Nacho Libre

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“It sucks to be me right now! “

Originaltitel: Nacho Libre
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Jared Hess
Darsteller: Jack Black, Efren Ramirez, Troy Gentile, Carla Jimenez

★★½☆☆

Nacho Libre

Der im Waisenhaus eines mexikanischen Kloster aufgewachsene Ignacio (Jack Black), träumt seit seiner Kindheit davon, eines Tages ein berühmter und gefeierter Wrestler zu werden. Einer jener Luchadors, die mit Gesichtsmasken bekleidetet wüste und spektakuläre Kämpfe hinlegen.

Leider ist er nur der Klosterkoch und die einzigen die zu ihm aufsehen sind die Waisenkinder, die einizige die ihm freundlich gesonnen ist, ist die Nonne Schwester Encarnación (Anna de la Reguera) . Als es zwischen ihm und den Oberen zum Eklat kommt, beginnt er zusammen mit dem Herumtreiber Esquelto (Héctor Jiménez) heimlich zu trainieren. Unter dem Namen Nacho versucht er sich einen Namen als Luchador zu machen und fordert die Lokalgrößen heraus.

Eins sei vorweg gesagt: Ich mag Jack Black. Es mag Leute geben die ihn anstrengend finden, weil er ähnlich wie Robin Williams ständig unter Strom zu stehen scheint, sobald eine Kamera läuft, aber das ist mir egal. Black ist witzig, versprüht eine enorme Energie und kann auf eine erstaunlich vielseitige Rollenauswahl zurückblicken.

Ob als faschistisch-tumber Gefolgsmann, des diaboilischen “Bob Roberts“, im gleichnamigen Film, als plattenversessener Musikverkäufer in “High Fidelity“, als arroganter Machoarsch in “Shallow Hal“, als besessener Filmproduzent in “King Kong” , liebenswerter Rock’n#Roller in “School of Rock” und in seiner eigenen Band Tenecious D. – Black ist ein Schauspieler mit unbestreitbarer Leinwandspräsenz, der anscheinend keinerlei Eitelkeiten kennt (was jeder bestätigen wird, der ihn in Nacho Libre oder der Internet-Show “Computerman” gesehen hat).

Das vorweggeschickt, muß ich leider sagen, das mich die Nickelodeon-Co-Produktion, die zweite echte Regie-Arbeit des “Napoleon Dynamite”-Regisseurs Jared Hess, doch unterwältigt zurückließ, ja ich zeitweilig doch auf die Uhr schaute und mich fragte, wann der Film wohl zu Ende wäre.

100 Minuten läuft die Story um den erfolglosen Möchtegern-Wrestler und die wirklich komischen Momente in dieser Zeit kann man an einer Hand abzählen. Es ist meist dann, wenn die Kamera einfach läuft und Jack Black beim Improvisieren beobachtet.

Schwierig wirds wenn sie das nicht tut und einem auf Biegen und Brechen diese Story erzählt wird, die eine aus tiefsten Herzen kommende Verbeugung und Reminiszenz an das obskure Genre des mexikanischen Lucha-Libre, der mexikanischen, ritualisierten Art des Wrestling und der Filme die darum kreisen.

Vielleicht hatten die Macher etwas wie Tarantino-Filme im Kopf, der ebenfalls den Genres huldigt die er liebt, vergessen haben sie dabei aber, daß die Asia, Trash und Gangsterfilme, die Tarantino zitiert und verwurstet immerhin einen gewissen Bekanntheitsgrad aufweisen.

Das gilt in dem Maße für Lucha Libre selbst in amerika nicht, noch gehören in Europa in dem selbst die WWF-Kämpfe eher ein Nischendasein führen, die mexikanischen Showkämpfe zur allgemeinen Sozialisation. Das wäre nicht so schlimm, wenn Nacho Libre eine alberne Parodie wäre und echte Gags zu bieten hätte, aber dem steht Regisseur Hess entgegen, der das Drehbuch der “School of Rock”-Schreiber mitbearbeitet hat und seine eigene Vorstellung von Humor mit einbrachte.

Welche hauptsächlich darin besteht das es keine Gags gibt oder nachvollziehbare, emotional interessante Charaktere, sondern nur eine Ansammlung eher pointenloser Situationen ohnre rechte dramaturgische Linie.

Ich spürte den Willen hinter dem Film einem Genre zu huldigen, das die Macher mögen, einen Film zu drehen der mehr ist als Parodie und der gewisse Aspekte des Genres ernstnimmt und gleichzeitig durch skurrilen Witz überzeugt. Dabei vergessen wurde leider eine Story, eine echte Entwicklung der Figuren. Man kann nicht nachvollziehen warum sich wer grade wie verhält und irgendwann ist es auch ermüdend Nacho wieder einmal scheitern zu sehen.

