Fucking good movies

8 Comments

Pornfilmfest
Das 1. Pornfilmfest in Berlin. 18.-22.10.2006

Noch immer herrscht, entgegen allen aufgeklärten Geisteshaltung die die meisten glauben zu besitzen, ja noch immer eine große Berührungsangst des Mainstreams mit dem Thema Sex.

Sicher ist er omnipräsent in Talkshows, Werbung, Boulevard – kaum ein Produkt welches nicht mit dem Versprechen beworben wird, das es die Suche nach einem Paarungspartner immens erleichtere. Kaum eine Zeitung die nicht 70% ihrer Auflage mit leichtbeschürzten B-Promis mit großen Tüten versucht anzukurbeln. Sex sells, diese Erkenntnis ist so alt wie richtig.

Dennoch ist die Auseinandersetzung mit Sex, jenseits des pubertär kichernden und dahingeraunten “boah geil”, auf einem eher erbärmlichen Niveau. Irgendwie besteht trotz aller Tüten-, Hupen und Seite1-Girls, trotz aller Selbstentblössungs-Talkshows eine große Berührungsangst sich wirklich mit Sex zu beschäftigen. Das bei der täglichen Reizüberflutung die Zahl der Menschen die wirklich Sex haben immer weiter abnimmt, mag ein Indiz dafür sein, daß jenseits der grellen Oberfläche kaum eine Auseinandersetzung stattfindet.

Noch immer schreien Jugendschützer auf, wenn irgendwo mal eine Möse zu sehen ist, noch immer droht mit jedem steifen Schwanz der Untergang des Abendlandes. Alleine das im Kopf einiger Leser jetzt die Frage auftauchen dürfte, ob man nicht lieber Vagina und erigiertes Glied hätte schreiben sollen, spricht für diese Theorie. So gerne der Mainstream auch mit dem Hardcorefilm kokettiert und es für gewagt hält irgendwelche Porno-Actricen zu Boulevard-Stars aufzupushen, so panisch reagiert man, wenn der Hardcore tatsächlich einmal jenseits verklemmter Ruckel-Reportagen für rtl2 in den Mainstream sickert.

Das Filmmagazin Splatting Image rezensiert zwar seit Jahren wie selbstverständlich auch Pornofilme und bietet sehr lesenswerte, unverklemmte Artikel rund um das Thema, erreicht aber auch leider nur eine kleine Minderheit.

Die Frage ob Porno Kunst sein kann, oder Kunst Pornographisch sein darf ist nicht neu, flammt aber immer mal wieder auf. Ob “Im Reich der Sinne“, “Wenn der Postmann zweimal klingelt“, “Die 120 Tage von Sodom“, “Ken Park” oder der am 19.10.2006 anlaufende Film “Shortbus” der mit echten Hardcore-Szenen eine turbulente, humorvoll-nachdenkliche Beziehungskomödie erzählt – noch immer taugt Sex als mittel der Provokation – auch dort wo gar nicht provoziert werden soll.

Der ewigen Frage wo Kunst endet und reine Pornographie anfängt – und ob diese nicht auch Teil des Kulturbetriebes ist, widmet sich in Berlin nun das 1. Pornfilmfest. Jenseits der Schmuddelecke, werden hier selbstbewusst Produktionen aus allen Ländern und Kategorieren gezeigt, die alle nur um das eine drehen.

Von Underground-Arthouse-Porno, über Dokumentationen bis zum glatten Mainstream-Stöhner, von Lars von Triers-Pornolabel, bis Wurstfilm und Wieland Speck, wird hier die gesamte Palette des Erwachsenenfilms abgedeckt. Diskussionen mit Machern (u.a. Jörg Buttgereit und Bruce LabRuce), Workshops und eine Ausstellung nicht jugendfreier Bilder, sowie das mittlerweile sehr beliebte Porno-Karaoke moderiert von der Berliner Lokalkuriosität Biggy van Blond, runden das Festival ab.

