10 klassische Schocks

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Alltime
Bild: manniac

Was braucht man wenn man einen Horrorfilm drehen will? Eine originelle Idee? Muß nicht sein. Gute Schauspieler? Geht auch ohne. Viel Geld? Ist oft eher hinderlich. Eine Darstellerin mit wenig Sachen an? Wir kommen der Sache näher.

Was ein echter Horrorfan ist, der erwartet oft keine Meisterwerke sondern nur solide Unterhaltung. Ein Teenslasher, ein Geisterfilm, ein Monsterspektakel, sie alle bedienen sich aus dem reichhaltigen Sortiment erprobter Schockeffekte.

Hier sind 10 davon, die seit Ewigkeiten zur festen Grundausstattung zünftiger Gruselfilme gehören.

1) Der einfache Buh!-Effekt.

Ein Darsteller schleicht im Halbdunkeln herum, unheimliche Musik und plötzlich springt Das Monster / Der Killer ins Bild!

2) Der einfache Buh-Effekt mit Finte.

Ein Darsteller schleicht im Halbdunkeln herum, unheimliche Musik und plötzlich springt jemand ins Bild… der sich dann als scherzender Kumpel des Darstellers entpuppt. Merke: Auch wenn grade die Hälfte deiner Freunde blutigst abgemetzelt wurden und man weiß, das ein Wahnsinniger mit einem Haushaltsutensil unterwegs ist, muß immer noch Zeit sein, seine Kumpel etwas zu erschrecken.

3) Der Buh-Effekt als Double-Take

Ein Darsteller (wahrscheinlich immer noch derselbe) schleicht im Halbdunkeln herum, unheimliche Musik, plötzlich springt jemand ins Bild… der sich dann als scherzender Kumpel entpuppt. Ehe die Situation noch aufgelöst werden kann, taucht der echte Tortenheber-Mörder auf und rammt dem Kumpel die WMF-Ware ins Gedärm.

4) Der Badezimmer-Trick 1

Eine Protagonistin mit großen Tüten duscht sich. Wir sehen durch den Vorhang undeutlich einen Schatten näherkommen. Der Vorhang wird zur Seite gerissen, die Tante mit den Tüten kreischt!!! und sieht das es sich a) um den wahnsinnigen Milchmann mit seiner todbringenden Kanne handelt oder b) es nur ihr Freund ist, der mal eben gucken wollte ob noch genug Zweikomponenten-Duschgel da ist.

5) Der Badezimmer-Trick 2

Unsere Hauptdarstellerin schminkt sich, putzt die Zähne oder macht sonst etwas belangloses (zum Beispiel um ihren Freund trauern, der von einem Irren mit einem Tortenheber ausgeweidet wurde) sie öffnet den Badezimmerschrank und als sie ihn wieder schließt sieht sie, daß der wahnsinnige Milchmann hinter ihr steht! KREISCH! – Der Trick funktioniert auch mit verspiegelten Kleiderschränken.

6) Der alte Telefontrick

Unsere Protagonisten (die mit den großen Tüten) wird von einem Wahnsinnigen per Telefon bedroht. Als sie ausfindig machen kann, woher der Anruf kommt, stellt sie fest das er aus dem selben Haus, Auto, Fahrstuhl oder Umzugskarton stammt in dem sie sich grade befindet. Ha! Kreisch!

7) Der klassische Huscher (mit Stinger)

Um dem ultrabrutalen Killermilchmann zu entkommen (oder wahlweise dessen Background zu entschlüsseln) flüchtet sich der Held in das verlassenste Haus, Postamt, Molkereibetrieb des Landes. Während er mit einer Taschenlampe die Räume durchstreift, die etwa halb soviel Licht verbreitet wie ein krankes Glühwürmchen, huscht unsichtbar für ihn, aber sichtbar für die Zuschauer etwas direkt an der Kamera vorbei. Dazu macht es auf der Tonspur Kishrrrimm!

8) Der Leichenkuller

In einem der wenigen ruhigen Momente ziehen sich die Helden zurück und wollen sich etwas ausruhen. Die Stimmung ist gelöster, bis einer an den Wandschrank geht um das Kniffelspiel rauszukramen. Beim Stöbern in alten Kartons purzelt plötzlich eine grausam zugerichtete Leiche ins Bild.

