John Carpenter Teil 2: Von Christine zu Masters of Horror

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“Just remember what ol’ Jack Burton does when the earth quakes, the poison arrows fall from the sky, and the pillars of Heaven shake. Yeah, Jack Burton just looks that big old storm right in the eye and says, “Give me your best shot. I can take it.”

Er ist einer der wichtigsten Regisseure des Neuen Hollywood. John Carpenter, der Vater von Michael Myers und Snake Plissken, er ist einer jener Genregrößen an denen man nicht vorbeikommt, wenn man sich ernsthaft mit dem phantastischen Film beschäftigt. Doch wie bei vielen Legenden ist auch sein Gesamtwerk von Höhen und Tiefen gekennzeichnet.

Hier ist nun der zweite Teil unserer John Carpenter Werkschau.

Nachdem unverdienten Flop des sehr teuren “The Thing” mußte Carpenter kürzer treten und versuchte sich an einer scheinbar sicheren Bank. Noch immer galt er als Horrorspezi, was lag da näher als ihn das Werk einer anerkannten Genregröße verfilmen zu lassen.

ChristineChristine (1983)
★★☆☆☆

Es ist schon schwer aus einem guten Stephen King Buch einen guten Film zu machen. Zuviel spielt sich beim Master aus Maine in den Köpfen der Figuren ab, zuviel Spannung entsteht aus den kleinen Alltagspsychogrammen die King entwirft. Alle Jubeljahre gelingt es mal seine Werke kongenial zu verfilmen: Misery, Stand by me, The Shawshank Redemption. Meist geht das ganze jedoch in die Hose und auch Carpenter brachte der Horrorkönig wenig Glück, zumal man ihm eines von Kings schwächeren Werken aangeboten hatte. Die unaugegorene Story rund um ein besessenes Auto, das eine Beziehung zu einem verkorksten Nerd aufbaut und schon bald dessen Freundeskreis dezimiert, ist sowohl als Buch wie als Film leider Gedöns.

Renington meint: Ich mag Christine sowohl als Buch und auch als Film ganz gerne, wahrscheinlich, weil ich selbst mit 12 noch ein C64-Nerd war, ohne Freunde frisch in ein neues Kaff gezogen. Doch, ich konnte den Charakter sehr gut nachvollziehen, aber Du hast schon Recht, der Film ist alles andere als ein Sahnehäubchen.

StarmanStarman (1984)
★★★☆☆

Ungewohnte Wege schlug Carpenter mit der naiv-satirischen ET-Variante “Starman” ein. Jeff Bridges spielte ein Alien, das sich in menschlicher Form auf die Erde begibt und dort vom Militär unbarmherzig gejagdt wird. Obwohl der Film solide inszeniert ist, einige originelle Ansätze hat und die Kritik größtenteils positiv schrieb, war Carpenters Stammpublikum irritiert und dem Film nur ein mittelmässiger Erfolg beschieden.

Als typischer 80erJahre SF-Film hat sich Starman dennoch ganz gut gehalten und ist auf jeden Fall einen Blick wert.

Renington meint: Irritiert? Mittelmäßiger Erfolg? Zu Recht! Starman ist eine kitschige Alien-Love-Story, braucht kein Mensch.

Big Trouble in little chinaBig Trouble in little China (1985)
★★★½☆

Ebensowenig Glück war Carpenter mit der völlig überdrehten Asia-Action-Fantasy-Comedy “Big Trouble in little china” beschieden. Einmal mehr gab Kurt Russel den coolen Leading Man, diesmal als Fernfahrer der ohne es zu wollen in einen Bandenkrieg zwischen chinseischen Banden gerät, die mit allen auch übernatürlichen Mitteln versuchen ihre Hoheit durchzusetzen.
Aus heutiger Sicht ist der Film ein sehr interessantes und überaus unterhaltsames Kuriosum, war er doch, wie auch schon The Thing seiner Zeit um rund zehn Jahre vorraus.

Damals konnte weder Publikum noch Kritik etwas mit der selbstironischen Mischung aus Wire-Fights, Action, coolen Sprüchen und Monstern anfangen. Die Erfolge von “Crouching Tiger” und ähnlichen Filmen lagen noch in weiter Ferne und die Hong-Kong-Ästhetik war einfach zuviel für den einfachen Zuschauer. Vor allem mit Kurt Russels Selbstdemontage als harter Knochen konnten viele Fans so gar nichts anfangen. Der Mißerfolg des relativ teuren Films, markiert den Beginn von Carpenters Abstieg, der seit “Escape from N.Y.” keinen echten Hit mehr vorweisen konnte, obwohl er kontinuierlich gelungene Filme produzierte.

