Spring übern Hai…

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Jump the shark

War es als Mulder nur noch Gastauftritte bei Akte-X absolvierte? Als Miss Ellie bei Dallas ersetzt wurde? Als Kevin Arnold bei Wonder Years in die Pubertät kam? Als Alan Alda bei fast jeder M*A*S*H-Folge die Regie übernahm? Als die 80er Jahre Twilight Zone die Produktionsfirma wechselte und Michal J. Straczinsky fast alle Bücher schrieb? Oder Als Dorothee die Golden Girls verließ?

Irgendwann erreicht auch die Beste Serie ihr Verfallsdatum. Nunja fast. Ein paar TV-Klassiker hatten das zweifelhafte Glück nach einer oder zwei Seasons abgesetzt zu werden und somit niemals in die Verlegenheit zu kommen, die Gunst der Fans zu überstrapazieren.

Vielleicht erreichten sie aber auch niemals ihr ganzes Potential.

Viele andere Serien laufen jedoch über Jahre und einige über ein Jahrzehnt und im Nachhinein fällt es oft schwer zu sagen, wann die Serie jenen besonderen Zauber verlor, der sie anfänglich für die Fans so attraktiv machte.

Wobei manch eine Serie es relativ schnell schafft, daß große Wohlwollen zu verspielen, das ihr die Zuschauer entgegenbringen. Ein heißer Kandidat für den Haisprung ist derzeit die Serie LOST, die eine grandiose, fesselnd und aufwendig produzierte erste Staffel hinlegte und schon mit der zweiten Season die Geduld der Fans aufs Äußerste durch in die Länge gezogene Unwichtigkeiten und ein Auftürmen von Rätsel über Rätsel die niemals aufgeklärt werden strapaziert. In Fanforen der IMDB rumort es mittlerweile und zur jetzt frisch angelaufenen dritten Staffel hat LOST bereits deutlich Zuschauer eingebüsst. Fünf Millionen weniger als bei der zweiten Season schalteten diesmal die Eröffnungsfolge ein.

Doch Moment, was bedeutet eigentlich Haisprung? In Amerika ist “the series jumped the shark” mittlerweile ein stehender Begriff. Verantwortlich dafür ist die gleichnamige Website Jumpedtheshark.com, die ein Forum bietet in dem Fans abstimmen und diskutieren können, wann genau welche Serie “über die Wupper” ging.

Der Name der Site geht auf eine Folge der Dauerbrenner Serie “Happy Days” zurück, die von 1974 bis 1984 zehn Jahre lang zum festen Bestandteil des amerikanischen Lebens gehörte. Neben ihrem Star Henry Winkler als obercooler Kuschelrocker “Fonzie”, verdanken auch der Regisseur Ron Howard und Robin Williams (der nach einem Gastauftritt in “Happy Days” die Spin-Off Serie “Mork and Mindy” bekam) ihren Erfolg diesem betulich-harmlosen Fifties-Revival, das wiederum von George Lucas’ “American Graffiti” inspiriert wurde.

Aber wie in jeder Serie versuchte auch Happy Days sich über die Jahre neu zu erfinden, zu verjüngen, die Stories wieder interessant zu machen. Auf die Spitze getrieben führte dies in einer Folge dazu, das Fonzie beim Wasserskilaufen buchstäblich über einen Hai sprang und die Serie endgültig Abschied nahm von jeglicher Glaubwürdigkeit und Plausibilität.

Jump the shark” kennzeichnet dank dieser Website eben jenen Moment, den genauen Punkt an dem eine Serie ihr Verfallsdatum passiert. Es mag danach noch eine Weile weitergehen, aber meist hat sie zu diesem Zeitpunkt schon große Probleme.

Die häufigsten Kennzeichen für den Sprung über den Hai sind:

-Die Kinderdarsteller sind erwachsen geworden und die Produzenten versuchen durch neue niedliche Kids die Stories aufzufrischen.

-Eine vorher eher unwichtige Nebenfigur bekommt immer mehr Erzählpotential

-Hauptdarsteller verlassen die Serie, weil die Schauspieler nach Jahren endlich etwas anderes machen wollen

-Den Autoren fällt nichts mehr ein und deshalb werden die Stammfiguren mit blödesten Begründungen an neue Orte verpflanzt und unternehmen dauernd irgendwelche Reisen.

-Man versucht mit übermässigen Gaststar-Auftritte wieder Pep in die Serie zu bringen

-Die Kreativen hinter der Serie werden ausgewechselt, statt dessen machen neue Leute weiter, die dem Sender genehmer sind

-Die Serie beginnt die vierte Wand zu durchbrechen und spielt mit ihrem eigenen Medium

-Figuren die lange Zeit in romantischer Spannung zueinander standen, heiraten endlich.

-Ted McGinley – Laut den Machern von JumpedtheShark ist ein sicheres Zeichen für den Niedergang einer Serie, wenn der Schauspieler Ted McGinley dem Cast beitritt. Was weniger an dessen schauspielerischen Qualitäten liegt, als der recht hohen Anzahl von Serien die eingestellt wurden, nachdem er hinzukam. Was wohl Zufall ist. Oder?

