Review

Scoop

Standard, 20. 11. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 9 Kommentare

„I think he might ask me to marry him!“

„Are your folks orthodox? Would a serialkiller be a problem?“


Originaltitel: Scoop
Herstellungsland: Großbritannien / USA 2006
Regie: Woody Allen
Darsteller: Woody Allen, Jody Halse, Hugh Jackman, Scarlett Johansson

[rating:3]

Scoop

Die linkische Möchtegernjournalistin Sondra Pransky (Scarlett Johannson) stolpert während der Vorführung des abgetakelten Magiers Splendini (Woody Allen) über den Fall ihrer Karriere. In der Zauberkammer Splendinis, erscheint ihr der Geist des jüngst verstorbenen Sensationsreporters Joe Strombel (Ian McShane) der so fest davon überzeugt ist, daß der Adlige Peter Lyman (Hugh Jackman) der lange gesuchte Tarotkarten-Serienkiller ist, daß er aus dem Jenseits zurückkehrt um Sondra Tipps für ihre erste große Story zu geben.

Erst ungläubig, dann zunehmend engagierter nimmt sie in London die Ermittlungen auf, widerwillig unterstützt von Splendini. Als Vater und Tochter Team, machen sie sich an Lyman heran, um rauszubekommen, ob er der gesuchte Killer ist.

Dumm nur, daß Lyman nicht nur unverschämt charmant und gutaussehend ist, sondern sich prompt in Sondra verguckt…

Es hat etwas befremdliches bekommen sich heutzutage Woody Allen Filme anzusehen. Die vertraute Weiß-auf-Schwarz-Schrift die seit hundert Jahren seine Filme eröffnet, fehlt hier genausowenig, wie Jazz oder Klassikmusik. So zeitlos altmodisch werden die Geschichten erzählt, daß es fast schockierend wirkt, wenn einmal ein Computerbildschirm mit Google zu sehen ist oder ein Smart durchs Bild rollt. Denn abgesehen von solchen Kleinigkeiten, erzählt Allen noch immer wie vor 20 Jahren, wenn nicht sogar etwas betulicher. Die Geschichte, die einige Parallelen zu seinem „Manhattan Murder Mystery“ aufweist, ist leidlich beschwingt und ganz unterhaltsam, aber dennoch irgendwie schaumgebremst.

Allen gibt in Interviews gerne zu, daß ihm eine gewisse Dynamik fehlt und ihm durchaus bewußt ist, das er langsam nicht mehr mit den Jüngeren mithalten kann, was die Spritzigkeit seiner Gags angeht, aber auch filmisch ist die Zeit an ihm vorbei gegangen oder besser: Allen scheint sich nicht mehr aufzuraffen.

Spielte er in den Filmen der 90er bisweilen noch mit dem Medium, gab es in „Deconstructing Harry“ oder „Everybody says I love you“ sogar mal Unschärfespielereien oder Computereffekte zu sehen, nutzte er in den 80ern in „Zelig“ oder „Purple Rose of Cairo“ noch perfekt technische Illusionen, so ist Scoop optisch erstaunlich reizlos und wirkt biederer als viele ältere Werke.

Das wäre verschmerzlich, wenn die Story selbst etwas mehr Pfiff hätte, aber der Mix aus Mörderjagd, Geistergeschichte und Lovestory entwickelt sich auch eher vorhersehbar und zähflüssig – und wirkt stellenweise wie eine Szenensammlung schwacher Momente aus besseren Allen-Filmen. Echte Bedrohung mag eh nicht aufkommen, da man von den angeblich so grauenhaften Morden immer nur aus dritter Hand erfährt und Hugh Jackman sowieso eher den fehlverdächtigten Charmbolzen gibt, anstatt etwas Ambivalenz in seine Rolle zu bringen. Im Direktvergleich macht die Killerhatz mit Allen und Diane Keaton in „Manhattan Murder Mystery“ sehr viel mehr Spaß, wirkt doch die Bedrohung um einiges realer.

Was nur bedingt an den Schauspielern liegt. Als englischer Landadliger macht Jackman eine ganz gute Figur, aber wirklich unheimlich wirkt er bis zum Schluß nicht. Insofern bangt man auch kaum um die mehr als nerdig daherkommende Scarlett „Schlübberlisel“ Johannson (in Allens vorigem Film, dem wesentlich interessanteren „Matchpoint“ ebenfalls schon mit von der Partie war), die den ganzen Film durch die Gegend rennt als würde sie Drew Barrymors Performance aus „Never been kissed“ channeln. Das die Geistererscheinung nicht im Mindestens thematisiert wird oder irgendjemanden auch nur eine Sekunde irritiert, mag als Scherz gedacht sein, wirklich witzig ist das nicht, was es zum Gimmick verkommen lässt.