Nach “Big Trouble” sollte es lange dauern, bis man ihm wieder größere Budgets anvertraute.

Prince of DarknessPrince of Darkness (1986)
★★★½☆

Die Story um eine Gruppe Studenten, die mit ihrem Professor in einer Kirche gegen den wiedererwachenden Sohn Satans kämpfen, welcher in einer Art Rohrpost-Container gefangen ist, war dann auch erheblich niedriger budgetiert und kam mit nur wenigen Location aus. Die überweigende Zeit spielt der Film in genannter Kirche.
Unter Horrorfans gilt er als kleines Genrejuwel, nicht zuletzt auch Dank einem Gastauftritt von Alice Cooper, quasi dem Großvater von Marilyn Manson. We’re not worthy! Obendrein gab es ein Wiedersehen mit Carpenter-Spezi Donald Pleasance, der sich zu diesem Zeitpunkt schon durch zuviele schlechte Halloween-Sequels gequält hatte und sicher froh war über etwas Abwechslung.

Ich weiß das Renington den Film liebt, aber ich hab mich, wie auch bei The Fog nie wirklich gegruselt bei dem Streifen. Irgendwie blieb mir die Apocalypse immer zu sehr auf Sandkasten-Niveau, verhinderte das magere Budget wirkliche Endzeitatmosphäre.

Renington meint: Nee Nee, Batz, der Film ist schon sehr spooky teilweise, ich erinnere nur mal an den Typen, der zu einem Haufen Käfern zerfällt und an die wie immer von Carpenter selbst produzierte, sehr bedrohliche Musik. „Prince“ markiert für mich den Wendepunkt in Carpenters Werk und zu seiner alten Form hat er seit damals meiner Meinung bis heute nicht zurückgefunden.

They LiveThey live! (1987)
★★★½☆

Schon ein Jahr später gab es einen weiteren eher günstig produzierten Film. “Sie leben!” basiert auf der Kurzgeschichte von Ray Nelson und ging von der faszinierenden Grundidee aus, daß die Menschheit schon lange von einer fremden Rasse beherrscht wird, welche sich unerkannt unter uns bewegt. Der Bauarbeiter Nada gelangt durch Zufall an eine Spezialbrille, welche es ihm ermöglicht die Fremden Herrscher zu erkennen. Gruselige Alienfratzen erscheinen da mit einem Male auf den Gesichtern harmloser Durchschnittsbürger, scheinbar normale Straßenschilder und Werbeplakate enthüllen ihre geheime Botschaft: “Gehorche! Sei Demütig!”

In diesem Fall nutze Carpenter das geringe Budget sehr effektiv, weil nur wenige wirklich aufwendige Spezialeffekte notwendig waren. Solange niemand durch eine Brille sah, erschien die Umwelt völlig normal. Diese langsame Unterwanderung durch reaktionäre, autoritäre Herrscher passte perfekt in die Reagan-Ära. Nicht aus Zufall stammt der Held aus der einfachen Arbeiterklasse, nicht aus Zufall stehen viele der Fremden Herrscher in Führungspositionen.

“They Live!” überzeugt durch einen eher satirischen Blick, der die Invasionsphantasien der 50er Jahre aufgriff und auf die Neuzeit anwandte. Wie in “The Thing” lauerte das Böse unter der normal aussehenden Oberfläche und trachtete danach, Kontrolle auszuüben, zu vereinnahmen.

Nicht unbedingt super-gruselig, aber als B-Movie-SF-Thriller-Satire ist der Film gut goutierbar, auch wenn er seine Anliegen nicht eben subtil an den Mann bringt. Finanziell war auch er aber keine Offenbarung, denn für die echten Fans war er nicht spektakulär genug und für den Mainstream zu seltsam. Dazu kam, dass der Film keinen bekannten Namen aufweisen konnte.