Zum Stöbern, Grinsen und Diskutieren taugt die Website allemal, auch wenn man dem Urteil der Masse nicht in jedem Fall zustimmen wird. Oft genug treffen sie allerdings auch ins Schwarze und man bedauert fast, daß nur anglo-amerikanische Serien dort bewertet werden können. Wie spannend wäre es einige deutsche Serien zu diskutieren, die den Haisprung schon lange hinter sich haben.

Wann ist Derrick ranzig geworden? Oder Schimanski? Wann verlor die Lindenstrasse jede Faszination? Wann war die Luft raus aus SOKO und dem Frauenknast?

Wie wärs Leute? Noch ist die Domain ueberdiewupper.de noch zu haben.

In : Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

17 Comments

  1. Georg

    Gibt es einen speziellen Grund, warum Du den Namen des großartigen Henry Winkler in Anführungszeichen gesetzt hast? Wo ich gerade so gut in Fahrt bin: Im Deutschen ist der Plural von Story Storys. ;-)

  2. Batzman

    *reinkommt*

    oh ein typo-verbesserungskommentar…

    *wiederweggeht*

  3. Dog Hollywood

    Ich erinnere mich an kaum Serie, die über Jahre lief und ohne einen faden Nachgeschmack abgesetzt wurde oder eigenständig ihr Ende fand. Außer ALF, die Serie war vom Anfang bis zum Ende genial – der ALF-Film ausgenommen.

  4. Jörg

    Also, was die erste Folge der 3. Season von LOST angeht, kann von Ermüdung keine Rede sein… Ich bin wieder angefixt :-)
    Klar, es gab einige Längen in der 2. Staffel, trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass Abrams und Lindelof das dramaturgische Ziel aus den Augen verloren haben… Allerdings: Die Serie wird so fangfrisch produziert und ausgestrahlt, da kann es natürlich passieren, dass bei sinkenden Quoten der rettende Fischkutter die Insel schon etwas früher erreicht…

  5. Mal Sehen

    Auf die Spitze getrieben führte dies in einer Folge dazu das Fonzie beim Wasserskilaufen buchstäblich über einen Hai sprang und die Serie endgültig Abschied nahm von jeglicher Glaubwürdigkeit und Plausibilität.

    Ich glaube ich erinnere mich sogar!
    Danke für den kurzen Backflash, mein Guter!

    Ich muss auch widersprechen, was LOST angeht. Mit der dritten Staffel, die eigentlich nur eine Ministaffel ist, soll angeblich endlich das eine oder andere Rätsel aufgelöst werden. Schon in den ersten paar Minuten in der ersten Folge, wird auch tatsächlich eine große Frage beantwortet (ok, dafür werden zugegebenermaßen 3-5 neue aufgeworfen).
    Ich bin optimistisch was die Serie angeht.

    Solange sie keinen Film darüber machen…

  6. Jan

    Wann genau haben “Die Simpsons” eigentlich den Haisprung gemacht? Meiner Meinung nach irgendwann zur Jahrtausendwende, aber einen genauen Punkt kann ich da nicht mehr festmachen. Doch da gehen ja (nicht nur) laut jumpedtheshark die Meinung sehr auseinander.

  7. Batzman

    @jörg

    najaaaaa… für mein Empfinden schinden die LOST-Macher einfach Zeit. Die zweite Staffel hätte man ohne das inhaltlich viel verloren ginge auf 6 Folgen einkürzen können. Dieses ganze Raus-aus-derHatch-Rinn-inne Hatch und die Angewohnheit viel Erzählpotential aufzubauen für figuren die keine wichtige rolel spielen oder eh erschossen werden, find ich extrem nervig. Ich geb der neuen Staffel 3 Folgen um mich wieder ins Boot zu holen, aber wirklich große Hoffnungen hab ich nicht mehr und wenn ich so in den Foren lese sind sher viele Leute unglaublich enttäuscht von der zähen, mäandernden Art wie die Story fortgeführt wird.

    Es gibt noch dutzende Fragen aus der ersten Folge die nicht beantwortet wurden und mit jeder Folge tümren sie neue Andeutungen auf, verstreuen im ganzen Internet Dummy-Sites und Andeutungen und man wird den Eidnruck nicht los, daß sie keinen echten Masterplan haben sindern einfach aufs gradewohl weiterspinnen.

    Die Macher hatten ja schon gegen Ende der ersten Staffel mal gesagt, das für sie der Weg das Ziel ist udn es letztlich dem Sender obliegt wie lange die Serie laufen wird. Der eigentliche auf 3 Staffeln angelegte Handlungsbogen scheint mir schon jetzt extrem verwässert und unnötig zerdehnt.

