Cut Short: R.I.P. Robert Altman

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Robert Altman

Robert Altmans Filme waren immer etwas sperrig. Manchmal witzig, manchmal ernüchternd, oftmals irritierende Kondensationen der Wirklichkeit. Er lieferte legendäre Erfolge wie die Antikriegssatire “M*A*S*H” ab und spektakuläre Flops wie die bizarre Comicverfilmung “Popey“.

Meist jedoch waren seine Filme keinem Genre zuzuordnen, es waren “Robert Altman”-Filme. Große Ensemblefilme, die mit brillianten Schauspielern ein Geschichtengeflecht erzeugten, daß sich sich erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzte. Kleine persönliche Geschichten menschlichen Scheiterns und intelligente Analysen fragwürdiger Systeme.

Ob er sich das Gesundheitssystem in “H.E.A.L.T.H.” vornam, in “The Player” mit Hollywood abrechnete, in “Pret-a-porter” die Modewelt veralberte, die Countryszene demontierte in “Nashville” oder wie in “Three Women” und “Come back to the five and dime Jimmy Dean” kleine Psychogramme des Alltags zeichnete – Altman war immer ein engagierter, scharfsichtiger Beobachter, der Schauspielern viel Freiheiten ließ um das Beste aus ihnen herauszuholen.

Seine Art Filme zu machen, Geschichten zu erzählen hat unzählige Regisseure beeinflusst, von Paul Thomas Anderson (der in Altmans letzen Film viele Szenen drehte, weil Altman zu angeschlagen war) über John Cameron Mitchell (“Shortbus“) bis zu Lars von Trier oder Newcomer Arie Posnin (“The Chumscrubber“).

Als jemand der den Spagat zwischen Kommerz und Arthaus beherrschte hatte sich Altman ähnlich wie Woody Allen eine Nische geschaffen, die es ihm erlaubte sich über 40 Jahre als subversives Schaf unter den Hollywoodwölfen zu bewegen.

Robert Altman starb heute am 21. November 2006 in einem Krankhaus in Los Angeles im Alter von 81 Jahren. Er wird fehlen.

Sein letzter Film “A Prairie Home Companion” in denen er hinter die Kulissen einer beliebten Radio-Country-Show schaut, der im Frühjahr schon auf der Berlinale vorgestellt wurde, startet im Januar 2007 bei uns.

Zuwenige seiner Filme haben leider den Weg auf DVD gefunden. Ein interessanntes Buch über ihn findet ihr hier:

Robert Altman. Abschied vom Mythos Amerika

Eines der letzten Interviews mit Altman findet sich hier. “Never take advice from anyone…

Die legendäre achtminütige One-Shot-Eröffnungsszene aus THE PLAYER:

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About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  1. F5 - Die Fünf Filmfreunde

    […] „Und wenn du bis Sonnenaufgang nicht damit fertig bist, schneid ich dir die Eier ab.“ Das Leben des Brian Cut Short: R.I.P. Robert Altman […]

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