Memoirs of Memoirs of an Invisible Man (1992)
★★☆☆☆

Erst vier Jahre später schaffte es Carpenter wieder, einen Film auf die Beine zu stellen. Dazwischen lagen, ähnlich wie bei George A. Romero, viele gescheiterte Projekte und Absagen. Die Zugkraft seines Namens war schon lange kein sicherer Einnahmengarant mehr. Um etwas Grund unter die Füße zu bekommen, ließ sich Carpenter als Auftragsregisseur heuern. Ein Comedy-Vehikel mit dem damals sehr populären Chevy Chase, der auch als Produzent fungierte, sollte von ihm abgedreht werden. Immerhin: mit Effektfilmen kannte Carpenter sich ja aus. Das traute man ihm dann doch zu.

Von Anfang an war klar, daß dies kein “John Carpenter Film” sein würde. Das Buch, ursprünglich von Drehbuch-Legende William Goldman (Butch Cassidy & Sundance Kid, The Princess Bride) verfasst, war zigmal überarbeitet worden, um Chase Wunsch nach einer ernsthafteren Darstellung seiner Rolle nachzukommen, er wollte wohl wie so viele Komiker auch mal zeigen, dass er ein richtiger Schauspieler ist.

Im Endeffekt wurde aus dem Film nichts halbes und nichts ganzes, weder eine schwungvolle Komödie noch ein ansprechendes Drama und erst recht kein guter Carpenter-Film. Die Nöte eines Mannes der unsichtbar wird, vor der CIA fliehen muß und gleichzeitig lernt mit seiner Unsichtbarkeit umzugehen, war allenfalls ob einiger Trickeffekte erwähnenswert, aber auch das rettete ihn nicht davor zu floppen.

+++

1993 drehte Carpenter dann mal wieder für das Fernsehen, mit dem ihn seit jeher eine Hassliebe verband. Noch heute erinnert er sich immer mit gemischten Gefühlen an die Nachdrehs die er für die TV-Version von Halloween machen musste, damit der Film lang genug war um ausreichend Werbung unterzubringen. Mit “Body Bags” produzierte er selbst einen Anthologiefilm, den er zusammen mit dem ebenfalls eher glücklosen Tobe Hooper (der seit Poltergeist auch nichts erwähnenswertes mehr auf die Beine gestellt hatte) realisierte. Drei Kurzgeschichten um verlassene Tankstellen im Nirgendwo und mordlüsternde Toupets, die fürs Kabelfernsehen gedreht wurden und deswegen nicht ganz so blutleer daherkamen, wie klassische TV-Kost.

Als Spaßproduktion für zwischendurch, mit vielen Genrelegenden wie John Carradine, Sam Raimi, Wes Craven, David Warner oder Stacey Keach bietet der Film gute Unterhaltung, ohne das er wirklich wichtig wäre. Dennoch ist er immer noch um einiges besser als das Chevy Chase-Debakel.

Mouth of madnessIn the Mouth of Madness (1995)
★★★½☆

Etwas Gutes hatte der Unsichtbare aber dennoch gehabt. Er brachte Carpenter mit Sam Neil zusammen, der in seinem nächsten Film, zwei Jahre später “Den Mächten des Wahnsinns” verfallen sollte. Basierend auf einem Buch des Erfolgsproduzenten Michael deLuca (Austin Powers, Blade, Boogie Nights, Wag the Dog, The Mask) konnte Carpenter hier einmal mehr seinem Hang zum Rätselhaften fröhnen.

Der erfolgreiche Horror-Schriftsteller Sutter Kane (eine recht offensichtliche Anspielung auf Stephen King) muß erleben, wie sich die Realität und die Welt seiner Bücher immer weiter ineinander schieben. Schon bald weiß er nicht mehr, was wirklich geschieht und was nur in seinem Kopf stattfindet.

“In the mouth of madness” führt mehrere von Carpenters Stammthemen zusammen. Die Angst davor, dass die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen (The Thing, They Live!), die Angst vor Geistern (The Fog, Prince of Darkness) und die Angst vor Gruppendynamiken und Kontrollverlust, die in den meisten seiner Filme präsent ist.

Der Film spaltete die Fans einmal mehr. Während viele ihn als Rückkehr zu seinen Wurzeln empfanden und als atmosphärisch gelungene Mischung aus “The Fog” und “The Thing” bezeichneten (und im Nachhinein gar als den letzten “echten” Carpenter), hakten ihn andere als uninspiriertes Effektspektakel ab.

