Children of Men

36 Comments

“Pull my finger”

Originaltitel: Children of Men
Herstellungsland: Großbritannien / USA 2006
Regie: Alfonso Cuarón
Darsteller: Clive Owen, Julianne Moore, Michael Caine, Chiwetel Ejiofor, Charlie Hunnam
★★★★½

Children of men

London 2027. Seit 18 Jahren ist die Welt ins Chaos gefallen, nachdem alle Frauen plötzlich keine Kinder mehr bekommen können. Globale Kriege, Terrorismus und Umweltzerstörung hinterließen verheerte Länder.

Gigantische Flüchtlichsströme die von einem Land zum anderen zogen, auf der Suche nach Rettung. Afrika, Amerika, Russland, Europa, sie alle sind schon völlig zerstört – lediglich England, abgekapselt durch seinen Inselstatus schaffte es mehr schlecht als Recht als moderne Diktatur zu überleben. Rigide Abschiebepolitik versucht der Flüchtlingsströme her zu werden. Wer gegen das Gesetz verstößt wird in verwilderte stadtgroße Gefangenenlager gesteckt in denen das Recht des Stärkeren gilt. Die meisten Bürger haben sich in die Städte zurückgezogen, ohne Nachwuchs verfielen Land und Dörfer in von marodierenden Banden bevölkertes Brachland.

Der jüngste Bewohner des Planeten, ein 18jr ist grade von einem wütenden Fan erschlagen worden. England trauert. Terroristen, die sog. Fishes, die für die Rechte von Immigranten kämpfen, zerbomben die Innenstädte.

Theodor “Theo” Faron (Clive Owen), ehemals Politaktivist, heute nur noch ein biederer, fatalistischer Regierungsbeamter wird von seiner Ex-Frau Julianne (Julianne Moore) kontaktiert, die Anführerin der Fishes ist. Sie bittet ihn Kontakte zu einem Cousin spielen zu lassen, der im Ministerium für Kunsterhaltung arbeitet, ein hohes Tier ist. Er soll ein Transitvisa für ein Flüchtlingsmädchen ausstellen, damit dieses zur Küste gebracht werden kann.

Das Mädchen Kee (Claire-Hope Ashitey) ist schwanger. Eine Sensation. Sie soll zu den Wissenschaftlern des legendären Human Project geschmuggelt werden, einer Gruppe autark agierender Wissenschaftler die als einzige weiter Forschen um ein Mittel gegen die Sterilität der Weltbevölkerung zu entdecken. Kee ist die große Hoffnung, aber auch politischer Spielball.

Theo organisiert die Visa, doch auf der Reise zur Küste läuft alles aus dem Ruder, sie werden überfallen, müssen fliehen, wissen nicht wem sie noch trauen können. Für kurze Zeit kommen sie bei Theos altem Freund (Michael Caine) einem lebensfrohen, in der Wildnis lebenden ehemaligen Politcartoonisten unter, dessen Frau vom Geheimdienst ins Wachkoma gefoltert wurde.

Doch die Rast währt nicht lange und schon bald muss Theo weiter versuchen sich mit der hochschwangeren Kee an die Küste durchzuschlagen…

Fans des Romans von P.D. James werden nicht mehr viel wiedererkennen, wenn sie sich diese Verfilmung von Alfonso Curaón ansehen und wahrscheinlich enttäuscht sein. Aus der verschachtelten, in Rückblenden erzählten Story, mit komplexen Verstrickungen ist eine recht stromlinienförmige Geschichte geworden, eine alptraumhafte Vignette aus einer Welt die zum Teufel gegangen ist.

Macht man sich frei von der Vorlage, wie Cuarón es auch schon beim dritten Teil der Harry Potter-Reihe gemacht hat, erwartet den Zuschauer jedoch eine ungebremste Tour-de-Force und einige der kraftvollsten und unbequemsten Szenen die man in diesem Jahr im Kino erleben durfte.

Die komplexe Vorgeschichte, das Scheitern der Wissenschaft, der Abstieg der Welt, die Kriege, die für die Flüchtlingsströme verantwortlich sind, all das wird nur angedeutet, man bekommt grade soviel explizite Information, daß man sich zurechtfindet. Unaufmerksame Zuschauer bestraft der Film sofort, denn jedes Bild ist gespickt mit Puzzleteilen die man für sich selbst zusammensetzen darf.