Zugegeben es gibt drollige Momente. Allen als liebenswert, tapsiger Zauberkünstler liefert sich einige Stotterduelle mit Scarlett, ihre unbeholfene Art an den Fall heranzugehen ist durchaus niedlich, aber es wird leider nie wirklich gut, verlässt nie den Rahmen der Erwartung, die man an einen Woody Allen-Film stellt. Routiniert gemacht ist das Ganze, die Auflösung auch ganz drollig mit einigen klassischen Allen-Themen, wie dem personifizierten Sensenmann der schon damals in „Life and Death“ einen Auftritt hatte.

Selbstverständlich sollte man ihn nicht immer an Meisterwerken wie „Crimes and Misdemeanors„, „Annie Hall“ oder „Manhattan“ messen. Klar, waren auch Werke aus späteren Jahren, wie „Celebrity“ und „Mighty Aphrodity“ noch sehr unterhaltsame und ideenstarke Filme.

Und natürlich ist Scoop kein wirklich schlechter Film. Natürlich ist er grundsolide gemacht und besser als vieles was unerfahrene Neulinge auf die Leinwand brechen. Dennoch, ein bißchen ist die Luft raus, er wirkt wie eine Fingerübung ohne echten Elan und langsam jedoch schleicht sich der Verdacht ein, daß Woody müde geworden ist, nach all mit seinen 70 Jahren und nach 40 Filmen.

Ich wurde es zumindest.

Aber eigentlich hat er sich ein bißchen Ruhe auch verdient.

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9 Kommentare

  • Reply Petr Pivo 20. 11. 2006 at 17:09

    Vielleicht hättest Du noch erwähnen können, daß Woody Allen nicht nur unzählige, sondern mindestens einen Film pro Jahr dreht. Seit Jahrzehnten. Angesichts eines solchen Outputs finde ich die Qualität seiner Werke sehr beachtlich.

  • Reply Batzman 20. 11. 2006 at 17:42

    Ja klar, er packt jedes Jahr verläßlich einen Film raus. Naturgemäßt ist die Qualität dabei durchwachsen, aber wenn ich auf die Filme seit 2000 zurückschaue, hab ich doch ein wenig den Eindruck der Lustlosigkeit, eben einer Fingerübung. Ich bin wirklich ein Woody-Allen-Fan seit ich das erste mal Annie Hall sah, aber er macht die Filme mittlerweile doch etwas lustlos routiniert. Sie sind ganz okay, aber vielleicht wären sie besser, wenn er den Output etwas reduzierte und nur noch alle drei Jahre einen neuen Film brächte. Oder vielleicht wärs auch langsam mal Zeit über Ruhestand nachzudenken. Es ist immer Schade, wenn man sieht wie große Künstler im Alter langsam erodieren.

  • Reply Injecter 20. 11. 2006 at 18:12

    Kann es sein, dass der Film in Deutschland Scoop – Der Knüller heißt?

  • Reply Batzman 20. 11. 2006 at 22:16

    Ja, dat steht doch auch in der Reviewleiste links….

  • Reply Petr Pivo 21. 11. 2006 at 0:20

    Und ich glaube, wenn er keine Lust mehr hätte, jährlich einen Film zu machen, würde er auch nicht jährlich einen Film machen.

    Wenn man sich seine bisherigen Filme anschaut, wechseln sich schon unter seinen früheren Werken (also die, die er Deiner Auffassung nach in erosionsfreiem Zustand produziert hat) tolle mit nicht so tollen ab. Also mache ich mir keine großen Sorgen wegen irgendwelchem Substanzverlust.

    Vielleicht sollten wir die Diskussion einfach nächstes Jahr fortführen – Gleicher Ort , gleiche Zeit…. ;)

  • Reply Batzman 21. 11. 2006 at 0:54

    Die letzten Interviews mit ihm klangen halt doch etwas ernüchtert und resigniert. Klar mal abwarten was kommt, aber der letzte Allen-Film den ich wirklich sehr gern mochte, der liegt schon ne ganze Weile zurück…

  • Reply Petr Pivo 21. 11. 2006 at 13:36

    Ach, von der Mia-Farrow-Geschichte hat er sich doch auch ganz gut erholt. Das wird schon.
    Abgesehen davon, bin ich mir bei Interviews – nicht nur mit Leuten aus dem Filmgeschäft – eh nie sicher, ob das Gesagte jetzt wirklich so gemeint, gefühlt, etc. wird oder ob es sicht nicht doch (nur) um Selbstinszenierung und Stilisierung handelt.
    Was war denn der letzte Woody-Allen-Film, der Dir wirklich gut gefallen hat?

  • Reply philippcde 24. 11. 2006 at 10:30

    Ja, links steht der Titel richtig, oben nicht!

  • Reply xitxi 13. 12. 2006 at 22:10

    als großer Woody Allen Fan möchte ich hier mal der Kritik von Batzman zustimmen: Irgendwie wirkt der Film etwas lieblos und unkonzentriert. Scarlett Johansson finde ich allerdings umwerfend sexy!
    Der letzte Woody Allen Film, den ich wirklich großartig fand, war übrigens „Everybody says I love you“

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