Renington meint: Ich gehöre zu den letzteren. Ich habe den Film schon lange nicht mehr gesehen, kann aber sagen, dass er mir beide male nicht gefallen hat. „Echter Carpenter“, dass ich nicht lache!

Batzmann meint: Tz. Mir gefällt der Film nach wie vor sehr gut, trotz einiger Schwächen schafft Carpenter einige sehr alptraumhafte, surreale Momente und eine sehr eigene Atmosphäre zu kreieren, die einerseits das Thema Paranoia thematisierte und gleichzeitig den Horrorgrößen von Lovecraft über Barker bis King seine Referenz erwies.

Technisch konnte der Film überzeugen und auch optisch wurde dank den fleissigen Effekt-Spezialisten der KBNFX-Truppe einiges geboten und dass Sam Neil am Ende in der Irrenanstalt einen Song von den Carpenters hört, ist übrigens ein sehr netter Gag.

Village of the Damned (1995)
★★★☆☆

Village of the damned

Im selben Jahr erschien ein weiterer Film. Diesmal wieder ein Remake eines 60er Jahre Klassikers.
Carpenter folgte dem Original von Wolf Rilla sehr dicht: Während einer Massenohnmacht werden 10 Frauen schwanger und bringen später 10 blonde Kinder zur Welt. Schon bald zeigt sich, daß mit den kleinen Rangen etwas nicht stimmt, scheinen sie doch eine geistige Verbindung zueinander zu haben.

Ein passendes Thema für Carpenter, der wieder einmal das Böse aus unserer Mitte untersuchen konnte. Leider geriet ihm der Film insgesamt etwas kraftlos und langatmig, hatte er doch dem Original nicht wirklich viel hinzuzufügen. Etwas mehr Gewalt hier, ein Subplot da, aber im Grunde blieb diese Horde kleiner perrückter Kinder mit stierem Blick, die irgendwie creepy waren seltsam zahnlos und wusste mich nicht vom Hocker zu reißen.

Bemerkenswert einzig, das dies der letzte Film des unglückseeligen Christopher Reeve war, ehe er kurz darauf nach einem Reitunfall halsabwärts gelähmt blieb. Ach und Mark Hamill durfte mal hinter dem Voicework-Mikro hervorkommen und einen Priester spielen.

Renington meint: Besonders dämlich finde ich ja am Ende des Films die Visualisierung des Gedankens an die Bombe hinter der Mauer. Dagegen fand ich den Typen auf dem Grill während der Ohnmacht doch ganz nett.

Escape from L.A. (1996)
★★★☆☆

Escape from LA

Trotz seiner eher bescheidenen finanziellen Erfolge wagte Universal es Mitte der 90er Carpenter noch einmal ein richtiges Budget in die Hand zu drücken. Vielleicht dachte man mit der Fortsetzung zu “Escape from New York” sei man auf der sicheren Seite. Vielleicht glaubte man, mit genug Werbung würde es schon klappen, vielleicht wollte auch Carpenter endlich mal wieder einen finanziellen Knaller drehen.

Die Voraussetzungen waren also nicht so schlecht. 50 Millionen Dollar, das war in den 90ern kein Spitzenbudget, aber auch kein Kleingeld. Kurt Russel war wieder mit von der Partie, Steve Buscemi gab den Bösewicht, Debra Hill, Carpenters langjährige Mitproduzentin und Weggefährtin aus den Anfangstagen war auch wieder dabei, Carpenter schrieb das Buch, führte Regie und komponierte die Musik.

Weder Zuschauer noch Kritiker trauen ihren Augen als sie den fertigen Film sahen. WTF? Carpenter hatte denselben Fehler begangen, den Joe Dante mit “Gremlins 2” beging: Er drehte keine Fortsetzung, die sklavisch den Modus Operandi des ersten Films kopierte, er drehte eine Persiflage, eine Komödie, ein Travestie des ersten Films.

War Snake Plissken im ersten Teil ein harter Knochen, der in einer dreckigen Welt voller durchgeknallter Leute seinen Job machte, weil er nicht sterben wollte, so war er in der Fortsetzung die Karikatur seiner selbst. Alles war ins Groteske übersteigert, die Action war comichaft, die Figuren nicht nur abgedreht sondern scheinbar einem Monty-Python-Sketch entstiegen und so richtig viel Sinn ergab das alles nicht.