Die Überhöhung der Welt in die Science Fiction ist subtil und grade deswegen glaubwürdig. Keine Übertriebenen Spielereien, Winzigkeiten der heutigen Welt weitergedacht. Allgegenwärtige Flach- und Transparentbildschirme, Warnhinweise und Sicherheitsbeamte allerorten, eine Stimmung geprägt von lethargischer Paranoia. Erschreckend dabei ist, nicht nur die Welt selbst, sondern die fatalistische Einstellung mit der die Menschen sich an sie gewöhnt haben.

Es gibt keine Kinder, keine Hoffnung auf Zukunft. Man macht eben was man immer gemacht hat, egal wie unmenschlich das Umfeld wird. Wenn auf dem Weg zur Arbeit eben neben der allgegenwärtigen Werbung auch Käfige stehen, in denen illegale Einwanderer zusammengetrieben und eingesperrt werden, dann gehört das dazu. Genau wie Bombenanschläge und staatlich verordnete Fruchtbarkeitstests, die eh zu nichts führen.

Die Kamera klebt fast immer am Hauptdarsteller Theo, bisweilen klassisch beobachtend, doch oftmals wie ein unsichtbares Dokumentarteam. Hautnah lässt sie den Zuschauer dabei sein, wenn schrecklichste Dinge passieren. Ohne Schnitt, minutenlang bleibt sie wie der Held gefangen zwischen Kriegsparteien, Straßenkämpfern, in zu engen Autos und verfallenen Häusern, umgeben von allgegenwärtiger Gewalt.

Keiner Partei kann man wirklich vertrauen, man ist unterwegs mit Kee, Theo und deren Hebamme, zwischen allen Fronten die das erste Baby seit 18 Jahren für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen. Cuarón zeigt schnell, daß er keine Gefangenen macht. Julianne Moore setzt er ähnlich ein, wie Hitchcock es in Psycho mit Janet Leigh tat – mit einer ähnlichen Schockwirkung.

Alles kann passieren im Grabenkrieg, wenige Momente der Ruhe des Nachdenken könnens lassen grade genug Zeit für ein bißchen Exposition, damit die kommenden Ereignisse halbwegs nachvollzogen werden können. Die Parallelen zur heutigen Zeit sind unübersehbar, die politischen Fehler von heute sind präsent ohne daß explizit ausgeführt wird, wie sie zur jetzigen Situation führten.

Cuarón entwirft eine Welt die in sich sehr stimmig ist, er erklärt wenig, zeigt sehr vieles das sich der Zuschauer selbst zusammenreimen kann, ohne daß ihm eine Lösung auf dem Tablett serviert wird. Viel wichtiger als ausformulierte Politische Agenda ist sowieso die Inszenierung eines Höllenritts, der kaum Atempausen lässt, kaum Zeit zum Denken, der wenig positive Momente bereithält und unablässig weitertreibt.

Michael Caine, als kiffender Politsatirist, darf ein wenig Leichtigkeit einbringen, doch auch sein warmherziger Humor, wird rasch überschattet von dunkleren Momenten. Der Humor des Films ist dort wo er vorkommt tiefschwarz und feindlich. Einige der Graffities des Films wurden vom britischen Aktionskünstler Banksy gestaltet: “Last one to die, please turn of the light”.

Im Ministerium für Kunsterhaltung hängen unschätzbare Werke, die in dieser Welt keinen Wert mehr haben. Theos Cousin wacht über sie: Michaelangelos David, steht mit halb zerschossenem Bein in der Eingangshalle, Pink Floyds aufblasbares Schwein treibt zwischen Industrieschloten, das Dinner in entspannter Atmosphäre findet samt semi-autistischem Sohn vor Picassos Guernica statt, das als Spiegelbild der Verheerungen wie ein Abbild der Welt wirkt.

In diesen kurzen Momenten der Ruhe bleibt die Kamera auf Distanz, weicht die unruhige Handkamera der gewohnten Filmmontage, lässt kurz Reflexion zu über diese Welt, diese unerträgliche Wirklichkeit die immer nur drei Schritte vom Jetzt entfernt zu sein scheint.