Denn im Gegensatz zu anderen Filmen die sich mit Antihelden und deren Streben nach höherem beschäftigen hat Nachos Geschichte keinen Spannungsbogen. Es gibt dutzende Szenen in denen Jack Black beim Versuch als Catcher oder als Mann ernstgenommen zu werden scheitert, aber sie sind alle nicht lustig. Vielleicht spürt Hess das auch und sah sich versucht die Langeweile hier und da mit einem Furzwitz zu brechen, aber ehrlich gesagt ist es schon eine Leistung einen Jack Black in der Hauptrolle zu haben und ihn derart unkomisch in Szene zu setzen, das man auf Furzgeräusche zurückgreifen muss.

Blacks Schuld ist es nicht, das der Film für mich einfach nicht funktionierte. Er ist wie immer mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, springt durch den Film wie ein fetter Wolfgang Petry im Strampelanzug und gibt wie immer alles.

Doch die Dialoge geben einfach nichts her, Der Schnitt ist uninspiriert, der ganez Film lahmt noch mehr als “Napoleon Dynamite” dies tat und trotz allem wird einem keine der Hauptfiguren je wirklich sympathisch, zu dämlich sind ihre Handlungen, zu langweilig ihre Leiden. Denn neben dem eher faden Klamauk gibt es auch immer wieder Momente, die emotional werden wollen, aber doch auf halber Strecke liegen bleiben.

Ich hätte den Film gern gemocht, die erste halbe Stunde dachte ich, er brauche vielleicht einfach seine Zeit um in Gang zu kommen, aber irgendwann wurde mir klar, das das was ich da so langweilig fand, wohl tatsächlich der Kern des Films ist. Irgendein halbgarer Kram, der zu ernst ist um Klamotte zu sein und zu klamottig um ernstgenommen zu werden. Filmtechnisch eher auf Fernsehniveau und außer Jack Black ohne weitere erwähnenswerte schauspielerische Leistungen.

Schade eigentlich, denn die Prämisse klang schon sehr nett. Aber mal abwarten, der Teneacious D.-Film “the Pick of Destiny” ist ja im Anmarsch und noch hab ich vertrauen in Jack Blacks Fähigkeit wirklich komisch zu sein.

Und Herr Hess darf sich melden, wenn er aus dem Koma erwacht ist.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

4 Comments

  1. bole

    Naja wegen Black werd ich ihn mir trotzdem ansehn aber ohne erwartungen und eigentlich auchnur um wirklich alle filme mit ihm gesehn zu haben.
    Vieleicht sind nach den ganzen schlechten reviews die ich gelesen habe meine erwartungen schon so weit unten das ich noch etwas positiv überrascht werd… wenn nicht … naja was solls :D

  2. Olte

    meine meinung:
    er könnte besser sein, hätte mir ihn besser vorgestellt aber naja ich finde JACK BLAC einfach lustig :)

    gruß olte von http://www.olleolte.de

  3. Der wirkliche Wahnsinn in Northalpha-Centauri

    Filmtagebuch 2006: #15 Nacho Libre…

    .: Inhalt :.
    Irrelevant!
    .: Kritik :.
    Für 5 Euro kann man viele tolle Sachen kaufen, aber bitte keine Kinokarte für diesen Film. 1 Punkt für Kuss, Knuddel, Kuss, großer Kuss, kleiner knuddel, etc. und der andere Punkt für Ana de la Reguera, weil…

  4. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    [...] Der Film hat weder verstanden warum Mel Brooks-Filme funktionierten, noch was die ganzen ZAZ-Parodien so sehenswert machte. Selbst ein Schmiedehammer auf den Fuß macht mehr Spaß als dieser Film. Die beiden Regisseure, die zuvor die humoristische Salzwüste “Date Movie” hingelegt haben, veranstalten diesmal eine Sinn- und Ziellose Odyssee durch verschiedenste Blockbuster der vergangenen zwei Jahre. Von “Piraten der Karibik” über “Harry Potter“, “X-Men”, “Superman”, “Nacho Libre“; “Talladega Nights”, “Borat” bis zum Rahmenhandlungsgebenden “Charlie and the chocolate factory” und “The chronicles of Narnia” wird hier alles abgefrühstückt was irgendwie erfolgreich war (oder zu werden versprach – wie man an der hingeschluderten Referenz auf den Flop “Nacho Libre” merkt). [...]

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