Manchen Weg mag das Publikum nicht mitgehen, so fragte es sich denn auch, John ist das dein Ernst? Und merkte nicht, daß es sich die Frage sparen konnte. Natürlich meinte er das nicht ernst. Der Film war, ähnliche wie “Big Trouble” eine Verarsche des toughen Actionhelden, ein oftmals bewusst trashiger Comicfilm, der natürlich keine ernsthafte Fortsetzung des stimmungsvollen und spannenden ersten Teils sein sollte. Carpenter hatte mit Kurt Russel als Snake schon alles erzählt was er erzählen wollte und ehe er ihn unfreiwillig zur Lachnummer degradierte, wollte er ihn dann doch lieber selbst mit demontieren.

Bis heute polarisiert dieser Film seine Zuschauer. Liebhaber von trashigen Selbstverulkungen schätzen ihn als überdrehten, quietschebunten Partykracher mit Comicfeeling, “echte” Fans die bei Carpenter immer noch den stimmungsvoll-atmosphärischen Grusel suchen,wenden sich mit Grausen ab.

Ich mag den Film, eben grade weil er völlig anders ist als sein Vorgänger. Aber ich mag ja auch “Gremlins 2” und “Last Action Hero

Renington meint: Ich bin sprachlos! 3 Sterne für diese Kackwurst von Film, der nicht mal als Persiflage funktioniert, weil er dafür noch zu sehr Actionfilm sein will.

VampiresVampires (1998)
★★½☆☆

Nachdem er mit Humor und großem Budget so völlig aufs Maul gefallen war, wandte er sich einem sichereren Hafen zu. In der Verfilmung des Robert Stakley-Romans “Vampires” ließ er jegliche Anflüge von Ironie weg, stattdessen gab es eisenharte Kerle in knallharter Action. Trotz einer vergleichsweise prominenten Besetzung mit James Woods und Maximilian Schell, gewinnt die Mär vom unnachgiebigen Vampirjäger leider wenig eigene Kontur. Kein Wunder, war Carpenter in die Stoffentwicklung doch nur wenig eingebunden. Ursprünglich sollte Russel “Highlander” Mulcahy hier Regie führen.

Als Genrefilm und dank einiger blutigen Eskapaden und routinierter Regieleistung konnte der Film einen Achtungserfolg erzielen, warf Carpenter aber gleichzeitig wieder auf den Status des Auftragsregisseurs zurück, der immer mehr Filme drehte, weil er Geld verdienen mußte, als weil ihm das Thema am Herzen lag.

Ghost of marsGhosts of Mars(2001)
★★★☆☆

Anfang des neuen Jahrtausends standen Mars-Filme hoch im Kurs. Red Planet, Mission to Mars und eben auch “Ghosts of Mars” schickten sich an die Zuschauer zu beglücken, die aber schon bald die Schnauze voll hatten vom Roten Planeten. Unglücklicherweise war Carpenter Weltall-Grusler nicht nur der letzte, sondern auch der billigste der drei Mars-Streifen und so konnte er weder visuell noch storytechnisch wirklich auftrumpfen.

Ein bißchen Alien, ein bißchen Silent Running, ein bißchen Mad Max, zuviele Marilyn Mansion-Freaks und insgesamt zuwenig visuelle Ideen. Pitch Black zeigte kurz vorher, daß man aus der Idee eines Geisterfilms auf einem fremden Planeten sehr viel machen kann, aber Carpenters halbherziger SF-Spuk fiel beim Publikum durch. Hörte man ihn über die Dreharbeiten reden, so klang es, als sei er den ewigen Kampf leid, den Streit um Budgets, die Einmischung von Studios, die Notwendigkeit seine Ideen auf kleine Budgets herunterzuträumen.

Cigarette BurnsMasters of Horror:Cigarette Burns
★★★½☆

Nach dem künstlerischen und finanziellen Mißerfolg von “Ghosts…” zog sich Carpenter eine Weile zurück. In Interviews schimmerte immer wieder seine Frustration durch, es war zu sehen wie Mürbe ihn der Kampf mit dem Hollywoodsystem über die Jahre gemacht hatte. Als jemand, dessen Visionen immer vernünftige Budgets erfordert hatten, muß ihm die Bedenkenträgerei und Pfennigfuchserei der Filmproduzenten wie ein Berufsverbot vorkommen. Seine Ernüchterung macht sich auch darin bemerkbar, dass er Remakes seiner Filme zustimmte und dabei nur allzudeutlich zu erkennen gab, dass ihn dabei lediglich der finanzielle Aspekt interessierte.

