Shopgirl

4 Comments

“Warum schläfst du nie bei mir?”

Herstellungsland: USA 2005
Regie: Anand Tucker
Darsteller: Claire Danes, Jason Schwartzman, Steve Martin

★★★★☆

shopgirl.jpgMirabelle verkauft im Nobelkaufhaus Saks Handschuhe. Samthandschuhe in drei Farben, nämlich Schwarz, Weiss und Grau. Ebenso farblos scheint ihr Leben zu sein. Sie langweilt sich im Job (weil die Handschuhabteilung nunmal nicht gerade die höchst frequentierte ist), ihre Wohnung weist kaum Besonderheiten auf. Ihre Katze ist nicht zutraulich und Mirabelle malt Bilder, die grösstenteils aus schwarzen Schraffuren bestehen. Eines Abends im Waschsalon lernt sie Jeremy kennen. Er ist ein komischer Kauz, erfindet Schriften, ist ständig Pleite und schwatzt Mirabelle ein Date auf. Das läuft auch anders als erwartet. Zumindest für sie. Statt ins Kino zu gehen bleiben sie davor sitzen, weil das sein Lieblingsplatz ist. Ungelenk erhofft er sich noch einen Kuss als er sie nach Hause bringt, aber sie möchte lieber nicht. Sie scheint etwas überfordert mit seiner, nun ja, spontanen Art. Da sie aber danach bemerkt, das er ihr nicht aus dem Kopf gehen will, trifft sie sich wieder mit ihm. Die beiden landen, trotz einiger Komplikationen, im Bett. Tags drauf lernt sie einen älteren Mann im Laden kennen. Er kauft ein Paar Handschuhe bei ihr, ist äusserst charmant. Überrascht findet Mirabelle die Handschuhe mit einer Einladung zum Essen am Abend vor ihrer Haustür. Ab jetzt gerät sie in einen emotionalen Strudel.

Jeremy will sich wieder mit ihr treffen, aber sie wimmelt ihn ab. Sie konzentriert sich ganz auf Ray, den Mann aus der Handschuhabteilung. Er versucht ihr von Anfang an zu vermitteln, das er keinen Beziehung führen kann, das das ganze für ihn eine Art Spiel sei. Aber sie glaubt ihm nicht (bzw. WILL ihm nicht glauben) und ist Feuer und Flamme für den reichen Softwaremanager. Ray ist nie lange zu Hause, er fliegt immer im ganzen Land herum, die meiste Zeit verbringt er im Flugzeug. Aber Mirabelle wartet auf ihn und ist stets Gewehr bei Fuss, wenn er wieder in der Stadt ist. Währenddessen geht Jeremy mit einer Rockband auf Tour, als eine Art Nobelroadie der hauptsächlich für die Verstärker zuständig ist.

Ray verwöhnt Mirabelle wo er nur kann. Und sie verliebt sich immer mehr in ihn. Ray aber hält an seiner Maxime fest, nichts festes zu wollen. Natürlich muss es in dieser Beziehung zur Katastrophe kommen. Das Chaos ist aber perfekt als dann auch noch Jeremy zurück in L.A. ist und nach wie vor um Mirabelle wirbt. Sie wird sich entscheiden müssen…

Dem Film in einer Zusammenfassung gerecht zu werden ohne so viel zu spoilern das man ihn trotzdem noch sehen will ist schwer. Die Geschichte scheint klar, einfach. Aber, so oft man auch meinte diese Love Triangles gehört oder gesehen zu haben, so macht dieser Film doch irgendwie alles anders, alles neu. Die Stimmung bei Shopgirl ist merkwürdig. Es konzentriert sich alles auf die drei Hauptfiguren, ihre Sehnsüchte, ihre Wünsche und Ängste. Nebenfiguren spielen nahezu keine Rolle und haben denkbar kleine Auftritte. Die Kamera dreht lange, schöne Bilder, die Quadrage ist immer sehr klar, auch das Licht betont gewollt die Information, die im Bild gerade wichtig ist. Dadurch bekommt der Film eine Dichte, die aussergewöhnlich ist. Vielleicht am ehesten vergleichbar mit der Stimmung eines “Punch Drunk Love”. Der Film saugt einen förmlich in die Welt der Protagonisten. Und das schon allein technisch. Inhaltlich wird es noch stärker…