Für Zärtlichkeiten, für zwischenmenschliches bleibt wenig Zeit. Die Charaktere müssen funktionieren, weil sie getrieben sind. Theo und Kee, genauso wie die Fishes, die Polizei und das Militär, die Immigranten, die verbliebenen Bürger. Funktionieren um zu überleben, zu machen, was zu machen ist. Streckenweise erscheint Kees Baby fast wie ein Fluch, weil die Hatz nach ihr, ihre Instrumentaliserung nur noch mehr Leben kostet, weil es eine Rasse am Leben erhält, die so wenig bewahrenswertes zu haben scheint. Die sich ihren eigenen Untergang doch scheinbar so bitter verdient hat.

Wenn für Sekunden alle Waffen schweigen, wenn Kee mit ihrem schreienden Kind im Arm durch ungläubige Soldaten und Strassenkämpfer irrt, fragt man sich ob es nicht doch noch Hoffnung geben könnte und es wird über das abstrakte Konstrukt hinaus begreifbar, was es tatsächlich bedeuten würde in einer Welt ohne Kinder zu leben, ohne Aussicht auf eine Zukunft, wie auch immer diese aussähe.

Doch im nächsten Moment zebricht diese magische Sekunde wieder in sinnloser, alles zerfetzender Gewalt. Das Ende lässt trotz einer vagen Hoffnung nicht froh gestimmt in die Zukunft sehen, bleibt letztlich doch der fahle Beigeschmack, ob die Menschheit es überhaupt wert ist, daß man sich noch weiter bemüht.

Cuarón hat einen Film abgeliefert der weniger Intellektueller Diskurs ist, als unnachgiebiges Erlebniskino. Kein angenehmes Erlebnis über weite Strecken, aber ein sehr faszinierendes, bestürzend intensives. Die grandiose Kameraarbeit von Emmanuel Lubetzki, das gnadenlos intensive Sounddesign und die hervorragenden Darsteller, allen vorran der oft wie in Trance getriebene Clive Owen, der weniger Held sein will, als sein muß, schaffen ein Kinoerlebnis, das man so schon lange nicht mehr gesehen hat, das auch nur auf großer Leinwand seine volle Wucht entfalten kann.

Ein schöner Film? Ganz sicher nicht.

Und jetzt schaut ihn euch an.

Die Buchvorlage “The Children of Men” im Original bei Amazon bestellen.
…oder die deutsche Ausgabe: “Im Land der leeren Häuser” lesen.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.
  • http://www.pinif.de pulmoll

    dem ist wohl nix hinzuzufügen. ein verstörend guter film. großes kino.

  • http://matzoman.blogsome.com matz-o-man

    sehr gute Review. Komisch ich dachte die heissen Fugees. (Flüchtlinge) Naja is ja nebensächlich.

    Ich fand die Mischung aus Action und eher ruhigen (aber sehr stimmungsvollen) Szenen sehr gut.

    Und diese Doku-Kameraführung ist echt oberklasse!

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Ja in der Filmwelt werden die Flüchtlinge Fugges genannt, aber das erinnerte mich zu sehr an diese komische Gesangscombo. Obgleich “killing me softly” sicher ein guter Werbesong, für das Selbstmordpräparat “Quietus” wäre, welches im Film omnipräsent ist.

    Dafür gibts eine ziemlich schöne und traurige Coverversion von “Ruby Tuesday” zu hören.

  • Jan

    Tolle Review! Toller Film! Die Kamerafahrten sind atemberaubend! Wäre schon zu sehen, wenn Kameramann Emmanuel Lubezki (nach drei erfolglosen Nominierungen) hierfür einen Goldjungen mit nach Hause nehmen dürfte. Irgendwer ‘ne Ahnung, ob diese elend langen Trackingshots ganz ohne versteckte Schnitte ausgekommen sind??? Wenn ja, dann ist das kaum zu glauben. Wenn nein, dann ist es auch nicht weiter schlimm.

  • http://abfallkalender.wordpress.com Sebastian Sachse

    Ja in der Filmwelt werden die Flüchtlinge Fugges genannt, aber das erinnerte mich zu sehr an diese komische Gesangscombo.

    —-

    Und wer soll Dir das abkaufen? *g*

    Okay, der Film steht auf meiner viel zu langen Liste.

  • http://www.dramatick.de/blog DraMaticK

    Der Stil hat mich ein bisschen an 28 days later erinnert. Ansonsten ist Review und Film wirklich nichts hinzuzufügen.