Die schnarchenlangweilige PG13-Teenie-Fassung von “The Fog” war natürlich ein Reinfall, aber Carpenter war sich dessen bewusst und absolvierte die Pressetermine dazu mit einer genervten Ruppigkeit, die keinen Zweifel dran ließen, was er von dem Projekt hielt.

2005 kehrte er dann ins Fernsehen zurück. Mick Garris, Produzent und langjähriger Horrorfan, der sich selbst an einigen King-Adaptionen versucht hatte (mit ähnlich verhaltenem Erfolg wie Carpenter), schuf die Serie “Masters of Horror” für die er die Altmeister des Neuen Amerikanischen Horrorfilms zusammentrommelte, nebst einiger Newcomer und Gäste. Tobe “One Hit Wonder” Hooper, John Landis, Takashi Miike, Don “Phantasm” Coscarelli, Dario Argento, Joe Dante und John Carpenter sollten für ein festes Budget eine Stunde Horror jenseits der Norm produzieren.

Ohne Zensur, ohne Zurückhaltung. Mit Tatkräftiger Hilfe von Maskenguru Greg Nicotero von der KNBFX-Group. Die Ergebnisse erwiesen sich erwartungsgemäß als durchwachsen. Während Hooper und Coscarelli eher uninspirierte Schema-F Filmchen einreichten, legte Joe Dante eine bösartige Politsatire vor. Takashi Miikes Werk war gleich so schockierend geraten, daß die Macher es dann doch lieber nicht im TV zeigen mochten und sich (vielleicht auch nur als PR-Gag) entschieden, es nur auf DVD zu veröffentlichen.

Und Carpenter? Er verfilmte die Story eines Privatdetektives, der damit beauftragt wird, die einzige noch existierende Kopie, eines geheimnisumwitterten Films namens “La Fin Absolue Du Mond” aufzutreiben. Angeblich gelang dem Regisseur eine derart vitale Höllenvision, dass das Publikum bei der Uraufführung ausrastete und untereinander ein mörderisches Blutbad anrichtete. Gibt es den Film? Oder ist er nur eine Legende?

Die solide und spannende Episode ist kein Meilenstein, aber eine stimmungsvolle Verbeugung vor der Horrorfilmgeschichte. Blutig, ironisch und grausam verfolgt Carpenter die Odyssee seines Helden und spart dabei nicht mit Seitenhieben auf die Filmindustrie. Damit gehört seine Episode sicherlich zur besseren Hälfte der ersten “Masters of Horror“-Staffel und lässt auf die jetzt anlaufende zweite Staffel hoffen.

Carpenter mag verbittert sein und ernüchtert, aber er hat unbestreitbar noch immer Talent, ist ein wacher Beobachter der amerikanischen Gesellschaft und politisch ein eher unbequemer Kopf, ähnlich wie sein Bruder im Geiste George A. Romero, der auch einerseits als Kultfilm-Meister verehrt wird, andererseits um jeden Produktionscent kämpfen muß.

Derzeit bereitet er einen Psychothriller vor, der neuerlich das Thema Realitätsverlust und Wahnsinn aufgreift. “Psychopath” soll das Werk heißen.

Abgeschrieben hab ich knurrigen alten Mann noch lange nicht.

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • Der_Held

    Klasse Serie! Viele hatte ich schon längst vergessen und von dem meisten wusste ich nicht mal, dass diese von Carpenter sind. Könnt ihr ruhig öfter bringen sowas :)

  • http://www.ideenflucht.biz Der IMeier aus der Buchhaltung

    3 Sterne für Ghosts of Mars? Das Machwerk ist doch nun echt unter aller Kanone…

    Ansonsten schöner Artikel! :)

  • Pingback: F5 - Die Fünf Filmfreunde

  • SuppenkaZper

    Hui gerade erst gesehen das ihr ne Carpenter Serie gemacht habt :) freut mich sehr, das war ein Regiesseur den es aufgrund der sehr schwankenden Qualität wirklich zu beleuchten galt, sehr interessant…danke

  • MtodaR

    In the Mouth of Madness ist DER FILM wenn es um das Lovecraftuniversum geht!

  • TOPF

    nette sache, allerdings traurig,dass sein talent nie wirklich anerkannt wurde von den produzenten.

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