szmtag

Kurz vor Halloween gibts hier mal ein paar Genrefilme im Schnelldurchlauf

Saw 2 +++ Die Seuche +++ Drawn in Blood +++ Unter Wölfen +++ Slithers – Voll auf den Schleim gegangen


Saw 2 – USA 2005

★★☆☆☆

Der erste Teil war eine kleine Überraschung. Im Kammerspiel-Horror von 2004 erwachten zwei Männer in einem gekachelten Raum, jeder an eine Wand gekettet und zwischen ihnen eine Leiche. Nach und nach erfuhren sie, wer mit ihnen sein Spiel spielte udn was er beabsichtigte. Der krebskranke Psychopath Jigsaw hatte es sich zur Aufgabe gemacht Menschen die ihr Leben verschwendeten eine Lektion zu erteilen… die sie entweder wachrüttelte oder umbrachte. Ein fieser kleiner Thriller, der das meiste aus seienr Prämisse herausholte und mit einem wirklich goldigen Schlußtwist aufwartete.

Genau ein Jahr später war die Fortsetzung fertig. Und weil es schnell gehen musste wurde eben ein vorhandenes Drehbuch zurechtgebogen um Jigsaw irgendwie einzubauen.
Natürlich muß es der alten Sequel-Regel zufolge härter, schneller, größer sein als das Original und deswegen findet sich diesmal gleich eine ganze Gruppe von Leuten in einem Haus wieder, dessen Ausgänge versprrt und mit bösartigen Todesfällen gespickt sind. Jigsaw setzt ihnen ein Zeitlimit innert dessen sie die Rätsel gemeinsam lösen müssen, sonst werden sie mittels Nervengas hingerichtet. Zeitgleich versucht eine Polizeinheit unter Führung von Donnie Wahlberg, die den Psychopathen gefasst hat aus ihm herauszubekommen wo er die Leute – unter ihnen den Sohn des Kommissars – eingesperrt hält.

So sehr ich den ersten Teil mochte, so wenig konnte ich mit Teil 2 anfangen. Nicht nur das bei Cube geklaute Setting ist wenig originell, auch die Figuren sind allesamt derartig unsympathisch das es einem herzlich egal ist ob irgendeiner von der Bande überlebt. Zumal sie an keinem Punkt der Story halbwegs logisch agieren. Besonders abstoßend ab der Inszenierung ist das genüßliche sadistische Schwelgen im Leid der Opfer. Minutenlang wird draufgehalten, wenn ein Mensch schreiend verbrennt, eine Frau in einer Senke voller gebrauchter Spritzen nach einem Schlüssel graben muss. Das erzeugt keine Spannung, sondern ist plakativer Leidens-Voyerismus, in seinem Realismus weit ab von aller comicartigen Splatter-Verzerrung. Die Plottwist sind im Gegensatz zu Teil 1 absehbar, die Suspense hält sich in engen Grenzen, auch wenn Tobin Bell als Jigsaw sichtlich Freude am Psychoduell mit Wahlberg hat.
Letztlich ein auf shock-value getrimmtes Filmchen, das inhaltliche Schwäche durch anstrengendes Schnittinferno, Sadismus und Industrial-Rock zu kaschieren sucht.

+++

Clive Barkers: Die Seuche (The Plague) – USA 2006
★★½☆☆

Eines Tages fallen alle achtjährigen Kinder plötzlich ins Koma. Niemand weiß warum. Zehn Jahre später in einer Welt ohne Jugend. Urplötzlich erwachen alle dahindämmernden Jugendlichen wieder und fangen an die Erwachsenen umzubringen. Nur der frisch auf Bewährung entlassene James van der Beek kann das schlimmste verhindern. Oder doch nicht?

Zunächst einmal segelt der Film mal wieder unter falscher Flagge, denn Clive Barker ist vielleicht mal am Set vorbeigegangen, hat aber ansonsten mit Drehbuch und Regie so gar nichts zu tun.
Regie bei diesem routinierten aber etwas vorhersehbaren, jedoch ganz nett gefilmten Grusler führte der Newcomer Hal Masonberg. Der erste Akt ist recht packend inszeniert, die Idee mit den Kindern im Koma durchaus interessant. Der Film leidet aber ein wenig an dem geringen Budget, das nie die weltweite Bedeutung dieser Epidemie verdeutlichen kann, sowie an einer recht anstrengenden Filmmusik, die den ansonsten sehr räumlichen Sound mit effektvollem Mix etwas abwertet.

Optisch ist das ganze routiniert umgesetzt, die Darsteller sind auch okay und die DVD bietet neben einem Regiekommentar auch noch ein paar Deleted Scenes. Nix dolles, aber
aber für ein verregnetes Wochenende taugt der Film.

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Drawn in blood – Deutschland 2006
★★★☆☆

Die Amerikanerin Marian reist nach Berlin um den Nachlass ihres Bruders sowie dessen Leiche abzuholen. Angeblich hat er Selbstmord begangen. Marian quartiert sich in seiner Wohnung ein und lernt die seltsamen Mitbewohner ihres Bruders kennen. Den sexbesessenen Comiczeichner von Gegenüber, den unheimlichen, undurchschaubaren Nachbarn, die deutsche Freundin des Bruders. Zur gleichen Zeit beginnt in Berlin eine Mordserie, ausgeführt von einer unheimlichen Gestalt in einem Kapuzenmantel – einer lebendig gewordenen Figur aus den kontroversen Slasher-Comics “Cycle of Pain”?
Ist der Killer auch für den Tod des Bruders verantwortlich?