  • Binding

    Ich bin mal wieder böser Ketzer und sage: Richtig gelungen wäre der Film erst, wenn am Ende gar kein rettendes Schiff käme (und sich diesbezüglich alles als Mythos bzw. Wunschtraum herausstellen würde) … und dann noch Mutter mit Kind absaufen oder in den Bürgerkriegswirren getötet werden würden. DAS wäre doch erst ein echt oberfies reinhauendes Negativ-Ende gewesen!

    Obwohl mir der Film wirklich auch sehr gut gefallen hat und er die meisten anderen Mainstream-Werke zurzeit um Längen schlägt, bin ich jetzt aber noch böser, nenne das Ende erzkatholisch und zitiere die “taz” vom 9.11.06: “Dass selbst das Sciencefiction-Genre auf die drängenden Fragen der Gegenwart keine bessere Antwort als einen Erlösermythos parat hat, das ist womöglich der beunruhigendste Aspekt dieses Films.” Now give it to me! ;-)

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Die Interpretation kann man anlegen, wenn man eine religiöse Weltsicht zugrunde legt. Zwingend find ich diese Auslegung nicht. Grad in der Szene, als sie das Haus verlassen wird ja sehr deutlich, wie wenig tatsächliche Veränderung dieses Kind bringt. Für einen Moment wird innegehalten und dann geht das Massaker fröhlich weiter.

    Das Baby ist kein Erlöser, vielleicht verdient die Menschheit sowas auch gar nicht. Die meisten Leute im Film sind keine sehr sympathischen Zeitgenossen, alle Seiten sind fragwürdig, warum sollte das “Human Project” da anders sein – wir erfahren nicht darüber und die Hoffnung die die Protagonisten in diese angeblich unabhängigen Forscher setzen, kann genauso eine Scheinhoffnung sein, wie die die sie in alle anderen gesetzt haben.

    Die Fishes sind Idioten, denen es nur um ihre eigene Agenda geht, das Safe-House ist nicht sicher, der freundliche Bulle ist ein Psychopath, die Fugees sind auch oft ein gewaltätiger Mob religiöser Spinner…

    Bei der negativen Weltsicht, die der Film präsentiert, finde ich das Ende höchst ambivalent und keineswegs als eindeutiges “Es ist geschafft.”

    Selbst wenn das Human Project nicht auch korrupt ist, besteht keine Sicherheit das sie eine Lösung finden oder daß diese noch etwas ändert. Theo sagt ja am anfang bereits, daß es jetzt eigentlich eh zu spät sei für eine Rettung, daß zuviel schon den Bach runtergegangen ist.

  • http://broetchen.twoday.net Franz

    Mir stellt sich bei der taz-Argumentation eine viel dringendere Frage:
    Warum sollte Science Ficition eine Lösung bieten? Es ist doch kein Star Trek, sondern einfach eine Zukunftsvision, keine Utopie

  • http://marcus-filmseite.blogspot.com/ Marcus kleine Filmseite

    @ batz

    sehr treffende besprehcung zu einem der highlights dieses kinojahres! Du sprichst alle vorzüge auch, besonders, dass es nicht angenehm ist, fen film zugucken und man trotzdem dieses erlebnis nicht missen möchte.

    lubezki und cuarón sind zwei echte teufelskerle!

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  • http://www.diskostu.de/weblog/ Denny

    @DraMaticK: genau das gleiche hab ich nach dem Film auch gedacht :)

    Ich fand ihn spitzenmässig. Selten hab ich im Kino so oft den Atem angehalten.

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  • digriz

    Obwohl ich den Film genossen habe, und auch fand das die Stimmung und die Atmosphäre des Films, gelungen waren, finde ich die Handlung viel zu simple. Irgendwie fehlt mir da etwas. Sie ist viel zu geradlinig und vorhersehbar.

  • jan

    super story, gestern gesehen: kackfilm. artet total in kriegsgetümmel aus und endet fürchterlich einfallslos. einfach nur arm. dabei: riesenvorlage. aber man sieht: man kann fast überall ganz viel falschmachen. schade drum. höchste erwartungen gehabt, noch höher enttäuscht worden.