    Und das Budget wurd wohl auch gekürzt, wenn ich mir ansehe wieviele Szenen mittlerweile im Studio spielen, anstatt an teuren Originalschauplätzen…

  8. Renington Steele

    @ Jan: Die Simpsons haben den Hai noch gar nicht überhüpft meiner Meinung nach. Die rocken nach wie vor…

  9. Jörg

    Also, da sollen meinentwegen gerne noch ein paar neue Fragen dazukommen, ich finds immer noch spannend… und einfach auch gut gefilmt/geschrieben/umgesetzt. Und auch laut Jumpedtheshark.com hat LOST den Hai noch lange nicht übersprungen…

  10. Batzman

    Sie sind aber auf dem besten Weg :)

    Nachdem sie in der letzten Staffel den Locke-Charakter ziemlich verkorkst und unlogisch gemacht haben, scheinen sie ja diesmal Jack zu nem besessenen Psycho machen zu wollen…

    Meine Prognose: Wir erleben einige Folgen mit irgendwelchen belanglosen gerede und Fluchtversuchen aus dem Camp der Others… und dann kriegen wir denselben Zeitraum nochmal als “meanwhile back at the beach” nacherzählt. Den Trick haben sie ja in der zweiten Staffel auch schon genutzt um Folgen zu schinden.

  11. Jörg

    Warten wirs ab…
    Aber z. B. gerade “the other 48 days” fand ich klasse…

  12. Kat

    So weit ich informiert bin, war das Drehbuch für die erste Staffel Lost ja zu Drehbeginn auch noch gar nicht fertig, wer weiß, wie es da mit der Zweiten und Dritten aussieht, hört sich jedenfalls nicht danach an, dass die Macher vorher einen Plan gehabt hätten in welche Richtung sich alles entwickelt.
    Trotzdem bin ich immer noch begeistert, habe die zweite Staffel gerne gesehen und freue mich über neue Charaktere wie Desmond oder Mr. Eko.
    Jacks Entwicklung zeichnete sich für mich schon in der Folterfolge (staffel 1 folge 8) ab, wer so was zulässt ist nun mal nicht der gute Samariter als der er sich gibt…

  13. Sebastian Sachse

    Könnt ihr nebenbei aufhören, zuviel von Lost zu spoilern? Hier gibt es neben mir sicher noch andere Pro7-Gucker.
    Ich finde die Thematik des Haisprungs nämlich ziemlich cool und würde nur ungerne aufhören hier zu lesen :-)

    Die Simpsons.. hm, bei mir persönlich mit der Folge Poochie… ne, mit Homer in New York. Ab da wurde Homer immer und immer mehr zur Witzfigur ohne Charakter. Von der neuen Staffel habe ich nur die ersten 10 Minuten ertragen.

    Roseanne ist auch ein gutes Beispiel. Spätestens, als sie Millionäre wurden, war die Luft raus. Bei Cosby, als die kleine Olivia eingeführt wurde, weil Rudy ja schon so alt war.
    Knight Rider: Super Pursuit Mode… ach, ich könnte ewig weiter machen.

    Aber was Ted McGinley angeht: Für mich fingen die Bundys erst mit seiner Einführung an. So ziemlich die einzige Serie, die bis zum Schluss immer besser wurde.

  14. Batzman

    Simpsons sind für mich die einzige Serie niemals den Haisprung hingelegt haben, auch wenn es zwischendurch (und grad zur Zeit als viele vom Stammteam zu Futurama abgewanert waren) einige schwache Folgen gab und immer wieder geben wird.

    Dennoch hat bislang jede Simpson Staffel ihre großartigen Folgen und teilweise kommen mir die bodenständigeren braveren Folgen der ersten Staffel heutzutage schon fast zu piefig vor.

    Was satirischen Witz angeht und Subtext haben die Simpsons auch heute noch einiges zu bieten, auch wenn ihnen was die Agressivität und Treffersicherheit angeht South Park mittlerweile den Rang abgelaufen hat.

    bei Roseanne würd ich zustimmen, aber der Millionengewinn fand ja erst in der letzten Staffel statt.. insofern nicht so tragisch.

    Cosby ist niemals wirklich übern Hai gesprungen, die Serie war von Beginn an widerlicher Ekelschleim und wurd von da an nur noch schlimmer…

  15. Nilz N Burger

    friends sind 10 staffeln lang nie über den hai gesprungen. eine grossartige serie von der ersten bis zur letzten folge (auch wenn ich mit der bildlichen auflösung der allerletzten szene nicht einverstanden bin). aber so eine wunderschöne charakterzeichnung wie bei den 6 gab es lange nicht mehr und wird es wohl auch lange nicht mehr geben.

  16. neolith

    Mad About You blieb meiner Meinung nach genau wie Friends auch immer ohne Hai.

  17. Sebastian Sachse

    [quote]Cosby ist niemals wirklich übern Hai gesprungen, die Serie war von Beginn an widerlicher Ekelschleim und wurd von da an nur noch schlimmer…[/quote]

    Dann lies mal auf der Seite die Comments zu Full House. Köstlich :-)

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