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“There are a lot of people at Versailles today…” – “Yes, there are.”

marie_antoinette_ver2.jpgOriginaltitel: Marie Antoinette
Herstellungsland: USA/Frankreich/Japan 2006
Regie: Sofia Copolla
Darsteller: Kirsten Dunst, Jason Schwartzman, Marianne Faithfull, Steve Coogan, Asia Argento

★★★½☆ Film
★★★★½ Soundtrack

Anmerkung: Viele geschichtliche Details habe ich aus dem Wikipedia-Eintrag zu Marie Antoinette.

Maria Antonia Josepha Johanna, Erzherzogin von Österreich, wird im Alter von 14 Jahren am 21. April 1770 auf die Reise geschickt, um mit Louis-Auguste, dem späteren Ludwig XVI., von Frankreich vermählt zu werden, was den langersehenten Frieden zwischen Frankreich und Österreich besiegeln sollte. Die „Übergabe“ erfolgte auf neutralem Gebiet, eine unbewohnte Rheininsel vor Straßburg, wo sich Maria vollständig entkleiden und allen Freunden ebenso wie ihrem Hündchen Lebewohl sagen musste. Durch diesen symbolischen Akt wurde sie zur Französin: Marie Antoinette war geboren.

Ihr Einzug in Versailles ist alles andere als einfach, gleich zu Beginn spürt sie einen enormen Erwartungsdruck, die Aufgabe einer Königin ist es schließlich, einen Thronfolger zu gebären, was sich als gar nicht so einfach herausstellt, mit einem verklemmten schwulen verlemmten Schwulen als Mann, der sie nie anfasst. Der Druck kommt für das junge Mädchen von allen Seiten, von ihrer Mutter, die sie in Briefen immer wieder daran erinnert, dass es ihre Aufgabe sei, den Frieden zwischen Frankreich und Österreich zu sichern – durch einen Sohn. Als die Tuscheleien am Hof von Versailles überhand nehmen bricht Marie zusammen und tut das, was alle Frauen in dieser Situation tun: Schuhe kaufen.

„Marie Antoinette“ nimmt eine moderne Sichtweise in eine längst vergangene Zeit ein: Sofia Copolla beobachtet Marie als Teenager, der zufällig Thronfolgerin wird und der bei der morgendlichen Ankleide-Zeremonie, bei der sie nackt vor gut 20 Bediensteten stehen muss, einfach sagt: „This is rediculous“ (worauf ihr entgegnet wird: „This is Versailles“). Der Job als Königin ist also alles andere als prickelnd und sie droht, in dem in Ritualen erstarrten Hof von Versailles, der ansonsten nur Ränkespiele und Lästerzungen bietet, zu ersticken. Also flüchtet sie sich in ausufernde Dekadenz. Der Film bricht hier, waren die Bilder bis dahin seltsam distanziert, werden sie nun opulent und ausufernd und auch der heimliche Hauptdarsteller des Films wird hier das erste mal mit Wucht eingesetzt: der Soundtrack.

Den kann man ohne Einschränkungen empfehlen, unter anderem sind darauf enthalten: Siouxsie & The Banshees, The Strokes, Now Order, Gang of Four, Bow Wow Wow, Adam Ant, The Cure, Aphex Twin, Air, Squarepushes, einige andere Perlen und wer den Soundtrack über diesen Link bei Amazon bestellt, sorgt dafür, dass wir demnächst noch mehr DVDs unters Filmvolk schmeißen können.

Sofia Copolla erzählt ihre Geschichte in pastellfarbenen Bildern, unterlegt mit Klassikern des New Wave, der Beginn Marie Antoinettes Konsumorgie wird eingeläutet mit den Drums von Bow Wow Wows „I want Candy“, man betrachtet Marie beim Schlemmen, Schuhe auswählen und beim damals schon offenkundig schwulen Frisör. Ein Maskenball wird als Wave-Disko gezeigt, in der New Order gespielt wird, die Jagd im Wald wird geritten zu hypnotischem Pop. Marie feiert ihre Not bis in den Sonnenaufgang, den sie auf den Stufen zum Palast beobachtet und fickt mit einem Soldaten.