  • Binding

    @ Franz: Der “taz”-Rezensent sagt ja nicht unbedingt, dass Science-Fiction immer eine Lösung bieten muss – er sagt nur, dass die (Er-)Lösung von “Children of Men” eine blöde und für so einen ambitionierten Film auch enttäuschende Lösung ist. Welche Filme können den überhaupt “Lösungen” bieten, und was sind denn überhaupt “Lösungen”? Gute, gesellschaftskritische Science-Fiction funktioniert doch eher so, dass sie aktuelle Zustände weiterentwickelt und zeigt, wie und wo sie enden können – und insofern dann halt auch indirekt damit immer auch unsere Wirklichkeit kommentiert. So gesehen ist der Film auch sehr wohl eine Utopie! Nämlich eine negative.

    Und zu “Star Trek”: Ich will die Trekkies nicht beleidigen und auch die hehren Absichten von Roddenberry & Co. nicht in Abrede stellen – aber das ist doch nun wirklich eine völlig andere Liga, die auch mehr seriellen Gesetzen gehorcht und in den puren Unterhaltungssektor gehört!

  • Binding

    @ jan: Wenn Du “Children Of Men” mal eben so locker-flockig lapidar “Kackfilm” nennst, nenne ich Deinen Eintrag jetzt auch einfach mal Kack-Kommentar! Scheiße pur kommt ja im Kino eher selten vor, und auf diesen Film trifft eine solche Wertung schonmal gar nicht zu – selbst wenn man ihm gegenüber kritisch eingestellt ist.

  • justus_jonas

    Dabei hat mein Namensvetter (der klein geschriebene) so einen schönen Namen… und so viel Unrecht.
    gez. justus_jonas formerly known as Jan (groß geschrieben) (nur um Verwechslungen in den Kommentaren zu vermeiden)

  • jan

    ok, mal ab vom ganzen produktionsstil des filmes, der ja so voll in ordnung geht, gings mir in der kritik einfach nur ums drehbuch. die grundidee fand ich nämlich ziemlich genial, so genial, dass ich mir schon den trailer nur zur hälfte angeguckt habe, um mich nicht spoilern zu lassen. dann musste ich im kino allerdings umso schneller feststellen, das selbst für scifi-kinoverhältnisse, die idee für meinen geschmack (und die sind ja glücklicherweise verschieden) nicht konsequent umgesetzt wurde. schade, da hab ich einfach echt mehr erwartet. da hätte man doch echt so viel draus stricken können, und ideentechnisch einfach ordentlich drauflegen können. stattdessen verliert sich der regisseur in natürlich 1a produzierten ballergelagen und stimmungsvollen bildern, während deren ablauf die idee immer mehr auf der strecke bleibt. gerade auch noch das ende, das mich einfach nur ärgert. da weiß ich doch genau, wie da produziert wurde. ende hin und her überlegt, am ende einfach einstimmig beschlossen “komm, wir machen blackscreen, das kommt immer töfte, weil open end, polarisiertes publikum, bla”. so einfach kann man sichs bei so einer idee aber nicht machen. da wäre noch mehr gegangen.

    sonst aber ja auch ein einwandfrei film, mit teils herausragenden kamerafahrten, wobei eine meine favorisierte bleibt, als clive owen am steuer beim überfall der meute im wald den angreifenden biker so schön mit geöffnetet tür verslahst.

    whatever, nur mein 2-cent-stück dazu.

    der kleine jan

  • Binding

    @ jan: Na, geht doch! ;-)

    Und die Wald-Sequenz ist auch meine liebste!

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Dog Hollywood

    Ich habe den Film heute erst sehen können und bin begeistert! Am meisten beeindruckte mich das gesamte Drumherum. Die Welt wirkte nicht zu futuristisch und weit hergeholt, womit dem Film eine beinahe erschreckende Authentizität verliehen wurde. Die Darsteller fand ich durchweg überzeugend und nicht zu heldenhaft in Szene gestellt. Gerade die Szene gegen Ende, als es plötzlich still wurde, war ich wirklich tief berührt, denn wenn man sich die heutige Welt anschaut, ist Cuaróns Szenario nicht allzu fantastisch. Großartiger Film!

  • http://www.i-jeriko.de Jeriko One

    Habe den Film auch erst gestern sehen können, aber stimme Dog voll und ganz zu: Gerade weil das Szenario nicht so weit hergeholt ist, ist der Film umso interessanter und verstörender. Die für mich beste Szene war übrigens, als die Soldaten das Baby bzw. den Messias erblicken, für einen Moment vergessen warum sie das Hochhaus bombardieren, nur um in der nächsten Sekunde weiter zu morden. Gewissermaßen die Schlüsselszene, da es deutlich macht, dass dieses Baby an der Situation nicht unbedingt etwas verändern kann. Insofern hat der Film für mich auch nicht unbedingt ein Happy End.