9) Das creepige Kind

Nachdem man sich in einer lebensbedrochlichen Situation entschlossen hat das Haus getrennt nach einer Packung After Eight zu durchsuchen / oder wahlweise jeder auf seinem Zimmer schlafen geht. Entdeckt einer der Darsteller, daß ein halbnacktes, böse guckendes kleines Kind mit zuviel Mascara um die Augen unterm Bett oder im Schrank hockt. (Dusche geht auch).

10) Der Endschocker

Der böse Milchmann wurde in die Pasteurisiermaschine gestoßen und die Milchpumpe hat ihm die Innereien rausgepumpt. Die Gefahr ist gebannt. Cathy (die mit den dicken Hupen) und ihr Freund Jack sind von oben bis und mit Blut und Molke verschmiert und fallen sich glücklich in die Arme. Grad als sie gehen wollen springt der Milchmann noch einmal aus dem Tank, will nach Cathy greifen, wird aber von zwei Schüssen aus einer Polizeiwaffe niedergestreckt. Abspann, Rockmusik, eine Coverversion von “No Milk Today”.

10a) Der Abspann wird nach 30 Sekunden kurz angehalten, wir erleben nochmal eine Aufblende. Ein kleines Reihenhaus in den Suburbs, Cathy holt die Milch rein und will ihrem Sohn und Jack Frühstück machen, als sie sieht das ein abgtrennter Finger in der Milch schwimmt. Draussen sehen wir den Milchwagen vorbeifahren, der Milchmann lacht höllisch und der Abspann läuft weiter.

Und nicht vergessen, wenn gar nicht gruselig werden will: Haut musikalische Schreck-Geräusche, die sogenannten Stinger drauf und lasst permanent unheilschwangeres Geigengebruddel laufen. Funktioniert immer.

Hat bei Shining ja auch geklappt.

In : Filmfun, Thema

About the author

Batzman (Oliver Lysiak)
Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.
  • http://www.orange26.de/ Martin

    Ha, brilliant. Genau dieses 10-Punkte-Programm wird da – jedes Mal neu – abgespult. Dein Eintrag war besser, als die letzten 10 Schocker, die ich gesehen habe. “Sieben” war der erste Lichtblick.

  • http://blog.glotzkind.de/ Björn

    Einer der Schocker der mich in meiner bisherigen Horror-Laufbahn am meisten erschreckt hat (tatsächlich erschreckt, nicht nur gegruselt) war der in Gothika.
    Eine Mischung aus dem “Buh-Effekt als Double-Take” und dem “Badezimmer-Trick 2″, nämlich als Halle Berry in der Zelle steht, und unter der Tür den Schatten von jemandem sieht der draußen davor herumläuft. Durch die Vorgeschichte denkt man da sofort an den vergewaltiger, und als sie sich duckt, und das Mädchen wieder hinter ihr steht, hat man die ganze Zeit gar nicht mehr an das Mädchen gedacht.

    Dieser Effekt hat bei mir extrem gut geklappt. Durch die kleine eingeschobene Geschichte mit dem Vergewaltiger kurz zuvor, war ich so auf den Vergewaltiger fixiert, das das Mädchen, welches plötzlich hinter ihr steht, mich unglaublich geschockt hat. Hab wirklich geschnauft und bin vom Bildschirm zurückgewichen bei der Szene.

    Eigentlich sind es ja diese Schockszenen, die man nicht erwartet, immer die besten, aber leider sind heutzutage die meisten zu unkreativ um sich solche wirksamen Szenen auszudenken. Meist sind es eben diese hervorsehbaren 10 Schockszenen die beschrieben sind.

    Tolle Liste!

  • http://nintendotaku.blogspot.com FaFu

    Du hast den “wer hat meine Hand gehalten Trick” aus The Haunting vergessen. Ähnlich vorgekommen bei Shutter: wie der Hauptdarsteller in der Dunkelkammer seine Fotos entwickelt und eine weibliche Person den Raum betritt. Er ruft “Hi Schatz!” und dann klingelt das Telefon. Ratet mal, wer dran war…

    Obwohl das im engeren Sinne auch keine Schocker sind, sondern mehr so Gänsehaut-Grusel.

    Eine besonders billige Erweiterung des einfachen Buh! Effektes ist die Untermalung des Auftritts mit einem sehr sehr lauten Geräusch, damit man sich auch ja erschreckt.

  • http://kreuzberger.blogger.de Kreuzberger

    “und rammt dem Kumpel die WMF-Ware ins Gedärm” – schön gesagt.

  • http://sirdregan.twoday.net SirDregan

    *rofl* sehr schöne Zusammenstellung!
    Aber einer fehlt auch noch:

    Wenn ein Kind / Freund / Fremder mit dem Rücken zum Protagonisten und der Kamera steht oder sitzt und sich beim Umdrehen herausstellt das der/demjenigen die Augen fehlen, er/sie/es ein Zombie ist etc.

  • http://www.klingt.net Znil

    Ein wichtiger Schocker fehlt aber noch. In vielen Horror/Splatter Filmen springt der “scheinbar” ermordete Bösewicht nocheinmal auf sobald sich der Hauptdarsteller über ihn beugt um nachzuprüfen ob er ihn auch wirklich erledigt hat.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    @SirDregan

    Natürlich, wie konnte ich das vergessen! Danke, für den Nachtrag. Dabei hab ich die Szene erst gestern wieder in einem Streifen gesehen :)

    @Znil

    Stimmt, aber das würd ich mal grob unter Punkt 10 Schlußschocks einsortieren… :)

  • Der_Held

    Schöne Liste!

    Was auch immer wieder gerne genommen wird, ist der “Fake-Schockeffekt”. Nicht zu verwechseln mit “Buh!-Effekt mit Finte”.
    Passt im Grunde für alle 10 Punkte. Man erwartet 1-10, ist fast sicher das der entsprechende Effekt jetzt gleich kommen MUSS (alles deutet darauf hin) … aber denkste! Die Musik beruhigt sich und SirDregans umdrehendes Zombiekind ohne Augen ist dann doch nur die liebe Kleine oder so.

    10b)
    In der Schlussszene, nach dem Tot des wahnsinnigen Massenmörders, dreht sich der Sohn/die Tochter/die Nichte/wasimmer des Irren in die Kamera, grinst fiese und übernimmt in Teil 12 dann kurzerhand dessen Rolle.

  • Laubfrosch

    Und jetzt gucken wir alle Freitag der 13.-Teile und haken die Liste ab! xD

    10) Der Endschocker erinnert mich an meinen ersten Horrorfilm.
    Im Freundeskreis als Mutprobe “Freitag der 13.” geschaut. Der Schocker am Ende, als alle dachten, es wäre überstanden. Seitdem weiss ich, wie es sich anfühlt, wenn “das Blut in den Adern gefriert”.

  • http://georg-re.hm Georg

    Eine Variante von #2 (“Der einfache Buh-Effekt mit Finte”) ist die “cat in the cupboard scene”: Der Hauptdarsteller sucht eine Wohnung oder nur einen Raum ab (vorzugsweise im Dunkeln und mit Taschenlampe, wobei der Kameramann die Szenerie mit einem Streichholz ausleuchtet), hört etwas rascheln … sucht … es raschelt erneut … und plötzlich springt eine Katze kreischend und wie von einer Tarantel gestochen in Richtung Hauptdarsteller. Funktioniert immer. :-)

  • Robert

    Da fehlt was!!

    Der TÜRKLOPFER!!!

    Das Pärchen flieht vor dem Milchmann und knallt eine Stahltür in letzter Zehntelsekunde zu, die der Milchmann dann wütend zerbeult aber nicht kaputt kriegt.

  • CowVirus

    Nicht nur der Türklopfer, sondern auch der berühmte, viel verwendete und viel parodierte Türdreher. Während die Helden sich ungeschickt zu retten versuchen, dreht sich der Türknauf mehrere hundert mal.

  • http://multi-film.blogspot.com Bartel

    Der wohl ultimativste Buuh! Effekt ist das Auftauchen der Höhlenwesen im ersten “THE DESCENT”…hierbei handelt es sich ja eigentlich nur um den “einfachen Buhh! Effekt” aber auf diesen wird die gesamte erste Hälfte des Films hingearbeitet…in Sachen Atmosphäre, wahrzunehmende aber nicht sichbare Bedrohung…etc…grafisch würde ich das in Etwa so darstellen…
    (waber~waber~waber~BUUH EFFEKT!~kreisch~kreisch~kreisch-ENDE)

  • jim

    Noch einer..der boah-effekt….Es ist rappen,zappen duster. Das arme Opfer(Hupencathy) kann noch nicht mal die eigene Kanone vor Augen erkennen….mit der sie rumwedelt – sich dabei um die eigene Achse drehend. Der Milchmann putzt kurz seine Nachtsichtbrille – um sie dann wieder aufzusetzten.Was ihm zum Verhängnis wird…denn Cathy hat nicht nur große Brüste sondern auch große Ohren….micrometergenau ortet sie das Brillenglas das sich auf die Milchmannnase schiebt…und im Kinosaal fängt man wieder an zu atmen.

  • jim

    …Nachlader….finde es absolut remarkable,wie gern Mensch(und vorallem Mannmensch)sich dem blankem Horror aussetzt – während ihn der blanke Horror tagtäglich real umgibt.
    Um schnell auf den Punkt zu kommen:
    Inwieweit können wir als Menschheit einen Friede-Freude-Eierkuchen Planeten anstreben(bezeichnenderweise Attribute eines Kindes – ein Stadium das jeder Mensch durchläuft und deswegen auch nicht von ungefähr kommt -das Friede Freude Eierkuchen Zitat)…
    …unfähig unsere archaisch-diffusen Blutrauschsehnsüchte ad acta zu legen? Was,wie bereits erwähnt, ein ausgesprochen männliches Syndrom/Symptom ist.Definitiv problematisch.Und wer sich für kulturelle,politische und gesellschaftliche Dinge interessiert muß dieser Tatbestand(unangenehm)auffallen.Das wir das Phänomen Gewalt auf unbewußteste Art und Weise abfeiern – insbesonders auch durch Filme schauen(oder der AdultComic Kultur die vor Gewalt strotzt – und natürlich haben wir hier auch unseren direkten Link zum modernen Special Effects Kino). Das kann man durchaus akzeptieren.Explizite Gewalt in den verschiedensten Formaten des künstlerischen Ausdrucks. Doch trifft es auch eine genaue Aussage über den Status Quo des menschlichen Bewußtseins.Ich persönlich glaube, es ist noch nicht soweit her mit der Kunst im Allgemeinen und grade im Spezifischen.Und davon mal ganz abgesehen – ich denke daß ich auf einem Friede Freude Eierkuchen Planeten ganz gut zurecht kommen würde und insoweit auch bereit bin auf Gewalt(vor allem die in meinem Kopf)zu verzichten.Weil ich ja vielleicht einen adäquaten Ersatz gefunden habe.Spaß mit Splatter ist letztendlich einfach zu wenig – es ist das alte Exibitionist/Voyeur Spiel. Grade Film hat da ganz andere Möglichkeiten.
    Wie Monty Phyton das wohl sieht :-)……

  • http://multi-film.blogspot.com Bartel

    Seltsamerweise sprachen wir gerade über das Empfinden von Suspense, dem Schock der uns wieder einmal klar macht das wir im HIER und JETZT mit all unseren wunderbaren tausenden empfindsamen Synapsen stecken…und du assoziierst mal schnell Blut, Gewalt und Gekröse und behauptest hier würde sich mal schnell jeder drauf anturnen! Schon komisch….aber egal…ich hab gerade mein “most favourite screenshoot to masturbate to…” auf meinem FULL HD-Beam-mich-ans-Ende-der-Milchstraße-Projektor gestoppt und werde mir jetzt erstmal gepflegt auf MEN BEHIND THE SUN einen runterholen…Prost!

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