Der Soundtrack und der verengte Blick auf die Bedürfnisse einer jungen Frau in einer korsettgeschnürten Welt sind es, die diesen Film zu einem Kunstwerk machen. Einem Kunstwerk mit Makeln. Marie Antoinette bleibt distanziert, der Blickwinkel wird nie persönlich, egal, ob sie sich als gebrochenes Mädchen oder als frivole Schlampe geriert. Mit Sicherheit ist das Copollas Absicht, dennoch hätten weitere Einsichten in den Charakter der Marie Antoinette dem Film gut getan.

Die Revolution, in deren Verlauf Marie ihren Kopf verliert, wird fast komplett ausgeklammert, in meinen Augen zum Vorteil für den Film. Der König läßt auf Ratschläge von schlechten Beratern die Steuern erhöhen um die amerikanische Revolution zu unterstützen, man ahnt weiß ja, wo das am Ende hinführte. Am Rande erfährt man, dass sich beim Sturm auf die Bastille die Ereignisse überschlagen, dann geht alles ganz schnell, die Massen stehen vor den Toren des Palastes und Marie Antoinette verläßt mit König und Kindern den Hof von Versailes in Richtung Guillotine.

Rest is History.

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1 Trackback

  1. 07.11.2006 - Nerdcore - A Blog about very cool Stuff. Und so.

14 Kommentare

  1. Gute Musik und tolle Garderobe. Super, wenns ein Musikvideo für MTV wäre. Leider absolut nicht ausreichend, um 5€ an der Kinokasse zu rechtfertigen.
    Der Film ist schwach, oberflächlich und nervt.

    Kommentar #1 von Tiziana Imageberatung am 05.11.2006 um 22:50 Uhr

  2. Ich werde ihn mir wohl ansehen. 5€ an der Kinokasse? Vor ein paar Jahren vielleicht oder heute in der Großstadt, aber in der Provinz kann man Glück sagen, dass dieser Film überhaupt läuft. Dann kostet er (wie alle anderen auch) mindestens 8€ und am Kinotag vielleicht mal 6€.

    Kommentar #2 von dan am 05.11.2006 um 22:56 Uhr

  3. @ Tiziana: Wie gesagt, die Oberflächlichkeit ist gewollt, finde ich. Und den eingeengten Blickwinkel einer konsumgeilen Frau/Teenagerin, weil vernachlässigt, finde ich nicht übel…

    Ja, und 5 Euro… das waren noch Zeiten…

    Kommentar #3 von Renington Steele am 05.11.2006 um 23:11 Uhr

  4. Ohjehh da spielt ja die Dunstabzugshaube die Hauptrolle. Creutz. Nee dat spar ich mir, son Clueless-Rip-Off mit Frau “Zwei Gesichtsausdrücke”.

    Kommentar #4 von Batzman am 06.11.2006 um 00:33 Uhr

  5. Nee, ne, batzinger… is schon gut der film… und der soundtrack ist outstanding!

    (mit clueless hat das mal gar nix zu tun!)

    Kommentar #5 von Renington Steele am 06.11.2006 um 00:39 Uhr

  6. ich muss den film zwar noch anschauen, aber schonmal kurz an reningtons artikel kritteln: frau coPPoLa, bitte. du hast da was mit den buchstaben umgedreht, mir scheint ;)
    und dunstabzugshaube, hehe… ich mag die gute auch nicht so sehr, aber dieses wortspiel ist mir noch nicht eingefallen. schön.

    Kommentar #6 von martha dear am 06.11.2006 um 15:01 Uhr

  7. fand schon “lost in translation” trotz toller schauspieler, die ich bei “marie antoinette” übrigens vermisse, recht belanglos und – NeinFeuilletonNein – völlig überbewertet. werde mir den neuen deshalb nicht im kino, sondern allenfalls auf dvd ansehen – und mir hinterher bestimmt schwören, nie wieder einen sofia-coppola-film auszuleihen. wie schon nach “the virgin suicides”…

    Kommentar #7 von Petr Pivo am 06.11.2006 um 15:43 Uhr

  8. “Marie Antoinette” ist im Prinzip eine Mischung aus den vorangegangenen Sofia-Coppola-Filmen “The Virgin Suicides” und “Lost in Translation” – und insofern künstlerisch konsequent. Allerdings hat Baz Luhrman mit seinem “William Shakespeares Romeo & Julia” schon die bessere Kostümfilm-wird-modernisiert-Variante vorgelegt!