Alle Informationen zum 1. Pornfilmfest mit allen Terminen
(via: Freischwimmer)

In : News, Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

8 Comments

  1. pascal

    Was ist eigentlich die Begründung dafür, dass zwar die primären weiblichen, nicht aber die männlichen Geschlechtsteile im Fernsehen gezeigt werden (dürfen)? Erstere sieht man ja ständig, letztere nie (also, zumindest habe ich es noch nie gesehen, nichtmal beim spätnächtlichen an-$(gameshowsender)-mit-“sexy-clips”-vorbeizappen)

  2. Jammerkatze

    Jo, klar, wenn du Möse und steifer Schwanz schreibst du dich ja tief gehend mit Sex beschäftigt…
    …oder bist vielleicht auch einfach vom Niveau gefallen.
    Ich mein, klar, so spricht man wohl mit Freunden, aber nicht mit einem x-beliebigen Menschen.
    Zumindest würde ich sie nicht jedem Menschen so ins Gesicht werfen.
    Ich weiß ich bin furchtbar verklemmt…

  3. Batzman

    Dem ist wohl so.

  4. Ozzie

    Hachja, ich liebe deine einseitigen Betrachtungen.
    Komisch überhaupt, dass du im Text selbst von einseitiger Betrachtung sprichst und sie dann selbst hast.

    Weiterhin ist wohl die Vorstellung von zivilisiertem Verhalten wohl nur eine Einbildung meinerseits.
    Ich nehm dann mal deinen Rat und breite vor jedem beliebigen Menschen mein Sexleben aus. Bin gespannt auf die Reaktion.
    Oder sollt ich jetzt auch eher Fickgeschichten sagen???
    Weißt du noch einen besseren Ausdruck, der mich zum sexuell aufgeklärten Menschen macht???

  5. Batzman

    Was hat das ungefragte Ausbreiten seiner sexuellen Begegnungen mit dem Artikel zu tun?

    Was hat das nicht erwähnen von Sex mit “zivilisiertem Verhalten” zu tun?

    Bei einer Serie wie SATC wird allerorten geraunt, wie gewagt sie doch wäre udn wie offen sie gewisse Dinge ansprechen würde. Letztlich ist sie doch genauso klemmig und pubertär, wie die Leute die sie für “gewagt” halten.

    Es geht nicht darum, daß man jedem ungefragt sein Sexleben erzählen muss, aber sollte das Gespräch darauf kommen, find ich es albern blöde drumherumzureden. Wer danach fragt bekommt eine Antwort.

    Aber irgendwie habe ich den Eindruck, daß ihr den Artikel nicht wirklich verstanden habt. Es geht darin um eine Veranstaltung die sich explizit mit dem Thema auseinandersetzt, wenn euch so etwas nicht interessiert, zwingt euch niemand da hinzugehen oder den Artikel zu lesen.

    Es geht um die Bigotterie, die sich auch in euren Antworten zeigt. Einerseits ist die gesamte Gesellschaft sexualisiert und Sex omipräsent – andererseits ist man nicht in der Lage offen drüber zu reden. Stattdessen delektiert man sich an diesem peinlichen Spagat, daß man drüber redet, aber doch nicht wirklich. Das ist Teenagerniveau und peinlich.
    Keiner wird gezwungen über Sex zu reden, aber wenn man es macht, sollte es doch etwas souveräner passieren, als es in den meisten Medien der Fall ist.

    Und ob man es mag oder nicht: Ich glaube nicht, daß Pornographie tatsächlich irgendeine maßgebliche jugendgefährdende Wirkung hat.

  6. Ozzie

    Ich hab den Artikel sehr wohl verstanden, aber mir nur einen bestimmten Aspekt heraus gepickt.
    Und zwar nämlich den, dass man unbedingt Begriffe wie Möse verwenden muss, damit man ernsthaft über Sex redet.