Steve Martin hat das Drehbuch geschrieben. Erwartet man jetzt vielleicht das grosse Gagfeuerwerk, ein Slapstickfetival, so merkt man doch schnell das der Wind in eine ganz andere Richtung weht. Martin erweist sich als Autor in Zusammenarbeit mit seinem Regisseur als äusserst sensibler und vorsichtiger Geschichtenerzähler. Er passt stets mit absoluter Genauigkeit auf seine Figuren auf und tut alles um sie nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Und somit wird jedes Handeln nachvollziehbar, man sieht die Welt durch die Augen aller drei Figuren. Man hat Verständnis für das Handeln jedes Charakters in dem Film. Das erstaunt einen beim zusehen. Vermeintliche Klischees (wie z.B. “der reiche Mann, der beziehungsunfähig ist”) entpuppen sich als Einzelschicksale. Ja, Ray ist reich. Ja, Ray hat Probleme Beziehungen einzugehen. Aber Ray bemüht sich, reflektiert, denkt nach und macht dann doch immerwieder die gleichen Fehler, die man schon fast von ihm erwartet. Er will keine Beziehung, aber er merkt das er sich kaum dagegen wehren kann. Deswegen zieht er irgendwann die Reissleine. Ebenso Mirabelle: Das kleine, graue Mäuschen das sich nur zu gern als Spielball der Männer behandeln lässt – erstmal nichts neues. Aber sie hat eine viel grössere Tiefe, sie arbeitet viel mehr in sich drin. Beim Drehbuchschreiben heisst es immer “Man kann inneren Dialog nicht darstellen, Gefühle müssen immer nach Aussen gekehrt werden.” Claire Danes schafft es in einer beeindruckenden Leistung dem Zuschauer den Eindruck zu vermitteln, er könne genau lesen was in ihrem inneren passiert. Nur durch minimalstes acting. Ebenso Steve Martin, der sich nicht nur angenehm zurückhält, sondern spürbar seine Figur mit ganzer Leidenschaft ausfüllt. Kein Wunder, die Geschichte ist ja “sein Baby”, hat vielleicht sogar biographische Züge? Wer weiss.

Eine Sensation ist auch Jason Schwartzman in dem Film. Seine Figur Jeremy ist der Freak, der Künstler, ist der Character, den man wohl schnell für am künstlichsten halten könnte. Kilometerweite Gedankensprünge, spontane (und aus rationaler Sicht nicht mal ansatzweise nachvollziehbare) Handlungen und eine bedingungslose Leidenschaft für jeden Augenblick machen ihn zu einer Figur die man lieben muss. Die Gefahr ist natürlich schnell unglaubwürdig zu werden, aber das passiert zum Glück nicht, was an der grossartigen Art und Weise Schwartzmans liegt, selbst die absurdesten Dinge mit einer totalen Selbstverständlichkeit zu sagen, zu tun, zu spielen. Jeremy ist gelenkt von seinen Visionen, von seinen Träumen. Und wenn sich einer davon in ihm festgesetzt hat, dann folgt er ihm. Bedingungslos. Sei das in seinem begehren von Mirabelle, oder als er von Heute auf Morgen für mehrere Monate auf Tour geht.

Ich muss sagen, der Film hat mich umgehauen. Das habe ich wirklich nicht erwartet. Klar, ich wusste ahnte, es nicht mit einem typischen Steve Martin Film zu tun zu haben, aber so etwas tiefes, nah gehendes – da war ich dann doch ziemlich sprachlos. Bitte Herr Martin, mehr solcher Bücher, mehr solcher Filme, dann kann ich es auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge verkraften, das ihre Komödien im Gegensatz zu den 80ern ein wenig an Originalität eingebüsst haben…um es einmal vorsichtig auszudrücken. Wirklich und aus ganzem Herzen: Seht diesen Film. Ich glaube er kann einen sehr schönen Prozess im denken über die Liebe auslösen. Denn die Moral ist in gewisser Weise: Es ist auch gut sich für jemanden zu ändern. Und das ist in der heutigen “Lebe deinen Traum” – Zeit ja nun mal wirklich ein gewagtes Statement…

Shopgirl direkt bestellen und endlich wieder ein bischen mehr über die Liebe lernen.

In : DVD, Review

About the author

  • http://blog.peter-noster.de Peter

    Mir persönlich hat er auch sehr gut gefallen. Zu erwähnen wäre noch der tolle Soundtrack, der ganz wunderbar die Emotionen transportiert.

  • http://marcus-filmseite.blogspot.com/ Marcus kleine Filmseite

    hmm, sollte ich die DVD, die bei mir schon einige wochen im regal steht, womöglich doch mal in den player einlegen? ;-)

  • http://sealounge.blogspot.com kerstin | sea-lounge

    Ich muss wohl auch nicht gut drauf gewesen sein, als ich die DVD im April sah.
    Einzig wegen Jason Schwartzman und einiger schöner Bilder und Kameraeinstellungen habe ich den Film für mich mit 4 von 10 Punkten bewertet.

  • peter33

    hallo!

    von wem ist das lied wenn die mirabelle ihr erstes date mit dem musiker hat?? ist etwas aelter und wurde irgendwann mal gecovert??

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr
  • photo from Tumblr

    Part of the cast of Avengers: Age of Ultron.

    07/27/14

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    unamusedsloth:

    No CAPES!

    07/25/14

  • photo from Tumblr

    strikerhercules:

    » Because only Vin Diesel could ever be ridiculously nerdy enough to attend the UK world premiere red carpet for Guardians of the Galaxy wearing a “I am Groot” t-shirt and walking on stilts

    07/25/14

  • photo from Tumblr

    Eeeewwwww

    07/24/14


  • Ohgott Transformers!


    07/12/14