    Bei Sofia Coppola gibt es nur einmal kurz Turnschuhe im Zimmer der Königin zu sehen, und auf dem Maskenball läuft in der “Disco” Popmusik – das war’s dann aber auch leider schon mit den modernen Elementen. Dass der Soundtrack ansonsten keine altmodische oder alte Musik aufweist, fällt beim Schauen kaum auf, finde ich. Will sagen: Es ist im Prinzip ein ganz normaler Historien-Kostümfilm-Schinken. Ich fand ihn aber dennoch gut.

    Kommentar #8 von Binding am 29.11.2006 um 18:54 Uhr

  9. Hach, toller Film. Und schlechte Schauspieler? Asia Argeto zum Beispiel, die Mätresse von Louis XV., ist doch klasse!

    Kommentar #9 von Eva am 20.12.2006 um 15:18 Uhr

  10. Ich finde den Film einfach nur klasse…..

    für die ganze Spilfimzeit kann man einfach mal in Versaille eintauchen…sich an Bildern berauschen lassen….

    Genial, einfach genial!

    Kommentar #10 von Gemma am 17.01.2007 um 23:04 Uhr

  11. Der Soundtrack ist besser als der Film. Dr Film hat mich stellenweise schon gelangweilt. Ich kann auch den hype nicht verstehen, der um Coppola gemacht wird. So innovativ, neu oder außergewöhnlich ist das alles nicht in meinen Augen – es ist gutes Handwerk, das schon – aber wegen guten handwerks wird doch sonst auch kein hype gemacht, oder?!

    Kommentar #11 von Frank am 24.01.2008 um 22:09 Uhr

  12. Kleine Anmerkung:
    “Sofia Copolla beobachtet Marie als Teenager, der zufällig Thronfolgerin wird und der bei der morgendlichen Ankleide-Zeremonie, bei der sie nackt vor gut 20 Bediensteten stehen muss, einfach sagt: „This is rediculous“ (worauf ihr entgegnet wird: „This is Versailles“)”

    Hätte da nicht auch “This is madness” und als Antwort “This is Spartaaaaa!” gepasst?

    Kommentar #12 von Smion am 21.03.2009 um 22:03 Uhr

  13. Ein äußerst handlungsarmer Streifen, bei dem anscheinend nur großen Wert auf die aufwendigen Kostüme gelegt wurde. Die Darstellung der steifen Hofetikette nimmt weiten Raum ein, wobei die sich wiederholenden Anlässe eine gewisse Monotonie verbreiten. Die Anlehnung an historische Korrektheit – hier der Vorabend der Französischen Revolution – ist eigentlich bedeutungslos. Und wenn man es schafft, sich das höfische Treiben längere Zeit anzuschauen, wird man durch Heavy Metal wachgedröhnt. Das ist ebenso unpassend wie die gesungenen Arien akustische Schmerzen bereiten.
    Und wenn wirklich was passiert und der Dauphin schafft es die Ehe zu vollziehen, geht es im Stakkato-Tempo: völlige Dunkelheit – Kirsten Dunst stöhnt kurz auf – Geburtsschrei des Thronfolgers – fertig.
    Ein Film, den die Welt nicht braucht und für den die Bezeichnung Kostümschinken noch geschmeichelt wäre. Oh Sofia, was hast du dir nur dabei gedacht!?

    Kommentar #13 von Martin Z. am 31.05.2009 um 12:55 Uhr

  14. und wo ist da die kritik?
    den verweis aufs “frauliche schuhe kaufen” finde ich einfach nur unverschämt.
    bitte holt euch doch noch ne frau ins boot, dann werden filme die wahrscheinlich eher fürs weibliche publukum nicht mit “schuhe kaufen”, “sex and the city” oder ähnlichen kommentaren abgetan während es andererseits seitenlange (wenn auch echt gute) ausführungen über hohle (zugegeben aber auch für frauen unterhaltend!) action-filme gibt.
    bisschen ausgeglichender wäre eure webseite lesenswerter.

    Kommentar #14 von fliala am 26.06.2009 um 14:26 Uhr

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