit subversiver Freude am Detail.
Im von Sacha Baron Cohen mit viel Verve dargestellten Jean Girrad, vereinigen sie alles wovor Amerika Angst hat und kommen durch die komödiantische Form sogar damit durch, daß sie den Franzosen, den schwulen Europäer, der Perrier trinkt statt Bier, der selbst bei den Rennen noch französische Philosophen liest, der selbstbewusst die Heirat mit seinem Partner verkündet und in einem Handgemenge Ricky Bobby mühelos den Arm bricht, das dieser Gegner seinen amerikanischen Kontrahenten in jeder Hinsicht überlegen ist. Er wird nichtmal als Hassfigur aufgebaut, wie dies normalerweise in solchen Filmen der Fall ist, sondern kann mit seiner moralischen Integrität letztlich sogar Ricky Bobbys Respekt erringen.
Jean Girrard ist ein Schlag ins Gesicht aller NASCAR-Fans, aller Fahnenschwenker, allen dummen Patrioten und er kommt am Ende gut weg dabei, da er es ist, der Ricky Bobby etwas beibringt und nicht umgekehrt. Und genau wie die Rolle ist der ganze Film eine Mogelpackung, die unter einer scheinbar harmlosen Oberfläche den amerikanischen Nationalstolz demontiert.
Das ist, bei aller Albernheit, nicht schlecht für eine Komödie, die so recht in kein bekanntes Genre passen mag. Sie ist keine Klamauk-Parodie wie die “Nackte Kanone” auch wenn sie viele Rennsport-Klischees veralbert. Sie ist keine rührseelige Zotenklamotte, wie man sie von den Farellis gewohnt ist. Und sie ist dennoch wesentlich überdrehter und absurder, als alles was man gemeinhin von Hollywoods Mainstream Humoristen gewohnt ist.
Witzig macht Ferrells Humor vor allem die Energie und Ernsthaftigkeit, mit der er seine Figuren anlegt. Wie schon bei “Anchorman” werden einem ohne offensichtliches Augenzwinker Figuren serviert, die eigentlich Comicfiguren sein müßten, die aber dennoch anders funktionieren, glaubhafter, realer erscheinen. In einer Welt bevölkert mit häßlichen Männern (Garry Cole als Rickys Vater ist der einzige Schauspieler der halbwegs passabel aussieht) und heißen Tussis, mit unausstehlichen Kindern und dauerbesoffenen Gattinnen, lässt er dennoch ein Stück Wahrhaftigkeit existieren.
Die Autorennen, so spektakulär und teuer sie auf in Szene gesetzt sind, spielen eine wesentlich geringere Rolle als man vermuten würde. Vielleicht 15-20 Minuten des Films verbringt man mit den NASCAR-Bolliden und deren computergerenderten Doubles, gerät in den Rausch der Geschwindigkeit, erlebt den Jubel und die Massenhysterie des Rennsports. Optisch sind diese Szenen ebenso aufwendig wie effektiv.
Die Zusammenarbeit mit der NASCAR, die diesen Film wohl nicht ganz zu Unrecht als Werbevehikel für ihr Milliardengeschäft ansieht, hat sich durchaus bezahlt gemacht.
Doch die Rennszenen sind nicht das eigentliche Herz des Films, eher optische Auflockerung in dieser Nummernrevue liebenswert durchgeknallter Ideen, die wie stets bei Ferrell zum Großteil aus Improvisationen entstanden sind. Dazu hat er sich eine Besetzung an Bord geholt, die ihm das Wasser reichen kann, denn im Gegensatz zu anderen Komikern liebt Ferrell die Herausforderung und wird besser, wenn er Mitspieler hat, die seinen ausufernden Adlibs etwas entgegensetzen können.
Ob John C. Reilly als Rickys debiler Freund Cal, “Nighthawk” Gary Cole als Rickys versoffener Macho-Vater, Leslie Bibb als sein Wow-Blondchen oder der demnächst als “Borat” in einem eigenen Film brillierende Sacha Baron Cohen als Jean Girrard – sie alle machen den Film zu einem ungebremsten, merkwürdigen Vergnügen, bei dem man nie so genau weiß, warum man eigentlich grade grinst.
Angenehm bleibt dabei, daß Ferrell und MacKay zwar von Idioten erzählen und diese bis zu einem gewissen Punkt auch sympathisch erscheinen lassen, sie aber weit davon entfernt sind Ignoranz und Beschränktheit zu glorifizieren, wie dies in Filmen von Adam Sandler oder auch in “Forrest Gump” getan wird. Die Figuren des Films müssen dazu lernen, wenn sie weiterleben wollen, müssen ihre beschränkte kleine “All-American-Men”-Welt erweitern.
Das gilt für Ricky Bobby, wie für seinen Vater und auch die Kinder – die unter der rigerosen Führung der Großmutter mit Gewalt etwas humanistische Bildung erhalten – mit einigem Erfolg, wie ein “Zucker” nach dem Abspann verrät.
Trailer für “Ricky Bobby”
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Oktober 8th, 2006 •
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Sehen will.
Kommentar #1 von DraMaticK am 09.10.2006 um 10:37 Uhr
@ batz
ja, hab mich auch köstlich amüsiert. schätze bei dem film besonders die philosophie, nicht alles lustig finden zu müssen und jede szene unbedingt mit einem knaller-gag beenden zu müssen. das ist ein humor, der angenehm auffällt. und dann ist da noch sacha baron cohen. allein sein “rickiiiee böbbieh” erzeugt lachkrämpfe!
PS: “borat” schon gesehee?
Kommentar #2 von Marcus kleine Filmseite am 10.10.2006 um 08:57 Uhr
Nicht sehen will
Kommentar #3 von Der_Held am 10.10.2006 um 10:21 Uhr
Gelungene Kritik :)
Hab den Film nur original gesehen, ehrlichgesagt hab ich ihn von Anfang an als komplette Verarschung des amerikanischen Traums empfunden.
Nachdem ich deine Kritik gelesen habe ist mir auch klar wieso ich den Film nicht so konsequent zum totlachen fand wie Anchorman: Es werden tatsächlich 2 Gruppen von diesem Film angesprochen.
Hier sitzen die Ausgelachten mit den Lachenden unter einem Dach.
Seit Anchorman und seiner Alternativversion ist Will Ferrell mein amerikanischer Held. Genialer Parodist und Mime, du hast es auf den Punkt gebracht.
Kann nur jedem empfehlen sich die englischen Originale reinzuziehen, das rockt noch mehr.
“I’m also thinking about gettin a gun…and..dealin crack. Being a crack-dealer. But not like a mean crack-dealer but…like a…you know like a nice one. Just kinda friendly like ‘Hey…whats up guys…? want some crack?’”
Kommentar #4 von ricky bobby am 17.01.2007 um 00:27 Uhr