Ein Giallo aus Berlin? Nicht ganz, aber fast. TV-Regisseur Péter Palátsik (“Wie man seinen Ex verlässt“) versteht sich durchaus auf atmosphärische Bilder in dieser Low-Budget Produktion. Das halb verlassenen Haus in dem Marian wohnt strahlt eine beklemmende Atmosphäre aus und die stilisierten Mordszenen des verhüllten Mörders haben einiges Gruselpotential.

Leider fehlt ihm die letzte Konsequenz und der Mut tatsächlich den ganzen Weg zu gehen und einen klassischen, blutigen und absurden Giallofilm zu drehen, wie ihn die italienischen Meister berühmt gemacht haben. Palátsik schreckt vor drastischer, übertriebener Gewalt zurück, spielt mit Motiven des Giallo (der verhüllte Mörder, der kleine Junge als Zeuge, die Comics die die Morde vorwegnehmen) verharrt aber bisweilen zu sehr in Fernsehkonventionen und wagt nicht genug.
Das ist schade, denn so bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück, auch wenn er dank einer insgesamt gelungenen Besetzung (u.a. Genrestar Dan von Husen als extrem unheimlicher Nachbar) und einer sehr schönen Kameraarbeit atmosphärische Unterhaltung bietet.

Die DVD liefert einen neben stimmungsvollen Menues, Audiokommentar, sowie ausführliche Interviews, Szenen vom Dreh, Outtakes und Deleted Scenes auch die im Film vorkommenden Terror-Comics als Bonusmaterial.

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Unter Wölfen – Deutschland 2005
★★★½☆

Der Jagdausflug einer kleinen Firma. Es soll ein fröhliches Get-Together in der Teschechei werden, wo der Chef eine Jagdhütte besitzt. Team-Spirit und soweiter. Doch unterschwellig kriselt es bereits. Am nächsten Tag endet die Jagd damit das der Chef erschossen im Wald liegt.
Wer hat ihn erschossen? War es ein Unfall? Ein Versehen? Mord? Jeder könnte ein Motiv gehabt haben und doch auch wieder nicht. Es kommt zu Schuldzuweisungen, Verdächtigungen und Intrigen. Als ein tschechischer Förster auch noch über die Leiche stolpert, droht die Situation endgültig zu eskalieren.

Das Regie-Duo Hed / Sydow, legt mit dem Ultra-Low-Budget-Film, der als Abschlußarbeit einer Filmschule entstand und für lediglich 12.000€ realisiert wurde einen spannenden und überraschend gut gespielten Genrefilm vor, der nach einer etwas zähen Exposition schnell an Fahrt gewinnt und trotz eher konventioneller Umsetzung bestens unterhält.

Das Drehbuch ist sauber konzipiert, die Figuren durchaus stimmig die Spannungsschraube wird beständig angezogen. Mit einfachen Mitteln holen die beiden aus der Kammerspielsituation das meiste raus.

Eindeutig empfehlenswert, nicht nur für Thrillerfreunde sondern auch für ambitionierte Nachwuchsfilmer, die wissen wollen wie man mit wenig Kohle einen echten Spielfilm bastelt.

Die DVD bietet neben dem Film und einem Audiokommentar, Einblicke in den Dreh und Interviews mit dem sympathischen Regie-Duo, die erzählen wie sie den Film auf die Beine gestellt haben.

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Slither – USA 2005
★★★½☆

Wheelsey, irgendein Kaff in den USA. Ein Meteorit schlägt ein und schleimige Würmer kriechen heraus, die in Menschen eindringen und sie zu schleimigen Monstern machen. Nur ein paar Teenies und die örtliche Polizei können ihnen Parolie bieten.

Okay, das was sich James Gunn, der Drehbuchautor vom “Dawn of the Dead“-Remake hier ausgedacht und direktiert hat, ist natürlich auch inhaltlich ein uralter Stinkekäse. Die Mittelalten von uns werden sich an den 80er-Minikultfilm “Night of the Creeps” erinnert fühlen oder an David Cronenbergs “Shivers“, die Leute im Alter für die Creme für die “Reife Haut” gemahnen sich an dutzende 50er-70er Heuler in denen irgendwelche Ausserirdischen sich in Menschen einnisteten und sie Berserk laufen ließen. Schrei wenn der Tingler kommt.

James Gunn weiß das natürlich auch und es ist ihm egal. Er liebt die alten Monsterschinken und das merkt man Slither auch an. Die Figuren sind allesamt doofe Stereotypen, die Welt funktioniert einfach und die Ausserirdischen veranstalten Blutbäder aus Gekröse und Schleim. Das Ganze nimmt sich nie wirklich ernst, was wohl auch für die nachsichtige Altersfreigabe ab 16 verantwortlich ist, denn auch die Jugendschützer scheinen zu erkennen, wenn etwas einfach zu albern ist, um es als Bedrohung der zarten Kinderseeele einzustufen.

In technischer Hinsicht vertraut der Film erfreulicherweise größtenteils auf handgemachte Make-Up- und Splattereffekte. Der Computer bleibt dabei meist aussen vor. Wer sich auf einen nostalgischen Monstertrip in bessere Zeiten begeben will, findet in Slither eine dankbare, dummfröhliche Reisemöglichkeit.

Slither - Kauf dir den Schleim!

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1 Kommentar

  1. Saw 2 war auch nicht mein Fall, aber auf The Plague bin ich trotz der Kritik neugierig geworden. Slither ist wohl auch nen Blick wert.

    Kommentar #1 von Sebastian Sachse am 21.10.2006 um 12:25 Uhr

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