    Großartiger Film, gehört für mich zu den Highlights dieses Jahres.

    Kleine Randnotiz: Bin ziemlich nachdenklich aus dem Kino gegangen, wurde von der Seite angesprochen “Na so blöd war Casino Royale doch nicht!” Soviel dazu.

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  • http://www.stonedblog.de hannes

    Könnt ihr mir mal sagen, warum es den Film nur in vier Kinos in Berlin zu sehen gibt ?! http://www.berlinien.de/kino/film43462938.html
    unverschämt sowas ..
    achso, Frohes Neues!

  • http://www.stonedblog.de hannes

    hmm .. ich habe fast nichts gesagt, mir wurde nur gerade zugetragen, dass das wohl damit zusammenhängen könnte, dass der Film einfach mal aus den meisten Kinos schon wieder raus ist.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Dog Hollywood

    Kinostart war der 9. November 2006. Du kannst dich bald schon auf den DVD-Release freuen. ;)

    Die UK-DVD erscheint bereits am 15. Januar im Handel. Mit der deutschen DVD ist es dann sicher auch nicht mehr weit.

  • theegocentric@web.de

    Ein schöner Film? Ganz sicher , weil sich die liebe zweier menschen nach ihrer getanen weltlichen aufgabe wiederfinden wird. denn jeder von uns menschen hat seit urzeiten eine aufgabe die erde seinen kindern lebenswert zu übergeben.nur hat den heutigen und vorherigen generationen keiner gesagt wie es geht . und dieser film zeigt uns auch dokumentarisch was wir zulassen werden. aber auch zu was wir fähig sein können. warum sonst wird der vielleicht nächste jesus als frau geboren oder wie adam als eva. schlieslich ist das erste neue kind im film ein mädchen und kein junge hoffentlich zum guten glück.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Du liebe Güte.

    Ich glaube kaum das die Macher ernsthaft irgendeinen dummen Erretter und Heiland präsentieren wollten.

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  • sTikKen

    Bin durch euer Archiv auf den Film aufmerksam geworden, und bei 4 1/2 Sternen musste ich mir den natürlich nun auch mal reinziehen.
    Leider war ich doch etwas enttäuscht. Klar, der Film ist gut gemacht, sehr gut sogar, aber es gibt doch einige Umstände im Film die sehr unlogisch sind. Vielleicht liegts auch daran das ich das Buch nicht kenne, aber dennoch sollte der Film auch ohne Kenntnis des Buches in sich geschlossen sein.
    Naja, die Diskussion ist schon zu lange vorbei, daher erspare ich mir Details, aber eine Szene die mir übel aufgestoßen ist will ich dann doch noch erwähnen:
    Die Einlass”kontrolle” ins Flüchtlingslager. Was genau wurde da kontrolliert? Exakt gar nichts. Der Typ sucht sich einfach 2-3 Leute aus die ihm nicht in den Kram passen und lässt sie draußen über den Haufen schießen. Nach Waffen suchen? Nein, wieso, im Lager hat ja eh schon jeder(!) eine AK oder ähnliches griffbereit.

  • Flo

    @Batzmann: Ich denke schon, dass es eher ein Happy End ist, nachdem im Abspann ja “endlich” wieder Kindergeschrei zu hören ist (von sofern hat es die Menschheit wohl doch “geschafft”?!)
    …keinem aufgefallen?

    Ahja: Ich finde den Film trotzdem wirklich super; selten sowas krass intensives gesehen…

    Zitat Batzmann:
    Bei der negativen Weltsicht, die der Film präsentiert, finde ich das Ende höchst ambivalent und keineswegs als eindeutiges “Es ist geschafft.”

    Selbst wenn das Human Project nicht auch korrupt ist, besteht keine Sicherheit das sie eine Lösung finden oder daß diese noch etwas ändert. Theo sagt ja am anfang bereits, daß es jetzt eigentlich eh zu spät sei für eine Rettung, daß zuviel schon den Bach runtergegangen ist.

    Kommentar von Batzman am 16. 11. 2006 um 19:50

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  • http://www.stefanmarxphotos Stefan

    Emmanuel Lubezki heißt der DoP, nur nebenbei ;)

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