    SatC wurde eigentlich genau dafür beachtet, dass es eben mal direkt die Dinge aussprach und auch mal das Wort “Schwanz” aus dem Mund der Protagonisten kam.
    Es ist mir nicht wirklich aufgefallen, dass es verklemmt ist. Vielleicht bin ich da kurzsichtig, aber ich fand’s halt auch, trotz manch wirklich platter Klischees, ganz gut unterhaltend.

    Für dich ist also SatC verklemmt trotz “gewöhnlicher” Begriffe. Mhm. Also irgendwie auch Teenagerniveau.
    Wenn man allerdings eher, hm, “distanzierte Begriffe” verwendet, ist es auch verklemmt, nach dir.

    Ich stimme dir vollkommen zu, wer fragt soll auch eine Antwort erhalten. In dieser wäre allerdings die Bezeichnung “Möse” nicht zwangsläufig enthalten.

    Dass du “uns” Bigotterie vorwirfst schmeichelt mich ja erst einmal aufgrund der Anrede.

    Andererseits bin ich kein doppelmoralischer Mensch. Ich bin meist sehr ehrlich und direkt.
    Aber ich bevorzuge es mit Menschen unterschiedlich zu reden. Was jetzt nicht unbedingt darauf schließen lässt.

    Es ist schon irgendwie amüsant, wie du alles in einen Topf schmeißt.

    Was ich sagen will, die Begrifflichkeiten sind unerheblich für eine ernsthafte Behandlung von Sex. Wie auch in Mathe, Namen und Bezeichnungen sind nur Schall und Rauch.
    Ich habe auch nichts gegen das Pornofestival. Klingt eigentlich sogar ganz interessant.
    So leid es mir tut, deine Umgebung ist anscheinend nicht ganz so verklemmt, wie du es dir insgeheim erhoffst.

  7. Batzman

    Ich find die Worte halt wenns um Sex geht angemessen. Gut, mit dem weiblichen Genital hab ich nun nicht wirklich viel zu schaffen, aber wenn ich mit Freunden über Sex rede dann ist Schwanz genau das passende Wort. Wenn offen und normal über Sex redet und würde da irgendwie mit “eriigiertes Glied” oder Penis anfangen, käme ich mir ehrlich gesagt ziemlich albern vor.

    Wie gesagt, es geht um Zusammenhänge in denen über Sex geredet wird. Ob nun unter Freunden oder größerer Runde – wie etwa bei diesem Pornokongress.

    Das ich SATC als verklemmt ansehe, liegt eben in dieser Wahrnehmung, daß es als gewagt empfunden wurde, daß Frauen dort über Sex reden. Was war daran gewagt? So reden Leute nunmal, aber dieses verschämte Gekicher mit dem über die Sendung berichtet wurde, dieses hervorheben der Offenheit machte eben die Klemmigkeit deutlich. Ich würde auch nicht auf die Idee kommen, daß eine Serie wie “Queer as Folk” besonders gewagt ist, weil dort knutschende und fickende Kerle zu sehen sind.

    Dennoch gibts genug Leute die da Anstoß dran nehmen oder es “echt heftig” finden. Genau wie diese PillaPalle-Szene in Brokeback Mountain.

    Es gibt für mein Empfinden halt viel zu oft diese Momente in denen Leute sich über deutliche Darstellung von Sex noch aufregen. Sei es nun bei Ken Park oder Shortbus. Man muß das nicht toll finden oder spannend, aber sich darüber aufzuregen weil es Sex ist find ich eben albern…

  8. Ozzie

    Hm, meine Eltern finden wohl natürlich noch an sowas Anstoß.

    Und es gibt auch den Vorbehalt, dass SatC eigentlich nur ne Serie ist, welche Schwule und Frauen mögen können (auch wenn das nur ungefähr stimmt).
    Ich denke, dass allgemein eher Männer mit dieser Serie Probleme haben.
    Vielleicht ist es Verklemmtheit gewesen, wie ach so offen SatC doch sei. Oder es war auch wirklich einfach nur Erkenntnis, dass da ja so offen wie im Alltag gesprochen werde.
    Oder beides.
    Okay, alles gesagt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr