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The American Nightmare / Midnight Movies

Standard, 29. 10. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 6 Kommentare

Halloween ist Horrorzeit. Doch was steckt eigentlich hinter den Klassikern des Genres? Wie wurden sie zu den Meilensteinen als die man sie heute betrachtet?

Zwei aufschlußreiche Dokumentionen widmen sich diesem Thema:

Originaltitel: American Nightmare, The
Herstellungsland: Großbritannien / USA 2000
Regie: Adam Simon
Darsteller: John Carpenter, Wes Craven, David Cronenberg, Tobe Hooper, John Landis

[rating:3.5]

Die Doku von 2000 über die wichtigsten „neuen“ amerikanischen Horrorklassiker und ihren Einfluss auf das Genre, ihre Entstehungsgeschichte und ihre politische/gesellschaftspolitischen Inhalte. Im Interview äußern sich Fachleute, Medienwissenschaftler, sowie die Regisseure: George Romero, Wes Craven, John Carpenter, Tobe Hooper, David Cronenberg, John Landis und Make-up Artist Tom Savini.

Am Beispiel von Romeros ersten beiden Zombie-Filmen, Carpenters „Halloween„, Hoopers „Texas Chainsaw Massacre„, Cravens „Last House on the left“ und Cronenbergs „Parasite Murders / Scanners / Videodrome“ werden die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichem Klima und Film beleuchtet.

Tom Savini erzählt z.B: wie ihn seine Erfahrungen in Vietnam für die spätere Arbeit als Maskenbildner von blutigen Effekten beeinflusst haben, Experten und Zuschauer erklären wie die Filme auf sie damals wirkten und warum die Filme ein Produkt ihrer Zeit waren. Die politische Umbruchstimmung Anfang der 70er wirkte teilweise auch unbewusst als Katalysator für eine neue Art von Horror, der kaum noch etwas gemein hatte, mit den als antiquiert und betulich empfundenen Gruselstreifen vergangener Jahrzehnte. Dunkle gothische Gebäude, romantische Vampire und die Mad Scientists und Monster wichen düstereren, realistischeren Bedrohungen, das Grauen war nicht mehr an abgelegenen Orten sondern kroch bis in den Vorgarten des Normalbürgers.

Viele Erklärungen die es in „The American Nightmare“ gibt, können auch auf die heutige Zeit übertragen werden, in denen neuerlich Krieg, Terror und Zweifel an der politischen Führung die Nation spalten.

Je dreckiger die Zeiten, desto besser die Horrorfilme? Na wenigstens etwas.

American Nightmare

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Originaltitel: Midnight Movies: From the Margin to the Mainstream
Herstellungsland: Kanada / USA 2005
Regie: Stuart Samuels
Darsteller: George A. Romero, Alejandro Jodorowsky, John Waters, Perry Henzell, David Lynch, Richard O’Brien, Roger Ebert

[rating:3.5]

Einen anderen Weg als „American Nightmares“ beschreitet „Midnight Movies“, der sich zwar auch u.a. mit dem Klassiker „Night of the living dead“ beschäftigt, aber dabei das spezifisch amerikanische Phänomen der Mitternachts-Filme untersucht. Jene speziellen Filme unterschiedlicher Genres, die es grade in den großen Metropolen zu Kultstatus brachten, nachdem sie anfänglich eher zögerlich und ohne große Aussicht auf Erfolg gezeigt wurden. Erst als Mitternachtsvorstellung, fingen sie an ein junges, vorwiegend studentisches Publikum zu begeistern, daß hungrig war nach neuen unkonventionellen Filmen und nach einer Gruppenerfahrung, die ihnen das „langweilige“ Mainstreamkino damals nicht bieten konnte.

El Topo„, der hyperbrutale, surreale Mexico-Western, war der erste Film, der auf diese Art entdeckt wurde. Kinobesitzer, Zuschauer und Macher erzählen wie sich trotz unterschiedlichster Themen die Midnight Movies zu einem eigenen durchaus lukrativen Genre entwickelten. Neben Romeros Zombie-Erstling folgten der jamaikanische Kultfilm „The harder they come„, John Waters legendäres Bad-Taste-Spektakel „Pink Flamingos„, David Lynchs Kunstfilm-Trip „Eraserhead“ sowie der Kultfilm überhaupt: „The Rocky Horror Picture Show“.

John Waters fasst es sehr treffend zusammen, wenn er anmerkt, daß vieles was damals als extrem galt, heute den Weg ind en Mainstream gefunden hat. Was früher skandalös wirkte, ist heute bereits Teil des Hollywood-Systems. Eine damals schockierende Szene aus Pink Flamingos in der Divine Hundkot fraß, wirkt angesichts diverser Exkrementorgien von American Pie bis Jackass fast harmlos.

Neben einer spannenden Reminiszenz an die damalige Kinolandschaft, schafft der Film auch deswegen ein nostalgisches Gefühl, weil er ein Phänomen beschreibt, das so nie wieder möglich sein wird. Die Möglichkeit für ein Publikum einen Film wirklich für sich im Kino zu entdecken, jenseits klassischer Vermarktungszeiten. Das gemeinsame Erlebnis, das gemeinsame Zelebrieren eines Films. Kurz nach dem letzten großen Midnight-Movie „Eraserhead“ eroberten Videorecorder den Massenmarkt und lösten die kleinen Programmkinos nach und nach ab. Heutige Kultfilme und Sleeper werden individuell entdeckt, von jedem einzelnen Zuschauer in seiner Videothek.

Das ist zum einen natürlich praktisch, aber auch weniger romantisch, als es damals gewesen sein muß, als man noch spät abends ins Kino ging um sich ein überraschendes, schräges, seltsames Kinoerlebnis zu gönnen.

Die DVD bietet ein ansprechendes Menue und ein gutes Bild. Die deutschen Untertitel sind leider nicht ausblendbar.

Midnight Movies

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6 Kommentare

  • Reply ben whishaw 30. 10. 2006 at 10:17

    ich finde es geht nichts über michael myers ;o)
    ein absolutes MUSS an halloween!

  • Reply Batzman 30. 10. 2006 at 13:06

    Äh ja. Schön das wir mal drüber gesprochen haben.

  • Reply Renington Steele 23. 12. 2006 at 16:38

    Wow, ich sehe mir grade „American Nightmares“ an… die Art und Weise, wie eben diese Zerreiß-Szene aus „Dawn“ neben diese Disco-Roller-Typen und die Konsumbilder geschnitten wird, das ist ja fast noch heftiger als der Originalfilm.

    Wow.

  • Reply agitpop - an extra in the movie adaptation of the sequel to your life » Blog Archive » This Film Is Not Yet Rated 16. 6. 2007 at 13:24

    […] über die USA der späten Sechziger und frühen Siebziger aussagen. (Und mal wieder als Videotipp: The American Nightmare. Und sei es nur für die Szenen mit Tom Savini.) Was es sein mag, dass diese Filme über unsere […]

  • Reply TOPF 15. 1. 2009 at 7:59

    american nightmare ist ne gute doku …
    leider sind die politischen und gesellschaftlichen inhalte meist zu plump erklärt worden.
    zum beispiel blutgericht in texas -das auto bleibt stehen…
    damals war das benzin knapp.
    wow voll der augenöffner -.-
    naja aber trotz dessen würde ich sie weiter empfehlen.

  • Reply The American Nightmare: 70s Horrorfilm-Doku auf Youtube | Nerdcore 20. 6. 2009 at 18:54

    […] bei Youtube anschaubar. Batz hatte die DVD, die auch bei mir im Regal steht, damals bei den Filmfreunden rezensiert: „Doku von 2000 über die wichtigsten “neuen” amerikanischen Horrorklassiker und […]

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